4. Tag – Sonntag, 01.02. - 1. TeilNach dem schönen Wetter gestern ist für den gesamten heutigen Tag trübe Suppe angesagt, auch soll es hin und wieder regnen. Da passt es ganz gut, dass Peter gestern entdeckt hat, dass er keine Wanderhose dabei hat (und deshalb gestern eine Jeans anziehen musste, was zum einen nicht sehr bequem war und zum anderen diese Jeans gleich schon dreckig an den Hosenbeinen wurde) und die blaue Jeans sich als kurze Hose beim Entfalten heute Morgen entpuppt – damit kann er in diesem Urlaub nichts anfangen, also müssen wir jetzt shoppen. (Zum Glück sind in Portugal die meisten Geschäfte am Sonntag geöffnet.)
Von Alvor ist es nicht weit in den deutlich größeren Ort Portimão, an dessen Rändern es einige Gewerbegebiete mit Geschäften und Einkaufszentren gibt. Wir steuern den Decathlon an, da gibt es Sportkleidung und diese hoffentlich auch in größeren Größen, denn die kleinen und oft eher zierlichen Portugiesen überragen wir beide doch deutlich. Und tatsächlich, es gibt hier alles genauso wie in Deutschland, Peter findet zwei Wanderhosen und dann auch noch ungeplant zwei Paar Sneaker und für mich fällt auch noch eine Wanderhose ab.
Nach dem erfolgreichen Einkauf sind wir gegen 11 Uhr in der Innenstadt von Portimão. Diese soll nicht unbedingt lohnenswert sein, aber bei diesem Wetter und weil wir in der Nähe wohnen, bietet sich eine Besichtigung trotzdem an. Wir parken (kostenlos zu dieser Jahreszeit) an der Flusspromenade und bummeln erstmal durch einen kleinen Flohmarkt, der sich auf der Promenade ausbreitet.
Etwas wirklich Interessantes ist für uns nicht dabei und wir folgen der Promenade weiter in Richtung Meer.
Portimão liegt am Mündungsgebiet des Flusses Arade und hat deshalb auch einen Stadtteil direkt am Meer. Gegenüber von Portimão liegt Ferragudo recht malerisch auf einem Hügel. Wir erhoffen vom Weg in Richtung Meer einen schönen Blick auf Ferragudo und wollen dann irgendwo am Strand Mittagessen. Diese Idee verwerfen wir aber recht schnell wieder, denn Ausblicke gibt es nicht, der Uferbereich ist weiträumig abgesperrt, wir kommen an einem verfallenen ehemaligen Kloster vorbei,
dann ist ein großes Areal eingezäunt, wo früher mal die Zollabfertigung von welchen Schiffen auch immer durchgeführt wurde, dann folgt ein weiteres eingezäuntes Areal diesmal wohl militärisch genutzt. Dort entlang zu gehen macht keinen Spaß, wir drehen daher um und erkunden den Stadtkern (wie ich es auch ursprünglich geplant hatte, das war eine nicht sehr erfolgreiche spontane Idee).
In Portimão gibt es, wie auch an vielen anderen Stellen an der Algarve, eine Vielzahl von Storchennestern, z.B. am verfallenen Kloster oder auf einem Kran am Hafen.
Am Stadtmuseum mit Restaurant
gehen wir vorbei wieder durch den Flohmarkt und dann ins Zentrum.
Dieses ist eher trist, praktisch alle Läden und Restaurants an denen wir vorbeikommen, haben (weil heute Sonntag ist?) geschlossen, nur wenige Leute sind unterwegs.
An sich sehr schön wäre die Kirche auf dem höchsten Hügel der Stadt, leider ist diese aber von Bauzäunen umgeben und es lungern einige Männer herum, weshalb wir auf eine Besichtigung der Kirche verzichten.
Ganz nett ist der benachbarte Platz der Republik,
von hier gehen wir ins alte Viertel der Fischer, aber wirklich hübsche Ecken finden wir nicht.
Es gibt einige Restaurants hier, da wir aber nicht sicher sind, ob diese geöffnet haben, gehen wir gar nicht soweit, sondern drehen bald wieder um und kehren zum Mittagessen ins Restaurant („Faina“) des Stadtmuseums am Hafen ein.
Und das ist eine wirklich gute Wahl, modern im Industriestil eingerichtet, mit Fotos, die die Fischerei zeigen, wie sie bis zur Mitte des vorherigen Jahrhunderts üblich war und vor allem mit leckerem Essen. Ich esse einen Fisch-Gemüse-Auflauf mit Salat und trinke dazu ein Ginger Ale, Peter bestellt ein Steak mit Spiegelei und Pommes, dazu ein alkoholfreies Bier und als Nachtisch je einen Kaffee und für Peter eine Panna Cotta, diese ist laut Peter nicht ganz so gelungen bzw. entspricht nicht seinen Erwartungen, alles andere ist sehr gut (EUR 43,80). Das Restaurant ist gut besucht mit einigen einheimischen Familien und ein paar Touristen.


Während des Essens hat es angefangen zu regnen, da bietet es sich an, nun dem Museum einen Besuch abzustatten (EUR 3,00 p.P.). Dieses befindet sich in der ehemaligen Fischkonservenfabrik „La Rose Hermanos“, wurde 2007 eröffnet und ist schön gemacht, in einem Bereich wird die Geschichte der Stadt und der Gegend von der Steinzeit an bis Mitte des vorherigen Jahrhunderts gezeigt, die Erklärungstafeln sind fast immer auch auf Englisch. Am besten gefällt uns der Bereich der sich dem Fischfang (Schwerpunkt waren Sardinen) und der Verarbeitung des Fischs hier in der Konservenfabrik widmet.
Die Sardinen wurden auf einem Transportband direkt von den Schiffen in die Fabrik gebracht und dort an verschiedenen Stationen weiterverarbeitet. Eines dieser Transportbänder führt heute noch (oder vermutlich wieder) vom Kai am Hafen über einen Steg bis durch die Mauer ins Museum.
Toll finde besonders ich die Fotografie - Ausstellung im ersten Stock des Museums, sie zeigt die Siegerfotos mehrerer Jahre eines jährlich in Portimão stattfindenden Fotografie - Marathons, bei dem von der Jury vorgegebene Themen innerhalb von 12 bzw. 24 h fotografisch umgesetzt werden müssen.
Nach dem Museumsbesuch hat es aufgehört zu regnen, wir erhalten aber per SMS eine Unwetterwarnung von der portugiesischen Regierung: „Persistent rain in coming days. Risk of flooding. Avoid traveling near rivers. Remove belongings from flood-prone areas.” Na toll.