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Menschen fotografieren...
Michael:
Hallo Flicka,
--- Zitat von: Flicka am 12. Januar 2014, 17:17:55 ---2) Darf ich einfach so Menschen fotografieren?
3) Darf ich Fotos von Menschen veröffentlichen (auch im Internet)?
Zu beiden Fragen sollte man sich mal den folgenden Wikipedia-Eintrag anschauen. Das Fotografieren selbst ist meistens nicht das Problem, wenn man nicht gerade in fremde Wohnungen hineinknipst, sondern das Veröffentlichen der Bilder. Bei letzterem verstößt man zumindest in Deutschland relativ schnell gegen geltendes Recht, gerade wenn es um Portraitaufnahmen geht. Andererseits ist es aber unproblematisch, Bilder von Sehenswürdigkeiten zu veröffentlichen, auf denen als "Beiwerk" auch Menschen abgebildet sind.
http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_am_eigenen_Bild
--- Ende Zitat ---
Einspruch! :) Wenn ich mir in dem von Dir verlinkten Wiki-Artikel den Abschnitt "Erstellen von Bildern" anschaue, kann ich Deine Interpretation, wonach das Fotografieren selbst meist nicht das Problem sein soll, nicht nachvollziehen.
Tatsächlich benötigt man (in D) bereits zum Erstellen der Fotografie (also auch ohne Veröffentlichungsabsicht) die Zustimmung der Person. An einschlägiger Stelle habe ich dazu folgende Erklärung gefunden:
--- Zitat ---Ausgangspunkt ist hier § 22 KUG. Liest man sich den Paragrafen durch, wird einem auffallen, dass die Herstellung der Fotografie allerdings nicht erwähnt wird. Man könnte also meinen, das Fotografieren von Personen auf der Straße sei zulässig. Dies ist aber nicht der Fall. Diese Gesetzeslücke wurde im Laufe der Zeit durch die Rechtsprechung ausgefüllt. Obzwar das Herstellen eines Fotos nicht gegen den Gesetzestext des § 22 KUG verstößt, kann aber das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten betroffen sein.
Die Rechtsprechung begründet dies damit, dass durch die Herstellung der Fotografie das Bildnis des Betroffenen von seiner Person abgelöst, datenmäßig fixiert und seiner Kontrolle und Verfügungsgewalt entzogen wird. Einfach gesagt, soll niemand mit dem Gefühl leben, dass irgendjemand irgendwelche Fotos von einem besitzt, die irgendwann veröffentlicht werden könnten.
Für den Fotografen ist daher zu beachten, stets die Einwilligung der Person einzuholen, die fotografiert werden soll. Einwilligung bedeutet übrigens die *vorherige* Zustimmung. Die Einwilligung muss nicht schriftlich, sondern kann auch mündlich erteilt werden. Da der Fotograf jedoch die Beweislast dafür trägt, dass eine Einwilligung vorliegt, ist er gut damit beraten, sich diese schriftlich geben zu lassen.
--- Ende Zitat ---
Der vollständige Text , aus dem dieses Zitat stammt, ist hier nachzulesen.
Grüße aus der Pfalz,
Michael
Horst:
--- Zitat von: Rainer am 12. Januar 2014, 17:53:36 ---
--- Zitat von: Horst am 12. Januar 2014, 17:25:30 ---Nur 5$ ?
Ich dachte das wäre deutlich teurer.
--- Ende Zitat ---
Äh ja - Stand: 2006. Einen aktuelleren habe ich (noch) nicht. Vielleicht im April?!
--- Ende Zitat ---
Dann fang schon mal an zu sparen - es sind jetzt 6$. :))
Übrigens:"Always be polite and ask before photographing community members on the pueblo."
Also fragen - dann ist es u.U. ok.
Birgit:
Oh jemine, was habe ich hier denn angezettelt?
Eigentlich dachte ich immer, ich könnte mich zum Thema des Fotografierens ganz gut auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen, aber in der letzten Zeit geht es mir eben so, dass ich gar nicht mehr so auf die ganz menschenleeren Fotos stehe. So hat beispielsweise mein Freund Fotos vom Sonnenuntergang am Delicate Arch nicht toll gefunden. Erst, nachdem er eins mit Leuten gesehen hatte, die drunter standen, war das anders. Erst da hat er kapiert, wie riesig der Arch ist.
Natürlich hatte ich in Indien immer lieber indische Gläubige in malerischen Gewändern auf Tempelfotos als europäische Touristen in praktischer Wanderhose, Mottoshirt und dickem Bauch mit Kamera davor, aber auch die ließen sich nicht immer meiden. Dann habe ich die halt hingenommen, auch wenn ich schon immer gewartet hatte, bis die Schlange stehenden Touris aus aller Welt fertig damit waren sich gegenseitig zu knipsen.
Da fand ich es eigentlich ganz dankbar und letztlich auch fair, dass ein Foto ein Geschäft sein kann und mit einem Trinkgeld belohnt wird. Dann ist es eben eindeutig und ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben.
Menschen als Motiv finde ich superspannend inzwischen. Ich habe auch eine Bekannte, die meines Erachtens unangemessen gnadenlos drauf hält und die Bilder dann auf ihre Website stellt. Ist das schon Kunst, wenn jemand begabt ist, durchaus schöne Fotos macht, diese veröffentlicht und somit rechtlich OK? Ich hätte so massiv durchaus meine Probleme damit.
Ich erinnere mich an eine Gelegenheit, bei der ich mal jemanden gefragt habe, ob ich fotografieren darf. Er war stolz wie Oskar, aber hatte sich leider in Szene gesetzt für das Bild, sodass das Bild dann ganz anders aussah, als wenn er einfach mit dem weiter gemacht hätte, was er gerade getan hat.
Dass das ein Problem sein könnte, ist mir lange nicht bewusst gewesen. Dann war ich mit meinem damaligen Freund, einem Marokkaner, in seiner Heimatstadt Marrakech und wollte jemanden fotografieren, der gerade versuchte seinen voll beladenen Handkarren durch den Souk zu zerren. M. hatte mich davon abgehalten: "Bist du blöde, der rackert sich hier ab und hat gerade ein gewaltiges Problem und du hast nichts besseres zu tun als zu fotografieren? Wie würdest du es denn finden, wenn jemand sich neben dich stellt und nichts Besseres zu tun hat als zu fotografieren, wenn dir gerade mal wieder deine Einkaufstasche vom Fahrrad gefallen ist und du versuchst deine Sachen wieder zusammenzusammeln?
Ich bekenne mich schuldig: Ich fotografiere Menschen auch inzwischen oft ohne zu fragen, teilweise auch heimlich, und höre erst damit auf, wenn der Betreffende deutlich macht, dass er das nicht will, aber dann höre ich auch auf. In Indien habe ich mit ein bisschen trotz drauflos geknipst, weil es mir ähnlich ergangen ist wie Silke. Heimlich oder ganz offen wurde ich auch mehrfach am Tag abgelichtet. Damit habe ich auch grundsätzlich kein Problem, außer natürlich es wären irgendwie kompromittierende Situationen.
Ach ja, und in Taos ist das Fotografieren von Menschen tatsächlich richtiggehend untersagt, aber zumindest als ich dort war, ließ sich ohnehin niemand blicken! Meinen Reisebericht schreibe ich ja meistens begleitend zur Reise mit und in dem habe ich gerade nachgelesen:
--- Zitat ---Schilder stellten strenge Regeln auf, dass man keine Bewohner fotografieren dürfe (es ließen sich ohnehin kaum welche blicken) und auch im Dorf waren an verschiedenen Stellen Barrieren aufgebaut, die "no trespassing" befahlen.
--- Ende Zitat ---
Ach ja, Eintritt am 31.10.2010:
--- Zitat ---Bereits die Reiseführer neben meinem Bett hatten ja allesamt auf den stolzen Eintrittspreis von 10 USD und die Gebühr pro Kamera in Höhe von 6 USD hingewiesen
--- Ende Zitat ---
Michael:
--- Zitat von: Birgit am 12. Januar 2014, 18:46:46 ---Oh jemine, was habe ich hier denn angezettelt?
--- Ende Zitat ---
Ein interessante und, wie ich finde, sehr vielseitige Diskussion mit einem gepflegten Meinungsaustausch. Eigentlich nix schlimmes in einem Forum.. ;-)
Wie ich weiter oben schon geschrieben habe, wurde mir durch eben diese Diskussion auch noch mal klar, dass das alles nicht so leicht und eindeutig zu beantworten ist und ich habe, zumindest ein Stück weit, mein eigenes Vorgehen diesbezüglich kritisch hinterfragt. Danke dafür! :-)
Die Meinungen dazu sind jedenfalls sehr vielseitig. Der Verweis auf deutsches Recht (der Wiki-Link von Flicka und der Link in meiner Antwort darauf), hilft hier auch nur sehr eingeschränkt weiter. Wir Reisen hier in aller Herren Länder umher, da gelten höchst unterschiedliche Regeln und Gesetze.
Grüße aus der Pfalz,
Michael
Hatchcanyon:
--- Zitat von: Michael am 12. Januar 2014, 18:36:16 ---Einspruch! :) Wenn ich mir in dem von Dir verlinkten Wiki-Artikel den Abschnitt "Erstellen von Bildern" anschaue, kann ich Deine Interpretation, wonach das Fotografieren selbst meist nicht das Problem sein soll, nicht nachvollziehen.
Tatsächlich benötigt man (in D) bereits zum Erstellen der Fotografie (also auch ohne Veröffentlichungsabsicht) die Zustimmung der Person.
--- Ende Zitat ---
Richtig!
Vor Jahren habe ich mal in Frankfurt so eine Situation erlebt, dass Polizisten eingeschritten sind und Filme konfiszierten bzw. unbraucbar machten als jemand gezielt Messebesucher "schoss". Auf dem Platz vor dem Messegelände.
Andere Länder, andere Sitten! In den USA unterscheiden sie die Regelungen sogar nach Bundesstaat. In Utah ist es z.B. seit einiger Zeit untersagt, Vieh auf der Weide oder eine Farm aufzunehmen ohne eine Erlaubnis des Besitzers (der Tiere) zu haben. (Gesetz HB187) Es steht Haft bis zu einem Jahr auf einer Missachtung. In Florida existiert eine ähnliche Bestimmung.
Eigentlich gehts dabei aber nicht ums Photographieren, sondern darum zu verhindern, dass Vergehen bei der Tierhaltung aufgedeckt werden - also eine reine Lobbygeschichte. Man kann also nicht immer ganz einfach feststellen, was denn wo aus welchem Grund untersagt ist.
Gruss
Rolf
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