Autor Thema: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022  (Gelesen 2570 mal)

Ilona

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #15 am: 06. September 2022, 17:21:28 »
Zitat
Die nackte rote Dame mit Kopfhörern wird als Genter Lorelei bezeichnet, geschaffen vom Bildhauer Johan Meirlaen.

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass wegen der roten Dame viele Seefahrer verunglückten  :gruebel:. Aber egal, jedes Kind ähm jedes Kunstobjekt braucht einen Namen.

Trotz Migräne so ein Programm :thumb:. Deine Schmerztabletten müssen genial sein.

Die Nachtbilder sind erste Sahne  :beifall: :beifall: :beifall:.
Liebe Grüße

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Christina

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #16 am: 06. September 2022, 18:26:58 »

Das Modell vom Drachen wirkt imposanter als das Original so von unten (oder gucke ich im falschen Bild).

Ich mache eigentlich ganz gerne solche Bootstouren, auch wenn es mal schleppend voran geht. Aber das Wetter war ja nicht  gerade erbauend. Welch ein Service, alle Erklärungen viersprachig, Etwas langweilig, wenn man alle versteht  ;)

Gibt es eine Geschichte dazu, warum das van Eick Tribut Gemälde an so versteckter Stelle ist? Ich mein, wenn es ihm zu Ehren sein sollte, sollte es doch besser zu sehen sein, oder?

Ich finde auch, dass der Drache von unten total klein und unscheinbar wirkt, deshalb war ich über die Größe des Modells auch so erstaunt.

Ich fand es zwar bewundernswert, dass der Guide so viele Sprachen konnte, aber es war eben tatsächlich etwas nervig, da ich nur das Holländische nicht kann und auch da versteht man trotzdem eine Menge, wenn man den gleichen Text schon in zwei oder drei bekannten Sprachen gehört hatte. Ich hätte am liebsten vorgeschlagen, das ganze nur auf Englisch zu erzählen, da das sicherlich jeder verstanden hätte ;D.

So weit ich weiß, war das 2020/21 ein Van Eick Jahr mit ganz vielen Aktionen (die ich nicht kenne), nur eine davon war das versteckte Gemälde, da war der "Gag" dann wohl das Rätselraten, wo sich das Gemälde befindet. Ich finde, dass es eine ganz nette Idee ist (und das Gemälde ist vor Vandalen geschützt, vielleicht war das auch eine Überlegung).

Zitat
Die nackte rote Dame mit Kopfhörern wird als Genter Lorelei bezeichnet, geschaffen vom Bildhauer Johan Meirlaen.

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass wegen der roten Dame viele Seefahrer verunglückten  :gruebel:. Aber egal, jedes Kind ähm jedes Kunstobjekt braucht einen Namen.

Ich denke auch, da geht es um einen klangvollen Namen, an dieser Stelle wird vermutlich überhaupt niemand verunglücken, egal ob mit oder ohne Lorelei.

Zur Migräne: ich habe seit 2018 spezielle Migräne Tabletten, die an sich super wirken, allerdings verursachen sie inzwischen entweder selbst oft einen neuen Migräne Schub oder sie wirken nicht mehr so gut, jedenfalls bekomme ich häufig zwischen 12 und 24 Stunden nach der Tabletteneinnahme von neuem Kopfschmerzen, die ich dann je nach dem entweder mit einer weiteren Migräne Tablette bekämpfe oder mit "normalen" Paracetamol, die aber Übelkeit verursachen und nicht so gut wirken. Nach den ersten Kopfschmerzen am Ankunftsabend hatte ich dann an den folgenden drei Tagen immer morgens/vormittags Kopfschmerzen, die ich dann aber zum Glück nach einiger Zeit in den Griff bekommen habe und den Rest des Tages dann schmerzfrei war. Ab dem fünften Urlaubstag war ich dann komplett schmerzfrei.



LG Christina

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #17 am: 07. September 2022, 18:05:43 »
3. Tag – Donnerstag, 17.03.

Heute scheint tatsächlich am Morgen schon die Sonne, es ist aber bitterkalt, so frieren wie gestern möchte ich nicht nochmal und ziehe mich dementsprechend wärmer an.

Erstes Ziel ist heute der südlich des historischen Zentrums gelegene „Kleine Beginenhof“. Beginen waren Frauen, die ab dem 12. Jh. ähnlich wie Nonnen, aber ohne Gelübde, ein Leben in Gemeinschaft führten mit gleichen Rechten und Pflichten für alle. Aufnahme suchten vor allem Mädchen, die zu arm waren um zu heiraten und Witwen. Sie lebten in meist von Mauern umgebenen Komplexen mit kleinen Häusern und Gärten. Die französische Revolution bedeutete das Ende der meisten Beginenhöfe, um 1900 gab es noch 1500 Beginen in Flandern, heute gar keine mehr.
Viele der Höfe insbesondere in Gent und Brügge sind Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

In Gent gibt es zwei Beginenhöfe, den Beginenhof Sint-Elisabeth möchte ich mir auch noch anschauen.

Leider finden im „Kleinen Beginenhof“ gerade einige Bauarbeiten statt, dadurch stehen sehr viele Autos in den Gassen und ausgerechnet heute ist wohl Müllabfuhr, so dass vor jedem Haus ein „dekorativer“ neongrüner Müllbeutel steht. Ich drehe natürlich trotzdem eine Runde durch die ansonsten sehr schöne Anlage.





Vom Beginenhof spaziere ich weiter in Richtung Süden, komme nochmal an der Bibliothek „De Krook“ vorbei


und erreiche dann das Univiertel. Weithin sichtbar ist hier der Bücherturm, 64 m hoch, vom belgischen Stararchitekten Henry van der Velde. Eine Innenbesichtigung ist nicht möglich.


Nächstes Ziel ist die St. Peterskirche mit ihrer 57 m hohen Kuppel, die auch von innen sehr schön anzusehen ist. Irgendwie verfolgt mich heute das Fotografenpech, denn auf dem Platz vor der Kirche findet zum einen ein Jahrmarkt mit vielen Fahrgeschäften statt und direkt vor dem Eingang stehen viele Leute in einer Schlange, alle haben einen Feuerlöscher dabei, die wohl überprüft werden. Also kein Foto von der Kirche von außen.



Weiter komme ich durch die „Partystraße“ des Univiertels, hier steht eine Kneipe neben der anderen und bei allen ist die Tür offen und der Müll der vorigen Nacht wird mit viel Wasser auf die Straße gekehrt. Kein schöner Anblick.

Gegen 11 Uhr erreiche ich das „Museum für Schöne Künste Gent“. Das Gebäude wurde 2007 komplett renoviert und zeigt hauptsächlich Gemälde aus dem 19. und 20 Jh.

Der Eintritt ist in der City Card enthalten. Ich schaue mir hauptsächlich Werke belgischer Künstler an, z.B. das Bild „Hafen von Ostende“ (den ich in den nächsten Tagen selbst sehen werde) von Constant Permeke von 1913,


den „Vrijdagmarkt von Gent“ (den ich mir nachher noch anschaue) von François Boulanger von 1845.


Und zwei typische Bilder vom bekanntesten Künstler Ostendes, James Ensor, die „Melancholischen Fischerfrauen“ von 1892 und „Pierrot mit Skelett in gelbem Kleid“ von 1893 mit den für Ensor charakteristischen Totenköpfen.



Sehr gut gefällt mir aber auch das Bild des deutschen Erich Heckel, der „Augustinenrei in Brügge im Morgenlicht“ von 1917. Heckel war als Sanitäter mit der deutschen Armee zu dieser Zeit in Flandern (gleichzeitig waren die meisten belgischen Maler vor dem Krieg in Nachbarländer geflohen) und hat in seiner Freizeit Motive der Umgebung gemalt.


Mittagessen möchte ich hier im Museumsrestaurant, das sieht aber mit weißen Tischdecken schön eingedeckt mir zu elegant aus, die Preise auf der Karte passen dazu (sind aber auch nur Lunch Gerichte), so dass ich mir lieber etwas anderes suchen möchte.

In der Nähe des Museums hatte ich mir ein weiteres Restaurant notiert, dorthin gehe ich nun. Leider existiert das wohl nicht mehr, an der Adresse ist kein Restaurant zu sehen. Da ich mich außerhalb der Innenstadt befinde, ist es nun schwierig an etwas essbares zu kommen. Schließlich entdecke ich eine Art Bäckerei, dort gibt es alle möglichen Sandwiches zum Mitnehmen. Ich kaufe ein riesiges Baguette belegt mit Camembert, Walnüssen und Honig (EUR 4,50). Damit gehe ich zurück zum Museum, gegenüber gibt es einen Park, dort esse ich im warmen Sonnenschein auf einer Bank.

Auch den Rückweg ins Zentrum lege ich zu Fuß zurück. Erstes Zwischenziel ist eine moderne Wohnanlage in der Zebrastraat mit interessanter Kunst auf dem Dach und im Innenhof, wobei das Zelt über dem Teich wohl recht neu ist, bei meiner Reisevorbereitung war der Nagel noch ohne auf Fotos im Internet zu sehen, vielleicht wird das Zelt in den Sommermonaten entfernt.



Nun entscheide ich mich, nochmal zum „Kleinen Beginenhof“ zu schauen, auf dem Weg dorthin sehe ich die St. Peterskirche von weitem von hinten.


Und ich komme, ein reiner Zufallsfund, an einer weiteren modernen Wohnanlage vorbei, dem Hollainhof, vor der die Skulptur „Wildpferde“ steht, sehr interessant, wie aufgrund der Bauweise aus Holzlatten und dem Lichteinfall der Eindruck entsteht, die Tiere würden rennen. Die Skulptur soll zum einen daran erinnern, dass an dieser Stelle in früheren Zeiten vom Militär Pferde trainiert wurden, zum anderen sollen die Pferde die Bewohner der Anlage, die als Gruppe zusammenleben, symbolisieren.


Im „Kleinen Beginenhof“ sind inzwischen die Müllbeutel abgeholt und es stehen weniger Autos herum, so dass ich mir die gesamte Anlage nochmal anschaue und fotografiere. Das war eine gute Idee mit dem erneuten Besuch, sehr idyllisch hier.





Das Wetter ist heute wirklich herrlich, daher spaziere ich nochmal zum Kanal, an Portus Ganda vorbei


und in einem Bogen am Kanal entlang zum großen mit schönen Häusern z.T. im Jugendstil umgebenen Vrijdagmarkt.



Hier entdecke ich einen „Paul“, eine Bäckereikette, die ich bei unserer Luxemburg-Belgien-Frankreich Rundreise 2010 in Belgien zum ersten Mal gesehen habe, 2018 dann sogar in Cascais bei Lissabon. Gerade richtig für eine Kaffeepause – ich genieße eine Rhabarber Tarte und einen Latte Macchiato mit Blick auf den Vrijdagmarkt (EUR 8,10).


Um 16.30 Uhr habe ich meinen gestern Abend online reservierten und bezahlten Termin für die Besichtigung des Genter Altars. Die St. Bavo Kathedrale kann ich nun von allen Seiten im Sonnenschein anschauen, hinten mit dem Denkmal für die Gebrüder Van Eyck und den schönen Frühlingsblumen, vorne vom Sint Baafsplein aus mit den schönen Häusern daneben.



Meine Reservierung brauche ich gar nicht vorzuzeigen, es gibt vermutlich keine andere zurzeit, nur meine City Card wird gescannt, dann kann ich zum Altar durchgehen, ich kann all meine Sachen bei mir behalten, wenn mehr los ist, muss man wohl die Taschen und Jacken in die zahlreich vorhandenen Schließfächer einschließen.

Wie schon geschrieben ist der Genter Altar für viele Touristen einer der Hauptgründe für einen Besuch in Gent, er ist das Hauptwerk Jan van Eycks und seines Bruders Hubert (wobei sich darüber die Wissenschaftler streiten, hat Jan van Eyck den Altar alleine gemalt oder zusammen mit seinem Bruder?), er hat eine sehr interessante Geschichte, ist Thema im Film „Monument Men“ und er kann nach längerer Restaurierung erst seit kurzem wieder besichtigt werden. In der St. Bavo Kathedrale wurde nicht nur ein extra Zugang für den Altar, der an einem abgetrennten Raum in einem oberen Bereich der Kathedrale aufgestellt wurde, nicht an seinem ursprünglichen Platz in der Kirche, geschaffen, sondern eine ganze „Erlebniswelt“ rund um den Altar, nämlich eine Art Museum mit Augmented Reality. Dort kann man mit 3D bzw. VR Brille Einzelheiten zur Entstehung, und der späteren Geschichte des Altars erleben. Da es mir beim Tragen von 3D Brillen übel wird und mich der Altar auch nicht so brennend interessiert, dass mir sein Anblick und die Infos im Reiseführer und Internet nicht reichen würden, verzichte ich auf dieses „Extra Erlebnis“, das natürlich auch extra kostet.

Der Altar ist ein Flügelaltar mit zwei Seiten. Eine, die zu sehen ist, wenn die Flügel geschlossen sind und eine, wenn sie offen sind. Ursprünglich war normalerweise nur die geschlossene Seite zu sehen, nur an hohen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern gab es den Blick auf die geöffnete Version. Letztere ist hauptsächlicher Gegenstand des heutigen Interesses und somit nur gegen Bezahlung zu sehen. (Die weniger bedeutsame Vorderseite ist im allgemein zugänglichen Teil der Kirche aufgestellt, die habe ich leider irgendwie verpasst, im Internet kann man sie sich aber natürlich ansehen.)

In einem abgedunkelten Raum in einem Glaskasten kann ich nun die Festtagsseite des Altars genaustens anschauen, fotografieren ist erlaubt (die Bildqualität ist recht schlecht, es ist dort einfach zu dunkel für ein gutes Bild).


Zu sehen sind auf den einzelnen Abschnitten, genannt Tafeln, verschiedene biblische Szenen und Figuren. Oben links und rechts Adam und Eva (beide nackt, was 1432 bei Einweihung des Altars eine Sensation war), in der Mitte Gott oder Christus, daneben Maria und Johannes der Täufer. Links und rechts musizierende Engel.

Die wichtige untere Bildleiste bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes (Neues Testament). Van Eyck malte die Zusammenkunft vieler Völker, um das Lamm, das Christus symbolisiert, zu verehren. Es ist eine idyllische Landschaft zu sehen, eine Art Paradies mit vielen Details und dem Lamm im Mittelpunkt. Die Besonderheit daran ist, dass zum ersten Mal „echte“ Menschen aus Fleisch und Blut gemalt werden und nicht wie bisher, nur sphärische Gestalten. Damit ist der Genter Altar Vorbild für viele spätere Maler wie Holbein, Brueghel oder Bosch und selbst Da Vinci.

Den Genter Altar wollten im Lauf der Jahrhunderte viele besitzen, während der zahlreichen Kriege wurde er an alle möglichen Orte gebracht, die einzelnen Teile wurde sogar getrennt voneinander, es gab Beschädigungen und Restaurierungen.

Die Mittelteile des Altars wurden von Napoleon nach Paris gebracht und im Louvre ausgestellt, die Seitentafeln gelangten über Umwege nach Deutschland, wo sie in verschiedenen Museen ausgestellt wurden.

Frankreich hat seinen Teil des Altars nach der Schlacht von Waterloo an Gent zurückgegeben, Deutschland wurde im Versailler Vertrag zum selben Vorgehen verpflichtet. Der komplette Altar wurde dann wieder in der St. Bavo Kathedrale aufgestellt. 1934 wurden zwei Tafeln gestohlen, eine davon ist bis heute verschollen, an ihrer Stelle wurde eine Kopie eingesetzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Altar von den Deutschen verschleppt und in einem Salzbergwerk bei Altaussee versteckt. Dort wurde er nach Kriegsende von der „Monuments, Fine Arts and Archives Section“ der US Army wiederentdeckt. Der Film „Monument Men“ handelt unter anderem von diesem Fund.

Nach der Besichtigung kaufe ich mir im Supermarkt ein Nudelgericht für die Mikrowelle, das ich dann in meiner Unterkunft auch gleich esse.

Gegen viertel vor sieben Uhr gehe ich dann wieder los, um mir ein letztes Mal die Stadt bei Dämmerung und Dunkelheit anzuschauen.






Für Susan: auf diesem letzten Foto ist der Belfried zu sehen mit der Drachenfigur auf der Turmspitze. Und auf auf dem Foto der St. Bavo Kathedrale von hinten ist im Hintergrund auch der Turm des Belfrieds zu sehen, auf der Kirche weht eine ukrainische Fahne.

Gegen 20 Uhr bin ich wieder zurück im Hotel.

Wetter: vormittags teilweise bewölkt, ab ca. 12 Uhr sonnig, ca. 8 - 11°C



LG Christina

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #18 am: 08. September 2022, 15:49:00 »
Der Müll muss halt auch mal raus gestellt werden, selbst wenn du dort Urlaub machst. Dafür hattest du Kaiserwetter :thumb:.

Zitat
zum großen mit schönen Häusern z.T. im Jugendstil

Solche Häuser gefallen mir. Besonders schön wirkte die Stadt in der Dämmerung und wieder bei Nacht :beifall: .

Und der Altar: Na ja, der kommt bei der Dunkelheit nicht so gut raus.
Liebe Grüße

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #19 am: 08. September 2022, 17:42:49 »
Und der Altar: Na ja, der kommt bei der Dunkelheit nicht so gut raus.

Da muss man meiner Meinung nach sich schon sehr dafür interessieren, damit da wirklich Begeisterung aufkommen kann, mir persönlich hätte auch eine Kopie (und dann hell angeleuchtet) gereicht, ich würde mich da auch nicht in die Schlange stellen und stundenlang darauf warten bis ich an der Reihe wäre. Aber so hat sich der Aufwand für mich in Grenzen gehalten und nun hab ich es mal gesehen.



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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #20 am: 09. September 2022, 09:53:45 »
Ich muss zugeben, ich bin doch ein Kulturbanause - oder wie auch immer man dazu sagen möchte. Am liebsten schau ich mir deine Kuchen-Bilder an  :verlegen:

D.h. ich verfolge schon den Bericht und die Fotos sind toll, aber ich bin und bleibe wohl ein Naturmensch  ^-^

Liebe Grüße
Silvia

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #21 am: 09. September 2022, 17:52:26 »
Ich muss zugeben, ich bin doch ein Kulturbanause - oder wie auch immer man dazu sagen möchte. Am liebsten schau ich mir deine Kuchen-Bilder an  :verlegen:

D.h. ich verfolge schon den Bericht und die Fotos sind toll, aber ich bin und bleibe wohl ein Naturmensch  ^-^

Dann werden die nächsten Tagen etwas mehr nach deinen Wünschen sein, nicht Natur pur, aber doch ein bisschen Natur. Und Kuchen Bilder gibt's auch noch mehr ;D



LG Christina

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #22 am: 09. September 2022, 18:16:22 »
4. Tag – Freitag, 18.03.

Heute steht die Abreise aus Gent und die Weiterreise an die Küste, nach Ostende, an. In Ostende kann ich erst ab 15 Uhr einchecken, hier im Hotel in Gent gibt es kostenlose Gepäckschließfächer, die man nach dem Auschecken nutzen kann. Daher werde ich den Vormittag noch in Gent verbringen und nach dem Mittagessen den Zug nach Ostende nehmen.

Nach Frühstück, Packen, Einschließen des Gepäcks und Auschecken (d.h. Einwerfen der Schlüsselkarte in die dafür vorgesehene Box, denn die Rezeption ist erst ab Mittag besetzt) spaziere ich, auch heute wieder bei strahlendem Sonnenschein und nun sehr angenehmen Temperaturen, ein letztes Mal durch die Stadt.

Schwerpunkt meiner Besichtigungen heute ist das Viertel Patershol, dorthin gelange ich vorbei an „alten Bekannten“, nun bei morgendlichem Sonnenschein,






und von Patershol








an den Kanälen entlang


bis zum Rabot


und zum zweiten Beginenhof von Gent, dem „St. Elisabeth Beginenhof“. Dieser ist nicht von Mauern umgeben und hat eine größere Fläche, ist aber genauso schön und idyllisch wie der „Kleine Beginenhof“.




Eigentlich hätte ich gerne noch das Industriemuseum angeschaut, Kopfschmerzen und Übelkeit nehmen mir aber die Lust darauf. Immerhin verschwinden die Beschwerden im Laufe des Vormittags (und kommen auch in diesem Urlaub nicht wieder).

Zum Mittagessen gehe ich nochmal zu „Paul“, hier habe ich gestern ein paar interessante Gerichte gesehen, z.B. eine Quiche. Aber leider sind alle meine Wunschgerichte zurzeit nicht verfügbar, als ich schließlich nachfrage, was es denn überhaupt zum Mittagessen gibt, ist die Antwort Suppe und/oder Sandwich – na super! Also esse ich heute nochmal eine (kleine) Schüssel Tomatensuppe und dazu ein Salamisandwich und ein Wasser (EUR 12,10).

Nach dem Mittagessen spaziere ich zurück zum Hotel, hole mein Gepäck und fahre mit der Straßenbahn zum Bahnhof. Dort kaufe ich am Automaten (den man sogar auf Deutsch einstellen kann) eine Fahrkarte nach Ostende (EUR 9,90).

Geplante Abfahrt ist 13.39 Uhr, der Zug steht dann aber noch ewig am Bahnsteig, eine Durchsage mit Erklärung gibt es nicht, was niemanden zu stören schient (außer mich, das ist man von der Deutschen Bahn eben nicht gewöhnt und ich möchte eigentlich immer gerne wissen, warum etwas nicht fahrplanmäßig läuft).

Mit viertelstündiger Verspätung erreichen wir gegen 14.40 Uhr Ostende. War es in Gent vorhin mir fast schon zu warmes T-Shirt Wetter, empfängt mich hier eine herrlich frische Meeresluft. Jetzt freue ich mich richtig, wieder am Meer zu sein. Zu Fuß spaziere ich ca. 10 Minuten bis zum Hotel, zufälligerweise ist es wieder ein „Getaway“ (eine kleine belgische Kette mit vier Apartmenthotels). Es befindet sich in einem der, wie ich finde, schönsten Häuser von Ostende, dem James-Ensor-Haus (in einem Teil des Hauses befindet sich auch noch das James Ensor Erlebniszentrum, kein Museum, es befindet sich kein einziges Originalbild von Ensor dort, sondern es wird das Leben des Malers dargestellt). Ensor hat allerdings nie in diesem Haus gelebt, sondern in einem heute nicht mehr existierenden kleinen Häuschen nicht weit vom heutigen Ensor Haus entfernt.

Ich bekomme ein Studio im obersten Stock mit Blick aus zwei Fenstern über Ostende. Es ist zwar kleiner als das vorige in Gent, dafür aber heller und passend zum Ort, im maritimen Stil eingerichtet. Eine gründliche Staubwischaktion wäre mal nötig, aber die entscheidenden Dinge sind sauber, hier werde ich mich die nächsten sechs Nächte wohlfühlen.



Lange halte ich mich aber nicht im Hotel auf, mich zieht es an den Strand, der liegt nur eine Parallelstraße weiter. Ja, die Hochhäuser am Meer entlang sind schon etwas speziell, der herrliche Sonnenschein macht es mir aber einfacher, es hier trotzdem zu genießen. Wie ich schon auf der Webcam zu Hause sehen konnte, ist der Strand von Ostende (und auch der vieler anderer Orte entlang der belgischen Küste) teilweise eine Baustelle, riesige Mengen an Sand werden mit Baggern verschoben und aufgetürmt, große Rohre werden in den Sand verlegt. Gerade als ich meinen ersten Blick auf den Strand werfe, werde ich von einem älteren Ehepaar auf Französisch gefragt, ob ich wüsste, was es mit diesen Rohren am Strand auf sich hat. Irgendwie witzig, zum allerersten Mal in meinem Leben bin ich in an der belgischen Küste, gerade eben erst angekommen und ausgerechnet ich soll so etwas wissen. Aber ich bin positiv überrascht, mein Französisch funktioniert noch und ich kann antworten, dass ich das nicht weiß, aber vermute, dass es mit den durch den heftigen Sturm vor einigen Wochen verursachten Schäden zu tun haben könnte.

Als erstes gehe ich in Richtung Zeeheldenplein. Das Denkmal zu Ehren der Seeleute ist heutzutage aber nur noch eine Nebenattraktion, es geht fast unter neben den roten „Felsen“. Die Skulptur „Rock Strangers“ von Arne Quinze wurde im Rahmen der „Beaufort-Kunst-Triennale“ geschaffen. Alle drei Jahre werden entlang der gesamten belgischen Küste Skulpturen ausgestellt, von denen viele auch nach dem jeweiligen Ausstellungsende stehen bleiben, so dass die Küste inzwischen fast eine Kunstgalerie für Skulpturen geworden ist, im Laufe der nächsten Tage möchte ich noch einige mehr davon anschauen.




Nun spaziere ich den Westelijke Strekdam, ein Pier, entlang. Ganz am Anfang befindet sich ein Pavillon, der sich mit den Baumaßnahmen am Strand beschäftigt. Leider ist der gesamte Text auf Niederländisch (andere Sprachen gäbe es über einen QR Code, aber dafür muss man dann ins Internet), ich verstehe es aber soweit, dass ich nun weiß, dass es eine Küstenschutzmaßnahme ist, um Strand und dahinterliegende Bebauung vor den wohl häufig vorkommenden Überflutungen und dem zukünftig ansteigenden Meeresspiegel zu schützen, also lag ich mit meinen Vermutungen immerhin nicht komplett daneben, auch wenn es nicht unmittelbar um den kürzlichen Sturm geht.

Vom Pier hat man einen schönen Blick auf den Hafen von Ostende, den Zeeheldenplein und die Strandpromenade.




Auf der gehe ich nach Verlassen des Piers nun Richtung Südwesten entlang, zwischen den hässlichen,teils leerstehenden und renovierungsbedürftigen Hochhäusern


gibt es noch ein paar wenige hübsche alte Gebäude und auch ein weiteres Kunstwerk ist zu sehen.




Für Kaffee und Kuchen bleibt heute keine Zeit, stattdessen gibt es eine Waffel to go (Belgische Waffel mit Puderzucker EUR 3,00), das wurde ja auch Zeit, dass ich diese typisch belgische Spezialität endlich am vierten Urlaubstag genieße.

Dann erreiche ich die Kolonnaden, die König Leopold II Anfang des 20. Jh erbauen ließ, um trockenen Fußes von seiner Villa zur Pferderennbahn gelangen zu können. An der Wand hängen Fotos vergangener Sturmschäden, unglaublich, was Sturm, Wasser und Sand anrichten können.




Vor den Kolonnaden stehen die für die belgische Küste typischen weißen Strandhäuschen.


Am Reiterstandbild Leopolds II, das heute sehr umstritten ist, da damit die grausame Kolonialherrschaft des Königs im Kongo verherrlicht wird (im Zuge der „Black lives matter Bewegung“ wurden Statuen des Königs in verschiedenen belgischen Städten entfernt),


drehe ich um, auch wenn ich bei diesem herrlichen Abendlicht gerne noch weitergegangen wäre – selbst die riesige Strandbaustelle sieht in diesem Licht schön aus. Aber ich muss noch in den Supermarkt und dann etwas zu Abend essen.


Zwanzig vor sieben Uhr gehe ich dann nochmal an den Strand, den Sonnenuntergang anschauen. Mangels Wolken und interessantem Vordergrund verläuft dieser recht unspektakulär, aber wunderbar kitschig in Pastellfarben, außerdem ist sehr kalt geworden, der Wind weht ordentlich, da bin ich froh, schnell wieder ins Warme zu kommen.



Wetter: sonnig, ca. 3 - 12 °C, in Gent am Nachmittag ca. 18 °C, am Meer kalter Wind



LG Christina

Susan

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #23 am: 09. September 2022, 21:02:44 »
So mit blauem Himmel sieht alles gleich viel netter aus  ;D Sogar Ostende, das ich bisher nur trübe gesehen habe und da wirken die Hochhäuser besonders hässlich.

Da ich mehr für alte Architektur schwärme, finde ich natürlich Gent sehr charmant. Und nun weiß ich endlich, was es mit Beginen auf sich hat. Wir haben in Hannover einen Beginenturm, der wohl Überbleibsel eines ehemaligen Hofes ist .

Zitat
So weit ich weiß, war das 2020/21 ein Van Eick Jahr mit ganz vielen Aktionen (die ich nicht kenne), nur eine davon war das versteckte Gemälde, da war der "Gag" dann wohl das Rätselraten, wo sich das Gemälde befindet. Ich finde, dass es eine ganz nette Idee ist (und das Gemälde ist vor Vandalen geschützt, vielleicht war das auch eine Überlegung).

Solche eine Schnitzeljagd wäre voll auf meiner Linie, vielleicht gibt es ja noch mehr versteckte Gemälde  8)  Das mit den Vandalen ist natürlich auch ein Argument.

Die Gemälde von dem berühmten Altar sind ja ganz interessant - die Darstellung von Adam und Eva hätte ich jetzt nicht für Original 15. Jhd. gehalten  ;)  - lange anstehen würdeich dafür aber nicht unbedingt.
Liebe Grüße
Susan


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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #24 am: 10. September 2022, 12:24:33 »
Ich springe - verspätet - auch noch mit auf.   :adieu:

Gent ist ja eine wunderschöne Stadt, vor allem deine Fotos am Abend mit der Beleuchtung fand ich herrlich!!

Jetzt freue ich mich auf ein bißchen mehr Natur und die mittelalterliche Stadt Brügge (die hatte ich schon mal im Blick (wie so viele andere Ecken auch) und bin gespannt auf deinen Bericht) .... für Kuchenbilder kann ich mich nebenbei auch immer begeistern  ;D



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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #25 am: 11. September 2022, 10:25:53 »
Ich denke, die Klimaveränderung war für deine Migräne besser und auch mir gefällt es an der Küste.

So ein langer Sandstrand und dazu die frische Seeluft  :thumb:.
Liebe Grüße

Ilona

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #26 am: 11. September 2022, 18:21:32 »
Ich springe - verspätet - auch noch mit auf.   :adieu:

Gent ist ja eine wunderschöne Stadt, vor allem deine Fotos am Abend mit der Beleuchtung fand ich herrlich!!


Schön, dass du auch noch dabei bist. Die abendliche Beleuchtung hat mir auch sehr gut gefallen, das ist ein besonderes Lichtkonzept, das es jeden Tag gibt, aber ab 24 Uhr abgeschaltet wird (und wer weiß, wie lange das mit den jetztigen Stromproblemen noch gemacht wird, gestern hab ich im Fernsehen von Passau gehört, dort werden die schönen alten Gebäude gar nicht mehr angestrahlt, nicht mal bis 22 Uhr, das finde ich doch sehr schade).



LG Christina

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #27 am: 12. September 2022, 20:04:30 »
Beim Vortag noch die Infos zur Unterkunft vergessen:
Hotel Getaway Studios Ostende 6 Nächte EUR 497,50 (Studio mit Kitchenette, inkl. Bettwäsche, Handtücher, Endreinigung, ohne Frühstück), gebucht über booking.com

5. Tag – Samstag, 19.03.

Meine heutige Tour starte ich gegen 9.30 Uhr zu Fuß von meiner Unterkunft. Zunächst spaziere ich durch die Fußgängerzone von Ostende mit auch hier, wie an der Strandpromenade leider nur wenigen übrig gebliebenen hübschen alten Häusern zwischen vielen hässlichen Hochhäusern,




zur Peter-und-Paul-Kirche. Das neogotische katholische Gebäude ist nicht besonders alt, es wurde errichtet, nachdem der Vorgängerbau 1896 abbrannte. Die Fenster sind wunderschön bunt, diese sind noch jünger, sie wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt.



Weiter gehe ich zum Hafen – der Sonnenschein täuscht übrigens, es ist vor allem wegen des heftigen Windes bitterkalt und ich bin froh über meine Fleecemütze. Am Hafen liegt das ehemalige Segelschulschiff Mercator aus den 1930iger Jahren, man kann es auch von innen besichtigen, daran habe ich kein Interesse (ich weiß gar nicht, ob es überhaupt geöffnet wäre),



sondern spaziere am Jachthafen entlang weiter, komme an einem weiteren Museumsschiff, der Amandine vorbei, dieses ein ehemaliger Fischtrawler, 1995 außer Dienst gestellt,


bis zur kostenlosen Fußgängerfähre über den Hafen. Ich muss ein paar Minuten warten, bis die nächste Fähre da ist, sie bringt Fußgänger auf die andere Seite von Ostende, Autos und die Küstentram müssen die Brücke nehmen, die sich ein gutes Stück entfernt befindet.

Während der Überfahrt habe ich einen guten Blick auf das Schiff „Vole au Vent“, dessen Schornsteine ich schon gestern vom Pier aus gesehen habe. Zuhause habe ich nach dem Schiff gegoogelt und erfahren, dass es sich um ein „Offshore-Windkraftanlagen-Errichterschiff“ handelt, von 2013 stammt, ursprünglich „Vidar“ hieß und unter deutscher Flagge fuhr, nun umbenannt unter luxemburgerischer. Diese Art Schiffe haben Schwerlastkräne und Hubvorrichtungen, d.h. vor Ort auf dem Meer, werden Beine ausgefahren, so dass das Schiff sicher steht. Was das Schiff im Hafen von Ostende macht, konnte ich leider nicht herausfinden, es ist aber beeindruckend riesig.



Die Fährfahrt dauert nur einige Minuten, auf der anderen Stadtseite gibt es einen Leuchtturm, im Hintergrund werden noch mehr Apartmenthäuser gebaut, ich frage mich, wer dort wohnen/Urlaub machen möchte, immerhin stehen an der Promenade und im Innenstadtbereich von Ostende einige der Hochhäuser leer.


Auch ehemalige Bunkeranlagen sind zu sehen


und der herrlich breite Sandstrand, dem ich nun in Richtung Nordosten folge. Mal gehe ich am Strand, mal auf der gepflasterten Promenade, mal auf dem Dünenweg. Wunderschön hier, allerdings weht weiterhin ein kräftiger und kalter Wind, der das Wandern recht anstrengend macht.





Gegen 12 Uhr erreiche ich den nächsten Ort, Bredene, hier gibt es keine Strandpromenade, das Ortszentrum liegt ca. 2 km vom Meer entfernt im Landesinneren.

Fürs Mittagessen suche ich mir das Lokal „Cardi’s Café“ aus, auch hier gibt es keine „richtigen“ Mittagsgerichte (habe ich nach meiner Erfahrung in Gent auch nicht erwartet), aber ich werde mit den 3 Kaaskroketten mit Pommes und dem Mangotee (EUR 19,00) zum Aufwärmen doch satt. Der Preis ist allerdings heftig, wenn man bedenkt, dass die Kaaskroketten sicherlich aus der Tiefkühltruhe kommen und einfach in der Mikrowelle aufgewärmt werden. Immerhin zahlt man in Belgien kein Trinkgeld, das spart wieder ein bisschen was ein (ich war erstaunt zu sehen, dass die Leute sich beim Barzahlen, sogar Minibeträge von 10 Cent zurückgeben ließen und einsteckten, also nicht auf dem Tisch liegen ließen, meist wird jedoch sowieso mit Karte bezahlt, da gibt es keine Trinkgeldmöglichkeit).


Nach dem Essen gehe ich zur nächsten Haltestelle der Küstentram, die die komplette belgische Küste (60 km lang) von der niederländischen bis zur französischen Grenze langfährt. Ich kaufe mir am Automaten ein 3-Tages-Ticket für EUR 15 und fahre weiter in Richtung Nordosten bis zum übernächsten Ort, Wenduine, mein nordöstlichster Punkt für heute.


In Wenduine befindet sich die zweithöchste Düne der belgischen Küste (31 m), von der man vom Pavillion „Spioenkop“ schöne Ausblicke in alle Richtungen hat und eine weitere Skulptur der „Beaufort-Kunst-Triennale“ der belgischen Künstlerin Linde Ergo.






Von hier spaziere ich am Strand entlang in Richtung Südwesten, inzwischen ist es angenehm warm und ich kann den Spaziergang richtig genießen.




Nach einer guten halben Stunde erreiche ich den nächsten Ort, De Haan. Dieser ist bekannt und wohl besonders bei Deutschen beliebt, weil er sehr wenige Hochhäuser hat und stattdessen ein bestens erhaltenes Villenviertel mit Häusern im Cottage Stil aus den 1920iger und 30iger Jahren, das Concessie Viertel. Schon Stefan Zweig und Albert Einstein verbrachten hier auf der Flucht vor dem Deutschen Reich viel Zeit.

Bevor ich dorthin gehe, gibt es auf der Strandpromenade noch zwei weitere Beaufort Skulpturen zu bewundern, „Eternity Poseidon“ des chinesischen Künstlers Xu Zhen gehört zu den bekanntesten der Freiluftausstellung, sie soll das Heldentum in Frage stellen mit der Figur des Poseidon im traditionellen Stil, aber statt mit Meeresvögeln mit gebratenen Pekingenten auf Kopf und Armen.




Daneben nochmal ein Kunstwerk von Linde Ergo, die hier in De Haan lebt und arbeitet.


Das Concessie Viertel ist wunderschön, die herrlichsten Villen stehen hier, ich kann gar nicht genug kriegen.








Auch das erste Wartehäuschen an der 1886 eröffneten Tramlinie gehört dazu.


Eine Pause lege ich im Restaurant „La Potinière“ im kreisrunden Park mitten im Villenviertel ein, hier kann man herrlich im T-shirt im Freien sitzen, leider ist der Service aber völlig unorganisiert und es dauert ewig, bis ich mal bestellen kann. Daher bleibt es bei einem Latte Macchiato (EUR 3,70), auf Pfannkuchen oder Waffel verzichte ich bei den langen Wartezeiten lieber, dafür nehme ich mir dann auf dem Rückweg zur Strandpromenade zwei Kugeln Eis (Salted Caramel und ?) (EUR 4,00) in der Waffel mit.

Gegen halb fünf Uhr bin ich wieder auf der Strandpromenade, wo sich eine weitere Beaufort Skulptur von Linde Ergo befindet.


Von hier spaziere ich am Strand entlang weiter


nach Südwesten bis zur Tramhaltestelle Vosseslag. Hier steht ein kleiner (nicht echter) Leuchtturm, den ich noch kurz erklimme, die Aussicht ist jedoch eher bescheiden.


Nun ist es 17 Uhr und ich bin genug gelaufen für heute, ab hier fahre ich mit der Tram zurück nach Ostende.

Gegen 18 Uhr bin ich zurück in der Unterkunft, auf den Sonnenuntergang am Strand verzichte ich heute, der Himmel ist genauso wolkenlos wie gestern, da wird sich keine andere Ansicht ergeben und es ist genauso kalt wie gestern Abend, da bleibe ich lieber im Warmen.

Wetter: sonnig, morgens/vormittags kalter Wind, ca. 5 - 13° C
Strecke zu Fuß: 18,32 km



LG Christina

Susan

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #28 am: 13. September 2022, 22:45:30 »
Herrlich der Strand, da wäre ich jetzt gern.  8)
Wieder was gelernt  ^-^ Hab mich öfter schon gefragt, wozu diese Schiffe mit den langen Schornsteinen dienen.

Auch bei uns ist de Haan sehr beliebt  ;)  Naja , etwas falsche Wortwahl schließlich waren wir nur einmal vor 25? Jahren dort. Aber der Ort hat uns sehr gefallen.
Liebe Grüße
Susan


Ilona

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Re: Gent, Brügge und die belgische Küste im März 2022
« Antwort #29 am: 14. September 2022, 14:31:30 »
Herrlich der Strand, da wäre ich jetzt gern.  8)

Ich auch, aber nur wenn es nicht zu kalt ist und man Barfuß laufen kann.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)