Autor Thema: Und schon geht die Neiddebatte los...  (Gelesen 6218 mal)

Horst

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #15 am: 31. Dezember 2020, 00:43:18 »
Ach ja und ich hätte gerne ein verbindliches Datum ab dem Reisen in alle Länder wieder uneingeschränkt möglich sind, dass ich einfach wieder eine konkrete Reise planen kann ;D leider zur Zeit nur Wunschdenken.
27.4.2046  ;D ;)
Meine Meinung - ab dem Fenster Ostern bis Mitte September hast Du gute Chancen vernünftig (nicht wie vor 2020) Reisen zu können.
Positiv denken - also leg einfach los und plane was. Du kannst einen Mietwagen 24h vorher absagen und auch bei Zimmern kann man kurzfristige Stornierungsfristen einplanen. Bleibt der Flug und den macht man halt teurer kurzfristiger - so what?
Ich plane/überlege schon für nächstes Jahr und muss mich noch entscheiden was es werden soll (muss sowieso wie immer im Januar meinen Jahresurlaub festlegen). Tendenz - im August vielleicht wieder Island.  :)
Ich werde mich in den nächsten Tagen entscheiden und dann in die Routenplanung und Reservierung einsteigen.

Übrigens: mindestens so wie auf Reisen freue ich mich auf Konzerte und Theater. :D


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Rainer

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #16 am: 31. Dezember 2020, 13:48:16 »
Insgesamt nervt mich es ja, wie sehr die Politik Corona in unser Leben einfließen läßt. Ich frage mich, ob das wirklich auch alles richtig durchgerechnet wird, was da so einfach dahin behauptet wird. Ich habe gerade diesen Passus in Sachen Impfverordnung gelesen:

"Ein drohender Ausfall von ambulantem Notdienst und Praxen hätte katastrophale Auswirkungen auf den Verlauf der Pandemie“, erklärte Hofmeister.

Wieso eigentlich? Als Mathematiker (der man aber nicht sein muss, um die zugrundeliegende Rechnung hinzubekommen) interessiert es mich natürlich, was eigentlich an Zahlenwerk dahintersteckt.

Wie wir alle wissen, liegt die Anzahl positiver Tests im Laufe des ganzen Jahres bei ca. 2%. D.h. diese 2% fallen für eine Zeit lang aus. Die Dunkelziffer spielt hier allerdings keine Rolle, weil genau deswegen die Fälle unerkannt bleiben.

Ein positiver Test bedeutet für einen Senior im Altenheim ggf. die Katastrophe, das ist sicherlich so, aber der typische ambulante Helfer kommt eher aus einer Altersschicht, die für 10 Tage in Quarantäne geht und danach wieder arbeitet. Ich rechne aber mit 14 Tagen, ist einfach zu rechnen, sind genau 2 Wochen. Ein Arbeitsjahr hat 52 Wochen, also fallen ungefähr 4% (es kommt nicht auf Genauigkeit an, ein Pi-Mal-Daumenwert reicht vollkommen aus) der Arbeitszeit für diese Kraft in diesem Jahr wegen einer Corona Infektion aus.

Es betrifft im Schnitt 2%, die büßen 4% ein, d.h. insgesamt fällt an Arbeitszeitleistung im Laufe eines Jahres 8/10000tel aus, also aufgerundet 1 Promille. Ein Arbeitsjahr hat 250 Arbeitstage, davon fallen im Schnitt also 0,25 Arbeitstage pro ambulantem Helfer aus.

D.h. der Arbeitnehmer steht im Schnitt an allen Tagen zur Verfügung, nur an einem Tag nur zu 3/4. Im Schnitt fehlt jeder Arbeitnehmer nicht einmal einen Tag pro Jahr. Ich habe mal gelesen, je nach Branche (Lehrer sind die "führende" Branche) fallen Arbeitnehmer (oder Beamte) bis über 20(!!!) Tage pro Jahr aus - ohne Corona, wohlgemerkt. Der Schnitt lag für 2019 bei 10,9 Krankheitstage pP. Und durch Corona kommen jetzt 0,25 dazu, sind also statt 10,9 nun 11,15 - und das hat dann "katastrophale Auswirkungen"?

Ok, ich sehe ein, die Gleichverteilung auf ein ganzes Jahr trifft nicht die Realität, sicher gibt es auch hier einen fetten Peak im Winter und eine Flaute im Sommer, aber alleine schon die Tatsache, dass zu einem Zeitpunkt (auch in der Hochphase) nur ein paar Promille erkrankt sind, läßt mich an dieser Aussage zweifeln. In den letzten 14 Tagen sind im Schnitt ca. 20.000 Personen pro Tag positiv getestet worden, das sind nur 0,19 Promille. Von denen stehen die allermeisten in 14 Tagen wieder an ihrem Arbeitsplatz. Ein ernstes Problem sind eigentlich "nur" die überfüllten Intensivstationen, aber das hat ja mannigfaltige Ursachen, eigentlich ist es ein Armutszeugnis für unsere Gesundheitspolitik, dass noch nicht einmal 6.000 schwer kranke Patienten unser System bedrohen. Ein System, welches 83 Millionen Menschen versorgen soll. Wir haben fast 2.000 Krankenhäuser in Deutschland und mit gerade mal 3 Corona Intensivpatienten pro Krankenhaus sind wir am Ende unserer Kapazitäten?? Das ist dritte Welt Niveau, aber doch nicht das hochindustrialisierte Deutschland?!

Paula

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #17 am: 01. Januar 2021, 17:41:13 »

Zweitens der Egoismus oder die Unvernunft oder was auch immer es ist der Leute. Es ist mir vollkommen unverständlich wie man auf die Idee kommen kann, jetzt in die Schneegebiete zu fahren, um dort zu rodeln oder spazieren zu gehen. Niemals würde ich jetzt irgendwohin gehen, wo es viele Leute hat, wenn es nicht sein muss. Oder warum man an Weihnachten oder Silvester mal nicht darauf verzichten kann, andere zu treffen. Oder die Menschenmassen kurz vor dem Lockdown in den Innenstädten. Oder dass man bei geschlossenen Läden in Deutschland nach Frankreich oder Holland fährt, um halt dann dort einzukaufen.

Auch wenn ich Lauterbach oft nicht zustimmen kann, neulich in einer Talkshow sagte er, nach seinem persönlichen Fazit aus der Pandemie gefragt, dass er für den Klimawandel/schutz schwarz sieht, Corona würde nur wegen der Impfung besiegt werden können, gegen den Klimawandel wird es aber keine Impfung geben, da hilft nur das Verständnis und der Verzicht des einzelnen und genau das wird es nicht geben. Das sehe ich genau so, ich habe scheinbar meine Mitmenschen total falsch eingeschätzt, diese Unfähigkeit sich mal einzuschränken und die Füße still zu halten, das hätte ich vor der Pandemie nie für möglich gehalten.

Ach ja und ich hätte gerne ein verbindliches Datum ab dem Reisen in alle Länder wieder uneingeschränkt möglich sind, dass ich einfach wieder eine konkrete Reise planen kann ;D leider zur Zeit nur Wunschdenken.

Du sprichst mir aus der Seele Christina! Ich habe mir in den letzten Wochen öfter gewünscht in Korea geboren zu sein (mein Freund hat da Verwandte, darum bekommen wir die Unterschiede gut mit),  die begreifen nicht dass es bei uns sowas wie Covidioten gibt. Wenn da Maskenpflicht oder Quarantäne angeordnet wird halten sich die Leute dran und der Staat greift auch viel konsequenter gegen solche Egoisten durch. Mit dem Ergebnis dass dort ein fast normales Leben möglich ist und alles geöffnet ist. Wenn sich hier jeder mehr zurückhalten würde und mehr Gemeinsinn an den Tag legen würde könnte es bei uns auch so aussehen.

Ich habe nicht die Hoffnung dass sich hier viel ändern wird, wir werden noch ein halbes Jahr warten müssen, dann kann Ottonormalbüger und Evanormalbürgerin hoffentlich geimpft werden, gelobt sei die medizinische Forschung!
Ich habe mir gesagt ich belohne mich dann mit einer Reise nach Dallas. Und über die Debatte zu Impfprivilegien kann ich eigentlich nur lachen. Da kann der deutsche Minister ja gerne beschließen dass ein deutsches Kreuztfahrtschiff keinen Impfnachweis verlangen darf, aber dann wird es genügend Länder geben die dem Schiff den Hafen verweigern. Und der Lufthansa kann man ja auch gerne verbieten von den Passagieren einen Impfnachweis zu verlangen, aber wenn die Einreisebehörde in USA das verlangt dann tritt der Flugpassagier eben umgehend die Heimreise an. Die Realität wird das regeln, da bin ich mir sicher. Komischerweise regt sich niemand darüber auf dass es Länder gibt die eine Gelbfieberimpfung für die Einreise vorschreiben, das wird mit Corona bald genauso normal werden.

Ich hätte überhaupt kein Problem damit wenn Leute die jetzt schon geimpft sind ein paar Privilegien erhalten, schließlich ist für alle Land in Sicht und für manche Branchen wäre es vielleicht die Rettung. Unser Reisebüro hat uns gemailt dass es leider schließen muss, die wären für jeden potentiellen Reisegast dankbar...
Viele Grüße Paula

Christina

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #18 am: 01. Januar 2021, 18:15:00 »
Ich hätte überhaupt kein Problem damit wenn Leute die jetzt schon geimpft sind ein paar Privilegien erhalten, schließlich ist für alle Land in Sicht und für manche Branchen wäre es vielleicht die Rettung. Unser Reisebüro hat uns gemailt dass es leider schließen muss, die wären für jeden potentiellen Reisegast dankbar...

Das sehe ich genauso, aber hier habe immerhin etwas Hoffnung, dass das die Realität dann schon regeln wird. Wie du schreibst, wenn nicht in Deutschland dann in anderen Ländern und letztlich wird sich das dann angleichen.


Meine Meinung - ab dem Fenster Ostern bis Mitte September hast Du gute Chancen vernünftig (nicht wie vor 2020) Reisen zu können.
Positiv denken - also leg einfach los und plane was. Du kannst einen Mietwagen 24h vorher absagen und auch bei Zimmern kann man kurzfristige Stornierungsfristen einplanen. Bleibt der Flug und den macht man halt teurer kurzfristiger - so what?
Ich plane/überlege schon für nächstes Jahr und muss mich noch entscheiden was es werden soll (muss sowieso wie immer im Januar meinen Jahresurlaub festlegen). Tendenz - im August vielleicht wieder Island.  :)
Ich werde mich in den nächsten Tagen entscheiden und dann in die Routenplanung und Reservierung einsteigen.

Das mit dem Zeitraum sehe ich auch so und ich habe einige Ziele so weit geplant, dass ich/wir dann ziemlich spontan starten können. Aber jetzt schon buchen möchte ich nicht, das ist mir alles noch zu vage, gerade die Flugpläne sind doch Fantasiepläne, wenn man heute etwas bucht, hat man bis zum Start zig Umbuchungen, darauf habe ich keine Lust. Und bei Unterkünften weiß man auch noch nicht, ob es die gebuchte überhaupt noch gibt. Da fehlt mir einfach der Spaß beim buchen.


LG Christina

Horst

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #19 am: 01. Januar 2021, 19:54:30 »
Ich hätte überhaupt kein Problem damit wenn Leute die jetzt schon geimpft sind ein paar Privilegien erhalten, schließlich ist für alle Land in Sicht und für manche Branchen wäre es vielleicht die Rettung. Unser Reisebüro hat uns gemailt dass es leider schließen muss, die wären für jeden potentiellen Reisegast dankbar...
Siehe oben - die 80jährigen werden die Reisebüros nicht retten.

Und zumindest alles was EU ist wird sich gut überlegen sowas zu machen zumindest bevor für alle Impfstoff verfügbar ist.
Da liegt ja das Problem - man möchte sich impfen lassen und kann aber nicht weil andere entscheiden wann man dran ist. Somit ist das ein Verstoß gegen Gleichbehandlung und die Summe an Klagen würde die Gerichtsbarkeit jedes EU-Landes zum erliegen kommen lassen - wenn jemand ein Impfung z.B. zum fliegen bräuchte aber eben keine machen darf.
Was die Amis & Co machen spielt da erstmal keine Rolle.
Generell sehe ich Reisen im ersten Halbjahr 2021 ins Nicht-EU-Ausland kritischer als in die EU. Gerade auch vom rechtlichen Standpunkt bezüglich zurückholen, Flugausfälle, Rückzahlungsstreitigkeiten. Da ist eben deutlich weniger Schutz.
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Susan

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #20 am: 02. Januar 2021, 19:25:06 »
Zitat
Ein ernstes Problem sind eigentlich "nur" die überfüllten Intensivstationen, aber das hat ja mannigfaltige Ursachen, eigentlich ist es ein Armutszeugnis für unsere Gesundheitspolitik, dass noch nicht einmal 6.000 schwer kranke Patienten unser System bedrohen.

Diese Zahl kam mir auch sehr, sehr merkwürdig bzw. bedenklich vor. Selbst wenn man rechnet, dass noch Betten/Geräte/Personal für die sonst üblichen Intensiv-Patienten frei bleiben sollen.

Wenn ich so überlege, was für Impfungen Colin für sein Austauschjahr brauchte, kann ich mir schon vorstellen, dass die USA einen Corona-Impfnachweis für die Einreise fordern könnten. Und einige andere Länder auch
Liebe Grüße
Susan


Horst

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #21 am: 03. Januar 2021, 12:20:36 »
Mal was wirklich neues. Setzte es mal in diesen aktuellen Thread:

Zitat
Ein neues Corona-Medikament wird derzeit in einer Studie getestet: Die Antikörper-Kombination von AstraZeneca könnte sofortigen Schutz gegen Covid-19 bieten – und wäre einer Impfung weit voraus.
Quelle und ganzer Artikel der Frankfurter Rundschau

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Rainer

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #22 am: 03. Januar 2021, 12:55:18 »
Mal was wirklich neues. Setzte es mal in diesen aktuellen Thread:

Liest sich auch vielversprechend, vor allem u.a. auch weil sie schon in der Phase III sind. Ich habe gestern noch einen wissenschaftlichen Artikel über Medikamentenentwicklung gelesen, da wurde gesagt, dass für die meisten "Fehlentwicklungen" die Phase II der Genickbruch sind. Von den Medikamenten, die in Phase III ankommen, werden statistisch am Ende zwischen 50% und 60% nachher auch zugelassen. Das wäre ja ein Lichtblick.

So wie das klingt, wäre das dann eine sog. "passive" Impfung, im Gegensatz zur "aktiven" Impfung wird dabei nicht das Immunsystem angeregt resp. antrainiert, sondern es bekommt einfach Unterstützung von außen. Meistens ist der Schutz dadurch viel schneller verfügbar, aber oft auch von kürzerer Dauer. Wobei die im Artikel genannte Zeit (bis zu 1 Jahr) opulent erscheint, das wäre eine perfekte Option für eine Reise, man impft sich damit kurz vorher und ist für die nächsten Wochen erst einmal sicher. Wäre toll, wenn das klappt.

Ich hatte auch einen Artikel über eine Forschung in den USA gelesen, wo auf der Entwicklung eines Grippemittels ein neues Medikament gegen Covid-19 erforscht wird, welches letztendlich sogar nur oral verabreicht wird und auch sofortigen Schutz, wie aber auch Heilung bieten soll. Angeblich hätten Frettchen im Tierversuch innerhalb von 24 Stunden die Viren quasi besiegt. Frettchen haben angeblich ein ähnliches Immunverhalten wie Menschen, angeblich werden jetzt die ersten Versuche an Menschen gestartet. Auch hier ein Link:

https://www.infranken.de/ratgeber/gesundheit/coronavirus/corona-gegenmittel-grippe-medikament-stoppt-uebertragung-durchbruch-kampf-gegen-sars-cov-2-art-5127468

Rainer

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #23 am: 03. Januar 2021, 13:27:39 »
Es ist mir vollkommen unverständlich wie man auf die Idee kommen kann, jetzt in die Schneegebiete zu fahren, um dort zu rodeln oder spazieren zu gehen.

Das habe bis gestern inkl. auch gedacht, aber ich muss zugeben, ich revidiere hiermit meine Meinung. Ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, die genaueren Umstände zu analysieren. Das habe ich inzwischen getan und ich habe Artikel gelesen und vor allem Videos gesehen. Es ist leider wieder einmal so, dass eine panikmachende Medienwelt übertreibt, dass die Schwarte kracht. Es gibt einfach zu viele Superpanikmacher in Deutschland.

Natürlich ist es idiotisch, dass alle in den gleichen Ort fahren und den verstopfen. Aber das läßt sich aus München und Umgebung leicht sagen, da ist man mit dem Auto ruckzuck irgendwo in einem Schneegebiet. So etwas gibt es im Ruhrgebiet nicht, ich kann jedem nur empfehlen, fahrt mal nach Bottrop oder Oberhausen und versucht dort mal, eine Schneewanderung zu machen. Das wird nicht so einfach gelingen. Also werden ganze Familien wochenlang(!) zu Hause eingesperrt, denen fällt buchstäblich die Decke auf den Kopf und wenn dann endlich der erste Schnee fällt, dann kennt der Einzelne nur die paar Wintersportorte im Sauerland u.ä., die halbwegs kurzfristig erreichbar sind. Und dann fahren sie eben alle dahin, das liegt natürlich auch daran, dass bisher alle diese Orte auch den Tourismus umworben haben und entsprechend auf sich aufmerksam gemacht haben.

Dann habe ich die Videos von der Rodelpiste gesehen und da habe ich endgültig gedacht, diese Berichterstattung ist wieder einmal Panikmache und Übertreibung hoch zehn. Ja, da stehen einige Leute herum, aber das ist ein Riesengebiet, da steht keine Riesenansammlung wie in einem Fussballstadion, sondern da stehen kleinste Trüppchen (sicherlich jeweils Familien) in durchaus opulenter Entfernung zueinander (die Schlitten sind sicherlich mindesten 50m weit auseinander) herum und haben Spass auf dem Schnee. Da sehe ich überhaupt nicht das allergeringste Problem, es gibt sogar dort noch Menschen, die ernsthaft eine Maske tragen (das halte für total durchgeknallt - hallo, wir sind hier an der frischen Luft!!), obwohl das nicht die Altstadt von Düsseldorf ist, sondern ein mehr oder minder gut besuchter Skihang im Freien. Die Menschen da sind glücklich und bewegen sich endlich auch mal.

Als ich das Video gestern gesehen habe, da tat es mir in der Seele weh, wenn ich lese, wie darüber berichtet wird. Langsam drehen die Leute hier wirklich durch, das ist so dermaßen unangemessen und so dermaßen übertrieben, davon wird kein einziger Senior in einem Altenheim weniger krank, wenn man den Leuten auch noch ihren Freizeitspass wegnimmt. Es sind ja auch schon alle Indoor Sportarten verboten (man überlege Tennis, da stehen zwei(!) Menschen im Abstand von 60m und spielen sich einen kleinen Ball zu, aber nein, davon werden die Senioren im Altenheim krank....), ich möchte nicht wissen, wieviele zusätzliche Zivilisationskrankheiten die politisch verordnete Bewegungsarmut (DASS Problem unserer Zivilisation schlechthin, Ursache fast aller Herz- und Kreislauferkrankungen, mit Riesenabstand die Todesursache Nummer eins auf der Welt) zur Folge hat. Nein, also ich kann die Leute jetzt verstehen und verstehe andererseits die nicht, die sich das Geschehen wahrscheinlich erst gar nicht angeschaut haben und sowieso pauschal die Lebensumstände anderer Menschen beurteilen wollen. Es hat nicht jeder die gleichen Möglichkeiten und es gibt sehr, sehr viele Menschen, die in ihren kleinen Wohnungen förmlich ersticken.

Auf der anderen Seite haben wir das Totalversagen von Spahn und Merkel (und der EU), denen anscheinend nicht ansatzweise bewusst ist, dass alleine eine einzige Woche Lockdown deutlich mehr kostet als eine zigfache Überbestellung potenter Covid-19 Medikamente. Da wurde sinnlos taktiert und am falschen Ende gespart, weil die Medikamente vergleichsweise geschenkt(!) sind, im Vergleich zu den horrenden Kosten des Lockdowns, dem ungeeignetsten aller Mittel gegen die Pandemie. Alleine die Lufthansa bekommt mehr Geld als alle Medikamente für alle zusammen kosten. Aber sich dann über ein paar Familien aus dem Ruhrpott aufregen, die eben nicht im schönen Bayern wohnen und keine Berge vor der Haustüre haben. Dass trotz allem die Inzidenz ausgerechnet in NRW auch noch geringer ist als in Bayern, zeugt von der aufopferungsvollen Disziplin der Rheinländer. Da machen die paar Rodeler den Braten nicht fett. Aber man kann so schön vom Thema ablenken, dem eigentlichen Problem des verpennten Impfens.

Christina

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #24 am: 04. Januar 2021, 17:51:25 »

Natürlich ist es idiotisch, dass alle in den gleichen Ort fahren und den verstopfen. Aber das läßt sich aus München und Umgebung leicht sagen, da ist man mit dem Auto ruckzuck irgendwo in einem Schneegebiet. So etwas gibt es im Ruhrgebiet nicht, ich kann jedem nur empfehlen, fahrt mal nach Bottrop oder Oberhausen und versucht dort mal, eine Schneewanderung zu machen. Das wird nicht so einfach gelingen. Also werden ganze Familien wochenlang(!) zu Hause eingesperrt, denen fällt buchstäblich die Decke auf den Kopf

Bei uns hier fällt auch praktisch nie Schnee, deshalb bin ich noch lange nicht zu Hause eingesperrt. Weshalb sollte man für frische Luft und Bewegung Schnee brauchen oder warum sollte einem ohne Schnee die Decke auf den Kopf fallen? Wenn es nun, wie in vielen Wintern zur Weihnachtszeit gar keinen Schnee gäbe in den Mittelgebirgen? Müssten die Leute zu Hause eingesperrt bleiben - nee ich habe kein Verständnis für irgendwelche Ausflüge und wäre auch dafür, wie in vielen unserer Nachbarländer, eine Begrenzung des erlaubten Radius rund um den Wohnort zu verhängen (ist glaube ich in Sachsen schon so), da es eben mit Appellen an die Vernunft der Leute nicht funktioniert.


LG Christina

Rainer

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #25 am: 04. Januar 2021, 19:53:50 »
Bei uns hier fällt auch praktisch nie Schnee, deshalb bin ich noch lange nicht zu Hause eingesperrt. Weshalb sollte man für frische Luft und Bewegung Schnee brauchen oder warum sollte einem ohne Schnee die Decke auf den Kopf fallen?

Weil nicht alle Menschen erst mit 50 Jahren auf die Welt kommen. Wie oft hast Du eine Corona Pandemie in Deiner Kindheit erlebt und hast artig quasi ein Jahr lang alles getan, was von Dir verlangt wurde? Ich weiß, dass es schwer fällt, sich an seine eigene Kindheit zu erinnern, mit allen Facetten, aber Kindern fällt definitiv das Dach auf den Kopf. Diese Pandemie ist ein Desaster für Kinder.

Ich kann mich an Szenen aus meiner Kindheit erinnern, dass ich geweint habe aus tiefster Verzweiflung, wenn mir meine Eltern am Sonntag verboten haben, nachmittags auf den Bolzplatz zu gehen. Wie schwer muss das erst Recht sein, wenn man schon monatelang quasi eingesperrt ist zu Hause und der erste Schnee fällt (da bin ich morgens wie ein Irrer aus dem Bett gehoppst und habe mich gefreut wie ein Wahnsinniger, in den Schnee spielen zu gehen) - aber ich habe es eben zum Glück nicht mehr vergessen. Leider haben das aber viele Menschen, als hätten sie keine Kindheit gehabt. Es ist doch so leicht, einfach mal zu Hause zu bleiben - NEIN, das ist eine Katastrophe für Kinder und ich hätte einen Riesenterz veranstaltet und es hätte mich einen "SCHEISS" interessiert, wieso ich nicht spielen darf. Aber manche kommen anscheinend schon mit 50 auf die Welt und sind geläutert....

Rainer

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #26 am: 05. Januar 2021, 13:24:28 »
Immerhin gibt es auch noch besonnene Menschen in dieser Pandemie. Eine vernünftige Sicht des Bürgermeisters von St. Blasien:

Zitat
Kritik äußerte hingegen der Bürgermeister von Sankt Blasien im Südschwarzwald. Er habe für jeden Verständnis, der bei diesen Schneebedingungen draußen sein wolle. "Ich denke, es sollte nicht zum Volkssport werden, mit erhobenem Zeigefinger auf andere zu zeigen und sie zu verurteilen", sagte er im SWR. Gemeinden und Wintersport-Anbieter sollten genügend präparierte Pisten, Loipen und Wanderwege zur Verfügung stellen. Außerdem müsse das Parkplatzangebot erweitert werden. Dort, wo es viele Angebote gegeben habe und sich die Leute verteilen konnten, habe es keine Probleme gegeben, so Probst.

Auf Tagesschau.de ist auch noch dieses Foto mit den "vollen Pisten" abgebildet - trotz der Verzerrung durch ein starkes Tele erkennt man, wie weit(!) die Menschen auseinanderstehen und wie wenige es im Vergleich zur Größe des Terrains sind:



Da wird dann so ein Geschrei drum gemacht, weil in paar Familien ihre kleinen Kinder in den Schnee entführen? Wie tief kann diese Gesellschaft noch sinken?

Zur gleichen Zeit sorgt die verfehlte Impfstrategie für neuen Ärger in NRW - wegen fehlender Impfpflicht (habe ich aber kein Problem mit, das muss jeder selbst wissen) bei gleichzeitiger starrer Impffolge (das ist ein Problem, denn die notwendige starre Organisation ist ein gefährlicher Hemmschuh) wird nicht schnell genug verimpft, der wertvolle Impfstoff bleibt liegen. Der Gesundheitsversager NRWs Laumann lässt glauben, "dass vor Ort pragmatische Lösungen gefunden würden, um den überschüssigen Impfstoff den Regeln entsprechend zu verabreichen, damit er nicht verworfen werden müsse". Drei mal kurz gelacht, natürlich wird das Zeug weggeworfen, weil der Idiot ja festgeschrieben hat, wer geimpft werden darf. Und wenn der nicht gebraucht wird, fliegt das Zeug in den Müll. Genau das ist das Problem der fehlerhaften Strategie. Dabei ist übrigens besonders die Impfwilligkeit bei den Pflegern ausgesprochen schlecht, unter 40% lassen sich angeblich nur impfen.

Mein Vorschlag (aber ich mache mir wenig Hoffnung, dass Entscheider hier mitlesen): die Hälfte der jeweiligen Lieferungen wird Heimen und Senioren vorbehalten (resp. im weiteren Verlauf auch anderen vulnerablen Menschen), die andere Hälfte ist für jederman. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und im Notfall kann man Imfpstoffe "verschieben", weil es grundsätzlich zwei logistische Wege gibt, die einander aushelfen können. Der "jederman" Zweig kann in jedem Fall immer Dosen verimpfen, die sonst übrig blieben.

Susan

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #27 am: 05. Januar 2021, 16:11:42 »
Natürlich braucht man für frische Luft und Bewegung keinen Schnee, aber es macht halt mehr Spaß als in Matschepatsche. Und grad für Kinder ist es immer noch was besonderes. Außerdem hieß es doch, man soll sich mit der Familie möglichst im Freien treffen  ;) Verstanden habe ich diese Familien also sehr gut.

Weniger dagegen, dass das offenbar niemand vorausgesehen hat.

Das ganze Problem mit dem Verkehrschaos und dem angeblichen "zu voll für Abstand" liegt doch wieder nur an der mangelnden Weitsicht und Planung. Auch jetzt fällt den meisten wieder nur "Zumachen" und "Absperren" ein. Und das Ende vom Lied:  die Leute werden erst sauer, dann trotzig; womit keinem gedient ist. In Utah und Colorado zum Beispiel haben sich die Skigebiete schon ab der plötzlichen Schließung letzten März Gedanken  gemacht, wie es diesen Winter weiter geht. Sie haben ein Online-Reservierungssystem auf die Beine gestellt und sicher auch genügend Hilfkräfte für Einlasskontrollen gefunden.  Warum ist hier sowas nicht möglich?  Im Frühsommer wurde etwas ähnliches ja auch für den Freibadbesuch versucht.

Und wenn man schon bei diesen Ausflügen der Familien Panik schiebt, was ist dann mit Schulen und Kitas? 

PS: Herr Probst hat meinen vollen Beifall.
Liebe Grüße
Susan


Silke

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Re: Und schon geht die Neiddebatte los...
« Antwort #28 am: 06. Januar 2021, 00:12:38 »
Na, Schulen und Kitas lässt man entgegen aller Meinungen von Experten in dem Sektor einfach mal noch 4 Wochen zu. Welche Schäden das bei den Kids bewirkt interessiert Niemanden. Merkel trifft sich nur mit Wiehler und Co.