Autor Thema: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District  (Gelesen 1711 mal)

Ilona

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #15 am: 02. August 2022, 13:34:43 »
Abgesehen davon

Zitat
Im Bridlington Holiday Park haben wir uns für zwei Nächte ein Apartment an der Küste gemietet und erleben eine Überraschung. Für den Strom muss man hier Pfundmünzen einwerfen.

gefällt mir der Anreisetag. Münzen zum Duschen kenne ich nur von einem Campingplatz, der Strom war aber inklusive.

Der MG sieht gar nicht schlecht aus und ähnelt doch etwas dem indischen Tata SUV. Wahrscheinlich läuft er vom selben Band :cool2:.

Die Papageientaucher hatten ihre Schnäbel und Füße passend zu deiner Jacke auf Hochglanzrot poliert  :thumb:.

Liebe Grüße

Ilona

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Christina

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #16 am: 02. August 2022, 18:03:09 »
Wir sind ja 2018 auch nach Manchester geflogen und dann aber in die entgegengesetzte Richtung gefahren, nach Wales. Da geht es wohl geruhsamer zu, denn ich fand die Autobahnfahrt (vom und am Ende zurück zum Flughafen) als die angenehmste, unkomplizierteste Strecke der ganzen Woche.

Basstölpel habe ich letztes Jahr auf Helgoland erlebt, wirklich beeindruckende Vögel. Dass es in England Papageitaucher gibt, wusste ich nicht, die habe ich immer mit "nordischen", "kalten" Ländern in Verbindung gebracht, Island und Ostkanada.

MG - davon hab ich noch nie gehört, also wieder was gelernt ;D

Münzen einwerfen für den Strom - verrückt. Scheint aber dort nicht ganz unüblich (gewesen) zu sein, ich erinnere mich, als ich vor Urzeiten mal in Erwägung gezogen hatte, ein Auslandssemester in England zu verbringen, dass dort bei den Zimmern im Studentenwohnheim auch angegeben war, dass man, zum Heizen oder für Strom allgemein, Münzen einwerfen musste.


LG Christina

Susan

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #17 am: 02. August 2022, 21:55:12 »
Okay, auf Campingplätzen haben wir es auch schon erlebt, dass wir Münzen für Strom einwerfen mussten. Aber im Apartment???

Ansonsten war das schon mal ein herrlicher Auftakt.  Papageitaucher  :herz: die hätte ich da nicht erwartet. Da müssen wir also gar nicht so weit in den Norden fahren  ^-^
Liebe Grüße
Susan

Horst

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #18 am: 02. August 2022, 23:33:20 »
Ja es gibt Puffins in Nordengland und da geht noch mehr. ;)
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Horst

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #19 am: 03. August 2022, 14:39:49 »
 
2.Tag, 5.6.2022 Sonntag


Das die Yorkshire-Küste im Nordosten Englands noch mehr zu bieten hat, wollen wir heute erleben.





Erstes Ziel ist am Morgen die Thornwick Bay. Von einem Cafe kann man Trampelpfade hinab zur Küste  gehen.






Thornwick Bay leitet seinen Namen von "Thor", dem Gott des Donners, ab, weil die Wellen während eines Nordoststurms, die Klippen langfristig zertrümmern.





Auch heute klatscht die Brandung an die Felsen.





So ist irgendwann auch dieser Sea Arch am Strand entstanden.





Der Küstenpfad führt oben kilometerlang an den Klippen der Flammborough Coast (nach einem kleinen Ort in der Gegend) entlang.































Wir folgen ihm in einige Nachbarbuchten über North Landing bis zu Sea Stack und Breil Nook, wo es neben Höhlen in den Klippen und im Meer stehenden Felsnadeln ...





... auch wieder regelrechte Vogelkolonien zu bewundern gibt.











Schafe natürlich auch.






Wir setzen das Auto um, um den Rückweg zu verkürzen und fahren zum Parkplatz am Flammborough Lighthouse, auch hier führen Pfade hinab zur Selwicks Bay ...





... und entlang der Küste zu den High Stacks – Felsnadeln von denen eine einen hübschen Doppeltor-Arch besitzt (Spitzname "Drinking Dinosaur").











Dann beginnt es zu regnen.
Auf Reisen in den Norden ist es mit dem Wetter gerne nicht so einfach. Demzufolge nütze ich zwei Wetterdienste (BBC und Metoffice – die sich auch nicht immer einig sind) um aktuell zu sehen wo es am besten ist. Laut beiden Diensten ist es im Norden in Whitby – das wir sowieso sehen wollen in 2 Stunden wieder trocken. So setzen wir uns in unseren englischen Chinesen und fahren die Stunde nach Norden in einen der schönsten Orte ganz Britanniens und das ist sicher keine Übertreibung, zudem platzt der Ort im Bezug auf Geschichte und Geschichten fast aus allen Nähten – aber der Reihe nach.





Wir beginnen unseren Whitby Besuch mit der Abtei die südlich oberhalb der Stadt auf einem Felsen liegt.





Whitby Abbey wurde 657 n. Chr. von König Oswiu von Northumbrien als Doppelkloster für Männer und Frauen gegründet. 867 wurde die Abtei bei einem Däneneinfall zerstört.





Erst ca. 1077 gründete Reinfried, der zum Invasionsheer unter Wilhem dem Eroberer gehört hatte, hier ein neues benediktinisches Kloster. Während der englischen Reformation im 16. Jahrhundert unter Heinrich VIII. wurde das Kloster aufgelöst und das Gebäude dem Verfall überlassen. Nachdem 1763 das Langhaus und 1830 der Vierungsturm eingestürzt waren, wurde im Ersten Weltkrieg die West-Fassade durch Granattreffer deutscher Schlachtkreuzer zerstört. 1921 wurde die Fassade jedoch originalgetreu rekonstruiert. Von der Kirche stehen heute noch der Chor, die Querschiffe, teilweise das nördliche Seitenschiff des Langhauses und die bereits erwähnte West-Fassade.






Blick von der Abtei hinab nach Whitby mit seiner Hafeneinfahrt.









Fast noch berühmter als die Abtei selbst ist ihr Friedhof. Das liegt aber nicht daran dass man von der Friedhofsmauer einen allumfassenden Blick auf die Abtei, die Stadt und die Umgebung hat sondern an einem der berühmtesten Romane, den wohl jeder kennt.
199 Stufen führen hinauf zum Friedhof und der 900 Jahre alten Kirche, die sich auf den Klippen zur Nordsee befinden. Direkt daneben steht die Ruine von Whitby Abbey. Die Ruine des Klosters und die Grabsteine des seit mehr als einem Jahrhundert geschlossenen Friedhofs erzeugen noch heute eine schaurige Atmosphäre. Aufgrund starker Regenfälle wurde der historische Friedhof durch einen Erdrutsch teilweise zerstört. Dabei wurden jahrhundertealte Knochen freigelegt und fielen auf die Straßen am Fuße des Kliffs.





Wer Literatur-Kenner ist und die Hafenstadt Whitby im Norden Englands besucht, wird sich wohl bald selbst vorkommen wie in einem Roman, dessen Autor ein gewisser Bram Stoker war.
Überall in der Stadt bewegt man sich auf den Spuren eines der legendärsten Grusel-Schurken aller Zeiten: Graf Dracula. Denn ein Teil des Buches spielt tatsächlich in dem englischen Ort. Vielmehr noch, Whitby war es wohl, dem der Autor Bram Stoker überhaupt erst seinen Einfall zu dem Vampir-Epos verdankt. Stoker besuchte die Stadt auf einer Reise im Juli des Jahres 1890. Sieben Tage lang hielt er sich hier allein auf. Und in dieser Woche schenkte ihm der Ort zahlreiche Ideen zu einem der heute berühmtesten Bücher überhaupt. In der Bibliothek des Ortes las er die Schrift über den realen, durch seine Grausamkeit bekannt gewordenen Prinzen Vlad Tepes – Beiname Dracula, übersetzt „Sohn des Drachen“. Es ist überliefert, dass Stoker sich einige Namen auf den Grabsteinen notierte und in seinem Buch verwendete. Überhaupt soll ihn der schaurig schöne Friedhof zu dem Roman inspiriert haben. So verwundert es nicht, dass „Graf Dracula“ auch einen Teil seiner bissigen Geschichte in Whitby erlebt und Bram Stoker die Fledermäuse um die alte Abtei kreisen lässt. 7 Jahre schrieb der Ire Stoker an dem Buch, das 1897 erschien.




Wen wundert es, dass das Thema Dracula ordentlich im Städtchen Whitby ausgeschlachtet wird. Teilweise muss man schon schmunzeln, wenn man so manchen Gift-Shop-Artikel bewundert.





Das tut dem Örtchen aber keinen Abbruch, im Gegenteil.











Die Story tritt schnell in den Hintergrund, wenn man die berühmten 199 Stufen hinab in den Ort geht und ihn auf einer Hafenrunde näher begutachtet.





Da bräuchte es eigentlich keine weitere schillernde Persönlichkeit mehr, um Whitby’s Ruf zu manifestieren und doch gibt es sie. Im Hafen liegt ein Nachbau von Captain Cook’s Schiff Endeavour und oberhalb des Nordhügels steht eine Statue des berühmten Seefahreres James Cook (1728-1779).
Cook stammt aus der Gegend, hatte nördlich in Staithes (morgen auf dem Programm) seine Liebe zum Meer entdeckt und ging in Whitby in einer Reederei in eine Seefahrer-Ausbildung und lebte auch dort. Später trat er der Royal Navy bei und wurde schnell zum Kommando befördert.
Die Welt kennt ihn immer noch als Captain Cook – den Mann, der die Küste Neuseelands und die Ostküste Australiens kartografierte und der einer der größten Landvermesser sowie einer der besten Seefahrer und Entdecker aller Zeiten war. Er lernte sein Handwerk auf Whitby-Schiffen, die in die Ostsee fuhren, und zwei der Schiffe, die er auf seinen langen und gefährlichen Reisen benutzte – „Resolution“ und „Endeavour“, wurden in Whitby gebaut.




Nach so viel historischem, literarischem und urbanem Input, brauchen wir auch etwas Kulinarisches und gönnen uns einen Burger in einem Bistro am Hafen.




Nicht nur kulinarisch ist Britannien relativ schmerzfrei, auch die Garderobe der Briten darf als durchaus eigenwillig bezeichnet werden.


Danach geht es zurück nach Bridlington zum spielen an unserem Stromautomaten.



Übernachtung:

Pebbles South Shore Holiday Park, Bridlington, Yorkshire (über Booking.com)
Wertung: 5/10 – Wohnung eigentlich ganz gut aber keine Handtücher und zusätzliche nicht vor Buchung angezeigte Münzzahlung für Strom führt zu Abwertung
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Ilona

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #20 am: 03. August 2022, 17:01:04 »
Zitat
Wen wundert es, dass das Thema Dracula ordentlich im Städtchen Whitby ausgeschlachtet wird. Teilweise muss man schon schmunzeln, wenn man so manchen Gift-Shop-Artikel bewundert.

OK, von den Plüschis geht keine Gefahr aus :floet: und deshalb nehme ich den Schal wieder ab.

Die mystischen Wolken habt ihr extra für die Abtei bestellt :thumb:.
Liebe Grüße

Ilona

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #21 am: 03. August 2022, 18:34:22 »
Die Abtei Ruine gefällt mir richtig gut und auch das Städtchen sieht sehr nett aus. Sehr viel Hummer scheint es zu geben, bei der Anzahl an Fangkörben.

Ich muss zugeben weder das Dracula Buch noch einen der zahlreichen Filme vollständig gelesen /gesehen zu haben, da ich mit Grusel nicht viel anfangen kann, aber ich dachte immer, der '"echte" Dracula und sein Schloss wären irgendwo im heutigen Rumänien gewesen, aber vielleicht verwechsel ich da auch etwas.


LG Christina

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #22 am: 03. August 2022, 21:49:36 »
Ich muss zugeben weder das Dracula Buch noch einen der zahlreichen Filme vollständig gelesen /gesehen zu haben, da ich mit Grusel nicht viel anfangen kann, aber ich dachte immer, der '"echte" Dracula und sein Schloss wären irgendwo im heutigen Rumänien gewesen, aber vielleicht verwechsel ich da auch etwas.
So ist es. Bram Stoker hat davon gelesen und ist dann in Whitby beim Besuch des Friedhofes auf die Idee zu seinem Vampir-Roman gekommen.
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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #23 am: 04. August 2022, 17:47:00 »
Ich muss zugeben weder das Dracula Buch noch einen der zahlreichen Filme vollständig gelesen /gesehen zu haben, da ich mit Grusel nicht viel anfangen kann, aber ich dachte immer, der '"echte" Dracula und sein Schloss wären irgendwo im heutigen Rumänien gewesen, aber vielleicht verwechsel ich da auch etwas.
So ist es. Bram Stoker hat davon gelesen und ist dann in Whitby beim Besuch des Friedhofes auf die Idee zu seinem Vampir-Roman gekommen.

Aha, also eine Mischung aus beidem.


LG Christina

Susan

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #24 am: 04. August 2022, 18:34:42 »
Ah, Dracula Town  ;)  Soweit ich mich erinnere, beginnt Bram Stokers Geschichte damit, dass Graf Dracula in Transsilvanien (Rumänien) lebt und ein Haus in England gekauft hat. Die Dusterwolken passen ja zum Gruseligen, die Souveniershop- Artikel nicht so ganz. Ansonsten gefällt mir das Städtchen ebenso wie die Felsküste vorher
Liebe Grüße
Susan

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #25 am: 05. August 2022, 20:12:28 »





3.Tag, 6.6.2022 Montag


Wir bleiben an der Yorkshire Coast, der Nordsee im Osten Nordenglands und verlassen Bridlington Richtung Norden.





Im schillernden aber in die Jahre gekommene Seebad Scarborough (bekannt durch ihr von Simon & Garfunkel besungenes Volksfest Scarborough Fair) halten wir nur kurz.





Burgruine Scarborough.




Der Tag hat noch einige Fahrkilometer auf dem Plan und es gäbe dabei auch einige hübsche Orte zu sehen.





Der erste davon ist Robin Hood’s Bay.
Robin Hood war im 13. Jahrhundert ein in England gebräuchlicher Spitz- oder Beiname für „Gesetzesbrecher“. Hat also nur im weitesten Sinne etwas mit der berühmten Romanfigur zu tun. Trotzdem stolpert man in England ständig über Figuren und Orte die mit berühmten Schriftstellern und ihren Romanen zu tun haben.





Vom Parkplatz führt ein kurzer Weg hinab zum pittoresken kleinen Örtchen, auf dem wir eine ungewöhnliche Pflanzen – Feuerlilien, bewundern können.
















Das frühere Schmuggler- und Piratennest hat auch einen Strand an dem man bei Ebbe spazieren kann.










Der britische Humor ist immer für eine Schote gut - ein echter Pluspunkt für die Briten!






Im Städtchen ist wie in allen Landesteilen gerade für den Geburtstag der Königin geschmückt.
Robin Hood's Bay ist insgesamt ganz nett, aber IMO kein Must.




Da hat es uns gestern in Whitby schon deutlich besser gefallen, weshalb wir noch einmal für ein Paar Aufnahmen mit dem Auto zu zwei Aussichtspunkten über die Stadt fahren.









Whitby mit seiner Abbey auf dem Hügel und seiner langgezogenen Hafeneinfahrt ist schon eine Klasse für sich.




Aber auch Staithes eine halbe Autostunde weiter nördlich gilt als eines der malerischsten Dörfer an der gesamten Yorkshire-Küste und scheint von der modernen Welt völlig unberührt.









Das Dorf hat einen einzigartigen Charme mit zusammengekauerten Hütten, verwinkelten Gassen und hohen Klippen ...




... und gilt als eines der am meisten fotografierten Dörfer Englands in einer kleinen geschützten Bucht.






So ist es auch kein Wunder, dass es das Dorf in das Büchlein von Ellen Bowness geschafft hat und sie zwei tolle Aussichtspunkte auf den Ort empfiehlt.
Beide benötigen einen kleinen Aufstieg. Der erste nach Süden führt in ca. 20 Minuten hinauf an den Rand der Klippe und liefert eine Ansicht von Stadt und Bucht von vorne.










Der zweite Fototipp führt im Ort (der ja auch Höhenunterschiede hat) hinauf auf einen kleinen Viewpoint in der Cowbar Bank Street, der auf den Fluß, die Brücke und den Ort „von hinten“ blicken lässt. Beides tolle Punkte die den Besuch des Dörfchens abrunden.






Nun steht Kilometerbewältigung nach Norden auf dem Programm und wir wechseln die Grafschaft – bye bye Yorkshire (wir sehen uns nochmal) – hello Northumberland!
Wobei das erste Erlebnis in der für uns neuen Grafschaft eher problematisch ist.
Gerade noch lesen wir etwas von einem Tunnel und bekommen zu spät mit dass der etwas kostet (solche Straßenabschnitte sind in England eigentlich extrem selten - weshalb wir davon auch überrascht wurden). Ok nicht so schlimm, wir haben ja Münzen, durchfahren den Tyne Tunnel – nur dummerweise gibt es auf der anderen Seite keine Zahlstelle sondern nur ein blödes Schild, dass wir den Betrag telefonisch oder über eine Webseite bezahlen sollen. Na toll … dazu später mehr.





Am späten Nachmittag erreichen wir unseren Übernachtungsort Alnwick, unseren Schlüssel für die Wohnung finden wir wie inzwischen fast überall üblich in einer kleinen Box mit Zahlencode die uns diesmal über das Nachrichtenportal von AirBnB übermittelt wurde. Heutzutage bekommt man seinen Vermieter eigentlich kaum mehr zu Gesicht.
Das ist ein bisschen schade, andererseits kann man im Rahmen der Check Inn Zeit kommen und gehen wie man will und muss sich mit niemandem absprechen.
Wir machen einen kleinen Rundgang durch den 8000-Seelen-Ort der neben schönen Gärten und einer berühmten Buchhandlung vor allem ein noch viel berühmteres Castle sein eigen nennt.





Alnwick Castle ist aber auch nicht nur eindrucksvoll sondern auch wundervoll am River Aln gelegen (mit der anderen Seite in der Stadt). Fast 1000 Jahre alt ist es nach Windsor Castle der zweitgrößte Adelssitz ganz Englands (und England hat rund 4000 Burgen).
Diverse Ritterfilme und Robin Hood-Versionen wurden hier genauso gedreht wie fast alle Harry Potter Filme, Downtown Abbey, Transfomers usw…
In der Altstadt treffen wir im Supermarkt eine hier seit 25 Jahren wohnhafte Lehrerin auch aus Franken und halten ein Swchätzchen. Danach kochen wir in unserer Wohnung und ich versuche per Onlineformular 1,90 Pfund zu bezahlen.
Leider stürzt das Formular beim Bezahlvorgang ab…
Dann Telefon … nach einer halben Stunde mit dem üblichen Telefonroboteransagen Didldü-Musik, wieder Roboteransagen, wieder Didldü… kommt irgendwann ein Mitarbeiter ans Fon rattert mir erstmal Infos runter die ich in der Geschwindigkeit nicht verstehen kann. Ich bitte ihn langsamer zu sprechen und erfahre, dass ich per Telefon leider nicht zahlen kann. Ja ganz toll. Ich solle noch mal über einen anderen Browser den Zahlvorgang Online probieren.
Ok, wieder alle Daten eingegeben (inzwischen habe ich locker 1,5 Stunden mit dem Kram verbracht) bis dann tatsächlich die Zahlung per Kreditkarte von 1,90 Pfund angenommen und mir per E-Mail bestätigt wird. Halleluja.
Morgen steht eine besondere Tour an auf die wir uns sehr freuen. Hoffentlich regnet es nicht.



Übernachtung:

5b Paikes Street, Alnwick, Northumberland (über AirBnB)
Wertung: 8/10 – Wohnung toll geschnitten, großzügig eigentlich, Abwertung für 2.Stock, keinen eigenen Parkplatz und etwas muffigen Teppich 
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Susan

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #26 am: 06. August 2022, 23:40:00 »
Also mir gefällt Robin Hood's Bay genauso wie das meist fotografierte Dorf Staithes  8) Miss Marple mäßig, auch wenn die nie da war. Da könnte man herrliche Cosy Crimes spielen lassen.

Kann mich gar nicht dran erinnern, dass wir Richtung Alnwick durch einen Tunnel mussten  :gruebel: Allerdings kamen wir über die A1. So eine Website-Bezahlung kennen wir von der Umweltzone London. Der Campingplatz dort lag leider knapp drinnen und wir mussten auch ein wenig kämpfen, bis wir die Bezahlung hinbekommen haben. ::)

Jetzt bin ich gespannt auf die Tour morgen. Besenflugstunde auf dem Schloss wird es wohl nicht sein  :zwinker:  wäre ziemlich wetterunabhängig.
Liebe Grüße
Susan

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #27 am: 07. August 2022, 14:39:23 »
Seit ich in Norwegen Puffins in echt gesehen habe, mag ich sie noch mehr  ^-^
Liebe Grüße
Silvia

Horst

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #28 am: 08. August 2022, 09:23:41 »
Jetzt bin ich gespannt auf die Tour morgen. Besenflugstunde auf dem Schloss wird es wohl nicht sein  :zwinker:  wäre ziemlich wetterunabhängig.
Nein und die Flugstunde(n) findet auf dem Wasser statt.  ;)

Seit ich in Norwegen Puffins in echt gesehen habe, mag ich sie noch mehr  ^-^
Na dann kommt jetzt was, was Du magst...  ;)
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Horst

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Re: Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
« Antwort #29 am: 08. August 2022, 09:33:53 »
 
4.Tag, 7.6.2022 Dienstag





Heute Morgen steht ein besonderes Castle auf dem Programm.
Über viele Jahre habe ich die England-Wikinger Saga in 13 Büchern von Bernard Cornwell verschlungen, in denen es um die Entstehung Englands ging. In jedem der Bücher spielte eine Burg eine große Rolle: das Bamburgh Castle in Northumbria. Da es zudem auch noch richtig eindrucksvoll und toll am Meer gelegen ist, war es einer der Aufhänger für diese Reise (ein zweiter Aufhänger folgt heute Mittag).




Wir nähern uns der Burg zunächst von Norden wo man vom Strand eine schöne Spiegelung auf die Burg bekommt. Auch der Strand würde zu einem Spaziergang einladen aber dafür haben wir im Moment keine Zeit. Wir fahren wieder durch den Ort Bamburgh und parken direkt beim südlichen Parkplatz. Auch von den Dünen gibt es schöne Perspektiven auf die Burg und natürlich besehen wir sie uns hier aus der Nähe. Das muss für den Moment reichen, ...






... wir haben um 12.00 Uhr einen Termin und fahren dafür die wenigen Minuten nach Seahouses an die Küste und holen bei Billy Shiels unsere gebuchten Tickets ab. Nebenan beim National Trust bezahlen wir noch eine Landungsgebühr, dann ist noch kurz Zeit für eine Ortsrunde und dann müssen wir auch schon zum Treffpunkt.
Zumindest von der Erwartung her steht etwas Besonderes an. Wir machen eine Bootstour durch die Farne Islands, wobei wir auch eine Stunde auf Inner Farne Island zur Vogelbeobachtung anlanden. Ich denke wer mich kennt ahnt schon um welche Vögel es dabei für uns hauptsächlich geht.
Das Wetter ist heute gut, die See verhältnismäßig ruhig und kein Regen zu erwarten – perfekt. Wir ergattern noch einen Platz außen und schon geht es los. Der Kutter nimmt Fahrt auf und fährt hinaus aufs Meer.






Nach 20 Minuten erreichen wir die ersten der Inseln. Vögel leben fast auf allen Inseln. Die Farne Inseln sind eine Gruppe von 15-20 inzwischen unbewohnten Inseln (je nach Meereshöhe), von denen Inner Farne die größte ist.





Etwa 150.000 Brutpaare von über 20 Vogelarten beziehen hier regelmäßig ihr Sommerquartier, die wir bereits vom Boot aus auf dem Wasser oder hier auf Staple Island bewundern können.








Ganzjährig ansässig ist eine Kegelrobbenkolonie mit etwa 5000 Tieren.






Dann landen wir auf Inner Farne an. Eine Stunde die sicher wahnsinnig schnell vergehen dürfte haben wir auf der Vogelinsel und der erste Puffin wartet schon an der Bootsanlegestelle. Ein Holzbohlen-Pfad führt über die Insel, bei dem man besser eine Kopfbedeckung verwendet. Zum einen um nicht zum Vogelkot-Opfer zu verkommen aber hauptsächlich um nicht von den Küstenseeschwalben (Arctic Tern) verletzt zu werden die hier gerne mal Attacken auf die höchsten Punkte (Köpfe) einer Gruppe machen (Alfred Hitchcock lässt grüßen).





Eigentlich sehen die ganz harmlos aus aber sie verteidigen ihre Brutplätze die beiderseits des Weges liegen und ihre Schnäbel sind spitz.





Wir kommen aber unbeschadet durch und zur Nordseite der Insel ...




... wo eine von vielen großen Puffin-Gruppen zu finden ist. Wahnsinn was hier los ist.




Ohrenbetäubender Lärm, und bei so vielen Vögeln gehen einem schlichtweg die Augen über. Eine Aufnahme ohne das ein Vogel durchs Bild fliegt ist eine Kunst.   












An den Klippen trennen Seile von den Vögeln aber man ist trotzdem teilweise so nah dran, dass man die Vögel streicheln könnte.
Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht erlebt.






Der Pfad führt im Bogen um die Insel – alles voller Vögel, überall Puffins, ...




... meist in großen Gruppen. Unfassbar.


















Natürlich nutze ich jede Minute aus und muss mich eilen um rechtzeitig zum Boot zurück zu kommen. Beim meinem Laufschritt zurück werde ich dann doch noch von einer Seeschwalbe auf den Kopf gepickt und meine rote Jacke ist nicht mehr überall rot und zeigt an, dass demnächst eine Wäsche notwendig ist.
Danach geht es zurück nach Seahouses wo wir erst mal Kaffee trinken.






Im Buch von Ellen Bowness lese ich noch von einem bei Ebbe schönen nördlichen Aussichtspunkt bei den Harkness Rocks ...






... auf Bamburgh Castle und da wir sowieso in den Norden wollen und jetzt Ebbe ist, wird das unser nächstes Ziel und der nochmalige Abstecher lohnt sich.
Spruch des Tages – am Parkplatz treffen wir auf einen Briten und halten ein Schwätzchen. Auf die Frage ob er Engländer oder Schotte ist antwortet er „English – but don’t blame me for this“.






Das war‘s noch nicht für den Tag. Aus vielen Möglichkeiten wählen wir uns Holy Island aus. Auf die Insel führt der Lindisfarne Causeway – eine 7km lange Straße die nicht bei Flut befahren werden kann. Man sollte also den Tideplan studieren – 2 Stunden vor und nach der Flut ist die Insel nicht zugänglich, bzw man kommt nicht von ihr runter.





Lindisfarne Island bekannt als Holy Island (heilige Insel) war Ausgangspunkt der Christianisierung Nordenglands im 8. Jh. Das Kloster Lindisfarne  wurde 635 gegründet und genoss internationalen Ruf, wurde aber 793 von Wikingern zerstört.





Im 12. Jh. bauten Mönche aus Durham die Abtei wieder auf. Die Klosterruinen Lindisfarne Priory sind bis heute Pilgerstätte.





Sehenswert ist auch die ehemalige Burg Lindisfarne Castle, die 1549 zum Schutz gegen die Schotten errichtet wurde.
Vor dem Ort fängt ein Parkplatz alle Reisenden ab (Ausnahme ein Behinderten-Parkplatz im Ort). Allerdings sind es nur 5 Minuten bis zum Ort und den Ruinen der Priory. Auf dem Parklpatz schenkt mir eine Reisende ihr Parkticket auf dem noch Reststunden drauf sind, was ich gerne entgegen nehme, da meine Münzsammlung schon wieder recht dürftig aussieht.




Auf dem Weg zum Castle sollte man unbedingt mal am Hafen stoppen. Dort gibt es einiges zu entdecken und der Blick auf die Burg, die Priory-Ruinen und die Weite der Insel ist besonders schön.





Mit ein paar Aufnahmen vom Castle, das um 17 Uhr schon geschlossen hat, verabschieden wir uns von der Insel und diesem tollen Tag im Norden Englands, fahren zurück nach Alnwick und landen zum Abendessen bei einem Inder (was in Britannien meist ganz ok ist – so auch heute).



Übernachtung:
5b Paikes Street, Alnwick, Northumberland (über AirBnB)
Wertung: 8/10 – Wohnung toll geschnitten, großzügig eigentlich, Abwertung für 2.Stock, keinen eigenen Parkplatz und etwas muffigen Teppich 
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