Autor Thema: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022  (Gelesen 1530 mal)

Christina

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Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« am: 19. Dezember 2022, 17:56:21 »
Hallo Ihr Lieben,

wie immer hab ich einige Zeit gebraucht, aber nun kann ich ein bisschen Sommer Feeling im trüben und kalten Winter verbreiten. Auch wenn viele gerade kaum Zeit fürs Forum zu haben scheinen, hoffe ich auf ein paar Mitreisende in und um Helsinki 10 Tage im Juni/Juli 2022.

Auch wie immer gibt es am Anfang recht viel Text, der aber bald weniger wird. Heute erstmal nur das Vorwort, dafür hab ich auch mal eine Collage gebastelt, damit der Teil nicht ganz bilderlos bleibt.

Vorwort

Es ist Ende April, meine letzte Reise nach Flandern ist gerade mal fünf Wochen her – und schon wieder spüre ich das Fernweh. Eigentlich wollte ich erst im Herbst wieder verreisen, endlich steht im September oder Oktober mal wieder ein Urlaub mit Peter an, aber bis dahin ist es noch so lange hin  ;D und wer weiß schon, was Corona im Herbst macht. Andererseits ist es eher schwierig in den nächsten Monaten einen passenden Reisetermin zu finden, der Mai, eigentlich einer meiner Lieblingsreisemonate wäre dieses Jahr wunderbar nutzbar, ohne das sonst so häufig in diesem Monat liegende Pfingsten. Aber Mai ist eindeutig zu früh nachdem die letzte Reise erst Ende März war. Und Anfang Juni ist dann Pfingsten mit den beiden Donnerstag Feiertagen davor und danach, also Urlaub erst ab dem 20.06 möglich und das ist dann schon mitten in der Sommerreisezeit. Also doch lieber erst im Herbst weg?

Nö, erstmal schauen, ob es nicht doch Möglichkeiten gibt. Irgendwas im «Norden» muss es sein, wegen der Temperaturen, Hitze möchte ich vermeiden. Da stehen einige Ziele auf meiner Liste, Skandinavien, Großbritannien, Irland, Island und Kanada. Die letzten beiden scheiden nach einem Blick auf Flug-, Mietwagen- und Unterkunftspreise und -verfügbarkeiten wieder aus, da wäre eine wesentlich frühere Buchung und auch mehr Planungszeit nötig.

Letztendlich engt sich die Wahl (nach Überprüfung der Preise und der Unterkunftsverfügbarkeiten, letztere als Hinweis darauf, ob mit vielen anderen Reisenden zu rechnen ist) auf Cardiff, Liverpool (in GB kommen bei einer Soloreise nur Städte in Betracht, da ich alleine nicht im Linksverkehr fahren möchte) oder Helsinki ein. Nach längerer Recherche und vielen Grübeleien, entscheide ich mich dann für Helsinki. Also doch Urlaub im Sommer? Ja! Wie es scheint, ist in Helsinki ein Besuch im Sommer möglich, ohne in Touristenmassen zu versinken, zumindest deuten Hotelauslastung und -preise und auch die kaum vorhandenen Papierreiseführer und Onlineberichte dies an.

Der Flugpreis liegt zwar deutlich über dem bisher für innereuropäische Flüge gezahlten, aber die Kröte schlucke ich eben, dafür wird die Bahnfahrt von/zum Flughafen günstiger dank 9 Euro Ticket (auch wenn ich blöderweise zwei Tickets brauche, da ich Ende Juni abfliege und im Juli zurückkomme) und auch die Hotelpreise in Helsinki sind relativ moderat für eine europäische Hauptstadt.

Nach der Entscheidung für Helsinki bin ich länger am Überlegen, ob ich Helsinki auf 2, 3 Tage beschränken und danach/davor eine kleine Rundreise durch den Süden Finnlands machen soll (insgesamt habe ich 10 Tage). Da würde sich für eine Woche eine schöne Route ergeben. Letztlich entscheide ich mich dann für ausschließlich Helsinki als Standort, ein Mietauto ist recht teuer und die Unterkünfte «auf dem Land» ziemlich gut gebucht, z.T. schon ausgebucht und auch dementsprechend höherpreisig als in der Hauptstadt. Bei der Detailplanung wird sich sicherlich der ein oder andere Tagesausflug mit den Öffis ergeben.

Am 1. Mai buche ich schließlich den Flug und die Unterkunft. Nun kann also die Detailplanung beginnen und damit auch die Vorfreude auf den Urlaub. Planung ja, Vorfreude – schon wieder – eingetrübt. In Laufe des Mais häufen sich die Meldungen über völlig überlastete Flughäfen praktisch überall in Europa, es gibt an jedem Punkt zu wenig Personal, endlose Wartezeiten bei Check-in und Kofferabgabe, sowie verspätet oder gar nicht ankommendes Gepäck sind die Folge. Als Konsequenz werden Flüge in großer Zahl gestrichen, täglich erwarte ich eine entsprechende Mail von LH, die aber, ich kann’s kaum glauben, nicht kommt.

Mein Abreisetag rückt näher und die Situation bessert sich überhaupt nicht, im Gegenteil wegen Pfingst- und dann Sommerferien wird es eher noch schlimmer. Ich überlege, ob ich auf irgendeinen späteren Zeitpunkt umbuchen soll (einmal umbuchen ist kostenlos möglich, Tarifdifferenz allerdings zu zahlen), oder ob ich nur mit Handgepäck fliegen soll (sehe ich eigentlich nicht ein, dann hätte ich den günstigeren Light-Tarif buchen können), wie früh ich am Flughafen sein sollte, vielleicht sogar in Flughafen Nähe übernachten?

Und als ob all dies nicht schon genug Anspannung verursacht, entdecke ich am Tag vor Abflug beim letzten Blick auf meine Kreditkartenabbuchungen eine verdächtige Abbuchung von einem Händler in Vilnius über nur EUR 3,39. Das sieht deutlich nach einer Probeabbuchung mit meinen gehackten Kreditkartendaten aus. Und da Litauen doch sehr nah bei Finnland liegt, werden die Daten wohl bei einer meiner Onlinebuchungen bzw. -zahlungen im Zusammenhang mit meinem Urlaub in Helsinki abgegriffen worden sein. Mist, Mist, Mist, jetzt müsste ich die Karte eigentlich sperren lassen, aber erstens schreibt das Hotel, dass es beim Einchecken die Kreditkarte, mit der gebucht wurde, sehen will und zweitens ist dies meine einzige Kreditkarte. Letzteres wäre kein wirkliches Problem, da Finnland in der EU und vor allem im Euro Raum liegt und somit die EC-Karte statt der Kreditkarte genutzt werden könnte. Und nun? Einfach die Abbuchung erstmal ignorieren? Schließlich bin ich nicht verpflichtet, außerhalb der monatlichen Abrechnung meine Abbuchungen zu überprüfen, aber das ist mir dann doch zu heikel. Also rufe ich beim Kreditkartenanbieter an und gerate immerhin an einen sehr hilfsbereiten und verständnisvollen Mitarbeiter, der mich etwas beruhigen kann. Er sieht das Ganze nicht so dramatisch, 3,39 EUR wären ja nicht die Welt und ob da noch was nachkomme, wisse man nicht, ich könne die Karte rein vorsichtshalber sperren lassen oder sie weiternutzen, aber während des Urlaubs täglich die Abbuchungen kontrollieren, und außerdem für den Fall der Fälle etwas mehr Bargeld mitnehmen, an sich wäre ich in Finnland aber auch mit der EC-Karte gut aufgehoben.

Er mailt mir dann das Beschwerdeformular, das ich ausfüllen soll. Ich entscheide mich schließlich, die Karte nicht sperren zu lassen und kreuze auf dem Formular daher «Belastung kann nicht zugeordnet werden» an. Außerdem fahre ich nochmal zur Bank zum Geldabheben, wofür ich eigentlich gar keine Zeit mehr habe und natürlich, wie kann es anders sein, ist der Automat, der am nächsten zu meinem Wohnort liegt außer Betrieb und ich muss nochmal zehn zusätzliche Kilometer zurücklegen.

Zu Corona: während meines Urlaubs gibt es bei der Einreise nach Finnland für Geimpfte keine Einschränkungen, in Finnland gibt es keine (mich als Touristin betreffenden) Corona Regeln, auch keine Maskenpflicht. Bei An- und Abreise gilt im Flugzeug Maskenpflicht (an die sich sowohl Personal als auch Passagiere halten) und auch im Zug nach/von FRA, nicht aber im Flughafen.




LG Christina

Silv

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2022, 13:10:43 »
Hallo Christina,

die Fotos gefallen mir, also bin ich dabei  :)
Liebe Grüße
Silvia

Ilona

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #2 am: 20. Dezember 2022, 15:53:59 »
Hallo Christina,

Zitat
Auch wenn viele gerade kaum Zeit fürs Forum zu haben scheinen, hoffe ich auf ein paar Mitreisende in und um Helsinki 10 Tage im Juni/Juli 2022.

das bringt die Vorweihnachtszeit so mit sich, aber ich bin dabei  :adieu:.

Zitat
... dafür hab ich auch mal eine Collage gebastelt

Die ist dir als Appetizer gut gelungen  :thumb:.

Zitat
Er sieht das Ganze nicht so dramatisch, 3,39 EUR wären ja nicht die Welt und ob da noch was nachkomme, wisse man nicht

Bei mir begann das damals mit Kleinbeträgen und steigerte sich. Zum Schluss waren es über 8000 €, die über China usw. abgebucht wurden. Ich hatte das schon öfter, bekam das Geld aber glücklicherweise immer schnell gutgeschrieben.

Ich gehe davon aus, dass das bei dir nicht der Fall war und bin auf den Bericht gespannt.



Liebe Grüße

Ilona

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Christina

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #3 am: 20. Dezember 2022, 18:10:03 »
Herzlich willkommen Silvia und Ilona. Morgen startet der erste Tag.

Ilona, das mit der Kreditkarte bei dir hört sich aber nicht gut an, du hast sie also gar nicht sperren lassen, sondern immer nur das Geld zurückgefordert?

Bei mir war es so, dass das Geld nachdem ich diesen Antrag am Tag vor dem Urlaub gestellt hatte, schon während des Urlaubs wieder draufgebucht war (hab schon bei der Kontrolle der Abrechnungen einen Schreck bekommen, da ich dachte, die in Vilnius haben schon wieder abgebucht, bis ich dann das Pluszeichen vor dem Betrag gesehen hab ;D). Und seither gab es bis jetzt keine unberechtigte Abbuchung mehr, daher hab ich die Karte bisher nicht sperren lassen. Vielleicht war das tatsächlich ein Test und nachdem ich den Bertrag zurückgefordert habe, haben sie gemerkt, dass sie damit nicht durchkommen, denn ein Versehen kann so eine Abbuchung ja wohl nicht sein. Oder reicht dafür ein Zahlendreher in der Kreditkartennummer? Ich kenn mich da nicht aus. Bei mir hat vielleicht auch geholfen, dass die Karte dann im Juli zeitlich abgelaufen war, d.h. ich hab dann die neue Karte verwendet, die aber die gleiche Kartennummer hat, aber ein anderes Ablaufdatum (wobei man das ja einfach rekonstruieren kann, wenn man das vorherige Ablaufdatum kennt) und natürlich eine andere CVS Nummer (aber es gibt ja noch genug Shopping Seiten, wo man die gar nicht braucht).



LG Christina

Ilona

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #4 am: 20. Dezember 2022, 19:22:12 »
Hallo Christina,

die Kreditkarte ließ ich sofort sperren, als ich den Missbrauch bemerkte. Da waren die ganzen Abbuchungen schon verbucht. Das ging innerhalb 24 Stunden von Kleinst- bis hohen Beträgen.

Hätte ich die Karte nicht sperren lassen, wären die Abbuchungen weitergegangen. Das war nur ein Unternehmen, das aus vielen Ländern die Abbuchungen veranlasste. Mittlerweile habe ich bestimmte Länder gesperrt.

Meistens wurde die Karte nach einem USA Urlaub missbraucht, d. h. vermutlich beim Check-in die Daten abgegriffen. In dem einen Fall war es nach einer Online-Reservierung eines Hotels in Übersee.
Liebe Grüße

Ilona

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Christina

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #5 am: 21. Dezember 2022, 17:50:18 »
Hallo Christina,

die Kreditkarte ließ ich sofort sperren, als ich den Missbrauch bemerkte. Da waren die ganzen Abbuchungen schon verbucht. Das ging innerhalb 24 Stunden von Kleinst- bis hohen Beträgen.

Hätte ich die Karte nicht sperren lassen, wären die Abbuchungen weitergegangen. Das war nur ein Unternehmen, das aus vielen Ländern die Abbuchungen veranlasste. Mittlerweile habe ich bestimmte Länder gesperrt.

Meistens wurde die Karte nach einem USA Urlaub missbraucht, d. h. vermutlich beim Check-in die Daten abgegriffen. In dem einen Fall war es nach einer Online-Reservierung eines Hotels in Übersee.

Das war dann nochmal deutlich heftiger als bei mir. Nach einem USA Urlaub hatte ich das auch mal, da hat aber schon das Kreditkartenunternehmen bzw. deren Software selbst gemerkt, dass da was nicht stimmen kann, da es eine Vor Ort (also in USA) Zahlung war, als ich längst wieder zurück zu Hause war (da ich den Flug mit der Karte gebucht hatte und danach zu Hause die Karte auch schon wieder genutzt hatte, "wussten" die, dass ich nicht mehr in den USA war). Da ging die Abbuchung dann gar nicht durch und die Karte wurde gleich gesperrt.



LG Christina

Christina

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #6 am: 21. Dezember 2022, 18:22:42 »
1. Tag – Mittwoch, 29.06.

Wie üblich schlafe ich in der Nacht vor dem Urlaubsstart eher schlecht, es kommen nur wenige Stunden Schlaf zusammen. Schon um 4.15 Uhr muss ich aufstehen, kleines Frühstück und um kurz nach 5 Uhr fährt mich Peter in den Nachbarort, von hier fahren halbstündlich S-Bahnen in Richtung FRA (genauer gesagt Mainz, dort dann umsteigen), vom Bahnhof an meinem Heimatort wäre ein solch früher Start (besser gesagt solch frühe Ankunft am Flughafen) nicht möglich, mein Flug startet um 9.15 Uhr.

Die Bahn fährt pünktlich um halb sechs ab, um 6 Uhr steige ich in Mainz Römisches Theater in die S-Bahn nach FRA um und bin auch weiterhin pünktlich um halb sieben am Flughafen.

Der Lufthansa Bereich im Terminal 1 bietet fast den für mich von meinen letzten (Randzeiten)reisen gewohnten Anblick, ein paar Leute mehr sind da. Ich habe schon online eingecheckt, drucke mir aber am Automaten noch meine Bordkarte aus, die selbst zu Hause ausgedruckte funktioniert oft nicht und mit dem Handy möchte ich nicht herumwedeln. Erst der dritte Automat funktioniert, gut, dass so viele zur Verfügung stehen.

Ein paar Schritte weiter stehen die Baggage Drop Automaten, auch hier muss ich nicht warten und bin meinen Koffer schnell los. Na, das lief doch schon mal viel besser als erwartet.

Auf dem Weg zu den A Gates mit dem Sky Train trinke ich noch das restliche Wasser aus meiner Flasche, an der Sicherheitskontrolle herrscht ebenfalls gähnende Leere, die Elektronik kommt separat, dann gehe ich durch den Body Scanner. Nichts piepst und trotzdem winkt mich eine der Sicherheitsdamen zu sich heran – und führt eine Leibesvisitation durch, wie ich sie noch nie erlebt habe. Entweder hat sie Langeweile oder ich wurde mittels eines Zufallsgenerators ausgewählt, denn ich trage (es ist ja heißes Hochsommerwetter) ein dünnes weißes T-Shirt, eine Baumwollhose ohne Knöpfe oder Reißverschlüsse und bin barfuß in leichten Sneakern, wo ich da an meinem Körper etwas unsichtbar verstecken sollte, was der Body Scanner nicht aufspürt, weiß ich nicht. Jedenfalls greift sie mir unter ständigen Entschuldigungen von vorne und hinten in den BH und den Schlüpfer und streift dann an meinen Beinen so kräftig hinunter, dass sie fast meine Hose mit runter zieht (zum Glück sind es nur ein paar Zentimeter) und das Ganze nicht hinter einem Sichtschutz, sondern vor Augen aller. Einfach herrlich! :(

Na ja, auch das geht vorüber und trotz dieser Aktion bin ich eine halbe Stunde nach dem Aussteigen aus dem Zug schon mit allem fertig. Bis zum Abflug habe ich nun noch zwei Stunden totzuschlagen, aber besser so als zu knapp.

Als erstes gehe ich zu einem der Trinkbrunnen, die es erfreulicherweise seit einiger Zeit in FRA gibt und fülle meine zwei mitgebrachten leeren Wasserflaschen auf. Dann vertrete ich mir die Beine im Gang entlang der Gates und kaufe mir eine Butterbrezel als zweites Frühstück und ein belegtes Baguette fürs Mittagessen (wenn alles wie geplant läuft, bin ich zwar zur Mittagsessenszeit schon am Flughafen Helsinki, aber ich will für eventuelle Verspätungen vorbereitet sein).

Nach der Butterbrezel spaziere ich nochmal herum und komme auch an einer der großen Anzeigetafeln vorbei, da stehen viele sehr aufgeregte Menschen, ich kriege mit halbem Ohr ein Telefonat mit, «…alle Flüge gecancelled…». Oh nein, es wird doch nicht jetzt noch so kurzfristig mein Flug ausfallen! Ich getraue mich kaum, auf die Tafel zu schauen, sehe als erstes tatsächlich eine ganze Reihe «cancelled» und dann meinen Flug mit der vorgesehenen Abflugszeit- da fällt mir ein Stein vom Herzen, wobei, richtig entspannen werde ich erst können, wenn ich tatsächlich in der Luft bin.

Später erfahre ich, dass die Software der Flugsicherung ausgefallen war und deshalb nur wenige Flüge an diesem Morgen/Vormittag starten konnten. Da hatte ich wirklich Glück.

Um viertel vor neun Uhr beginnt das Boarding, meine Hoffnung mit einem reservierten Platz in einer der letzten Reihen einen freien Platz neben mir zu erreichen, erfüllt sich nicht, der Flug ist vollständig ausgebucht. Neben mir sitzt ein kleiner Junge, daneben sein Papa und über den Gang Mama und zwei Töchter. Anfangs bin ich wenig begeistert, da der Bub am Handy spielt und ständig laut seinem Papa über irgendwelche Spielzüge Mitteilung macht, aber schon kurz nach dem Start schläft er ein und wird erst wieder bei der Landung wach. So habe ich einen ruhigen, kaum Platz einnehmenden Sitznachbarn.

Nach dem Start habe ich einen schönen Blick auf den Taunus, dann kommen Wolken und ich schlafe ein Runde. Als ich aufwache, sind alle Wolken verschwunden und unter uns ist bereits die Ostsee zu erkennen. Ich mache einige Bilder mit dem Handy, ein Vergleich mit Google Maps ergibt, dass es sich möglicherweise um die Ecke Fischland-Darß-Zingst handeln könnte, dann die Küste Dänemarks (entweder die Insel Bornholm oder das Festland) und schließlich die Schärenküste Südfinnlands zu sehen ist.




Bei diesen schönen Ausblicken geht der Flug schnell vorbei, in der LH Economy gibt es nun ja kein kostenloses Essen oder Trinken (bis auf eine kleine Flasche Wasser) mehr. Auf das Essen kann ich bei einem so kurzen Flug verzichten, habe außerdem wie gesagt, selbst vorgesorgt, so ein Becher Kaffee oder Tee wäre allerdings schon nett. Ich bin überrascht, wie viele Leute sich dann kostenpflichtig einen Kaffee und auch eine Kleinigkeit zu Essen bestellen, da wird sich die Lufthansa sicher bestätigt fühlen bzw. sich ärgern, dass sie nicht schon früher das kostenlose Essen und Trinken abgeschafft hat. Wobei die Preise erstaunlicherweise ziemlich identisch mit denen am Flughafen FRA sind, zumindest diesbezüglich kann man nicht meckern.

Kurz vor der (pünktlichen) Landung (12.40 Uhr, eigentlich 11.40 Uhr, aber Finnland ist eine Stunde voraus) ziehen ein paar dünne Wolken auf, die dafür sorgen, dass Landeanflug und Landung extrem wackelig werden, und ich mal wieder kurz vor dem Benutzen der Spucktüte bin, zum Glück beruhigt sich mein Magen nach der Landung aber schnell wieder.

Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass HEL nicht der erwartete große Hauptstadtflughafen ist, ringsum nichts als Wald und die hier typischen Granitfelsen, so gut wie keine anderen Flugzeuge sind zu sehen. Dieser Eindruck bestätigt sich nach dem Verlassen des Fingers, nach der hallenartigen Deckenhöhe in FRA, geht man hier, gefühlt, durch ein Wohngebäude, an den Kofferbändern spaziere ich erstmal vorbei, so klein und unscheinbar befinden sich die Bänder in einer Art Nische neben dem Gang. Allzu lange muss ich nicht auf meinen Koffer warten (auch hier habe ich also Glück). Da ich erst um 15 Uhr im Hotel einchecken kann, trödle ich dann durch die allgemeine Flughafenhalle, diese ist ganz neu gestaltet, gefällt mir sehr gut, alles überwiegend in weiß und damit sehr hell, aber es ist sehr klein, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. In den Restaurants ist fast nichts los, ich habe keine Lust etwas zu bestellen, sondern esse mein in Frankfurt gekauftes Baguette, nachdem ich endlich einen der wenigen Sitzplätze ergattern konnte (dass es nur eine Handvoll Sitzplätze im Bereich vor der Sicherheitskontrolle gibt, finde ich allerdings nicht sehr gelungen).

Nach dem Baguette ist noch genug Zeit für einen Kaffee, es gibt hier eine Filiale des «Espresso House», einer Kette, die ich schon aus Kopenhagen kenne. Ich bestelle einen Cappuccino und einen (extrem leckeren, weil total schokoladigen) mud cake (EUR 10,70).


Die Bahnstation liegt weit unter der Erde, auf einer steilen Rolltreppe geht es in zwei Abschnitten in die Tiefe.


Ich kaufe mir am Automaten zwei Tickets, für heute ein Einzelticket bis ins Zentrum (EUR 4,10) und weiter zu meinem Hotel, mehr fahre ich heute nicht mehr und ein 7-Tagesticket für den Großraum Helsinki (EUR 44,00), das ab der ersten Aktivierung gelten wird.

Die Fahrt im ziemlich leeren Zug zum Hauptbahnhof dauert ca. 35 Minuten.

[Exkurs Sprache (n): meine ersten Planungsschritte (wie immer, erstmal mit Hilfe von Google Maps versucht mir einen Überblick zu verschaffen, wo liegt der Flughafen, der Hauptbahnhof, der Hafen, ein paar Hauptsehenswürdigkeiten, wo könnte eine gute Lage für die Unterkunft sein? Welche Tickets gibt es für die Öffis, was kosten sie?) haben sich unerwartet schwierig gestaltet, bis mir endlich zwei Dinge klar waren – erstens in Helsinki und Südfinnland (im Rest des Landes weiss ich es nicht) sind alle Ortsnamen, Straßennamen und damit auch Haltestellennamen immer zweisprachig, finnisch und schwedisch. Das führt im besten Fall nur zu einer kleinen Verwunderung, wenn sich die Namen nur minimal unterscheiden und im schlechtesten Fall zu vollständiger Verwirrung, wenn ein Ort heute so und morgen ganz anders heißt (wenn sich die Namen in den beiden Sprachen komplett voneinander unterscheiden und im Internet mal die finnische, mal die schwedische Version gezeigt werden). Zweitens, Finnisch hat keinerlei Bezug zu einer anderen europäischen Sprache, es ist daher nicht möglich ohne tatsächliche Sprachkenntnis Begriffe aus einer anderen Sprache abzuleiten (mit wenigen Ausnahmen). Man muss sich also davon verabschieden zu denken, man würde auf einer Karte sicher den Flughafen unter der Bezeichnung Air/Aero/usw. finden, nein, wenn nicht gerade die schwedische Bezeichnung angezeigt wird, muss man die Begriffe nachschlagen. Ein paar Beispiele: Flughafen = lentoasema, Bahnhof = rautatieasema, Hafen = satama, Strand = ranta, Marktplatz = kauppatori, Insel = saari, Restaurant= ravintola, Zentrum = keskusta.

Diese Wörter habe ich im Laufe meiner Planungen dann recht schnell gelernt, dazu dann noch ein paar Wörter, die man immer nutzen kann, wie danke = kiitos, hallo/guten Tag = moi, Tschüß = moi, moi. Und ganz witzig eins, zwei, drei = yksi, kaksi, kolme. Immerhin werden im Finnischen die Worte genauso gesprochen wie geschrieben und die Betonung liegt, wie im deutschen, auf der ersten Silbe.]

Vom Bahnhof muss ich einige Meter bis zur Tramhaltestelle gehen und, obwohl ich es mir auf Google Maps vorher genau angeschaut habe, ich verpasse die nächstgelegene Haltestelle. Das ist aber kein Problem, ich steige dann an der darauffolgenden ein. Von dort ist dann schon die nächste Haltestelle «Hesperian Puisto» meine Ausstiegshaltestelle.

Auf dem Weg ins Hotel fallen mir dann schon zwei typisch finnische Eigenheiten auf, vor jeder Haus-/Eingangstür eines Mehrfamilienhauses ist ein «Schuhbesen» montiert, vermutlich um im Winter den Schnee von den Schuhen abzustreifen und die Dachrinnen der Mehrfamilienhäuser enden nicht unterirdisch, sondern kurz über der Straße und damit dort das Wasser geordnet abfließen kann, ist eine kleine Rinne quer in den Gehweg gefräst, die das Regenwasser von der Dachrinne zum Randstein führt. Letzteres ist an sich kaum auffällig, wenn man aber mit einem Rollenkoffer auf den dortigen Gehwegen entlang geht, fahren die Kofferrollen natürlich in jede Rinne – macht ganz viel Spaß ;D. (Fotos dazu später)

Das Einchecken im Töölö Towers Hotel im Stadtteil Etu-Töölö geht problemlos, ich habe alle Daten schon online hinterlegt, meine Kreditkarte muss ich entgegen den Angaben dort nicht vorlegen (es wäre also kein Problem gewesen, wenn ich ohne oder mit einer anderen Karte unterwegs gewesen wäre), ich werde nur gefragt, ob ich über die hinterlegte Karte bezahlen möchte oder auf andere Weise. Im Laufe der Buchung hatte ich angefragt, ob ich ein Zimmer in einem der oberen Stockwerke wegen der netteren Aussicht bekommen könnte und tatsächlich, mein Zimmer liegt im 11. von 12 Stockwerken.
[Zum Hotel und dessen Buchung auch noch ein kleiner Exkurs: ich hatte zunächst über booking.com die einfachste Kategorie (Einzelzimmer mit Kühlschrank und Nutzung einer Gemeinschaftsküche) gebucht und ein paar Tage später mir das ganze mal auf der Hotelhomepage angeschaut, da waren die einzelnen Zimmerkategorien viel genauer dargelegt und man konnte dort auch direkt buchen, das habe ich probehalber mal gemacht – und bin fast vom Stuhl gefallen, dasselbe Zimmer mit exakt den gleichen Leistungen kostete 200 EUR weniger als bei booking. Eine höhere Kategorie, nämlich ein Einzelzimmer mit eigener Küche war immer noch 100 EUR günstiger als die einfachste Kategorie bei booking. Nachdem ich hundertmal überprüft habe, ob das beim Hotel wirklich die gleichen Leistungen wie bei booking sind, habe ich das bessere Zimmer, also mit eigener Küche direkt beim Hotel gebucht und nach der Bestätigung die Buchung bei booking storniert. Ich habe dann immer mal wieder bei booking reingeschaut, das Zimmer war immer entweder so teuer wie bei meiner Buchung oder z.T. nochmal 100 EUR teurer.]

Das Hotel, das aus zwei Türmen besteht, hat eher Studentenwohnheim Charakter, es war früher ein Wohnheim für die Angestellten des nahegelegenen Krankenhauses und wurde 2011 vom jetzigen Betreiber erworben, renoviert und wird nun als Hotelunterkunft vermietet. Es gibt neben den Einzelzimmern auch Doppelzimmer und Appartements mit einer unterschiedlichen Anzahl an Zimmern. Frühstück ist immer inklusive, geputzt und Bettwäsche/Handtücher gewechselt wird nach sieben Tagen.

In den Gängen des Hotels ist es unfassbar heiß und im Zimmer nicht wirklich kühl, aber etwas angenehmer, ich reiße die Fenster gleich auf, zum Glück bin ich so weit oben, da werde ich beruhigt auch die ganze Nacht offenlassen können, damit die Temperatur einigermassen aushaltbar wird. Den Bewertungen entsprechend könnte die Sauberkeit etwas besser sein, aber damit kann ich leben, keine andere Unterkunft (im ähnlichen Preisbereich) hat mich mehr angesprochen.




Ich mache nur eine kurze Pause im Zimmer, das schöne Wetter möchte ich gleich für erste Erkundungen nutzen. Nicht weit vom Hotel entfernt liegt eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Helsinki, Temppeliaukion kirkko (Tempelkirche, auch Felsenkirche genannt). Sie ist fast vollständig in einen Granitfelsen (diese finden sich überall in der Stadt) hineingebaut, nur das Kuppeldach ist von außen zu sehen. Die Kirche gilt als eine der schönsten in Skandinavien und ist das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs. 1961 hat man sich für den Plan der Architekten Timo und Tuomo Suomalainen entschieden, die die Idee hatten, die Kirche nicht wie üblich in die Höhe zu bauen, sondern nach unten in den Felsen hinein.

Der Eintritt kostet EUR 5 (in diesem Urlaub habe ich mich gegen eine «City Card» entschieden, da es diese nur bis zu einer maximalen Dauer von 3 Tagen gibt, ich aber 10 Tage hier bin und mich nicht mit den Besichtigungen auf drei Tage drängen lassen möchte, außerdem sind nur wenige eintrittspflichtige Sehenswürdigkeiten geplant) und auch hier empfängt mich, um es nett auszudrücken, eine kuschelige Innentemperatur. Von den im Reiseführer angedrohten Touristenmassen ist zum Glück kaum etwas zu sehen, es ist eine größere Gruppe Asiaten da (die ersten, die ich in dieser Masse seit Corona sehe und es werden die einzigen in diesem Urlaub sein), diese verlassen, wie üblich, aber sehr schnell wieder die Kirche und ich kann mir alles in Ruhe anschauen. Wirklich sehr beeindruckend wie der Raum von Felswänden umgeben ist, sehr schlicht gehalten, das gefällt mir sowieso und es spielt gerade eine Organistin, was bei der guten Akustik in dieser Kirche ein wunderbarer Genuss ist.




Von der Kirche spaziere ich zum Friedhof Hietaniemi auf der gleichnamigen Halbinsel gelegen und der größte Friedhof Finnlands. Hier ruhen viele der bekanntesten Persönlichkeiten des Landes, leider gibt es aber keinen Plan (mit dem ich eigentlich gerechnet habe), aus dem die Lage der einzelnen Gräber ersichtlich wäre, so schlendere ich nur etwas durch die schattigen Grabreihen mit herrlichem Blick aufs Meer.


Bald verlasse ich den Friedhof, um ihn auf einem Fußweg direkt am Meer zu umrunden. Auf der Landzunge gegenüber befand sich früher ein grosses Krankenhaus, heute wird das Gelände als Park genutzt.


Nach einiger Zeit erreiche ich Hietaranta, den größten Sandstrand Helsinkis, der bei diesem traumhaften Wetter natürlich sehr gut besucht ist.


Mir ist das eindeutig zu voll, daher spaziere ich am Wasser weiter in Richtung Norden, wo es auch schon bald wieder ruhiger wird.


Gegen 17 Uhr bin ich am Café Regatta, einem der bekanntesten Cafés der Stadt. Über 100 Jahre alt hat es nur einen winzig kleinen Innenraum, in dem sich im Winter die Gäste drängen, jetzt im Sommer kann man direkt am Wasser draußen sitzen, Besonderheit ist ein großer Grill an dem man sich die im Café gekauften Würste selbst grillen kann. Erstaunlicherweise ist gerade sehr wenig los (sind ja auch alle am Strand  ;D und gehen vermutlich wesentlich später erst etwas essen und trinken), ich hole mir am Verkaufsfenster eine warme Lachs-Reis-Pastete und einen Apfelsaft (EUR 8,70) und esse gemütlich mit Blick aufs Wasser. 



Gesättigt marschiere ich noch ein kleines Stückchen weiter nach Norden bis ich eine weitere sehr bekannte Sehenswürdigkeit der Stadt erreiche, das Sibelius Monument. Jean Sibelius (1865 -1957) ist der bekannteste Komponist Finnlands, das Monument wurde 1967 von Eila Hiltunen erschaffen und gleich nach Enthüllung extrem kritisiert, da die Stahlröhren an Orgelpfeifen erinnern, Sibelius aber nie für Orgel komponierte. Hiltunen wollte mit den Röhren eigentlich an Baumstämme erinnern, da die Natur Finnlands Sibelius wohl bei seinen Kompositionen inspirierte und ergänzte nach der umfassenden Kritik an seinem Denkmal dieses mit einer Büste des Komponisten.

Mir gefallen die Stahlröhren wie sie von der Abendsonne beschienen werden und zwischen den Bäumen und auf den typischen Granitfelsen stehen.




Vom Denkmal gehe ich dann zurück in Richtung Hotel, kurz davor befindet sich der K-Supermarket, wo ich ein paar Kleinigkeiten zum Essen einkaufe. Die Preise sind natürlich deutlich höher als bei uns, scheinen mir aber etwas geringer als die in Kopenhagen zu sein.

Gegen 18.30 Uhr bin ich wieder im Zimmer. Auspacken, Reisenotizen, mit Peter telefonieren, ein bisschen im TV zappen (neben den finnischen Sendern gibt es sehr viele Sender aus GB in Originalsprache mit finnischen Untertiteln), lesen und gegen 22 Uhr kann ich nach dem langen Tag meine Augen nicht mehr offen halten und schlafe sehr schnell ein.

Damit ist klar, dass ich mit der fehlenden Dunkelheit, die bei vielen zu Schlaflosigkeit führt, keine Probleme habe. Das Zimmer hat zwar Verdunklungsvorhänge, aber wie schon geschrieben, ist die Temperatur im Zimmer nur bei geöffnetem Fenster aushaltbar, und zwar geöffnet ohne Vorhang davor, dieser ist so dicht, dass er kaum Luft durchlassen würde. Gegen 20 Uhr beginnt die Sonne in mein Zimmer zu scheinen (zum Glück auf die dem Bett gegenüberliegende Wand und nicht direkt aufs Bett) und bleibt bis nach 22 Uhr da, total merkwürdig bei Sonnenschein einzuschlafen. Ich wache kurz gegen Mitternacht auf, da ist die Sonne eigentlich seit einer Stunde untergegangen, es ist aber nur leicht dämmerig mit einem hellen Rand am Horizont, eine ganz eigenartige Lichtstimmung ist das.


Gegen 4 Uhr geht die Sonne wieder auf und als mein Wecker um 6 Uhr klingelt ist es natürlich schon wieder taghell (so ein Sommertag hier hat über 18 h Tageslicht). Damit ist auch klar, es gibt in diesem Urlaub keine Sonnenuntergangsfotos und auch keine Nachtfotos.

Wetter: sonnig, ca. 27 °C

Kosten
Hotel Töölö Towers 9 Nächte EUR 693,00 (Studio mit Kitchenette, inkl. Bettwäsche, Handtücher, 1x Zwischenreinigung, Endreinigung, Frühstück), gebucht über Hotel Website
Flug EUR 281,02 (Lufthansa Economy Classic mit Aufgabegepäck und Sitzplatzreservierung, gebucht über LH Website)
Bahn nach/von FRA 18 EUR (2 x 9 EuroTicket)



LG Christina

Silv

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #7 am: 21. Dezember 2022, 20:26:12 »
Na ob das wirklich ne Sicherheitsbeamtin war?  ;D

Wir fahren über Silvester nach Füssen, und weil ich im Umkreis von ca 4 Fahrstunden keinen freien Platz auf einem Campingplatz mit Wellnesbereich bekommen habe, sind wir tatsächlich mal wieder in einem Hotel. Dieses habe ich auch direkt über dessen Website gebucht. Bei booking.com war es auch teurer.

Schöner erster Tag.
Liebe Grüße
Silvia

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #8 am: 22. Dezember 2022, 13:55:23 »
Das war ein Anreisekrimi  :girly:.

Zitat
Zweitens, Finnisch hat keinerlei Bezug zu einer anderen europäischen Sprache,

Das kann man so nicht sagen, denn Finnisch und Ungarisch sind miteinander verwandt.

Zitat
Nach einiger Zeit erreiche ich Hietaranta, den größten Sandstrand Helsinkis, der bei diesem traumhaften Wetter natürlich sehr gut besucht ist.

Super, dass es so warm/heiß war, dass der schöne Strand genutzt werden konnte.

Für dein Appartement war das allerdings ungeschickt. Vielleicht müssen sich die Finnen in ein paar Jahren doch noch Klimaanlagen zulegen.

Zitat
keine andere Unterkunft (im ähnlichen Preisbereich) hat mich mehr angesprochen.

Das kleine Bad erweckt den Eindruck, als ob man auf dem Schiff wäre. So eine Nasszelle hatte ich mal auf einer Fähre. Aber für eine Person reicht es und du bist sowieso den ganzen Tag unterwegs. Der Tag hat da im wahrsten Sinne des Wortes 24 Stunden :cool2:.



Liebe Grüße

Ilona

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #9 am: 22. Dezember 2022, 18:13:40 »

Wir fahren über Silvester nach Füssen, und weil ich im Umkreis von ca 4 Fahrstunden keinen freien Platz auf einem Campingplatz mit Wellnesbereich bekommen habe, sind wir tatsächlich mal wieder in einem Hotel. Dieses habe ich auch direkt über dessen Website gebucht. Bei booking.com war es auch teurer.

Das habe ich jetzt seit Corona schon einige Male festgestellt auch zum Teil für Mallorca, keine Ahnung an was das liegt.

Zitat
Zweitens, Finnisch hat keinerlei Bezug zu einer anderen europäischen Sprache,

Das kann man so nicht sagen, denn Finnisch und Ungarisch sind miteinander verwandt.

Für dein Appartement war das allerdings ungeschickt. Vielleicht müssen sich die Finnen in ein paar Jahren doch noch Klimaanlagen zulegen.

Ich weiß ;D, das habe ich auch gelesen und eigentlich auch geschrieben, aber dann aus dem Text hier rausgeschlöscht, weil er mir eh schon sehr lange erschien und ich auch irgendwie überhaupt keine Verbindung zu Ungarisch sehen kann, ich kann zwar kein Ungarisch, aber ein Freund ist aus Ungarn mit kaum aussprechbaren Nachnamen und hat auch einiges zur Sprache schon erzählt, da geht es oft um "Sz" und "y" und fast alles wird anders ausgesprochen als geschrieben, daher denke ich, dass das vermutlich irgendwelche weit zurückliegenden Sprachwurzeln sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Finne heute einen Ungarn versteht, aber vielleicht sehe ich das auch völlig falsch. Hast du da irgendwelche Verbindungen, oder einfach nur so gegoogelt?

Das mit den Klimaanlagen in Finnland habe ich mir auch gedacht. So gut wie in jedem Innenraum (außer Geschäfte und Öffis) war es fast unerträglich warm, sogar in allen Kirchen, die ich eigentlich aus anderen Ländern als kühl im Sommer kenne.



LG Christina

Susan

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #10 am: 22. Dezember 2022, 19:07:35 »
Hi,

tatsächlich bin ich momentan etwas knapp an Forumszeit, was nicht nur am Advent liegt  :-[ Helsinki möchte ich mir trotzdem nicht entgehen lassen, bin also dabei  :winkewinke:

So eine übergriffige Sicherheitsbeamtin habe ich ja noch nie gesehen. Ansonsten hattest du ja Glück mit dem Flug. Und auch das Zimmer schaut soweit ganz nett aus.

Die Felsenkirche ist schon mal sehr interessant, das Denkmal hätte ich auch eher als Orgel denn als Bäume angesehen  ;)  Und der Strand ist genau das richtige zum Relaxen zwischen den Besichtigungen.
Liebe Grüße
Susan


Ilona

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #11 am: 23. Dezember 2022, 13:25:34 »
... daher denke ich, dass das vermutlich irgendwelche weit zurückliegenden Sprachwurzeln sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Finne heute einen Ungarn versteht, aber vielleicht sehe ich das auch völlig falsch.

Das ist doch bei den Germanischen Sprachen genauso. Ich verstehe weder Norwegisch, Schwedisch, noch Afrikaans. Von Färöisch und Isländisch ganz zu schweigen. Eigentlich verstehe ich nicht mal die Niederländer, es sei denn, sie sprechen Deutsch :zwinker:.

Hast du da irgendwelche Verbindungen, oder einfach nur so gegoogelt?

Ilona ist ursprünglich ein ungarischer Name und zur Hälfte habe ich ungarische Wurzeln. Ich guugelte nur, damit ich den Link einfügen kann.

Liebe Grüße

Ilona

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #12 am: 23. Dezember 2022, 18:15:18 »
... daher denke ich, dass das vermutlich irgendwelche weit zurückliegenden Sprachwurzeln sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Finne heute einen Ungarn versteht, aber vielleicht sehe ich das auch völlig falsch.

Das ist doch bei den Germanischen Sprachen genauso. Ich verstehe weder Norwegisch, Schwedisch, noch Afrikaans. Von Färöisch und Isländisch ganz zu schweigen. Eigentlich verstehe ich nicht mal die Niederländer, es sei denn, sie sprechen Deutsch :zwinker:.

Hast du da irgendwelche Verbindungen, oder einfach nur so gegoogelt?

Ilona ist ursprünglich ein ungarischer Name und zur Hälfte habe ich ungarische Wurzeln. Ich guugelte nur, damit ich den Link einfügen kann.

Interessant, dass du da sozusagen persönlich mitreden kannst. Aber bei den germanischen Sprachen muss ich dir widersprechen, denn doch, man "versteht" als deutsch Sprechender doch sehr viel Niederländisch, Schwedisch, Dänisch zum Beispiel. Vor allem, wenn man es liest und sich dabei vorstellt, wie es klingt (hatte Susan in ihrem Schweden Bericht auch erwähnt). Deshalb war ich ja so überrascht vom Finnischen, dass da (fast) überhaupt kein Wort irgendeine Verbindung zum Deutschen oder Englischen, Französischen hat. Flughafen heißt auf Dänisch z.b. Lufthavn, auf Schwedisch Flygplats, Hauptbahnhof auf Schwedisch z.B. Central Station. Oder drei heißt auf Schwedisch und Dänisch Tre, auf Niederländisch drie. Also sehr viele sehr ähnliche Worte.



LG Christina

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #13 am: 23. Dezember 2022, 18:37:14 »
Hallo Susan, schön dass du auch noch dabei bist, jetzt kommt noch ein halber Tag, dann wird es wohl erst Montag weitergehen.

2. Tag – Donnerstag, 30.06. - 1. Teil

Frühstück gibt es ab 7 Uhr und kurz danach bin ich im Frühstücksraum im Erdgeschoß des Hotelgebäudes. Es sind schon einige Leute da, hauptsächlich Einzelreisende in ihren 20igern, ich vermute, dass sie irgendwelche Kurse an der Uni oder einer sonstigen Einrichtung machen, aber auch einige Pärchen, die ich als Touristen ansehe. Das Buffet bietet alles an kalten und warmen Speisen, was man so erwartet, zu erwähnen ist die große Auswahl an dunklen (Voll)kornbroten und -brötchen und die Tatsache, dass alles ohne jegliche Einzelverpackung auskommt. Der Schwerpunkt beim Frühstück in Finnland scheint auf herzhaften Speisen zu liegen, süße Sachen sind in der Minderheit, was mir sehr entgegenkommt.

Gegen 8 Uhr starte ich dann meine heutige Besichtigungstour. Wie schon in Kopenhagen beginne ich nicht klassisch mit dem Stadtzentrum, sondern werde heute und morgen (also Donnerstag und Freitag) Ziele am Rande der Stadt besuchen, die als beliebte Naherholungsgebiete am Wochenende sicherlich von Einheimischen gut besucht sein werden. Für heute und morgen hoffe ich dort auf relative Ruhe.

Ich spaziere wieder zum Wasser, komme wie schon gestern Abend am Café Regatta


und dem Sibelius Monument vorbei, heute im Morgenlicht. Von hier gehe ich weiter in Richtung Norden, immer am Wasser entlang. Nur wenige Leute sind unterwegs und ich genieße die Ruhe, die noch angenehmen Temperaturen und die herrlichen Blicke übers Wasser.




Oft sind versteckt liegende Häuser zu sehen, darunter auch Mäntyniemi, der Amts- und Wohnsitz des finnischen Präsidenten (neben einer weiteren Wohnung im Stadtzentrum), natürlich von einem hohen Zaun umgeben und mit vielen Bäumen und Büschen vor Blicken geschützt.


Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde kommt mein erstes Ziel heute in den Blick, die Insel Seurasaari (auf Schwedisch übrigens Fölisön und damit ein Beispiel für eine völlig unterschiedliche Bezeichnung in den beiden Sprachen, beides heißt übersetzt Fohleninsel) und die Holzbrücke, die auf die Insel führt.



Die Insel ist jederzeit und kostenlos für Fußgänger zugänglich, ungefähr die Hälfte des Geländes gehört zu einem Freilichtmuseum. Dieses wurde ab 1909 aufgebaut, aus allen Teilen Finnlands wurden alte Gebäude hierhergebracht, so dass man nun 87 historische Gebäude vom 18. bis 20. Jahrhundert anschauen kann. Die Gebäude können auch von innen besichtigt werden und es gibt Angestellte in der passenden historischen Bekleidung, beides allerdings nur zu den Öffnungszeiten und bei Kauf eines Eintrittstickets. Laut meinem Reiseführer öffnet das Freilichtmuseum um 9 Uhr, merkwürdigerweise ist nun um wenige Minuten vor neun das Tickethäuschen geschlossen und außer ein paar Joggern ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Na gut, dann erkunde ich die Insel eben ohne Innenbesichtigungen, von den zahlreichen ausgeschilderten Wegen wähle ich den der einmal rund um die Insel führt.

Es ist wunderbar hier, der Weg führt oft durch schattenspendenden Wald, die alten Häuser sind so aufgestellt, dass es wirkt, als ob sie «natürlicherweise» hier stehen und immer wieder kommt man über Granitfelsen ans Wasser.






An einer Stelle steht man genau gegenüber von Mäntyniemi,


an der Inselspitze ist die Kalevalakehto zu bestaunen, ein eiförmiges Häuschen aus Holz, das von Architekturstudenten aus Finnland und den USA 2010 errichtet wurde. Es soll an das finnische Nationalepos Kalevala erinnern, das unter anderem die Entstehung der Welt aus einem Ei beschreibt.


Viele Gänse und Vögel sind zu sehen, es gibt einige ziemlich zutrauliche Eichhörnchen und eine Vielzahl von blühenden Pflanzen.




Gegen Ende meiner Runde um die Insel komme ich an einem Strandbad vorbei und treffe auf einige Leute, die mit Badetaschen sicherlich auf dem Weg dorthin sind.

Gegen viertel nach 10 Uhr bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt angekommen, das Tickethäuschen ist aber immer noch unbesetzt. Ich ruhe mich ein bisschen auf einer Bank aus und schaue nochmal in meinen Reiseführer, tja, wer richtig :verlegen: lesen kann ist mal wieder im Vorteil, ab 9 Uhr ist zwar von Mitte Mai bis Mitte September geöffnet, zwischen Mitte Juni und August aber erst ab 11 Uhr, dafür abends länger. Bis 11 Uhr hätte ich aber sowieso nicht gewartet und mir hat es auch ohne geöffnete Häuser sehr gut auf Seurasaari gefallen.

Über die schöne Holzbrücke verlasse ich die Insel wieder und bin nur ein paar hundert Meter weiter an meinem nächsten Ziel, der Villa Tamminiemi. Diese war Amts- und Wohnsitz des in Finnland sehr beliebten Präsidenten Urho Kekkonen. Während seiner Amtszeit von 1956 bis 1981(! ) war er auch international ein sehr bekannter Politiker, der es verstand während des Kalten Kriegs Finnland zwar westlich orientiert, aber auch mit gutem Verhältnis Russland gegenüber zu positionieren. Zum Beispiel fand 1975 die erste Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki statt. Kekkonen legte die Grundlage für die Entwicklung Finnlands von einem der ärmsten Länder Europas zu einem der begütertsten der Welt. Kekkonen lebte nicht nur privat in Tamminiemi, sondern empfing dort auch Staatsgäste, ging unter anderem mit Willy Brandt und Leonid Breschnew in die im Garten stehende Sauna, um dort schwitzend zu verhandeln.

Die Villa ist noch so eingerichtete wie zu Kekkonens Zeiten und kann besichtigt werden. Dies erst ab 11 Uhr (hier wusste ich es), so dass ich zunächst eine Runde durch den Garten drehe und mir das Haus von allen Seiten sowie das abseits stehende Saunagebäude anschaue.




Zusammen mit einer Handvoll Finnen betrete ich dann um 11 Uhr das Gebäude, es sind Plastiküberzieher über die Schuhe zuziehen und 12 EUR zu bezahlen. Darin enthalten ist auch eine Führung, diese gibt es allerdings leider nur auf Finnisch, ich spaziere daher alleine durch die Räume. Der Einrichtungsstil und die Kunstwerke (teils von Kekkonen selbst ausgesucht, teils Staatsgeschenke) gefallen mir gut, aus heutiger Sicht hat der Präsident eher bescheiden gelebt.






Im kleinen Souvenirshop am Eingang kaufe ich einen Urho-Kekkonen Schlüsselanhänger, was irgendwie den Mann an der Kasse gesprächiger macht, als er es vorhin beim Bezahlen des Eintritts war. Er erzählt mir noch einiges über Haus und Präsident (weil es ja keine Führung auf Englisch gibt) und sagt mir dann noch, dass auch das Saunagebäude von innen besichtigt werden kann. Dorthin gehe ich dann, auf halbem Weg eilt mir der Angestellte hinterher (wer nun an der Kasse ist, keine Ahnung), weil ihm eingefallen ist, dass das Saunagebäude gar nicht offen ist. Er schließt mir nicht nur auf, sondern zeigt mir auch alles und erzählt nochmal vieles über die politischen Treffen, die hier stattfanden. Sehr nett. Die anderen Besucher sind aufgrund der Führung noch länger im Haupthaus und kommen erst zur Sauna, als ich wieder gehe. Für Fotos ist es in der Sauna leider zu dunkel.

In einem weiteren Nebengebäude der Villa befindet sich das «Café Adjutant» mit schattigen Aussensitzplätzen mit Blick übers Wasser. Es ist kurz vor zwölf Uhr, da bleibe ich doch gleich zum Mittagessen hier. Wie üblich in Finnland wird am Tresen bestellt und bezahlt, die Gerichte sind auf einer Tafel aufgelistet, aber nur auf Finnisch. Ich bitte daher den Angestellten mir zu übersetzen, was er auch sehr ausführlich und unter zu Hilfenahme des Kochs, den er aus der Küche holt, macht. Ich kann mir gar nicht alles merken und nehme etwas, das ich als Gemüse und Reis verstehe, mit einer hausgemachten Zitronenlimo bezahle ich EUR 18,60. Das Essen wird an den Tisch gebracht, es stellt sich als eine Art kalte Gemüsebowl heraus (ohne jeglichen Reis ;D), das Gemüse ist eingelegt, wie ich es eigentlich nur von Essiggurken kenne, auf jeden Fall schmeckt es sehr lecker und bei den hohen Temperaturen schön erfrischend. Brot und Butter sind auch noch dabei.


Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, dass man sich nach Bestellen und Bezahlen nicht nur das Getränk, sondern auch Besteck und Servietten selbst zum Tisch mitnimmt und muss dies nachholen, nachdem das Essen auf dem Tisch steht. Als ich zurückkomme weisen mich die Gäste an den Nachbartischen daraufhin, dass sie die Vögel verscheucht haben, die in meiner Abwesenheit versuchten, mein Essen zu klauen. Ja, da hätte ich auch dran denken können, denn ich habe schon beobachtet, wie riesige schwarz-graue Raben, die ich schon auf Seurasaari gesehen habe, an einem noch nicht abgeräumten Tisch herum gepickt und sogar Geschirr umgeworfen haben.

Teil 2 des Tages folgt bald....



LG Christina

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Re: Tervetuloa Helsinkiin! - Sommer 2022
« Antwort #14 am: 26. Dezember 2022, 18:24:16 »
2. Tag - Donnerstag, 30.06. - 2. Teil

Nach dem Essen spaziere ich unter anderem durch Wohngebiete mit «Wohnblocks» südöstlich in Richtung Töölö Bucht. Die Mehrfamilienhäuser sind zum Teil in einer braun-grauen Farbe verputzt, wie man sie früher oft im Osten Deutschlands sah. Interessant außerdem, es gibt immer wieder auf Grünflächen zwischen den Häusern kleine Kioske aus Holz mit ein paar Stühlen und Tischchen davor, wo sich die Bewohner der umliegenden Häuser Kleinigkeiten zum Essen und Trinken kaufen und sich treffen können (im Sommer zumindest). Manchmal befindet sich der Kiosk in einer Wohnung im Erdgeschoss, aus deren Fenster dann verkauft wird. Leider habe ich davon überhaupt keine Fotos gemacht. Was mir sonst noch auffällt, Balkone gibt es kaum und wenn doch, kann man sie mit Glaswänden verschließen, Blumen oder sonstige Pflanzen befinden sich dort fast nie.

Am nördlichen Ende der Töölö Bucht liegt das Olympia Stadion, das für die Spiele von 1940 im Stil des Funktionalismus geplant und gebaut worden war. Diese wurden dann wegen des Kriegs auf 1952 verschoben. Der denkmalgeschützte Bau wurde in den letzten Jahren renoviert und hat nun glücklicherweise wieder geöffnet. Denn auch wenn mich das Stadion abgesehen vom Blick von außen nicht weiter interessiert, habe ich es mir doch als Anlaufpunkt ausgesucht und zwar wegen des 72 m hohen Aussichtsturms.


Ich bezahlen EUR 6,50 und kann dann mit dem Aufzug (fast) bis zur Aussichtsplattform fahren. Von hier hat man einen tollen Rundumblick auf Helsinki und seine Vororte, das Zentrum ist allerdings ein gutes Stück entfernt, so dass man dessen markante Gebäude nur undeutlich sehen kann. Deutlich wird aber, dass es in und um Helsinki sehr viel Wasser gibt, dass die meisten Häuser nicht mit Dachplatten gedeckt sind, sondern Blech(?)dächer haben und dass die Hausfassaden bevorzugt in Pastellfarben gehalten werden. Auch gut zu sehen ist der nahegelegene Vergnügungspark Linnanmäki.






Vor dem Olympia Stadion befindet sich eine Statue von Paavo Nurmi (1897-1973), einem der «Nationalhelden» Finnlands, ein Langstreckenläufer, der in den 1920igern neun olympische Gold- und drei Silbermedaillen gewann.


Vom Nordufer der Töölö Bucht spaziere ich ans erhöht liegende Ostufer, sehr schön sind in der Ferne einige der architektonisch wichtigsten Gebäude der Stadt zu sehen, allerdings muss ich sehr entsetzt feststellen, dass mehrere davon wegen Renovierung vollständig «verhüllt» sind. Darüber bin ich sehr enttäuscht, ich wusste zwar von der Renovierung der Finlandia Halle, ich hatte das aber eher als Innenrenovierung verstanden, oder, dass ein Teil mit einem Gerüst versehen ist, niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass man das Gebäude an sich fast überhaupt nicht sehen kann. Außerdem sind noch weitere Gebäude dort verhüllt, warum man das alles gleichzeitig machen muss, erschließt sich mir nicht. Hätte ich das gewusst, hätte ich vielleicht ein anderes Urlaubsziel gewählt und Helsinki auf später verschoben.




Am Ostufer stehen, meist versteckt hinter Bäumen, noch einige alte Kapitänsvillen aus Holz. In einer davon befindet sich das «Café Taideterassi». Ich bin noch satt vom Mittagessen, aber eine kurze Pause mit einem kühlen Getränk und eine Toilette kann ich gut gebrauchen. Ich kaufe einen Cold Brew (kalter Kaffee) (EUR 4,70) und setze mich auf die Außenterrasse mit schönem Ausblick. Auch hier sollte man sich vor Vögeln in Acht nehmen. Diesmal sind es Möwen, die es zwar nicht auf mein Getränk abgesehen haben, ich kann aber beobachten, wie der Dame vom Nachbartisch das Gebäckteil, das sie gerade zum Mund führen wollte, aus der Hand von einer Möwe weggeschnappt wird.

Nach der Pause setze ich meinen Weg rund um die Bucht fort, vom Westufer ist das Café in dem ich vorhin saß, gut zu sehen.


Östlich der Töölö Bucht, auf der anderen Seite der Bahnlinie ist der Stadtteil Kallio. Interessant hier ist die Kallio Kirche, sie liegt auf dem höchsten Punkt des Stadtteils und ist daher weithin sichtbar. Die 1912 erbaute mit Granit verkleidete Kirche ist ein Beispiel der finnischen Nationalromantik / Jugendstil, innen sind Fenster- und Türbögen schön entsprechend dem Jugendstil bemalt und vor der Kirche fällt mein Blick passenderweise auf ein wunderschönes Wohnhaus im Jugendstil.




Mein Spaziergang führt mich vom Hügel auf dem die Kirche steht hinunter ins Zentrum des Stadtteils mit einigen Geschäften, Restaurants und Cafés. Inzwischen ist es 16 Uhr, sehr heiß und ich bin schon viel gelaufen, daher bin ich sehr froh, eine Pause im sogar klimatisierten Innenraum der «Patisserie Teemu Aura» machen zu können. Bei Karottenkuchen und Cappuccino (EUR 10,00) ruhe ich mich aus.


Eine halbe Stunde später bin ich gestärkt genug, um noch ein letztes Ziel für heute anzugehen, die Insel Tervasaari (Teerinsel), die nicht weit vom Café über einen Damm betreten werden kann. Wie der Name schon sagt, gab es früher hier ein Teerlager, heute besteht die Insel aus einem großen Park mit vielen Bänken unter schattenspendenden Bäumen, einem gut besuchten Badestrand (Wiese, kein Sand) und schönen Blicken in Richtung Zentrum, zur Eisbrecherflotte, die an der Nachbarhalbinsel Katajanokka ankert, zum Viertel Kalasatama, das zurzeit zu einem modernen Wohngebiet umgestaltet wird, dem Kohlekraftwerk Hanasaari (der Betrieb wird Ende 2023 eingestellt und Energie aus erneuerbaren Energiequellen produziert) und zum Kirchturm von Kallio hinter Jachthafen und modernen Wohngebäuden.






Nach einer Pause auf einer Bank verlasse ich die Insel und gehe zur nächsten Tramhaltestelle, ich aktiviere mein gestern gekauftes 7-Tages-Ticket und fahre zurück ins Hotel, wo ich gegen 17.45 Uhr ankomme.

Wetter: sonnig, ca. 28°C



LG Christina