Autor Thema: Kopenhagen im November 2021 - Kunst, bunte Lichter und moderne Architektur  (Gelesen 330 mal)

Ilona

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Wow, was für ein tolles Wetter (wenn auch etwas frisch) und Licht :beifall:. So macht eine Stadterkundung Spaß.

Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Christina

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4. Tag – Montag, 22.11. - 2. Teil

Nun ist es Zeit fürs Mittagessen, gleich in der Nähe schlägt der Reiseführer „Det Lille Apotek“ vor, das wohl älteste Restaurant Kopenhagens (wobei es das ursprüngliche Gebäude von 1720 nicht mehr gibt, das jetzige ist von 1829).

Der Gastraum befindet sich etwas unterhalb des Strassenniveaus und wurde in den letzten 150 Jahren kaum verändert. Nur wenige Tische sind besetzt. Natürlich gibt es auch hier das obligatorische Smørrebrød in allen Variationen, ich bin aber froh, auch mal etwas anderes auf der Karte zu finden und bestelle eine Art Gulasch mit Spiegelei und Rote Beete und Gurkensalat. Wasser gibt es kostenlos zu trinken, dazu bestelle ich irgendeine Art von Saft (EUR 23,26). Es schmeckt gut, aber die Portion ist so groß, dass ich einen Teil zurückgehen lassen muss.



Da es so schönes Wetter ist, die Sonne aber kaum bis in die Straßenschluchten der Innenstadt dringt, beschließe ich nach dem Essen die Innenstadt zu verlassen. Vom Restaurant spaziere ich daher in Richtung U und S-Bahn Station „Nørreport“. Der Weg führt mich ein kleines Stück durch die Fußgängerzone, vorbei am Rundetårn (dazu später mehr) und zur danebenliegenden Trinitatis Kirke, sowie über den sehr netten Kultorvet, weihnachtlich geschmückt mit einer riesigen Elchfigur.





Mit der U- oder S-Bahn fahre ich in Richtung Norden bis zur Station „Nordhavn“. Dieses ehemalige Industriehafengelände wurde und wird aktuell noch umgestaltet in ein Wohngebiet und bietet einiges an moderner Architektur. Es gibt einen Spazierweg auf Holzbohlen direkt am Wasser entlang, der wunderbar in der Sonne gelegen zu einem weiteren Hafenschwimmbad führt (auch hier sind ein paar Schwimmer unterwegs) und zu den nicht zu übersehenden Portland Towers. Das sind ehemalige Zementsilos, die durch einen Ring von außen umlaufenden Stockwerken erweitert wurden, seit kurzem Sitz der Deutschen Botschaft – nicht der schlechteste Arbeitsplatz ;D. Die schwarzen „Haufen“ davor können von Skateboardfahrern genutzt werden. Auf der gegenüberliegenden Hafenseite stehen ebenfalls moderne Bürogebäude und, als Kontrast, in der Hafeneinfahrt ein altes Fort (Trekroner Fort, eine Verteidigungsanlage von 1787) mit einem weißen Leuchtturm.





Ums Eck von den Portland Towers steht das Konditaget Lüders, ein Parkhaus dessen Dach als Sport- und Freizeitfläche genutzt wird, zugänglich über zwei steile Treppen an den Außenseiten des Gebäudes, die als Fitnessstrecke gedacht sind – eine geniale Idee. Ich setze mich eine Weile auf eine der Schaukeln in der Sonne und kann mir dabei ein weiteres interessantes Gebäude anschauen, The Silo, das ehemalige Getreidesilo wurde mit einer stählernen Außenhülle umgeben und in Apartments umgewandelt.



Ich verlasse den Nordhavn und spaziere in Richtung Innenstadt. Eigentlich kann man immer direkt am Wasser entlang gehen, wegen vieler Baustellen ist das zur Zeit aber nicht immer möglich.


Nach ungefähr 45 Minuten erreiche ich das Symbol der Stadt Kopenhagen, die Lille Havfrue. Hier haben sich dann doch mal eine Handvoll Touristen eingefunden, die sich in allerlei Posen vor der hübschen Skulptur fotografieren. Zum Glück sitzt die Meerjungfrau auf einem Stein im Wasser, so dass Fotos ohne Touristen möglich sind.


Die Geschichte der Skulptur ist ganz interessant: sie wurde vom Carlsberg Besitzer Carl Jacobsen in Auftrag gegeben, der von einer Ballettadaption des Märchens, dabei insbesondere der Tänzerin Ellen Price, begeistert war. Sie sollte das Modell für die Skulptur sein. Sie war einverstanden, allerdings wollte sie nicht nackt Modell stehen. Daher ist die Skulptur nun nach dem Kopf von Ellen Price und dem Körper von Eline Eriksen, der Frau des Bildhauers Edvard Eriksen gestaltet. Seit 1913 sitzt die Kleine Meerjungfrau nun hier, wobei es sich inzwischen um die xte Kopie handelt, sie wurde mehrfach beschmiert, beschädigt und ins Wasser geworden, zum Glück gibt es noch die originale Gussform, so dass die Skulptur immer wieder rekonstruiert werden kann.

Im Hintergrund auf der anderen Hafenseite ist Refshaleøen zu sehen, ehemalige Werftgebäude und Lagerhallen in denen sich heute der Streetfoodmarkt „Reffen“ befindet, sowie ein Zentrum für zeitgenössische Kunst. Der Streetfoodmark ist leider im Winter geschlossen und meine Zeit eh begrenzt, so dass ich auf einen Abstecher dorthin verzichtet habe.

Nicht weit von der Kleinen Meerjungfrau entfernt ist die Kirche St. Alban, die einzige anglikanische Kirche Dänemarks und der Gefion Brunnen. Gefion ist eine Göttin aus der dänischen Mythologie, die von Odin beauftragt wurde, neues Land zu finden. Mit Hilfe ihrer in Ochsen verwandelten Söhne bricht Gefion ein Stück Land aus Schweden heraus und zieht es nach Westen - die heutige, größte Insel Dänemarks, Seeland. Auch der Brunnen wurde von der Carlsberg Brauerei in Auftrag gegeben und der Stadt geschenkt.



Nach ein paar Gehminuten weiter Richtung Süden und Zentrum sehe ich auf der linken Hafenseite wieder moderne Architektur: die Oper, erst 2005 eröffnet. Architekt war Henning Larsen, der auch das neue „Spiegel“ Gebäude in Hamburgs Hafencity (2011) schuf. Sehr gerne hätte ich mir das Foyer der Oper angeschaut, das von den Künstlern Olafur Eliasson (der auch die Cirkelbroen schuf) und Per Kirkeby gestaltet wurde, leider geht das nur, wenn man entweder eine Aufführung besucht oder im Rahmen einer Führung. Während meines Aufenthalts finden zwei Führungen statt, allerdings nur auf Dänisch und mit Voranmeldung. Daher verzichte ich darauf. Auch die Oper ist ein Geschenk an die Stadt und zwar vom reichsten Dänen, Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller, die Supermarktkette Netto und die Mærsk Containerschiffahrt gehören seinen Gesellschaften.


Direkt gegenüber der Oper, etwas zurückversetzt vom Wasser, liegt Schloss Amalienborg, der Wohnsitz der Königin im Winter. Das Schloss besteht aus vier identischen Einzelpalästen, von denen einer normalerweise besichtigt werden kann. Zur Zeit sind aber keine Besichtigungen möglich. In der Mitte steht das Standbild Frederiks V.



Hinter dem Schloss ragt die Marmorkirken hervor, bewusst nach dem Vorbild der Peterskirche in Rom gestaltet. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 30 m und ist damit eine der größten weltweit. In der Kirche ist es herrlich warm, so dass ich den Anblick der schönen Kuppel eine ganze Zeit lang genieße.



Die Kirche ist eine weitere Möglichkeit Kopenhagen von oben zu betrachten, zu dieser Jahreszeit allerdings nur am Wochenende und dafür wollte ich meine beiden Wochenendausflüge dann doch nicht opfern, es gibt ja genug andere Möglichkeiten der Turmbesteigung in der Stadt.

Eine weitere steht heute noch auf meinem Plan, weshalb ich nun mit der U-Bahn wieder zurück zur Station „Nørreport“ im Zentrum fahre. Inzwischen ist es 15.30 Uhr, Zeit für Kaffee und Kuchen. Die gibt es im Café Fiol in der Fußgängerzone, an sich sehr gemütlich, aber hier muss ich zum ersten (und einzigen) Mal meinen 3G Nachweis nicht zeigen und die Toilette sieht aus, als hätte sie schon monatelang keinen Putzlappen gesehen. Die Tiramisu Torte und der Cappuccino sind trotzdem lecker (EUR 9,41) - auf der Toilette war ich erst am Schluss ;D.


Nicht weit vom Café liegt der Rundetårn (runder Turm), an dem ich heute schon mal vorbeigekommen bin. Er bietet unter anderem eine Aussichtsplattform mit großzügigen Öffnungszeiten, heute bis 18 Uhr. Da es zu dieser Zeit schon längst dunkel ist, habe ich damit die Gelegenheit neben den beiden Ausblicken heute Vormittag bei Tageslicht, die Stadt auch noch zur Dämmerung und im Dunkeln von oben zu sehen.

Der Runde Turm wurde 1642 gebaut und war Teil der Universität, ganz oben war bzw. ist immer noch ein wissenschaftliches Observatorium und auf halber Höhe war die Unibibliothek, d.h. eigentlich war die Bibliothek in einem Raum über der Trinitatis Kirke (die ich mir heute nach dem Mittagessen angeschaut habe), der Zugang erfolgte über den Runden Turm. Das erklärt auch die Besonderheit des Turms, nach oben geht es nicht über Treppen, sondern über eine moderat ansteigende sehr breite Rampe, diese konnte von Fuhrwerken genutzt werden, auf denen Bücher transportiert wurden. Die Bibliothek ist schon lange umgezogen, der Raum war zu kleine, heute wird der Saal für Ausstellungen und Konzerte genutzt.

Und auf dem Dach ist die Aussichtsplattform, deretwegen ich hauptsächlich hier bin. Nach Vorzeigen meiner Copenhagen Card spaziere ich über die Rampe nach oben.


Es ist jetzt viertel nach vier und schon dämmrig. Ich bleibe ungefähr eine halbe Stunde hier oben, der Himmel in Richtung Westen verfärbt sich wunderschön. Höhe des Turms sind übrigens nur 36 m.






Bevor ich zu einem Eiszapfen werde, es ist nämlich sehr kalt in der Höhe, insbesondere da ausgerechnet von Westen, der Richtung mit dem interessantesten Ausblick, ein eiskalter Wind weht, gehe ich nach innen, nutze die Toilette und schaue mir zum Aufwärmen die aktuelle Ausstellung in der ehemaligen Bibliothek an.

Der Titel lautet „Maxi Reload in unknown depth“. Zwei dänische Künstlerinnen zeigen eine (Zitat des Flyers) „sculptural exhibition about the love-hate relationship to the third and fourth industrial ages.” Klingt eigentlich ganz interessant, die Stücke sind allerdings sehr abstrakt, verschiedenen Baumaterialien werden genutzt, z.B. Rohre, die „irgendwie“ herumliegen, oder auch ein Ikea Schrank ist zu sehen, ein Snackautomat oder verschiedene Kabel. Na ja, mein Geschmack ist es nicht unbedingt, aber ich bewundere mal wieder Fantasie und Kreativität der Künstlerinnen.

Ein letztes Ziel für heute habe ich nun noch. Vom Turm gehe ich zurück zur „Nørreport“ Station und fahre mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Direkt gegenüber des Haupteingangs befindet sich der Vergnügungspark Tivoli. Dänemarks größte Attraktion (nach Besucherzahlen) bietet Fahrgeschäfte, Hotels, Restaurants, eine Konzerthalle, Souvenirshops und Spazierwege umgeben von (im Sommer) schön angelegten Blumenbeeten, das alles auf kompakter Fläche zwischen Bahnhof und Rathausplatz. Grund meines Besuchs und dessen abendlicher Stunde ist ausschließlich die weihnachtliche Beleuchtung des Parks und die Tatsache, dass der Eintritt in der Copenhagen Card enthalten ist (nicht die Nutzung der Fahrgeschäfte, die kommt immer zum eigentlichen Eintritt dazu).

Und die Beleuchtung erschlägt mich fast. Es scheint, als ob jede Oberfläche, auf der eine Lichterkette befestigt werden kann, mit solch einer ausgerüstet wurde. Puh, da hätte ich eigentlich von den Dänen etwas Geschmackvolleres erwartet. Aber gut, nun bin ich hier und es ist nicht sehr voll, also lasse ich alles auf mich wirken, mache Fotos, sogar mein Stativ kann ich an verschiedenen Stellen aufstellen.









Ich bekomme noch etwas Hunger, das ist die Gelegenheit einen Pølser zu probieren, das „Nationalgericht“ Dänemarks (wobei ja auch Schweden für Hotdogs bekannt ist, dachte ich immer). Ich bestelle die klassische Variante (EUR 6,05), auch hier wieder, na ja, die vielen rohen Zwiebeln sind nicht so meins, außerdem fällt ein Großteil der extrem kleinteiligen Zutaten aus dem Brötchen auf den Tisch bzw. Boden, Wurst und Brötchen sind aber lecker, stillen meinen Hunger und wärmen ein bisschen.

Dann gehe ich zu Fuß zurück zum Hotel, wo ich gegen 18.30 Uhr ankomme.

Wetter: sonnig, ca. 1 - 3 °C
LG Christina

Susan

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Hui, das war ja ein Tag prallvoll mit Eindrücken   ;D
Da war einiges Bekanntes dabei, aber auch viel neues. Die schwimmenden Gärten kennen wir noch nicht, auch die Badedocks sind mir neu. Finde ich aber gute Ideen!
In der Oper hätte das abgesagte Konzert stattgefunden, ich war schon ganz gespannt, wie es innen aussieht. Naja, vielleicht wird es doch irgendwann nachgeholt.

Die Außenwendeltreppe an der Kirche habe ich mich nicht hoch getraut  :P sah jetzt auf deinem Bild aber gar nicht so schlimm aus.

Hab mich schon gefragt, ob der Tivoli wohl offen hatte. Bunt beleuchtet ist er ja immer, aber diese Weihnachtsdeko toppt das nochmal  ^-^
Liebe Grüße
Susan


Ilona

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Zitat
... und die Tatsache, dass der Eintritt in der Copenhagen Card enthalten ist (nicht die Nutzung der Fahrgeschäfte, die kommt immer zum eigentlichen Eintritt dazu.

Hatten die Fahrgeschäfte überhaupt bei der Kälte geöffnet?

Jedenfalls wurde in dem Park der Strom verprasst. Vielleicht gehen dort abends die Dauerkartenbesitzer hin, denn für die Laufkundschaft lohnt der Aufwand doch nicht.

Die moderne Architektur in der Stadt ist schon klasse :beifall:.

Also täglich möchte ich auch kein Smørrebrød. Das Gulasch mit Spiegelei sieht zwar komisch aus, aber Hauptsache es schmeckt. 
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Rainer

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Also täglich möchte ich auch kein Smørrebrød. Das Gulasch mit Spiegelei sieht zwar komisch aus, aber Hauptsache es schmeckt.

Immerhin gibt es in Dänemark ausgesprochen leckeres Brot, die haben auch richtig gute Vollkornbrote u.ä.. Zum Frühstück esse ich zu Hause auch kein Gulasch oder Spiegelei. Nur in Amiland ist das Brot so grausam, dass wir anders frühstücken als zu Hause. Aber ich kann auch da nicht sonderlich lang die Eggs und Ham oder auch die ganzen Donuts und anderen süßen Teilchen essen.

Wenn wir in Dänemark sind, haben wir eigentlich keine Probleme mit dem Frühstück. Allerdings essen wir meistens "aus dem Supermarkt", weil wir in Ferienwohnungen mit Selbstversorgung wohnen. Wenn man auf auswärts Essen angewiesen ist, ißt man anders als zu Hause. Typischerweise bekomme ich in den USA relativ häufig nach wenigen Tagen schon Probleme mit der Verdauung, ich habe da oft recht unangenehme Verstopfung. Mir fehlen die Ballaststoffe im Essen.

Christina

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Die schwimmenden Gärten kennen wir noch nicht, auch die Badedocks sind mir neu. Finde ich aber gute Ideen!
In der Oper hätte das abgesagte Konzert stattgefunden, ich war schon ganz gespannt, wie es innen aussieht. Naja, vielleicht wird es doch irgendwann nachgeholt.

Die Außenwendeltreppe an der Kirche habe ich mich nicht hoch getraut  :P sah jetzt auf deinem Bild aber gar nicht so schlimm aus.

Hab mich schon gefragt, ob der Tivoli wohl offen hatte. Bunt beleuchtet ist er ja immer, aber diese Weihnachtsdeko toppt das nochmal  ^-^

Ich fand die Badedocks auch super, wirklich tolle Ideen, die die Stadt da umgesetzt hat.

Das ist ja echt schade mit dem abgesagten Konzert, das wäre sicherlich alleine schon wegen der Innenarchitektur ein Erlebnis gewesen.

Ich fand die Wendeltreppe überhaupt nicht schlimm, das Geländer ging immer bis ca. Brusthöhe, ich habe aber eben auch keine Höhenangst. Insgesamt fand ich es schon erstaunlich, so einen offenen Zugang, wenn man sieht, was anderswo alles angebracht wird, um die Besucher (und eventuell auch die Leute unten auf der Straße) zu schützen.

Der Tivoli hat im Winter nur für eine gewisse Zeit rund um Weihnachten offen, ich glaube ab Mitte November bis Anfang Januar.

Zitat
... und die Tatsache, dass der Eintritt in der Copenhagen Card enthalten ist (nicht die Nutzung der Fahrgeschäfte, die kommt immer zum eigentlichen Eintritt dazu.

Hatten die Fahrgeschäfte überhaupt bei der Kälte geöffnet?

Die Fahrgeschäfte hatten geöffnet und wurden auch gut genutzt - dem Lärmpegel nach zu urteilen ;D, mir wäre das viel zu kalt gewesen, abgesehen davon, dass mein Magen bei jeglichen Fahrgeschäften nicht mitmacht. Hätte ich das nicht von der speziellen Weihnachtsbeleuchtung gelesen, wäre ich gar nicht hingegangen. Aber soviel Beleuchtung war schon ein Erlebnis ;D


Immerhin gibt es in Dänemark ausgesprochen leckeres Brot, die haben auch richtig gute Vollkornbrote u.ä.. Zum Frühstück esse ich zu Hause auch kein Gulasch oder Spiegelei.

Das Gulasch mit Spiegelei gab es zu Mittag, ich hatte den Tag in zwei Teile geteilt, wegen der Menge an Bildern und Text. Vollkornbrot ist tatsächlich kein Problem in Dänemark, ich hatte ja öfter Smörrebröd zu Mittag, das war meist Vollkornbrot.
LG Christina

Christina

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5. Tag – Dienstag, 23. 11.

Heute möchte ich meine Besichtigung der Innenstadt von Kopenhagen dort fortsetzen, wo ich gestern Mittag abgebrochen habe und fahre daher mit der S-Bahn von der Station beim Hotel zur Station „Nørreport“. Von dort gehe ich zum Rundetårn und dann in die Altstadtgassen um den Gråbrødretorv. Sehr bunt und hübsch hier.



Durch die Fußgängerzone geht es weiter zum nächsten Platz, dem Amagertorv, der mir sehr gut gefällt, leider hat die frühe Uhrzeit (9 Uhr) wie in allen Städten zwar den Vorteil, dass wenige Leute unterwegs sind, aber den Nachteil, dass überall Lieferanten-LKW rumstehen. Es hat übrigens nicht geregnet, auch wenn der Boden danach aussieht, das kommt von der hohen Luftfeuchtigkeit, die heute herrscht, auch ist es heute deutlich wärmer als gestern.


Den Abschluss der Fußgängerzone der Innenstadt bildet der große Platz Kongens Nytorv, hier „verschandelt“ wieder ein Weihnachtsmarkt den Anblick. Die französische Botschaft befindet sich hier, das 5-Sterne Hotel „D’Angleterre“ und das traditionelle Kaufhaus Magasin du Nord.




Direkt an den Kongens Nytorv schließt eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Kopenhagen an, der Nyhavn. Die Weihnachstsmarktbuden sind hier immerhin in dezentem weiß gehalten (da stört Jonny Depp doch deutlich mehr ;D) und so kann ich die allgemeine Begeisterung über den bunten Kanalabschnitt teilen, das ist schon sehr schön hier.





Wo der Nyhavn Kanal in den breiten Inderhavnen Kanal mündet steht das Schauspielhaus von 2008. Es gibt ein Café im Erdgeschoss und eine große Terrasse über dem Wasser, gegenüber ist die Oper zu sehen.


Nun spaziere ich am Wasser entlang nach Süden. An der alten Börse (heute Büro- und Veranstaltungsräume der dänischen Handelskammer) vorbei (die schraubenförmige Turmspitze besteht übrigens aus vier ineinander verdrehten Drachenschwänzen)


erreiche ich Schloss Christiansborg – das Zentrum der Macht in Dänemark, denn im Schloss befinden sich sowohl das Parlament, als auch das Oberste Gericht, sowie das Büro des Premierministers (wer die Serie „Borgen“ kennt, dem kommt der Anblick des Schlosses bekannt vor, ich habe sie nach meinem Kopenhagen Aufenthalt angeschaut), Abgeordnetenbüros und die königlichen Empfangsräume.

Ich spaziere erstmal durch die verschiedenen Innenhöfe des Gebäudes und der gegenüberliegenden königlichen Bibliothek, sowie zur marmorverkleideten Brücke, von der man einen schönen Blick auf den Reithof und die Rückseite des Schlosses hat.




Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Eingang zu den königlichen Empfangsräumen, die ich besichtigen möchte. Die zu finden ist nicht so leicht, denn es gibt im Schloss eine Vielzahl von unterschiedlichen Besichtigungsmöglichkeiten, alle mit verschiedenen Eingängen: den Ausblick vom Schlossturm bekommt man kostenlos und es geht sogar per Lift nach oben, leider zur Zeit aus unbekannten Gründen geschlossen; eine Parlamentsbesichtigung ist nur mit Führung möglich, zu meiner Zeit auf Englisch nur am Samstag, da hatte ich ja andere Pläne; die Kapelle des Schlosses kann zur Zeit nur Sonntags besichtigt werden; die Stallungen sind im Winter geschlossen; bleiben für mich heute noch die Küche (also die historische, nicht die aktuell genutzte), die Ruinen (d.h. Überreste von Vorgängerbauten des heutigen Schlosses) und eben die königlichen Empfangsräume und nur die letzteren interessieren mich. Da ich den Eingang dazu nicht finde, frage ich bei der Küche nach und erfahre, dass die Empfangsräume heute Vormittag außerplanmäßig nicht besichtigt werden können, da sich die Königin gerade dort aufhält (die Eingangsschilder wurden entfernt, deshalb habe ich den Zugang nicht gefunden). Ok, so nah war ich einem Mitglied einer königlichen Familie wohl noch nie, da habe ich aber nichts davon und muss meinen Plan ändern, Besichtigung ist dann ab 12 Uhr wieder möglich.

Nicht weit von Christiansborg entfernt steht das BLOX, aus ineinander verschachtelten Würfeln gebaut, was man am besten von der anderen Kanalseite aus sieht, wie ich gestern Morgen feststellen konnte. Im BLOX gibt es Wohnungen, ein großes Fitnessstudio, Büros und das DAC, das Dansk Arkitektur Center mit Wechselausstellungen zum Thema Design und Architektur. Der Eintritt ist in der Copenhagen Card inkludiert.



Als erstes schaue ich mir eine Ausstellung über die Designerin Cecilie Manz an („The Needle in the Haystack“), am Beispiel verschiedener Projekte von ihr wird der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt dargestellt. Sehr interessant und die fertigen Stücke sind wunderbar, typisch dänisch schlicht und trotzdem (un)auffällig schön.


Eine sehr große Fläche nimmt die Ausstellung zum Thema nachhaltiges Wohnen „Living Better Lives“ ein. Es wird am Beispiel des Architekturbüros Vandkunsten die Entwicklung der dänischen Wohnarchitektur in den letzten 50 Jahren gezeigt und in Modellräumen bzw. -häusern, die mich an die Möbelausstellung von Ikea, bei der man ja auch verschiedene vollständig eingerichtete Räume betreten kann, erinnert, dargestellt, wie man zu viert auf 37 qm wohnen kann. Dies wird hauptsächlich durch das Sharing Konzept verwirklicht, d.h. alle möglichen Geräte und Gegenstände sollen von möglichst vielen Menschen/Haushalten gemeinsam genutzt werden, so dass nicht unnötig Platz für das Aufbewahren dieser Gegenstände in den individuellen Häusern/Wohnungen gebraucht wird. Dazu gehören Waschmaschinen, Küchengeräte, die man eher selten nutzt, handwerkliche Maschinen, die man nur hin und wieder braucht, aber auch Bücher und gemeinsam genutzte Gärten und Gewächshäuser. Toll gemacht, inhaltlich für mich aber nicht überzeugend, denn gerade Corona hat doch gezeigt, wie schnell es geht, dass man zu Hause bleiben muss und dann froh ist, über jeden Quadratmeter mehr, den man hat (und die Wahrscheinlichkeit, dass es weitere Pandemien geben wird, recht groß ist), darüber hinaus habe ich selbst in unserer Schweizer Zeit erlebt, was es heißt, die Waschmaschine mit anderen Familien zu teilen, das führt im besten Fall zu vielen Einschränkungen und im schlechtesten Fall zu sehr viel Streit. Auch wenn es natürlich im Hinblick auf die Umwelt sicherlich gut ist, den Platzverbrauch des Einzelnen einzuschränken.


Nun ist es Zeit fürs Mittagessen und da es im DAC auch ein Restaurant gibt, kann ich erstmal hierbleiben. Vom Restaurantbereich hat man auch Zugang zur Dachterrasse mit Blick über die Gebäude entlang des Kanals, da gerade aber einige Wolken aufgezogen sind, möchte ich erst nach dem Essen rausgehen, vielleicht scheint dann wieder die Sonne. Ich und eine Handvoll weiterer Individualbesucher des DAC, die hier essen wollen, werden etwas stiefmütterlich behandelt, da eine große Gruppe (eventuell eine Firma, jedenfalls keine Touristen) zum Mittagessen da ist. Schließlich findet sich aber noch ein Sitzplatz für uns alle und nach einer längeren Wartezeit bekommen auch wir unser Essen. Ich trinke einen Chai Latte und esse das Tagesgericht, auch heute kein Smørrebrød, sondern sehr leckere Rindfleischstreifen auf Kartoffeln mit Salat (EUR 23,53).



Nach dem Essen hat sich die Wolkendecke tatsächlich etwas gelichtet und ich möchte auf die Dachterrasse gehen. Die Tür ist aber verschlossen, obwohl ich vor und beim Essen einige Leute draußen gesehen habe. Ich frage bei einem der Mädels, die die Gruppe bedienen, nach. Ja, sie hätte die Tür verschlossen, weil das dauernde Öffnen und Schließen die Gruppe stören würde und nein, sie öffnet die Tür jetzt nicht für mich, ich solle mir die Ausstellungen anschauen und in ca. einer halben Stunde wiederkommen. Die Ausstellungen habe ich aber weitgehend schon gesehen und so lange warte ich bestimmt nicht, na ja, ich hatte gestern ja schon einige Ausblick von oben, aber in Ordnung finde ich so ein Vorgehen nicht.

Nach unten in Richtung Ausgang kann man entweder eine bunte Treppe nehmen oder eine gläserne Rutsche. Da bin ich ja schon in der Versuchung die Rutsche zu nehmen, dazu bräuchte ich aber jemand, der in dieser Zeit meinen Geldbeutel, Handy und Kamera hält, in solch einer Situation hat das Alleinreisen eben einen Nachteil. So beobachte ich nur, wie eine andere Besucherin die Rutsche nimmt.



Ich schaue mir noch die kleine Ausstellung über Architektur und Inneneinrichtung des SAS Royal Hotel hier in Kopenhagen (heute Radisson Collection Royal Hotel) an, das erste Design Hotel weltweit und vom Gebäude selbst bis zur Inneneinrichtung von Arne Jacobsen (der die weißen (Wohn)gebäude und den Strand in Klampenborg entworfen hat, wo ich am Sonntag war) entworfen.

Dann verlasse ich das DAC


und gehe zurück zum Schloss Christiansborg, wo die Königlichen Empfangsräume auf mich warten.

Das ist neben der Kleinen Meerjungfrau nun (erst) der zweite Ort, wo eine größere Zahl an Touristen vor Ort ist. An der Kasse muss ich tatsächlich in einer kleinen Schlange warten, allerdings wohl eher deshalb weil sich die Leute vorher nicht darüber informieren, was sie anschauen möchten. Bei beiden Personen vor mir muss die Dame an der Kasse erstmal ausführlich erläutern, was im Schloss alles besichtigt werden kann, wieviel es kostet und wo sich die Zugänge befinden. Bei mir geht dann alles ganz schnell, ich lege meine Copenhagen Card vor und bitte um ein Eintrittsticket zu den Königlichen Empfangsräumen.

Wie überall bisher muss/kann man auch hier Jacke und Tasche in kostenlose Schließfächer einschließen, zusätzlich muss man hier dann noch Plastiküberzieher über die Schuhe ziehen - witzig, ich kann man mich noch gut an die Zeiten erinnern, als man zu Schlossbesichtigungen riesige Filzpantoffeln überzog, nun also Plastik.

In den Räumen im ersten Stock ist es dann wieder erstaunlich leer. Wie zu erwarten sind diese sehr pompös, wie man es auch aus anderen europäischen Schlössern kennt, insgesamt gefällt es mir gut, es ist warm, die Sonne scheint durch die Fenster, die Anzahl der Räume erschlägt einen nicht und wenn es mal wieder zu wichtigen politischen Treffen in Dänemark kommen wird, erkenne ich vielleicht sogar einen der Räume wieder :). Im zweiten Stockwerk befindet sich das Büro des Premierministers, das natürlich nicht zugänglich ist.





Das Wetter ist immer noch recht sonnig, da zieht es mich nochmal raus „aufs Land“. Mit der U-Bahn fahre ich in Richtung Flughafen auf die Insel Amager, Stadtteil Ørestad, bis zur Station „Femøren“ (eine Haltestelle weiter ist dann schon der Flughafen). Von dort sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Ostseestrand. Abgesehen von Strand und Meer, die immer einen Ausflug lohnen ;D, gibt es hier das „Kastrup Søbad“, eine moderne Holzkonstruktion am Ende eines Stegs, wo es Sitz- und Liegeflächen gibt, sowie Treppen ins Wasser. Badende sehe ich hier ausnahmsweise keine, aber es sitzen/liegen einige Leute auf den Holzflächen. Die Konstruktion erinnert mich an die Anlage zur Show „Water World“ in den Universal Studios in Los Angeles.





Ich genieße noch ein bisschen die Sonne und spaziere zum nahegelegenen Jachthafen, dann zurück zur U-Bahn-Station.


Ich möchte mir noch einige moderne Bauten eigentlich nicht weit von hier auch auf Amager anschauen, dazu muss ich aber die U-Bahn zurück in die Innenstadt nehmen, dort dann in eine andere U-Bahn-Linie wechseln, mit der es wieder in Richtung Süden und Flughafen geht. An der Station „DR Byen“ steige ich aus.

Zu sehen gibt es das Gebäude des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders DR von 2006, daneben das Konzerthaus des DR von Jean Nouvel von 2009 ganz in blau und einige sehr moderne Wohn“blocks“, darunter das runde „Tietgenkollegiet“, ein Studentenwohnheim, der Architekt hat sich an südchinesischer traditioneller Architektur orientiert.







Gegen 16 Uhr fahre ich wieder in die Innenstadt zur Station „Christianshavn“. In der Nähe habe ich heute eine Filiale der Kette „Espresso House“ gesehen, dort ruhe ich mich bei einem Café Latte und einem Jul-Muffin (Weihnachtsmuffin) aus (EUR 9,95).


Nun möchte ich nochmal bunte Lichter sehen und fahre mit der U-Bahn zur Station „Kongens Nytorv“, von dort gehe ich zum Nyhavn und anschließend zur Stelle vor Schloss Amalienborg, von wo aus man die hell erleuchtete Oper auf der anderen Kanalseite sieht (die taghell beleuchtete Baustelle direkt neben der Oper macht das Fotografieren leider etwas schwierig), auch der Blick auf das etwas entfernt liegende HOFOR Kraftwerk ist sehr interessant, der Rauch aus den Schornsteinen sieht wie Watte aus bei etwas längerer Belichtung.







Beim Schauspielhaus, also zwischen meinem Fotografiestandort und Nyhavn gibt es eine Haltestelle des Wasserbusses. Es gibt drei Wasserbuslinien, die nach Fahrplan wie andere öffentliche Verkehrsmittel fahren (und damit auch in der Copenhagen Card enthalten sind) und alle innerhalb des Inneren Hafens unterwegs sind. Bisher hat es leider nicht sinnvoll geklappt einen Wasserbus zu nutzen, aber nun gibt es die Gelegenheit. Ich muss zwar einige Zeit auf das nächste Schiff warten und es ist auch nicht besonders schnell unterwegs, aber es bringt mich direkt zur Fisketorvet Mall (Haltestelle „Bryggebroen“, ich muss nur die Brücke überqueren, da der Wasserbus auf der anderen Kanalseite hält), wo ich nochmal in den Supermarkt muss. Da der Lidl nicht wirklich viel Auswahl bietet und ich auch mal einen dänischen Supermarkt sehen will, wähle ich heute den Fotex aus, der sich ebenfalls in der Mall befindet. Dort gibt es unter anderem eine unglaublich riesige Auswahl an tiefgefrorenen Mikrowellengerichten, eine asiatische Suppe/Eintopf wird mein Abendessen werden.

Gegen 18.15 Uhr bin ich zurück im Hotel.

Wetter: teils sonnig, teils bewölkt, ca. 8° C
LG Christina

Horst

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Also bei der Rutsche wäre ich nicht in Versuchung gekommen... ;)
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