Autor Thema: Japan mittendrin  (Gelesen 53855 mal)

Andrea

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #15 am: 20. September 2015, 16:17:37 »
Tolle Effekte mit dem Neutraldichtefilter! Michael weiht mich ja nach und nach in Begriffe der Fotografie ein, aber davon habe ich noch nie gehört (sorry Michael, falls du mir davon doch mal was erzählt hast). Entsprechend gefallen mir die Bilder vom Abend besonders gut.
Liebe Grüße, Andrea



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Flicka

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #16 am: 20. September 2015, 17:12:10 »
Sehr schöne erste Eindrücke und Fotos! Den Tempel habe ich morgens relativ früh besucht und kenne ihn nur geschäftig mit vielen Schulklassen. Abends strahlt er tatsächlich eine andere Atmosphäre aus, wobei die Langzeitbelichtung diesen Effekt noch schön unterstreicht.

Andrea, so einen ND-Filter benutzt man, um die Belichtungszeit verlängern zu können. Er hat keine Farbe oder sonstigen Effekte, sondern lässt "nur" weniger Licht ins Objektiv. Und wenn die Belichtungszeit lang genug ist, mindestens einige Sekunden, dann sieht man Menschen, die sich durchs Bild bewegen, nur noch unscharf oder halb durchsichtig oder sogar gar nicht mehr. Bilder von Wasserfällen, die das Wasser nur als weiche, wallende Masse zeigen, werden normalerweise auch mit so einem Filter gemacht. Natürlich geht das nur, wenn man die Kamera so fixiert, dass sie sich während der Aufnahme nicht bewegt, also vorzugsweise mit Stativ.

Wenn es abends schon so dunkel ist, dass man sowieso mehrere Sekunden belichten muss, dann erzielt man den Effekt auch ohne Filter.

Andrea

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #17 am: 20. September 2015, 17:17:51 »
Danke, Flicka!  :) :) :)
Liebe Grüße, Andrea



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Lidschlag

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #18 am: 22. September 2015, 10:30:16 »
@Andrea und Flicka
Die Neutraldichetfilter, manchmal auch Stopfilter genannt, sind eine praktische Sache. Danke fürs Erklären, Flicka.
Diese Filter sind auch für die unscharfen Wolken am Himmel verantwortlich, die man manchmal auf Landschaftsaufnahmen sieht.

@Flicka
Ich finde sowieso, dass die Tempel in Asien erst nachts eine wunderbare Atmosphäre entfalten.

@Paula
Unsere erste Station war auch Asakusa (wir waren aber in einem eher westlichen Hotel) und den Tempel haben wir natürlich auch angeschaut. Natürlich wußten wir von der Geschichte viel weniger als du jetzt berichtet hast, man sieht gleich dass es Vorteile hat einen Guide zu haben.

Die Reiseleiter dieser Welt haben es garnicht gerne, wenn man all zuviel von ihnen wissen will. Sicher, es gibt Ausnahmen, vor allem, wenn es sich thematische Studienreisen handelt.
Aber in den meisten Fällen vermitteln Reiseleiter nur Basiswissen über die Orte, die man besucht. Wenn die Fragen aber in die Tiefe gehen, habe ich in die vielen Fällen die Erfahrung gemacht, dass ausweichend, garnicht oder verärgert geantwortet wird.
Deshalb lese ich mich für jede Reise mindestens ein halbes bis ein ganzes Jahr vorher in die Materie ein. So belästige ich den/die Reiserleiter/in nicht und sehe die Dinge vor Ort trotzdem in dem Zusammenhang, den ich mir erarbeitet habe. Zusätzlich bleibt mir mehr Zeit zum Fotografieren, während die Reiseleiter dieser Welt ihre Vorträge halten.
Wenn ich etwas über die besuchten Orte schreibe, habe ich es mir in vielen Fällen selber angelesen oder weiß zumindest, wo ich nachlesen muss.  :)

Und: Ich vermute mal, dass jede Tokyoreise im Senjoji anfängt und dann den »üblichen« Ablauf hat.
Erst, wenn man länger als zwei Tage in Tokyo bleibt, wird es dann spezifisch.


@Bernd
Es war eine 21 Tage-Reise.
Inklusive Flug (Holzklasse 10-11 Stunden), Einzelzimmer, Transport in öffentlichen Verkehrsmitteln während der Reise und an einigen Tagen sparsamer Selbstverpflegung und persönliche, kleinere Ausgaben kannst du mit 3800-4000 Euro rechnen (Stand des Yen im Mai 2015: 1 Euro = 135,6 Yen).


Frage an Flicka und Paula:
Ein Vergleich wäre interessant:
Was habt ihr für euere Japan-Reisen ausgegeben?


Paula

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #19 am: 22. September 2015, 15:10:49 »

Und: Ich vermute mal, dass jede Tokyoreise im Senjoji anfängt und dann den »üblichen« Ablauf hat.
Erst, wenn man länger als zwei Tage in Tokyo bleibt, wird es dann spezifisch.


Frage an Flicka und Paula:
Ein Vergleich wäre interessant:
Was habt ihr für euere Japan-Reisen ausgegeben?

da wir unserer Reise selbst organisiert haben ist es schon lustig, dass wir am selben Punkt gestartet sind!

unsere Reise war September 2008, wir waren 3 Wochen unterwegs und wir haben pro Person 2800 € ausgegeben incl Flug und allem. Wir waren innerhalb Japans fast auschließlich mit dem Zug unterwegs, wir hatten so eine Art Interrail Ticket (ich weiß nicht mehr wie das heißt) für ungefähr 300 € soweit ich mich erinnere, eine Strecke im Landesinneren sind wir mit dem Bus gefahren und sonst U-Bahn. Ein einziges Mal sind wir Taxi gefahren für wenige Euro. Es war einer unserer billigsten Urlaube überhaupt, dabei haben wir gar nicht bewußt gespart. Wir haben uns oft gewundert wie oft man für 10 € essen gehen konnte, und wir hatten auch zwei teure Hotels dabei und ansonsten ganz normale Mittelklasse Hotels. Der Flug war so 800-900 € genauer weiß ich es nicht mehr.
Allerdings waren wir genau während des Lehman Crashs unterwegs und wir haben dadurch einen extrem günstigen Wechselkurs erwischt.
Viele Grüße Paula

Flicka

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #20 am: 22. September 2015, 17:30:27 »
Ich habe in meinem Reisebericht für jeden Tag die Aufgaben in Yen aufgeschlüsselt, wer daran interessiert ist, müsste sich dort die Ausgaben zusammenrechnen. Die Flüge waren auf Meilen, dazu kann ich also nichts sagen. Generell war die Reise aber deutlich günstiger als erwartet, obwohl ich einige teure Punkte drin hatte (z.B. die Übernachtungen in traditionellen Ryokans). Wie Paula schon geschrieben hat war z.B. das Essen erstaunlich günstig.

Lidschlag

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #21 am: 22. September 2015, 18:54:36 »
@Paula und Flicka

Danke für euer Auskünfte.
Ich fand das Essen auch bezahlbar und es hat immer geschmeckt.

Es ist natürlich schwierig eine 2-Personenreise, zwei Individualreisen, eine Gruppenreise, einen Erste-Klasse-Flug, inklusive schwankenden Yenkurs unter besonderen Bedingungen miteinander zu vergleichen. Aber, wenn ich das richtig sehe, waren wir alle jewels drei Wochen drei Wochen in Japan unterwegs.

@Flicka
Hast du deinen Flug wegen vieler Meilen kostenlos bekommen oder musstest du noch was drauflegen?
Zum Meilensammeln fliege ich viel zu wenig und habe von dem ganzen System kein Ahnung. Deshalb meine Frage.

Flicka

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #22 am: 22. September 2015, 21:03:27 »

@Flicka
Hast du deinen Flug wegen vieler Meilen kostenlos bekommen oder musstest du noch was drauflegen?
Zum Meilensammeln fliege ich viel zu wenig und habe von dem ganzen System kein Ahnung. Deshalb meine Frage.

Zu den Meilen sind nur noch die Steuern und Gebühren gekommen, die haben sich aber in Grenzen gehalten (nach meiner Erinnerung jedenfalls unter 100 Euro). Das schwankt aber sehr und ist wohl von den Flughäfen und Airlines abhängig.

Wie ich zu den vielen Meilen gekommen bin, lässt sich in der gebotenen Kürze schlecht erklären. Bei Interesse findest du die Geschichte aber in meinem Australienreisebericht:
http://forum.usa-reise.de/index.php?topic=58750.msg798629#msg798629


Zu den Kosten vor Ort kann ich immerhin so viel sagen, dass die größeren Ausgaben, nämlich Einzelzimmer in den Unterkünften, Railpass (ca. 400 Euro), Überlandbusse, Privatbahnen und die Tickets für die Miyaki-Odori-Tänze und das Baseballspiel ca. 2100 Euro ausgemacht haben. Dazu kommen dann halt noch die Eintritte für die Tempel usw. und die Verpflegung. Die günstigste Unterkunft war auf meiner Reise das Toyoko-Inn in Kanazawa für knapp 5000 Yen (nach heutigem Wechselkurs 37 Euro), die teuerste war die Tempelübernachtung im Fudo-In auf dem Koyasan für ca. 115 Euro, allerdings inkl. Frühstück und Abendessen.

Lidschlag

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #23 am: 23. September 2015, 10:42:46 »
Hallo Flicka

Danke für die Auskunft und den Link zum Meinelsammeln.
Und die Story um den Erste-Klasse-Flug nach Japan hätte Filmpotenzial, vorzugsweise das einer Komödie.  ;D
Gut gemacht und klug um die Ecke gedacht!

Lidschlag

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Japan mittendrin: Son Guku und die verbrauchte Engerie 1
« Antwort #24 am: 23. September 2015, 10:54:07 »
Es ist Samstag, einer der Tage, an denen die Japaner gerne shoppen gehen oder heiraten. Menschenmassen werden mich wohl den ganzen Tag begleiten. Mit diesem Gedanke gehe ich frühstücken. Es ist mein erstes japanisches Frühstück. Und im kleinen Frühstücksraum des Hotels herrscht zur Einstimmung auf die Menschenmassen schon mal Trubel. Eine zwanzigköpfige, chinesische Reisegruppe belagert das Büffet aus eingelegtem Gemüse, Misosuppe, Onigiri und warmen Bohnen. Weil ich Probleme habe den Reiskocher zu öffnen, ist sofort eine Servicekraft zur Stelle, um mir zu helfen. Die nette Dame erklärt mir durch Gesten, wie man den Kaffeeautomaten bedient und an einen grünen Tee kommt. Ich bedanke mich artig mit einem »Arigato goseimas« und zwänge mich zwischen einen japanischen und einen chinesischen Gast, um mein Frühstück zu verspeisen. Dabei studiere ich möglichst unauffällig wie die zwei  mit den Stäbchen die Gemüsestücke und Noirstreifen (Seetang) aus der Misosuppe herausfischen, in den Mund befördern und danach die übrig gebliebene Brühe aus der kleinen Schüssel trinken. Dann üben ich das mal und auf wunderbare Weise gelingt es mir, mich nicht zu bekleckern. Durch Übung kann es nur besser werden. Und gut geschmeckt hat es außerdem noch!
Um halb neun steht die Reisegruppe vorm Hotel und wartet, ...denn es fehlt noch einer. Es stellt sich heraus, dass er noch tief und fest schläft und den Wecker wegen seiner Ohrstöpsel nicht gehört hat. Leicht derangiert und geknickt trabt er zehn Minuten später an, wird von der Gruppe lachend begrüßt und dann ziehen wir los, zunächst zum Meiji-Schrein.
Der Schrein ist dem Kaiser gewidmet, der Japan dem Westen öffnete, dem Herrscher, nach dem diese Ära des neunzehnten Jahrhunderts benannt ist: Meiji. Auch seine Gemahlin wird im Schrein verehrt. Vielleicht ist das der Grund, warum der Meiji-Schrein bei Hochzeitspaaren so beliebt ist.
Mit der U-Bahn sind wir schnell am Ziel. Doch eine gelblich Nebeldecke aus Smog bedeckt den Himmel, der heute morgen noch blau war. Dieses Licht beeinflusst auch die Aufnahmen dieses Tages. Die Farben der Bilder sind gedämpft, ohne richtige Strahlkraft. Und doch passt dieses fast mystische Licht zum Weg, der in wahrlich kaiserlicher Breite zum Schrein führt. Wie es sich für einen Schrein gehört, liegt er mitten in einem für diesen Zweck angelegten Wald.
Unsere Reiseleiterin erzählt uns, dass es besondere Regeln beim Betreten des Schreins gibt. Am Beginn des Weges durch den Wald steht ein 12 Meter hoher Tori. Wenn man ihn durchschritten hat, darf man nichts mehr essen, trinken und sagen. Man sollte am Rand des Weges gehen und nicht in der Mitte, wohl eine Regel, die aus alten Zeiten stammt, wo niedergestellte Menschen, den höher gestellten und Göttern Platz machen und ihren Respekt zollen mussten.



Ich habe Sandalen an und merke beim Durchschreiten, dass dieser Weg für mich steinig werden wird, denn er ist mit winzigen Steinchen geschottert. Sofort zwängen sich ein paar von ihnen in meinen Sandalen und so muss ich alle paar Schritte mein Füße kräftige schütteln, damit ich sie wieder los werde. Vor mir schwingt ein Arbeiter einen Besen mit sehr langen Stiel, um verdorrte Blätter vom Weg zu fegen. Der Arbeiter erledigt seine Aufgabe mit Hingabe, als wäre es eine Kampfsportübung oder eine Zenmeditation, die zu höheren Weihen führt. Breitbeinig und leicht gebückt steht er da und dirigiert eine Staubwolke aufwirbelnd die Blätter auf einen Haufen. Immer und immer wieder wiederholt er die Kehrbewegung im gleichen Rhythmus.



Als es zu staubig wird, gehe ich weiter und stehe bald vor eine Wand aus Sakefässern, die dem Schrein als Opfergabe gespendet wurden.
Sie werden ein Jahr lang an dieser Wand den Besuchern des Schreins präsentiert, bei Schreinfesten vom Priester gesegnet und danach ausgeschenkt, gegen Bares versteht sich, da sich die Shinto-Schreine, wie auch die buddhistischen Tempel in Japan selber finanzieren müssen.





Nun ist es nicht mehr weit zum Schrein, der eingebettet im Maigrün der Bäume liegt. Durch den Blätterfeger habe ich meine Gruppe aus den Augen verloren und leider finde ich sie im Getümmel der Schreinbesucher nicht wieder. Deshalb sehe ich mich auf eigene Faust um, nachdem ich die Reinungszeremonie  am Tempelbrunnen erledigt habe: Man hält eine kleine Bambuskelle Wasser unter fließendes Wasser, um sich damit die rechte und dann die linke Hand zu waschen. Mit einem Nippen an der Kelle soll auch der Mund ausgespült werden. Aber manche Schreinbesucher lassen die Mundwaschung einfach weg, wohl aus hygienischen Gründen. Wenn man fertig ist, reinigt man die Kelle noch einmal unter dem fließenden Wasser und legt sie umgedreht, damit sie abtropfen kann, für den nächsten Besucher bereit.
Mein erster Blick im Schrein fällt auf ein Hochzeitspaar in japanischer Tracht, das für eine Aufnahme im Wald zurechtgesetzt wird. Fünfzig Meter weiter ist ein weiterer Fotograf mit einem anderen Hochzeitspaar beschäftigt.
Im Schreinhof ist ein heiliger Baum von einem Gestell umgeben, an dem man Emas aufhängen kann, kleine Holztäfelchen, die im Schreinladen für 500 Yen erworben werden können und auf die die Menschen ihren Wunsch an die Götter schreiben und hier unter dem  heiligen Baum aufhängen können. In regelmäßigen Abständen werden sie von dem Gestell abgenommen und verbrannt. Wenn sie in Rauch aufgehen, gelangen die Wünsche der Menschen zu den Göttern.



Plötzlich wummert ein Trommelschlag zu mir herüber. Die Trommel muss sehr groß sein, denn der tiefe Ton des Schlages lässt meinen Magen kribbeln. Ein weiterer Schlag folgt und von Neugier getrieben strömen viele Schreinbesucher zum Tempelhof und zu schauen, was da los ist. Ein Schreinhelfer schlägt eine Trommel die waagrecht vor ihm liegt und zweimal so groß ist wie er. Im Mittelgang des Hofes erscheint ein Shintopriester mit zwei Begleitern, vollführt eine Zeremonie und läuft durch einen Seitengang zur Hochzeitshalle, in der eine Hochzeitsgesellschaft wartet. Wenig später formiert sich ein kleiner Zug, angeführt von dem Shintopriester, gefolgt von dem Brautpaar. Die Mutter der Braut hält die Hände ihrer Tochter und führt sie, während die Hochzeitgesellschaft folgt. Man geht langsam, schweigend, mit feierlichem Schritt, fast in Zeitlupe über den Tempelhof, vorbei am Altar. Rechts und links des Hochzeitszuges wachen Ordner darüber, dass die Neugierigen eine Gasse für das Spektakel bilden und  Fotografierwütige durch Drängeleien nicht aus der Reihe tanzen oder die Feierlichkeit der Zeremonie stören. Kaum hat die Gesellschaft den Tempelhof durch das gegenüberliegenden Tor verlassen, schreitet schon das nächste Hochzeitspaar über den Hof. Dieser Samstag muss wohl nach dem Shintokalender ein guter Tag zum Heiraten sein.





Ich mache mich auf den Rückweg, ohne den kaiserlichen Göttern meine Reverenz erwiesen zu haben, aber zumindest verneige ich mich nochmal respektvoll am Tor in den Tempelhof hinein, genauso wie es ein japanisches Paar neben mir tut.
Der Weg zurück ist wieder steinig und mehrfach muss ich meine Sandalen ausschütteln, weil wieder kleine Steinchen zwischen das Fußbett der Sandalen und meine Füße geraten sind. Doch ich schaffe es meine Reisegruppe wiederzufinden  und als wir vollzählig sind, geht es weiter zum Kaiserpalast.
Die U-Bahn spuckt uns neben dem Stadtpark aus, der vor den Toren des Kaiserpalastes liegt. Nach dem Überqueren einer Kreuzung stehen wir von dem riesigen Wehrgraben, dessen Wasser von grünen Algenteppichen überzogen ist. Der Himmel zieht sich noch weiter zu und der Smogschleier hüllt die Stadt noch weiter ein. In diesem Klima hetzten reihenweise Jogger durch das massive Einlasstor in die Palastanlage, denn die sechzehn Kilometer lange Umrundung des Palastes ist die einzige Möglichkeit in der Stadt eine so lange Strecke zu laufen ohne Kreuzungen zu überqueren oder mit Verkehr in Berührung zu kommen. Dass mehrspurige Straßen die Jogger in weiten Teilen um die Palastanlage begleiten, wird wohl gerne ausgeklammert. Manche sehen aus, als würden sie vor Erschöpfung gleich umfallen, während andere wie Olympioniken an ihnen vorbeiziehen. Manche sind als Superman, Spiderman oder als Son Goku, dem Helden des Animes Dragonball, kostümiert und hecheln mit einem Lächeln auf dem Gesicht zum Ende des Tracks. Ihr Ziel sind die breiten Wege vor der Palastbrücke. Diese Brücke ist ein beliebtes Fotomotiv, weil hinter ihr ein Gebäude des kaiserlichen Palastes zu sehen ist.



Viele der Jogger sammeln sich in kleinen Gruppen, denn sie sind alle Angehörige von Firmen oder Schulklassen, die gemeinsam in ihrer Freizeit etwas leisten und dadurch das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken wollen. Dazwischen stehen Fotografen, die darauf warten, dass jemand ihre Minitribünen aus Holz vor der besagten Brücke für das Gruppenfoto zum Abschluss der Veranstaltung bucht.



Meine Gruppe zieht weiter in die Hochhauswüste an den Ufern der Kaiserpalast-Insel, um an der U-Bahnstation etwas zu essen. Danach geht es weiter in die Ginza. 

Wem »Son Goku« und »Dragonballs« nichts sagt:
http://www.dragonballwiki.de/Son-Goku

Andrea

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #25 am: 23. September 2015, 12:02:46 »
Das letzte Bild sieht schon fast aus wie ein impressionistisches Gemälde...

Ein paar Folgen von Dragonball habe ich sogar mal gesehen, als ich einen 6-jährigen zu Besuch hatte. Natürlich konnte ich damals überhaupt nichts damit anfangen, aber scheinbar ist das in Japan etwas ganz anderes und auch Erwachsene kennen die Serie selbstverständlich.
Liebe Grüße, Andrea



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Paula

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #26 am: 23. September 2015, 16:30:14 »
im Meji-Schrein waren wir auch aber leider bei strömendem Regen  :(
Mit der Hochzeit habt ihr wirklich Glück gehabt (das haben wir später auch geschafft, konnten sogar einen Teil der Zeremonie beobachten)

Gut dass du deine Gruppe wiedergefunden hast! Davor hatte ich echt Schiss in Japan verloren zu gehen, ich bin meinem Freund nicht von der Seite gewichen (er konnte etwas japanisch und konnte also nach dem Weg fragen)...
Viele Grüße Paula

serendipity

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #27 am: 23. September 2015, 16:34:11 »
Ich bin auch dabei, liebe Steffi.

Auch ich kenne Son Goku, mit damit zur Anime-Mama geworden  ;) - Dragonball, Pokemon und Mila Superstar gehörten eine zeitlang zu Jans Lieblingssendungen  :o

Das letzte Bild ist wunderschön  :beifall:

Lidschlag

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #28 am: 23. September 2015, 17:05:23 »
Zitat
Das letzte Bild sieht schon fast aus wie ein impressionistisches Gemälde...

Hallo Andrea
Ich glaube, der feine Smog hat dazu beigetragen. Ist allerdings auch ein bisschen HDR drin, besonders in der Brücke.
Animes und Trickfimle gucke ich immer noch.
Meine Nachhilfeschüler kriegen immer fassungslose, riesige Glumpfaugen, wenn ne alte Schachtel wie ich bei Animes wie Pokemon, Sailormoon, Haikyuu!!, God Eater, Conan, Owari no Seraph, Shingeki no Kyojin oder Rurouni Kenshin mitreden kann.  ;D


Zitat
Mit der Hochzeit habt ihr wirklich Glück gehabt (das haben wir später auch geschafft, konnten sogar einen Teil der Zeremonie beobachten)
Gut dass du deine Gruppe wiedergefunden hast! Davor hatte ich echt Schiss in Japan verloren zu gehen, ich bin meinem Freund nicht von der Seite gewichen (er konnte etwas japanisch und konnte also nach dem Weg fragen)...

Hallo Paula

An diesem Tag habe noch weitere drei Hochzeiten auf die Zeremonie gewartet. Da war echt was los. Ich war aber sehr froh, dass das Wetter gehalten hat.
Falls ich verloren gehe: Damit ich immer dort lande, wo ich hingehören, schaue ich bei Gruppenreisen zu, dass ich immer eine Visitenkarte des jeweiligen Unterkunft in Landessprache dabei habe. In Japan hätte ich jetzt keine Angst mehr, wenn ich verloren ginge. Selbst, wenn man kein Japanisch spricht, man wird solange weitergereicht, bis sich jemand findet, der helfen kann. Das habe ich mehr als einmal in Japan erlebt. Die Hilfbereitschaft gegenüber »Langnasen« ist dort vorbildlich (wenn die Langsnasen die üblichen Anstandsregeln einhalten).



Zitat
Ich bin auch dabei, liebe Steffi.
Auch ich kenne Son Goku, mit damit zur Anime-Mama geworden  ;) - Dragonball, Pokemon und Mila Superstar gehörten eine zeitlang zu Jans Lieblingssendungen  :o
Das letzte Bild ist wunderschön  :beifall:

Hallo serendipity

Danke fürs Zusteigen und das Kompliment fürs Bild. :strahl:
Wie ich lese, gehörst du auch zu den Anime-Kennern. Die Volleyballerin Mila is ja nun auch schon in die Jahre gekommen. Aber sie gehörte neben Captain Tsubasa, Captain Future und Sailor Moon zu den ersten Animes, die ich gesehen habe.

Ilona

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Re: Japan mittendrin
« Antwort #29 am: 23. September 2015, 17:12:59 »
Die Hochzeitskleider unterscheiden sich aber sehr von unseren. Gibt es auch Japanerinnen, die lieber westliche Hochzeitskleider tragen und weniger auf die traditionellen stehen  :gruebel:?
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)