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Reiseberichte / Re: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026
« Letzter Beitrag von Horst am 27. Juli 2026, 12:16:52 »
11.Tag - 29.3.2026 Sonntag: Die Olympiade der Erosion







Der Handywecker hat seinen Auftritt heute wieder um 5 Uhr. Als ich meinen Schlüssel in der Casino-Rezeption abgebe, sind schon wieder einige am Zocken (meist ältere Leute).
Auf der I-15 geht meine Fahrt nach Westen. Nach 15 Minuten verlasse ich die Interstate auf einen Highway nach Süden. Morgenstund hat Gold im Mund. Bei mir ist das die Gold Butte Road, auf die ich nach Süden abbiege. Die Straße ist größtenteils geteert, sollte aber umsichtig befahren werden. Ein solches Schlaglochfestival überhaupt als Straße zu bezeichnen ist gewagt. Die Gegend ist nicht gerade überlaufen. Eine einzige kleine Farm liegt an der Strecke, an der man aber immerhin ein Palmenhain findet. Nach einer Fahrzeit von gut einer Stunde ist die Whitney Pocket erreicht.




Das Gelände der Whitney Pocket ist Teil des Gold Butte National Monuments aber keine Sorge, ein Kassenhäuschen wird man hier vergeblich suchen. Außer 2 Campern, die wohl hier übernachtet haben, auch hier weit und breit niemand zu sehen.






Die Whitney Pocket steht eigentlich für drei Dinge - bunte und aberwitzig geformte Felsen, durchlöchert wie ein Schweizer Käse, Joshua Trees und Petroglyphs. Auf die Suche nach Petroglyphs also Felszeichnungen zu gehen spare ich mir. ...
Bei so einer spektakulären Landschaft fehlt mir für Petroglyphs heute die Begeisterung. Per Allrad könnte man auch mit dem Auto weiter in das Gebiet vordringen aber ich möchte das ja zu Fuß machen, um durch dieses Wunderland mit der Kamera streifen zu können.





Die bunten skurrilen Felsen ziehen mich sofort in ihren Bann.





Die Whitney Pocket wird oft als Gebiet mit Sandsteinfelsen aus gestreiften Bändern beschrieben. Genau solche Landschaften machen Farbunterschiede besonders sichtbar, weil die Erosion die inneren Schichten freilegt.









Geologisch hängt das auch mit denselben großen Wüstensandstein-Systemen zusammen, die man aus Teilen von Süd-Nevada und Süd-Utah kennt – also ehemaligen Dünenlandschaften, die später verfestigt und wieder freigelegt wurden.
 



Überwiegend bestehen (teilweise bestanden) die Felsen aus dem rot-orangem Aztec Sandstone, also verfestigten alten Wüstendünen aus dem Erdmittelalter. In diesen Dünensanden wurden zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Minerale abgelagert. Rot-, Orange- und Brauntöne entstehen hauptsächlich durch Eisenoxide.









Helle Weiß-, Creme- oder Beigetöne zeigen Bereiche, in denen entweder weniger Eisen vorhanden war oder Eisen später durch zirkulierendes Wasser teilweise wieder herausgelöst wurde. Die Bänder und Streifen entstehen, weil Sandlagen mit unterschiedlicher Mineralzusammensetzung schichtweise abgelagert wurden.
Später haben Wind, Regen und Temperaturwechsel die Gesteine unterschiedlich stark angegriffen.






Dadurch treten manche Farbschichten stärker hervor als andere, und bizarre Formen mit noch deutlicheren Farbkontrasten entstehen. Es wirkt so, als ob die Erosion hier ihre olympischen Spiele abhalten würde.
 
















Aufgrund der grellen Farben kommen die orangen Felsen wie man sie im Valley of Fire zu Hauf findet in meiner Aufmerksamkeit fast ein wenig zu kurz.








Das rot, gelb, weiß, lila und rosa flasht mich schon völlig.
 












Das für mich einmalige der Whitney Pocket ist die Kombination der bunten Felsen mit den Joshua Trees.





Joshua Trees sind ziemlich spezialisierte Pflanzen – sie wachsen nur unter ganz bestimmten Bedingungen, weshalb ihr Verbreitungsgebiet auch relativ begrenzt ist, so wachsen sie fast ausschließlich in der Mojave Desert im Südwesten der USA (Kalifornien, Nevada, Arizona, Randgebiete von Utah). Die Mojave-Wüste bietet genau die Mischung aus Höhe, Winterkälte und saisonalem Regen, die diese Pflanzen brauchen. In heißeren Wüsten wie der Sonora-Wüste fehlen oft diese kühleren Winterbedingungen.
Ihre Höhenlage liegt meist zwischen 400 und 1.800 Metern. Diese mittleren Höhen sorgen für die richtige Kombination aus Temperatur und Niederschlag. Joshua Trees sind übrigens überraschend frosttolerant (bis etwa −10 °C), aber mögen keine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit.

 









Die Farbenorgie ist unfassbar.














Für den Moment mache ich nun einen Cut, verlasse die Whitney Pocket und fahre auf dem Gold Butte Highway (der nun nicht mehr geteert ist) weiter nach Osten. Irgendwann folge ich einer Abzweigung (Mud Wash North Road) nach Süden. Für High Clearance Fahrzeuge kein Problem, nur die letzten 1-2 Meilen sind etwas grenzwertig für einen PKW (Mud Wash Road). Man könnte das Fahrzeug aber vorher abstellen und Luftline etwa einen Kilometer laufen und so nicht der Piste folgen die im Bogen mehr oder weniger einem Wash folgt.






Irgendwann habe ich mein Ziel – Little Finland erreicht und gönne mir auch noch den letzten Anstieg über ein paar Höhenmeter – wofür hat man sonst einen Wrangler. Nicht nur die Palmen weisen darauf hin, dass ich trotz des scheinbar nordischen Namens nicht per „beamen“ nach Skandinavien gereist bin.





Fin heißt im englischen so viel wie Flosse.




So bin ich also im „kleinen Flossenland“ und das hat nichts mit Finnland im Norden Europas zu tun.






Die Gegend von Little Finland wirkt fast wie von einem Künstler gestaltet – ist aber ein Lehrbuchbeispiel für extreme Verwitterung in der Wüste.





Ein derart von der Erosion zerfressenes Gestein ist selbst für den Südwesten der USA ungewöhnlich. Ähnlich wie im Valley of Fire State Park besteht auch Little Finland aus altem Sandstein (ebenfalls aus ehemaligen Dünen). Dieser ist aber besonders weich und ungleichmäßig verfestigt. Einige Bereiche sind stärker „zementiert“ (also härter), andere sehr brüchig. Dadurch wird das Gestein nicht gleichmäßig abgetragen. Der Wind schleift über Jahrtausende Sandkörner gegen den Fels. Weiche Teile werden schnell ausgehöhlt. Harte „Kappen“ bleiben stehen, wodurch bei manchen Formationen die dunklen Kappen über dem roten Gestein thronen. Die vielen kleinen Löcher entstehen durch eine Kombination von Salzkristallen, die das Gestein von innen sprengen und lokal wirkender Feuchtigkeit (z. B. Tau).










Der Boden ist häufig mit einer weißen Schicht bedeckt. Diese Schicht ist die Hinterlassenschaft eines ehemaligen Sees, dessen Wasser einst verdunstet ist und gelöste Mineralien zurückblieben, die für die weiße Kruste sorgten. Auch heute kann Wasser aus dem Untergrund nach oben steigen: Es bringt gelöste Salze mit und verdunstet sofort in der Wüstenhitze. Als Folge bleibt das ebenfalls weiße Salz an der Oberfläche.





Irgendwie ist man hier fast ein wenig erschlagen von der Vielzahl der Figuren.





Zwei dieser Figuren ragen aus dem Labyrinth dieser Skulpturen heraus. Dieser hier der etwas von einem Herz hat ...





... und mein Favorit ist der reitende Drache (zumindest sieht er für mich so aus).





So geflasht wie in der Whitney Pocket bin ich trotzdem nicht. Auch nicht, weil ich das Gebiet von früher kenne und es relativ klein ist. Ich denke die Farben und die Vielfalt wie in der Whitney Pocket fehlen mir hier für einen zeitlich längeren Besuch als die ca. 2 Stunden die ich herumstreife.






So geht es für mich wieder zurück und da ich gerade am späten Nachmittag ja wieder an der Whitney Pocket vorbeifahre, lockt es mich dort noch einmal die Rückseite der Felsen beleuchtet zu bekommen, die am Morgen im Schatten lagen.













Face-Rock?































So habe ich hier wieder meinen Spaß, schaffe an diesem Tag insgesamt meinen Rekord an Bildern dieser Reise und fahre hochzufrieden in mein Domizil nach Mesquite, Nevada.
 


Übernachtung: Virgin River Casino & Lodge, Mesquite, Nevada
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Reiseberichte / Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Ilona am 25. Juli 2026, 14:03:02 »
Rotterdam verbindet man eher mit einem der größten Seehäfen der Welt und dem größten Tiefwasserhafen Europas. Dass man dort auch Urlaub machen kann - darauf wäre ich nicht gekommen :verlegen:. Aber der Norden ist ohnehin dein Revier :thumb:.

Die Villa Kunterbunt, also deine Unterkunft, gefällt mir sehr. Da hätte ich mich auch einquartiert.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?

In den Benelux-Ländern ist es teurer als bei uns.

Das kann man noch toppen: Diese Woche kam eine Reportage aus New York auf Galileo. Da kostet ein Cappu ab 10 $ aufwärts und das ohne Kuchen. Gut, dass ich kein Kaffeetrinker bin und um NY einen weiten Bogen mache.
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Reiseberichte / Re: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026
« Letzter Beitrag von Silv am 25. Juli 2026, 12:52:10 »
Zitat
Die erste Lavahöhle verkneife ich mir und das nicht nur, weil auf dem Weg dorthin ein verletzter Tourist auf einer Bahre an mir vorbeigetragen wird.

 :schreck: In unserem Alter muss man wirklich nicht mehr in jedes Loch kriechen. Das Lava-Gestein ist teilweise messerscharf.


Und wenn ich richtig sehe, gehen da - wie so oft und überall - welche mit Flipflops da herum... ::)
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Reiseberichte / Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Silv am 25. Juli 2026, 12:48:10 »
Auch wenn es ein Städtetrip ist, komme ich auch mit.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?
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Reiseberichte / Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Christina am 24. Juli 2026, 18:54:27 »
1. Tag – Dienstag, 21.04. - 2. Teil

Vom Hotel spaziere ich weiter, zunächst zur „Coffeecompany“ auf einen Cappuccino und ein Stück Kuchen (EUR 9,55),



dann quer über die Halbinsel – ich bin begeistert, so viele moderne Gebäude, herrlich.


Zunächst schaue ich hinüber auf die Halbinsel Katendrecht. Im Wasser dazwischen befinden sich schwimmende Häuschen, die kann man zur Übernachtung mieten und ein größeres Haus in dem sich ein Restaurant befindet. Auch in Katendrecht waren früher sehr viele Lagerhäuser, die nun nach und nach umgewandelt werden.


Dann erreiche ich die Spitze vom Wilhelminapier mit dem Hotel New York. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1901 und beherbergte ursprünglich die Büros der Schifffahrtsgesellschaft Holland Amerika Lijn. 1977 zog die Gesellschaft in ein anderes Gebäude, das am Wilhelminapier bleib einige Jahre ungenutzt bis es 1993 zu einem Hotel umgebaut wurde. Zu diesem Zeitpunkt standen fast alle anderen Gebäude auf dem Wilhelminapier leer und die einzige Verbindung mit der Innenstadt war das Wassertaxi. Die Erasmusbrücke, über die man heute das Stadtzentrum erreicht, wurde erst 1996 eröffnet (heute gibt es zudem die Metroverbindung, die unter der Maas durchführt).


Rechts hinter dem Hotel New York ragt das „Montevideo“ von 2005 empor, darin sind Apartments, ganz oben vom 41. bis 43. Stockwerk befindet sich ein Penthouse mit Dachterrasse und Swimmingpool. Auf dem Platz davor steht die Skulptur „L’Âge d’Or“ vom britischen Künstler Gavin Turk. Die „offene Tür“ wurde 2021 enthüllt und nimmt Bezug auf die Geschichte des Wilhelminapiers als Ausgangsort für die Auswanderung von Millionen von Europäern in Richtung Westen. (Die meisten meiner Infos zu den zahlreichen Skulpturen in Rotterdam stammen von der Internetseite von „Sculpture International Rotterdam“.)


Einen kurzen Abstecher mache ich über die Rijnbrug (Fußgängerbrücke) hinüber nach Katendrecht, von der Brücke aus kann ich das Migrationsmuseum Fenix in einem ehemaligen Lagerhaus mit dem spektakulären Aufbau „Tornado“ sehen (dieses werde ich mir natürlich an einem der folgenden Tage noch genauer anschauen) und nochmal die schwimmenden Häuser zwischen Katendrecht und Wilhelminapier, sowie das „New Orleans“, ein 45 stöckiges Apartmenthaus von 2010, das zurzeit mit 158 m Höhe das zweithöchste Apartmentgebäude der Niederlande ist, das höchste „Zalmhaventoren“ mit 215 m liegt nur ein Stück entfernt am gegenüberliegenden Ufer der Maas (zu sehen auf dem Foto von der Erasmusbrücke).
Das Gebäude mit Spiegelfront links vom Fenix sind die Fenix Lofts von 2018. Ursprünglich war das mal (zusammen mit dem rechten Teil auf dem sich heute der „Tornado“ befindet) eines der größten Lagerhäuser der Welt, bis der Mittelteil 1947 niederbrannte. Im Erdgeschoss ist die Fenix Food Factory (Markt, Craftbierbrauerei, Essensstände).





Nun geht es in Richtung Metrostation Wilhelminapier, interessant sind das schöne Mural und schon nach der Metrostation gelegen, der Gebäudekomplex aus vielen verschiedenen Formen und Farben mit dem Gerichtsgebäude und einem Einkaufszentrum.



Noordereiland erreiche ich über die Koninginnebrug, von der man auf die Koningshavenbrug blickt, eine ehemalige Eisenbahnbrücke, die als Hebebrücke 1927 erbaut wurde. Sie ist nicht mehr in Betrieb, die Schienen verlaufen nun unter der Maas hindurch und sie sollte deshalb abgerissen werden. Die Rotterdamer Bevölkerung protestierte dagegen und nun bleibt sie als Kulturdenkmal erhalten.


Noordereiland ist richtig idyllisch so zwischen all den modernen Bauten auf den beiden gegenüberliegenden Ufern. Es gibt Mehrfamilienhäuser aus rotem Backstein, alte Schiffe, die zum Teil zum Wohnen genutzt werden und tolle Ausblicke.



Unter anderem kann man zwei weitere Gebäude auf dem Wilhelminapier von hier bewundern, das mächtige „De Rotterdam“, das aktuell das größte (vom Volumen, nicht der Höhe) Gebäude Hollands ist und links davon das „Toren op Zuid“ mit der schrägen Fassade vom bekannten italienischen Architekten Renzo Piano aus dem Jahr 2000.


Von Noordereiland wollte ich eigentlich über die Willemsbrug und die Erasmusbrug in einer Runde zurück zum Wilhelminapier laufen, aber das ist viel zu weit für heute. Daher geht es auf dem bereits bekannten Weg von Noordereiland zurück zum Wilhelminapier.


Gegenüber vom Hotel ist ein kleiner Albert Heijn Supermarkt, dort kaufe ich noch ein paar Kleinigkeiten für den Abend ein (auf ein Essen in den Foodhallen wie eigentlich angedacht habe ich jetzt doch keine Lust mehr) und bin gegen 18 Uhr wieder in meinem Zimmer.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 15°C
Kosten: 7 Nächte Hotel Room Mate Bruno EUR 775,47, inkl. Frühstück, gebucht über booking.com; Bahn zu Hause – Rotterdam – zu Hause, 2. Klasse, EUR 75,98, gebucht über die Bahn Website

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Reiseberichte / Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Christina am 24. Juli 2026, 18:30:26 »
Hallo Horst und Ilona, schön, dass ihr dabei seid, ich starte gleich mit dem Anreisetag.

1. Tag – Dienstag, 21.04. - 1. Teil

Den Anreisetag kann ich entspannt angehen. Mein Zug fährt um 7.20 Uhr vom Bahnhof nur 3 Minuten zu Fuß von zu Hause entfernt und ich habe eine Stunde Aufenthalt an meinem Umsteigebahnhof Frankfurt Flughafen, da werde ich den ICE, der mich bis fast nach Rotterdam bringen wird, auch bei Verspätung der Regionalbahn  ;) gut erreichen.

Diesen Puffer kann ich tatsächlich gut gebrauchen, der Zug fährt schon mit 10 Minuten Verspätung bei mir ab und im Laufe der Fahrt verlängert sich die Verspätung auf 25 Minuten, immer wieder bremsen uns vorausfahrende und kreuzende Züge aus.

In Frankfurt bleibt dann trotzdem noch genug Zeit damit ich mich bei einem Bäcker mit Proviant für die Fahrt versorgen, die Toilette nutzen und den recht weiten Weg zwischen Regional- und Fernbahnhof zurücklegen kann.

Der ICE mit Endziel Amsterdam verlässt Frankfurt dann pünktlich um viertel vor zehn. Die Fahrt ist sehr angenehm, der Zug ist ziemlich leer und ich habe ohne Reservierung einen 2er Sitz die gesamte Fahrt für mich allein.

Bei den Stopps in Siegburg/Bonn und Köln ist der ICE weiterhin pünktlich, kurz vor dem letzten Halt in Deutschland, Mönchengladbach, kommen wir aber wieder ins Stocken, natürlich wieder ein vorausfahrender Zug, der im Weg ist. Aus der Bummelei werden schließlich 20 Minuten Verspätung. Aber auch das ist kein Problem für mich, am zweiten holländischen Halt nach s’-Hertogenbosch, Utrecht muss ich umsteigen in den IC nach Rotterdam. Den ursprünglich vorgesehenen Zug erreiche ich nicht mehr, aber die Züge zwischen Utrecht und Rotterdam verkehren im 10 – 20 Minuten Takt.

Der Blick aus dem Fenster bei diesem Fahrtabschnitt vermittelt bei herrlichem Sonnenschein all die schönen Hollandklischees mit grünen Acker- und Wiesenflächen, jede einzelne umgeben von einem Entwässerungskanal, auf dem Wasservögel schwimmen, viele Kühe, viele Radwege und Radfahrer, eine Windmühle, und eine Autofähre, die einen etwas größeren Kanal überwindet.

Zwischenstopp ist in Gouda, das wäre ein möglicher Tagesausflug von Rotterdam, mal sehen, ob ich Zeit dafür finden werde.

14.45 Uhr erreiche ich schließlich Rotterdam Centraal. Hier erwartet mich noch eine kleine Herausforderung, in den Niederlanden sind alle Bahnhöfe nur für Ticketinhaber oder mittels Nutzung der contactless Kredit- oder Debitkarte, die dann auch als Fahrkarte dient, nutzbar. Das heißt, um einen Bahnhof zu betreten muss eine Schranke mit einem der genannten Mittel geöffnet werden und beim Verlassen wieder. Ich habe ja mein deutsches Bahnticket, das einen QR Code hat und diesen können nur einige wenige Schranken lesen. Scheinbar nutze ich die falsche oder es liegt daran, dass ich mein ausgedrucktes Papierticket nutze und nicht das Ticket auf meinem Handy, sie will sich jedenfalls nicht öffnen, aber dann kommt auch schon ein sehr hilfsbereiter Holländer vorbei und öffnet die Schranke für mich mit seiner Karte.

Wenige Meter weiter ist die nächste Schranke, die den Zugang zur Metro kontrolliert. Hier nutze ich problemlos meine Kreditkarte und fahre mit der Linie E / D bis zur Haltestelle Wilhelminaplein. Am Ausgang dort muss dann wieder mit der Kreditkarte ausgecheckt werden.

Nur fünf Minuten sind es zu Fuß von der Metrohaltestelle zum Hotel „Room Mate Bruno“, wo ich passend zur Eincheckzeit um 15 Uhr ankomme. Ich habe nur eine Person vor mir und das Einchecken verläuft schnell und problemlos (erwähne ich nur, weil es in einigen der Bewertungen anders beschrieben wurde).

Zunächst hatte ich ein anderes Hotel gebucht, dort hatte ich ein Zimmer mit Küchenzeile, also eigentlich genau das, was ich mag, aber halt ein recht „normales“, Hotel in einer „normalen“ Wohngegend und mit einer Stornierungsfrist von zwei Wochen, was mir eigentlich zu lang ist, da es ja nicht nur um eine Nacht geht, sondern um den nicht unerheblichen Gesamtpreis von 7 Nächten.

Bei der Suche war mir schon gleich ein anderes Hotel ins Auge gefallen, in einem ehemaligen Lagerhaus, kunterbunt modern eingerichtet, umgeben von einer Reihe von modernen Hochhäusern und am Wilhelminapier, der Stelle, von der in früheren Zeiten hunderttausende Europäer in Richtung Westen ausgewandert sind – das würde perfekt zu einer Reise in diese Stadt der Moderne und zu ihrer Migrationsgeschichte (und -gegenwart) passen. Leider war es aber deutlich teurer als mein ursprünglich gebuchtes Hotel (auf allen möglichen Vermittlerseiten und auf der Hotelhomepage). Im Laufe der Wochen habe ich immer wieder vor allem bei booking.com nachgeschaut, dort das Hotel immer wieder aufgerufen, mir die Bilder angeschaut und die neuesten Bewertungen durchgelesen und plötzlich, ungefähr vier Wochen vor Reisebeginn, sollte dieses Hotel genauso viel kosten wie mein gebuchtes, zusätzlich wäre noch Frühstück inkludiert, die Stornierungsfrist sollte nur eine Woche betragen und danach würden nur die Kosten einer Übernachtung anfallen – keine Ahnung ob das Zufall war oder ob das das System irgendwie „gemerkt“ hat – aber da habe ich natürlich sofort zugeschlagen und das andere Hotel storniert.

Nun bin ich also hier


und gespannt auf mein Zimmer, denn als einziger Wehmutstropfen bei der Geschichte ist es (wie alle Einzelzimmer und auch die „normalen“ Doppelzimmer“) innenliegend, d.h. das Fenster zeigt auf den mit Glas überdachten Innenhof, also keine Aussicht und keine frische Luft. Im Zimmer bin ich aber sofort begeistert, gelbe Einrichtung, hohe Betondecke mit freiliegenden Balken, blaues Bad, großer Schrank, Kühlschrank, Wasserkocher, Kaffeemaschine und düster ist das Zimmer auch nicht, es fällt viel Licht durch das Glasdach, (morgens scheint sogar die Sonne herein) und ich habe einen Blick auf zwei der umliegenden Hochhäuser.








Ich mache eine kurze Pause im Zimmer und schaue mir dann das Hotel genauer an, erst innen, dann von außen - wirklich toll, mal etwas ganz anderes.





Die meisten Informationen, die ich über die vielen sehenswerten Gebäude in Rotterdam habe, stammen aus dem Buch „Architectural Guide Rotterdam“ von Anneke Bokern, einer deutschen Journalistin, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Architektur beschäftigt, der Guide wurde von ihr auf Englisch geschrieben, eine deutsche Fassung gibt es nicht. Auch mein Hotel wird in diesem Buch vorgestellt, offiziell heißt das Gebäude „Pakhuismeesteren“ und stammt aus dem Jahr 1941, die Umwandlung in ein Hotel und in die „Foodhallen“, die sich auch in diesem Gebäude befinden und durch einen Gang mit dem Hotel verbunden sind, erfolgte 2018 durch das belgischen Architekturbüro awg. Auf dem Gebäude befinden sich die Inschriften Celebes, Borneo, Java und Sumatra, diese wurden nach dem 2. Weltkrieg hinzugefügt und verweisen auf holländische Kolonien. (Auf meinen Fotos sieht man diese Inschriften leider nicht richtig, da habe ich die falsche Gebäudeseite fotografiert, stattdessen kann man aber die Gebäudebezeichnung in großen Buchstaben entlang des zweiten Stocks erkennen).




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Reiseberichte / Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Ilona am 24. Juli 2026, 14:15:29 »
Bin auch wieder mit an Bord  :adieu: und der Königstag soll eigentlich ganz interessant sein. Rotterdam bzw. fast die ganze Niederlande sind zudem Neuland für mich.
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Reiseberichte / Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Horst am 24. Juli 2026, 10:05:16 »
Außer Amsterdam habe ich von Holland noch nichts gesehen und mit Rotterdam habe ich mich noch gar nicht beschäftigt.
Bin also mal gespannt wie die Stadt so aussieht. :)
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Reiseberichte / Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Letzter Beitrag von Christina am 23. Juli 2026, 17:42:00 »
Damit ich noch vor meinem Finnland Urlaub im September fertig werde und als Kontrast zur roten Wüste und viel Natur bei Horst starte ich mal meinen Bericht über meine Rotterdam Reise. Wie immer erstmal mit dem bilderlosen Vorwort:


Ende 2025 war für 2026 die Algarve Reise im Januar / Februar und der Finnland Urlaub im September schon gebucht, beides Flugreisen mit Mietauto vor Ort, da fehlte nun noch etwas „Kleines“ zwischendrin. Schon länger war ich nicht mehr mit der Bahn verreist, daher stand das Transportmittel schnell fest.

Als Ziel wäre eine weitere Nordseeinsel mal wieder schön gewesen, aber da fand sich keine passende Zugverbindung, alle, die in einem Tag von zu Hause zu erreichen sind, habe ich wohl inzwischen schon gesehen, da muss ich zukünftig mal eine An- /Abreise mit Zwischenübernachtungen planen, das war mir für diese Reise zu aufwändig.

Ein Blick auf die Europa Karte bei Google Maps hat mich auf die Idee einer Städtereise in die Niederlande gebracht. Zweimal war ich schon in Holland, 2017 und 2019, Zeeland und Noord-Holland, beides als Autoreise mit vielen Kleinstädten und viel Küste. Da wäre eine reine Städtereise mit der Bahn doch mal eine Abwechslung.

Städte gibt es in Holland einige, Den Haag hatte ich schon länger im Hinterkopf, aber bei der Suche nach einer guten Bahnverbindung bin ich dann auf Rotterdam gestoßen und die moderne Architektur dort hat mich sofort angesprochen.

Eine Woche sollte der Urlaub dauern, ob das für Rotterdam zu viel ist, konnte ich nicht einschätzen, aber die Niederlande sind ja ein kleines Land mit guten Bahnverbindungen, da sind eine ganze Reihe von Tagesausflügen von Rotterdam aus möglich.

Als Reisezeit habe ich Ende April gewählt, eigentlich nicht mittig genug zwischen Februar und September, aber mit den Feiertagen im Mai und den danach schon beginnenden Sommerferien war das noch der einzige Zeitraum an dem ich Hoffnung auf eine noch nicht ganz volle Stadt hatte.

Dummerweise fiel mir erst nach der Buchung der Bahnfahrt auf, dass am 27.04. Königstag, ein Feiertag in den Niederlanden ist, gebucht war vom 21. - 28.04., hoffentlich werde ich den dann stattfindenden Feiern gut ausweichen können.

Gesehen hatte ich vor der Buchung, dass der Euromast (ein Aussichtsturm, von dem man über die ganze Stadt und das Umland blicken kann und für mich als Aussichtsliebhaberin ein Muss) gerade wegen Renovierung geschlossen war, die Neueröffnung war für Anfang des zweiten Quartals 2026 angekündigt– da waren also sogar noch ein paar Wochen Puffer für den Fall einer verspäteten Öffnung. Ab Mitte April habe ich dann immer mal wieder auf der Homepage bzw. Google Maps nachgeschaut – der Euromast war und blieb geschlossen. Och nee, wie ärgerlich. Ich habe dann nach möglichen Alternativen gesucht, mal sehen, wie zufrieden ich damit sein würde.


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Sieht wirklich sehr interessant aus im Snow Canyon State Park mit dem Kontrast zwischen rotem und schwarzem Gestein. Und wenn ich mir die Hikes in Ilonas Link anschaue, würde ich am liebsten gleich loswandern (na ja, nicht zu dieser Jahreszeit natürlich).
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