17. Tag, Mittwoch, 24.09.Schon am Morgen scheint die Sonne vom blauen Himmel und das soll auch heute und die nächsten Tage so bleiben, wie gemein, nun wo ich abreise.
Nach dem Duschen fange ich schonmal an, das Gepäck flugzeugfertig zu packen, gegen 8.20 Uhr gehe ich zum Frühstück, das hier im Übernachtungspreis enthalten ist. Im wunderschön eingerichteten Frühstücksraum sitzen schon zwei Franzosen (das sind vermutlich die einzigen anderen Gäste außer mir heute Nacht gewesen), mir wird mein Tisch gezeigt und dann wird „aufgetischt“: Hier besteht das Frühstück aus einer Kombination von Buffet und Bedienung. Mir wird eine Etagère gebracht mit Wurst, Käse, Gemüse, Obst und einem Joghurt. Dazu zwei Schalen mit Marmelade, ein Brotkorb mit sicherlich 10 Brotscheiben unterschiedlicher Sorten und eine große Schüssel frisch angerührter griechischer Joghurt und ein Schälchen Granola. Dazu Orangen- und Apfelsaft. Am Buffet gibt es Tee und Kaffee sowie diverse Kuchen und ähnliches. Alles ist mit viel Liebe zubereitet und hergerichtet und schmeckt sehr lecker, aber es ist mir eindeutig viel zu viel. Ich genieße an meinem sonnigen Tisch so viel ich kann, ab morgen gibt es wieder mein alltägliches, bescheidenes Frühstück.
Nach dem Essen packe ich vollends zusammen und gehe dann zu meinem Auto. Dort nehme ich die Fußmatte und die Kofferraummatte heraus, die beide voller Sand und Steine sind und kehre sie ab (ganz zu Anfang des Urlaubs habe ich einen kleinen Besen gekauft und während des Urlaubs öfter genutzt, um die Schuhe abzukehren), so sieht das ganze doch gleich wieder schön sauber aus. Auf eine Autowäsche, die ich bei meinen beiden letzten Finnlandurlauben immer vor der Autoabgabe gemacht habe, verzichte ich heute, es hat überall in Finnland so viel geregnet in den letzten Tagen, da kann kein Vermieter erwarten, dass das Auto ohne Dreckspritzer, die man von entgegenkommenden Lastwagen abkriegt, abgegeben wird.
Das Auto fahre ich dann direkt vor die Nebeneingangstür, die meinem Zimmer am nächsten ist (das Haus ist sehr verwinkelt mit langen Gängen und vielen Eingangstüren, die Dame, die mich gestern Abend zu meinem Zimmer geführt hat, hat mich auf diese nah an meinem Zimmer liegende Tür hingewiesen), hole mein Gepäck aus dem Zimmer und fahre gegen 9.45 Uhr los.
Weit ist es nicht bis zu meinem vormittäglichen Ziel (mein Flug geht erst um 17 Uhr), der Stadt Lahti. Ich parke am Hafen und zahle am Parkticketautomaten 2 EUR mit Kreditkarte, dafür kann ich bis viertel vor eins hier stehen bleiben.
Die Gegend rund um den Hafen ist wie in vielen anderen finnischen Städten auch recht neu und modern gestaltet mit Restaurants und Sitzmöglichkeiten, es erstrecken sich viele Wohngebiete am See entlang, die Innenstadt ist ein Stückchen entfernt. In der Ferne sieht man die Skisprungschanze, Lahti ist ja hauptsächlich für Wintersportwettkämpfe bekannt. Im Sommer kann man mit einem Aufzug auf die Schanze fahren und die Aussicht genießen (und in einem Freibad am Fuß der Schanze baden), leider gibt es diese Möglichkeit jetzt Ende September nicht mehr, das hätte ich sonst sehr gerne gemacht, insbesondere bei dem traumhaften Wetter heute, wobei, optisch ist es traumhaft, tatsächlich weht aber ein eiskalter Wind, das sind winterliche Temperaturen und nur mit Mütze und Schal halb über dem Gesicht auszuhalten. Ich spaziere trotzdem ein ganzes Stück am See entlang bevor ich umdrehe und mir die Sibeliushalle näher anschaue.




Die wurde 2000 eröffnet, errichtet auf den Überresten einer alten Möbelfabrik und mit viel Glas und Holz (das für Lahti eine große Rolle spielt, hat es sich doch nur dank Papier- und Möbelfabriken vom unbedeutenden Dorf zur Großstadt mit heute 120.000 Einwohnern entwickelt) gebaut. Der Konzertsaal ist international hoch gelobt, ausgestattet mit einer ausgeklügelten Akkustik, von der Berliner Zeitung als „Stradivari unter Glas“ bezeichnet. Ich kann mir nur den schönen Eingangsbereich anschauen, in dem sich ein Restaurant befindet.
Vom See spaziere ich in die Innenstadt, der Weg geht bergauf, vorbei an zunächst neueren, dann älteren Wohnblocks und Mehrfamilienhäusern und dem Kunstwerk „Kylän Portti“ (Village Gate) von Akseli Leinonen aus dem Jahr 2021.
Schließlich erreiche ich ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, die Kreuzkirche. Sie wurde vom bekannten finnischen Architekten Alvar Aalto, von dem ich schon zahlreiche Gebäude auf meinen vergangenen Finnlandreisen bewundert habe, entworfen und 1978 eingeweiht. Typisch für Aalto sind die Backsteine aus denen die Kirche errichtet ist und noch mehr der ganz in weiß gehaltene, helle und schlichte Innenraum. Sehr ärgerlich, ausgerechnet jetzt, an einem Mittwochvormittag, findet ein Gottesdienst statt, so dass ich den Innenraum nicht ausführlicher anschauen und erst recht nicht fotografieren kann. Ich warte zwar eine Zeitlang, aber nichts deutet auf ein baldiges Ende des Gottesdienstes hin.
Von der Kirche geht es bergab zum eigentlichen Stadtzentrum. Das ist zum einen der typisch finnisch große, leere und recht hässliche Marktplatz,
zum anderen eine Fußgängerzone bzw. verkehrsberuhigte Straße mit vielen Geschäften, Kaufhäusern, Restaurants und Cafés. Auch nicht schön auf den ersten Blick, aber sie ist belebt und macht einen sympathischen Eindruck.
Leider verpasse ich ein weiteres interessantes Gebäude, auf einem Hügel gegenüber der Kreuzkirche steht das Rathaus der Stadt, erbaut vom ebenfalls sehr bedeutsamen finnischen Architekten Eliel Saarinen. Sehr ärgerlich, andererseits habe ich aber sowieso schon Probleme mit meinem Knie noch bis zum Auto zurückzukommen, deshalb scheidet auch ein Abstecher nochmals zur Kreuzkirche, wo der Gottesdienst vielleicht inzwischen beendet wäre, aus.
Gegen 12 Uhr verlasse ich Lahti und fahre auf der Autobahn Richtung Flughafen Helsinki. Unterwegs habe ich trotz des üppigen Frühstücks wieder Hunger und esse ein letztes Mal an einer Raststätte vom Lunchbuffet (EUR 13,70).
Um 13.45 Uhr fahre ich ins Parkhaus am Flughafen ein und stelle mein Auto ab. Eine Mitarbeiterin von Sixt nimmt es in Empfang und schaut es sich an, während ich meine Sachen auslade. Ich gebe ihr noch den kleinen Besen (samt Kehrschaufel), über den sie sich tatsächlich freut und das war’s dann wieder mit dem Auto, das mich klaglos 4156 km durch Finnland gefahren hat.
Den Tank habe ich nicht ganz so leer gefahren, wie geplant bzw. gehofft, zu 3/8 ist er noch voll (laut Sixt Rechnung), das nächste Mal werde ich das „Tank leer abgeben Angebot“, wenn ich wieder ab diesem Flughafen mieten sollte, ablehnen, ich kenne mich inzwischen gut genug aus, dass ich die Tankstelle keinesfalls verpassen würde.
Nun habe ich noch einige Zeit bis zum Abflug zu überbrücken, ich drucke mir einen baggage tag aus, gebe meinen Koffer am Automaten ab und gehe durch die Sicherheitskontrolle. Das geht in Helsinki immer recht schnell, der Flughafen wurde erst in den letzten Jahren neu gestaltet, komplett fertig erlebe ich ihn jetzt zum ersten Mal. Die Scanner sind deshalb modern, man kann die Elektronik im Handgepäck lassen, das ist so angenehm.
Ich bummle durch den Flughafen, eine unglaubliche Menge an Geschäften und Restaurants gibt es hier und zwar richtig schöne Geschäfte wo man mit normalem Budget einkaufen kann, natürlich gibt es auch die üblichen Luxusboutiquen.
Schon traditionell gibt es beim Espresso House einen Cappuccino (nach zweieinhalb Wochen ausschließlich mit Filterkaffee aus Kaffeekannen auf Warmhalteplatten, endlich wieder ein leckeres, cremiges Kaffeegetränk) und einen sehr schokoladigen Mud Cake für mich (EUR 12,00).
Um 16.30 Uhr startet dann das Boarding, ich habe einen Mittelplatz in der letzten Reihe und wieder kein Glück mit einem freien Platz in meiner Reihe, es sind noch einige Plätze frei im Flugzeug, aber eben leider nicht in meiner Reihe. So ging es mir schon beim Rückflug von Helsinki letztes Jahr und ich konnte feststellen, dass so ein Mittelplatz gar nicht so schlimm ist, wie ich mir das immer gedacht hatte. Deshalb stört mich das auch heute nicht weiter, ich schlafe einige Zeit, esse ein belegtes Brötchen, das ich von gestern noch übrig habe zum Abendessen und döse vor mich hin.
Der Flug ist 15 Minuten früher gestartet als planmäßig und landet dementsprechend auch 15 Min früher in Frankfurt. Obwohl es erst zwanzig Minuten nach 18 Uhr ist (eine Stunde Zeitverschiebung zu Finnland), ist es fast dunkel draußen, die Wolken hängen tief und es schüttet. Hätte ich das gewusst, wäre ich mit der Bahn heimgefahren, Peter hatte mir heute im Lauf des Tages angeboten mich mit dem Auto abzuholen, was ich erfreut angenommen habe. Aber bei diesem Regen wird die Autofahrt nach Hause sicher sehr unangenehm, na ja, nicht mehr zu ändern.
Die frühere Ankunft bringt nur wenig, denn FRA ist nicht vorbereitet darauf und die Busse zum Abholen (wie fast immer, wenn man an Terminal 2 mit Finnair ankommt oder abfliegt, wird man nicht angedockt) brauchen zehn Minuten bis sie da sind. Immerhin ist man mit den Bussen dann nur noch wenige Schritte von der Gepäckausgabe entfernt, dort muss ich nicht lange warten, dann ist mein Koffer da. Peter wartet schon am Ausgang auf mich und bereits um 19.05 Uhr bezahlen wir das Parkticket in der Tiefgarage.
Wie erwartet ist die Fahrt nach Hause eine ziemliche Horrorfahrt, Wasser überall, Sicht praktisch Null, dazu Autos, die vor sich hinschleichen, aber nicht bereit sind ganz rechts zu fahren und Autos, die rasen, als ob die Straße trocken wäre. Eine ganze Stunde brauchen wir dann auch für die 68 km, dann sind wir zu Hause und mein Urlaub ist endgültig zu Ende.
In den nächsten Tagen folgt dann noch ein Fazit.