Autor Thema: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023  (Gelesen 2385 mal)

Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #15 am: 14. Juli 2023, 18:15:47 »
3. Tag – Donnerstag, 02.03.

Heute soll es den ganzen Tag bewölkt sein, da bietet sich ein Besuch in Mallorcas Hauptstadt Palma an. Mit dem Auto in die Stadt zu fahren ist nicht sehr sinnvoll, viel zu wenige und vor allem teure Parkplätze, dazu dichter Verkehr, enge Straßen. In Betracht für mich käme höchstens die Fahrt auf einen (bzw. den einzigen) Park and Ride Platz etwas außerhalb der Stadt und dann mit der U-Bahn ins Zentrum. Da aber nur wenige Gehminuten zu Fuß von meinem Hotel entfernt sich eine Bushaltestelle befindet, die eine stündliche Direktverbindung nach Palma bietet, ist das für mich die angenehmste Variante.

Nach dem Frühstück gehe ich um 8 Uhr zur Haltestelle, der Bus fährt pünktlich um 8.10 Uhr, ein Ticket braucht man praktischerweise nicht mehr, man kann direkt die Kredit- oder EC-Karte scannen (und beim Aussteigen nochmal, damit anhand der Fahrtstrecke der Preis berechnet werden kann, da es verschiedene Preiszonen gibt), wer das nicht möchte, kann weiterhin bar beim Fahrer zahlen (etwas teurer als mit Karte) oder online vorab ein Ticket kaufen. Einwohner der Insel fahren seit diesem oder dem vorigen Jahr kostenlos, dazu brauchen sie ebenfalls eine Karte, die sie bei der entsprechenden Behörde beantragen und beim Ein- und Aussteigen scannen müssen.

Der Bus ist gut gefüllt, vermutlich aufgrund der Jahres- und Tageszeit bin ich wohl die einzige Touristin, die anderen sind Einwohner, die z.B. ihre Kinder in den Kindergarten bringen oder zum Arbeiten oder Einkaufen, mal nur wenige Haltestellen, mal, wie ich, bis zur Endstation in Palma fahren. Im Vergleich zu meiner einzigen anderen „Mittelmeerinsel-Bus-Erfahrung“, also Malta, ist das Busfahren hier sehr angenehm, jeder hat einen Sitzplatz und der Fahrer fährt sehr „gesittet“, nicht wie auf Malta, wo es keine Fahrt ohne mehrmalige Vollbremsungen, abwechselnd mit hohen Geschwindigkeiten gab.

Gegen halb zehn Uhr erreicht der Bus die Estació Intermodal am nördlichen Rand der Altstadt von Palma. An diesem Verkehrsknotenpunkt treffen sich die wenigen Bahnlinien der Insel, ein Stockwerk tiefer fährt die Metro und nochmal ein Stockwerk weiter unter der Erde ist der Busbahnhof. Mit Rolltreppen geht es nach oben, ich nutze noch die erfreulich sauberen und kostenlosen Toiletten und trete auf die Plaça Espanya gegenüber der Estació Intermodal, getrennt durch eine mehrspurige Straße.

Außer einem riesigen Standbild von König Jaume I. und einem Gebäude im Modernisme Stil, dem spanischen Jugendstil (keine Fotos gemacht), gibt es auf diesem Platz nichts, was mich länger aufhalten ließe und so gehe ich direkt weiter bis zum nur wenige hundert Meter entfernten Gebäude des Mercat de l’Olivar. Hier gibt es wie auf einem klassischen Markt Stände mit frischem Obst, Gemüse, Käse, Brot, Fisch und Fleisch und auch Stände an denen man sich Kleinigkeiten zum vor Ort essen und trinken kaufen kann, sowie einige Stände mit Souvenirartikeln. Viel los ist nicht, ich hoffe, dass die Händler einen Großteil ihrer beeindruckend aufgeschichteten Waren trotzdem noch verkaufen können.



Von der Markthalle führt eine teilweise enge Straße an zahlreichen Geschäften und der Fundación Juan March vorbei. Bei einem Aufenthalt auf Mallorca trifft man ständig auf den Namen March, die Familie March gehört zu den zehn reichsten der Welt, auf Mallorca gehört ihr eine Bank mit Filialen in fast jedem Ort, viele Grundstücke und Villen. Juan March (1880-1962) war Sohn eines Schweinezüchters und hat es durch geschickte und durchaus auch illegale Geschäfte, z.B. Tabakschmuggel, zu Reichtum gebracht, auch in verschiedenen Kriegen spielte er eine ziemlich unrühmliche Rolle. Heute wird das Geld natürlich auch in Kunst investiert, unter anderem gehört dieses Museum dazu. Der Eintritt ist kostenlos, auf einen Museumsbesuch habe ich heute aber keine Lust (falls es überhaupt geöffnet hat), für Palma habe ich nur diesen einen Tag vorgesehen und den möchte ich zur Stadt- und nicht zur Museumsbesichtigung nutzen.

Von der Fundación Juan March ist es nicht mehr weit bis zur Plaça Major, dem Hauptplatz der Stadt und wenn man wie ich von Norden kommt, „Eingangstor“ zur Altstadt mit ihren engen Gassen.

Zu dieser Jahreszeit ist der Platz sehr ruhig, die vom Reiseführer angekündigten „Kunsthandwerker, Gaukler, lebenden Statuen, Porträtmaler und Touristenmassen“ sind zum Glück nicht in Sicht.


Durch einen der Torbögen verlasse ich den Platz


und stehe nicht weit entfernt vor zwei wunderschönen Bauten im Modernisme Stil: das ehemalige Warenhaus L’Aguila wurde 1908 vom Architekten Gaspar Bennázar gebaut, das Nachbarhaus, eine ehemalige Zahnklinik vom Besitzer, dem Goldschmied Lluís Forteza Rey im Jahr 1909 selbst. Sein Vater war ebenfalls Goldschmied und war in Palmas Kathedrale tätig, wo er den „großen“ katalanischen Architekten Antoni Gaudí, der zehn Jahre lang an der Umgestaltung des Innenraums der Kathedrale arbeitete, kennenlernte und seine Begeisterung über dessen Baustil wohl an den Sohn weitergab – passend zur Zahnklinik ist die Fassade unter anderem mit einem von Zahnschmerzen verzerrten Gesicht verziert.



Weiter geht’s durch die Altstadtgassen


bis ich vor der Basílica de Sant Francesc stehe. Die Kirche der Franziskaner ist der bedeutendste Kirchenbau der Insel nach der Kathedrale von Palma, angeschlossen war ein Kloster, dort gibt es heute keine Mönche mehr, sondern Schüler, ein Teil des Gebäudes wurde in eine Schule umgewandelt. Man kann nicht nur das sehr düstere Kircheninnere besichtigen, sondern auch den wunderschönen Kreuzgang (EUR 6 für Kreuzgang und Kirche).




Durch noch mehr enge Gassen spaziere ich weiter zu den Banys Arabs (EUR 3,00). Die arabischen Bäder gehören zu den wenigen erhaltenen Überresten der arabischen Kultur auf Mallorca, Forscher gehen davon aus, dass sie aus dem 10.-12 Jh. stammen, zum Haus eines reichen Arabers gehörten und nach römischem Vorbild errichtet wurden. Zunächst kommt man durch den schön angelegten Garten, von dort betritt man das sog. Caldarium (Dampfbad), ein Gewölbe mit fünf Öffnungen, durch die die Sonne scheint und zwölf unterschiedlichen Säulen. Der Boden bestand aus zwei Schichten Marmorfliesen, darunter war eine Küche in der in Kesseln heißes Wasser gekocht wurde, der Dampf zirkulierte zwischen den beiden Bodenschichten und wenn man Wasser auf die Fliesen schüttete, dampfte es. Daneben ist noch das Teparium erhalten, ein Wärmeraum zum Ruhen, heute wird dort ein kurzer Film über die Zeit der Mauren auf Mallorca gezeigt. Üblicherweise gab es neben Caldarium und Teparium noch das Frigidarium mit einem Kaltwasserbecken. Ein solcher Raum existiert nicht (mehr).



Ich nutze noch die Toiletten und gehe nehme dann den kurzen Weg bis zur Stadtmauer Dalt Murada. Von hier hat man einen schönen Blick über die Wasserfläche des Parc de la Mar bis zum Meer und auch die Kathedrale ist schon zu sehen.


Ich gehe auf der Stadtmauer unterhalb der Kathedrale entlang und sehe, dass rund um den Parc de la Mar leider eine Baustelle ist. Schade, später möchte ich aber trotzdem dorthin gehen, denn von dort kann man die Kathedrale am besten anschauen. Zunächst besichtige ich aber das Innere der Kirche (EUR 9,00). Das Ticket kann ich ganz einfach am Eingang kaufen, ein vorheriger Onlinekauf, von dem ich mehrfach im Internet gelesen habe, ist nicht nötig. Eine Anmeldepflicht gibt es nur für die Führung auf und über die Dachterrasse, sehr, sehr schade, dass es diese Möglichkeit erst ab Mai eines jeden Jahres gibt, das hätte ich sehr gerne gemacht.

Drinnen herrscht Fotografierverbot, an das sich aber niemand hält und von den „Aufpassern“ auch nicht durchgesetzt wird. Ich verzichte dennoch auf Fotos, da es auch hier wie schon in der Basílica de Sant Francesc sehr dunkel ist, brauchbare Fotos so nicht entstehen können. Da leider die Sonne nicht scheint, fällt kein Licht durch die bunten Glasfenster, die sonst für schöne Farbflecken (und mehr Helligkeit) sorgen.

Immerhin sind die beiden besonderen Kapellen beleuchtet. Es gibt die Königskapelle, gestaltet von Antoni Gaudí. Die Kathedrale geht auf eine Moschee zurück, die 1229 von König Jaume I. nach der Rückeroberung Mallorcas von den Mauren in eine Kirche umgeweiht wurde. Der Grundriss der heutigen Kirche stammt aus dem Jahr 1314, die ursprüngliche Moschee, dann Kirche, wurde abgerissen. Das Minarett blieb aber bis ins 16. Jh. bestehen, so dass auch der es dann ersetzende Glockenturm nach Mekka ausgerichtet ist. An der Kathedrale wurde viele hundert Jahre gebaut, erst 1601 war sie zunächst vollendet. Nach einem Erdbeben 1851 wurde eine größere Renovierung nötig, insbesondere die Glasfenster mussten ersetzt werden.

1904 wurde vom sehr fortschrittlichen und jungen (40 jährig) Bischof Campins der katalanische Architekt Gaudí engagiert, das Kircheninnere umzugestalten. Gaudí blieb 10 Jahre in Palma und konnte einiges, aber nicht alles wie von ihm gewünscht, umsetzen. So verließ er 1914 Palma trotz unvollendeter Kathedrale, er konnte die dauernde Kritik des konservativen Teils der Kirche nicht mehr ertragen, zwei seiner Schüler setzten immerhin einen Großteil seiner Ideen nach seiner Abreise noch um.

Gaudí führte unter anderem elektrisches Licht in der Kathedrale ein und er gestaltete die Königkapelle um, über dem Altar hängt bis heute ein von ihm entworfenes „Mobile“: an einem bunten Ring beleuchtet mit vielen Glühbirnen hängen viele kleine Lampen, die von der Form an kleine Boote erinnern. Das gefällt mir gut, man muss sich aber etwas Zeit für die Betrachtung nehmen, denn (zumindest für meine Augen) die Beleuchtung blendet in der sonst düsteren Kirche eher, als dass sie das Kunstwerk gut ausleuchtet.

Außer der Königskapelle ist auch die Petruskapelle beleuchtet, deren Gestaltung ist noch neueren Datums, seit 2007 kann man die vom mallorquinischen Künstler Miquel Barceló entworfene Rückwand aus Keramik bewundern. Auf der riesigen Fläche (300 qm) sind zwei biblische Szenen (Vermehrung von Brot und Fisch und Wandlung von Wasser zu Wein) dargestellt, auch die bunten Glasfenster wurden von Barceló entworfen, vorher waren sie farblos. Auch hier hätte ich mir eine bessere Beleuchtung gewünscht, hier gibt es unzählige Details zu entdecken, eine sehr beeindruckende Arbeit.

Vom Kircheninneren wird man zum sehr kleinen Kreuzgang geleitet, der nett ist, aber nicht an den des Franziskanerklosters heranreichen kann. Den Ausgang erreicht man nur durch den Souvenirshop, hier gibt es das eine oder andere Teil, das mir gefallen hätte, das müsste ich aber den Rest des Tages noch durch die Stadt tragen, daher verzichte ich auf jegliche Einkäufe.

Nun ist es Zeit fürs Mittagessen und wie so oft bin ich weit weg von dem von mir vorab ausgesuchten Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme schon zu dieser für spanische Verhältnisse frühen Uhrzeit. Nur ein Stand an dem Bocadillos, spanische Sandwiches verkauft werden, liegt einigermaßen in der Nähe, dort kann man sich aber nicht reinsetzen und für ein Mittagessen auf einer (Park)bank ist es mir heute zu kühl. Ich gehe daher einfach mal in Richtung Altstadtzentrum und komme an der Plaça de Cort heraus, wo es neben zwei höherpreisigen Restaurants (die um diese Zeit noch kein Essen servieren) einen Starbucks gibt. Hm, auf Mallorca in eine amerikanische Kette möchte ich eigentlich nicht, aber mangels Alternative entscheide ich mich doch dafür. Immerhin gibt es ein sehr leckeres Schinkensandwich, die Preise sind sehr moderat (für einen kleinen Café Latte, ein Sandwich und einen Cookie zahlen ich EUR 8,50 – als ich dann Ende März in Hamburg war, habe ich den gleichen Preis nur für Kaffee und Cookie bezahlt, ohne Sandwich!) und ich ergattere einen Platz im oberen Stock direkt an der Fensterfront mit Blick auf die Plaça de Cort.


Und was sehe ich da, als ich meinen Blick schweifen lasse? Eine Cafeteria, in der es wohl mit Sitzbereich Kleinigkeiten zum Essen gibt, zu schade, dass ich das nicht vorher entdeckt habe, aber da das Café weder Tische, noch Schirme, noch ein irgendwie hervorstehendes Schild hat, habe ich es einfach nicht wahrgenommen (Cafeteria und Pastisseria Ca Na Cati, mit herzhaftem und süßem Gebäck, zum Mitnehmen und vor Ort essen – das nächste Mal dann).

Nach dem Essen schaue ich mir den Platz mit seinen interessanten Häusern genauer an, hier befindet sich das Rathaus (Ajuntament) (das rechts ums Eck angrenzende Gebäude mit den mittelalterlichen Türmchen ist der Sitz des Inselrats), ein riesiger Olivenbaum (mehr als hundert Jahre alt, aber erst vor ca. 30 Jahren von außerhalb hierher verpflanzt), der leider gerade von einer großen Touristengruppe belagert wird und das Can Corbella im Neomudejar Stil, der kurz vor dem Jugendstil Mode war. Die Fassadendekoration ist komplett aus Holz.



Dann gehe ich zurück zur Kathedrale, um meinen Stadtrundgang fortzusetzen. Gegenüber der Kathedrale führt eine Treppe in die Unterstadt, an ihrer linken Seite befindet sich der Palau de l’Almudaina, eine ehemalige Festung der Mauren, die heute hin und wieder vom spanischen König genutzt wird und besichtigt werden kann.


Rechts der Treppe taucht wieder der Name March auf, der Palau March ist die ehemalige Stadtvilla der Familie March und heute Kunstmuseum. Eine Innenbesichtigung würde sich sicherlich lohnen, nicht nur wegen der Kunstwerke, sondern auch wegen den historischen Räumen und der Dachterrasse mit Blick über Teile der Stadt. Aber auch hier gilt, dass die Zeit heute dafür nicht reicht.


Am Ende der Treppe und unterhalb der Mauern des Palau de l’Almudaina betritt man den Königsgarten. Dort steht die Figur „Nancy“ von Alexander Calder (von ihm habe ich 2021 bei meinem Kopenhagen Besuch im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk mehrere Skulpturen gesehen), ein Wasserbecken mit Springbrunnen gesäumt von Zypressen. Wenn die Sonne scheint und es warm ist, sicher ein schöner Ort für eine Pause.



Ich gehe weiter zum Parc de la Mar, trotz der Baustelle hat man von verschiedenen Standpunkten einen sehr guten Blick auf die Kathedrale.


Ich laufe einmal komplett um die Wasserfläche herum bis ich wieder die Stadtmauer erreiche, gehe diese unterhalb der Kathedrale entlang und komme nochmal am Königsgarten vorbei, wo ich noch den Torbogen Drassana Musulmana über einem Wasserbecken entdecke, durch dieses Tor fuhren zur Zeit der Mauren die Schiffe bis direkt in den Hafen des Palau de l’Alumdaina.


Über die breite Avinguda d’Antoni Maura komme ich ins Llotja Viertel. Hier befinden sich die alte Seehandelsbörse (Sa Llotja) an einem Platz mit hübschen Häusern, ruhige Wohnstraßen und das Museu Es Baluard, ein Museum für moderne Kunst. Ein Teil des Außenbereichs mit einigen Skulpturen und einem schönen Blick entlang des Passeig Maritim bis zur Kathedrale ist frei zugänglich.





Von hier gehe ich zurück Richtung Altstadtzentrum, überquere die Plaça de la Reina mit einem großen Springbrunnen (und viel Verkehr)


und erreiche den Passeig des Born. Autos fahren hier nur auf einer Seite, auf der anderen kann man unter Platanen spazieren, es gibt viele teure Boutiquen, schön renovierte historische Gebäude, Bänke und Straßencafés.



Am Ende des Passeig des Born biege ich nach rechts ab, wieder in Richtung Plaça Mayor. Ich komme am Plaça del Mercat vorbei mit den beiden herrlichen Edifici Casasayas, errichtet 1908-1911, nicht von Gaudí, sondern unter seinem Einfluss vom Architekten Francesc Roca. Praktisch nebenan auf der Plaça Weyler sind im selben Modernisme Stil das Gran Hotel bzw. Caixa Forum und die Bäckerei Fornet de la Soca zu bewundern.




Für eine Kaffeepause suche ich rund um die Plaça Mayor eine passende Lokalität und finde das Café Arabay, eine mallorquinische Kaffeerösterei mit einer Handvoll Cafés auf den Balearen und in Madrid. Ich bestelle einen Cappuccino und ein Schinkensandwich, das im Starbucks war ja schon lecker, aber das ist nochmal deutlich besser, es gibt sogar Oliven dazu (EUR 6,80).


Als letzten Besichtigungspunkt heute mache ich noch einen Spaziergang entlang der Rambla, von der Plaça Mayor über eine Treppe zu erreichen. Diese Flaniermeile ist im Vergleich zum Passeig des Born wesentlich ruhiger, es gibt keine hochpreisigen Boutiquen, dafür viele Blumenverkaufsstände und die Fassaden der angrenzenden Häuser sind genauso schön.


Zurück nach Port d’Alcúdia nehme ich den Bus um 15.45 Uhr, nun bin ich nicht mehr die einzige Touristin, insgesamt ist der Bus voller als heute Morgen. Nach anderthalb Stunden Fahrt bin ich an meiner Ausgangshaltestelle und muss/möchte beim Aussteigen meine Kreditkarte scannen, aber leider funktioniert das Gerät nicht mehr. Ich hatte sowas schon seit ein paar Haltestellen vermutet, da ein deutsches Ehepaar beim Einsteigen in bar bezahlen musste und die beiden sich dann in meiner Hörweite darüber unterhielten, dass das Gerät auf ihre Kreditkarte nicht reagierte. Auch einige Einheimische kamen bei den vorherigen Haltestellen nach dem Aussteigen hinten nochmal vor zum Fahrer und unterhielten sich (da habe ich natürlich nicht verstanden um was es ging, vermutlich aber um genau dieses Problem). Nun, ich kann es nicht ändern und steige ohne den nötigen zweiten Kreditkartenscan aus.

Laut Website der Busgesellschaft bedeutet das Fehlen des zweiten Scans eine Strafzahlung von EUR 0,30 (immerhin muss ich hinsichtlich der durchfahrenen Zonenanzahl sowieso schon den Maximalpreis bezahlen, da kann dann nichts mehr dazu kommen), wobei ja eigentlich der Fahrer bzw. das System selbst melden müsste, bei welchen Fahrten (das war sicher nicht einzige) es ausgefallen ist und eine Strafzahlung dürfte dann nicht auferlegt werden. (Bei der Kreditkartenabrechnung sind dann aber tatsächlich doch EUR 11,10 abgebucht, d.h. zwei korrekte Einzelfahrten zu EUR 5,40 und eine Strafzahlung von EUR 0,30 – naja, das ist natürlich verschmerzbar, da für mich eine einmalige Sache, müsste aber aus meiner Sicht anders geregelt werden.)

Im Hotel mache ich mir zum Abendessen einen Tee und schalte (wie gestern und vorgestern schon) für einige Zeit die Heizung ein, es war doch relativ kühl heute den ganzen Tag über.

Wetter: bewölkt, ca. 12°C
Wanderung/Strecke: nicht gemessen


LG Christina

Susan

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #16 am: 14. Juli 2023, 21:40:07 »
Bei Pollenca klingelts irgendwie, doch bei den Bildern kam mir nichts bekannt vor  :gruebel: Naja, mein Mallorcaurlaub ist schon 40 Jahre her, war damals gleich nach dem Abi  :floet:
Ist das da tatsächlich Schnee auf den Bergen? Okay, es war grad mal März, trotzdem hätte ich dort nicht mit sowas gerechnet.

Das war ja wieder eine ordentliche Portion City-Hiking in Palma  8) Das Angebot in der Markthalle schaut ja verlockend aus - wahrscheinlich kamen die Leute alle erst später. So ein paar Künstler auf den Plätzen hatten mir schon gefallen, auf den Touristenrummel könnte ich auch gut verzichten. Da gibt es ja einige schöne alte Häuser in der Stadt.
Liebe Grüße
Susan

Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #17 am: 17. Juli 2023, 18:25:45 »
Ja, da lag Schnee, das war ja das große Unwetter das am Tag vor meiner Ankunft (und teilweise am Tag der Ankunft) gewütet hat. Ich war auch erstaunt, als ich es, auch erst von Port de Pollenca aus, gesehen habe. Aber die Berge sind teilweise über 1000 m hoch, da ist es eigentlich nicht so erstaunlich.


LG Christina

Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #18 am: 17. Juli 2023, 18:45:56 »
4. Tag – Freitag, 03.03.

Nachdem das Auto gestern Pause hatte, bekommt es heute wieder Auslauf, mal sehen, wie ich heute damit zurechtkomme.

Nach dem Frühstück starte ich gegen 8.30 Uhr in Richtung Osten. Auf ziemlich gerader Straße geht es zunächst durch die Ausläufer von Port d’Alcúdia, das nahtlos in den Ort Ca’n Picafort übergeht. Es sind unzählige Kreisverkehre zu durchqueren, überhaupt habe ich noch nirgends so viele Kreisverkehre wie auf Mallorca gesehen, nicht mal in Frankreich oder Wales.
Innerorts sind sie oft eng und einspurig wie in Deutschland, außerorts aber von riesigen Dimensionen und dann zweispurig. Da hatte ich mir Sorgen gemacht, wie ich das mit den beiden Spuren hinbekomme, aber diese Sorge war unbegründet, es wird erstaunlich zurückhaltend gefahren auf Mallorca, kein einziges Mal habe ich erlebt, dass im Kreisverkehr jemand überholt hat, auch beim Einfahren in den Kreisverkehr wird nicht wie in Deutschland noch schnell vor dem nächsten Auto reingefahren, jeder wartet, bis er komplett freie Fahrt hat. Das gilt für Einmündungen insgesamt, nie ist jemand annährend knapp vor mir reingefahren. Die allermeisten halten sich auch an die Geschwindigkeitsbeschränkungen, erstaunlich oft wurde insbesondere auf der Autobahn sogar langsamer gefahren. Ich habe auch nie gehört, dass jemand mal gehupt hat. Also der Verkehr auf Mallorca ist mit meinen Erinnerungen an den von Madrid überhaupt nicht zu vergleichen, offenbar ist Spanien nicht gleich Spanien ;D. Und auch nicht mit dem auf Malta, auch Mittelmeerinsel ist nicht gleich Mittelmeerinsel ;D.

Ca’n Picafort ist noch „ausgestorbener“ wie Port d’Alcúdia. Die Hauptstraße auf der man den Ort durchquert ist gesäumt von einstöckigen Flachdachgebäuden, in denen im Sommer vermutlich jeglicher Ramsch verkauft wird, an dem die Touristenmassen Interesse haben, jetzt ist alles komplett verriegelt, die Schaufenster und Türen sind von innen mit Papier zugeklebt. Zwischen und hinter den Flachdachbuden stehen mehrstöckige Hotels, einige sehen ganz nett aus, andere sind ziemlich heruntergekommen und die meisten zurzeit geschlossen.

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, weshalb diese schöne Insel auf die Einnahmen aus ungefähr einem Viertel bis einem Drittel eines jeden Jahres verzichtet und um das auszugleichen, stattdessen auf Ballermann und sonstigen Massentourismus mit diesen schrecklichen alten riesigen Hotels und Verkaufsbuden setzt.

Die Zeiten in denen es auf Mallorca im Winter wochenlang durchgeregnet hat (siehe auch George Sands Roman bzw. Bericht über ihren „Winter auf Mallorca“) und es in den Häusern keine Heizungen gab, sind doch schon lange vorbei. (Tatsächlich haben noch ca. 20 % der Wohnungen auf Mallorca keine Heizung, Touristenunterkünfte können jedoch ohne moderne Klimaanlage sowieso nicht mehr vermietet werden und diese Klimaanlagen können auch wunderbar heizen).

Nachdem ich Ca’n Picafort hinter mir gelassen habe, wird die Strecke richtig schön, eine breite Straße führt durch die Landschaft, anfänglich durch einen Pinienwald (hier ist das Meer ja ganz nah), dann offener mit Wiesen und Feldern.

Nach ca. einer halben Stunde erreiche ich Artà, ein altes Städtchen im Landesinnern. Hier möchte ich mir hauptsächlich Kirche und Kastell auf dem „Stadtberg“ anschauen. Ich habe die Koordinaten von mehreren Parkplätzen, die auf Google Maps verzeichnet sind, im Navi gespeichert und fahre den ersten an. Leider ist dieser komplett voll und am zweiten Parkplatz ist es genauso. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, da es ja touristisch so ruhig ist. Diese Parkplätze sind aber auch nicht mit Autos von Touristen belegt, sondern mit denen der Einheimischen, die teils dort wohnen und keine eigenen Parkplätze am Haus bzw. Wohnung haben und teils zum Einkaufen, Arbeiten, Erledigungen in der Stadt sind (zumindest ist so mein Eindruck, als ich in der Hoffnung, dass eine Parklücke frei wird, einige Zeit auf den Parkplätzen warte). Die Zufahrt zum dritten möglichen Parkplatz verpasse ich dann auch noch und befinde mich dann schon wieder am Ende des Orts.

Das ist mir nun zu blöd, nächster Besichtigungspunkt nach Artà ist Capdepera, ebenfalls ein kleines Städtchen mit einem Kastell auf dem „Hausberg“. Ich beschließe Artà auszulassen, man muss ja nicht alles gesehen haben und vermutlich ist mein Tagesplan eh zu voll. Also auf nach Capdepera. Dieses ist nur wenige Kilometer von Artà entfernt und – ich fasse es nicht, auch hier das gleiche Spiel, beide von mir herausgesuchten Parkplätze sind voll. Aber dann habe ich doch noch Glück, als ich auf dem zweiten Parkplatz etwas verzweifelt überlege, ob ich nun auch noch Capdepera streichen soll, fährt ein Auto weg und ich habe meine Parklücke (kostenfrei und zeitlich unbegrenzt). Und die ist auch noch für mein großes Auto und meine bescheidenen Einparkkünste perfekt am Ende des Geländes gelegen, so dass ich nicht allzu viel rangieren muss. Nun aber endlich raus aus dem Auto und etwas zu Fuß unternehmen.

Durch die engen Gassen von Capdepera schlendere ich in Richtung Castell. Dank der Offline Karte auf meinem Handy und auch der sporadischen Beschilderung finde ich den Weg problemlos. Es ist kurz vor zehn Uhr, das Castell öffnet erst um 10, in der Zwischenzeit schaue ich mich rund um die Außenmauer um, schon von hier hat man einen schönen Blick über den Ort.


Punkt zehn Uhr öffnet sich das Eingangstor und nach Zahlung von EUR 3,00 kann ich das Gelände erkunden, passenderweise kommt nun auch die Sonne hervor.


Ich habe die Anlage ganz für mich alleine, abgesehen von den Angestellten. Der Burghügel war bereits von den Römern und Arabern besiedelt worden. Nach der christlichen Rückeroberung wurde die Anlage verstärkt, auch eine kleine Kapelle wurde gebaut. Im 14. Jh. wurde der Ort mehrmals von Piraten angegriffen, jedes Mal flüchteten dann alle Bewohner hinter die Schutzmauern der Burg wo eine Art kleines Dorf entstanden war, so dass das Leben während des Angriffs hinter den Burgmauern weitergehen konnte. Bis heute finden auf dem Gelände Ausgrabungen statt.




Vom Dach der Kirche hat man einen herrlichen Rundumausblick. Diesen genieße ich ausführlich, dann schaue ich mir im Turm neben der Kirche die kleine Ausstellung zur Geschichte der Burganlage an.




Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde verlasse ich das Castell wieder, auf dem Weg in den Ort hinunter kommen mir die ersten anderen Touristen entgegen.


Ich bummle noch ein bisschen durch den hübschen Ort,





dann fahre ich durch die engen Einbahnstraßen des Orts, was trotz meines großen Autos ziemlich problemlos klappt, aus Capdepera heraus in Richtung Küste. Als ich den Ortskern verlassen habe, fahre ich auf einer Straße, an der einige Supermärkte und sonstiges Kleingewerbe liegt – und entlang der Straße reihen sich zahlreiche freie Parkplätze. Ok, das werde ich mir merken, es ist wohl sinnvoller, nicht nach offiziellen Parkplätzen im Stadtzentrum zu schauen, sondern entlang der Ausfallstraßen.

Diese Erkenntnis hilft mir für mein nächstes Ziel, Cala Rajada (nur ein paar Autominuten von Capdepera entfernt) noch nicht, auch dafür habe ich einen Parkplatz im Ortszentrum ins Navi gespeichert und dieser ist, nun schon erwartungsgemäß, voll. Cala Rajada ist aus einem Fischerdorf hervorgegangen und schon seit den 1950iger Jahren ein Touristenzentrum, heute ist es fest in deutscher Hand (hinsichtlich der Schreibweise Rajada oder Ratjada ist wohl nicht ganz klar, welche davon die korrekte mallorquinische ist). Hier möchte ich mir einiges anschauen, es gibt mehrere Buchten, eine Promenade die Felsküste entlang und einen Leuchtturm. Dies alles wollte ich zu Fuß vom Ortszentrum ansteuern.

Daraus wird nun nichts, ich überlege es auf dem Parkplatz der Bucht Cala Agulla zu versuchen, dieser ist groß und außerhalb des Orts gelegen. Die Adresse oder Koordinaten dafür habe ich leider nicht im Navi, da müsste ich noch meine Unterlagen aus dem Kofferraum holen (später fällt mir ein, dass ich die auch auf dem Handy gehabt hätte >:(), was nun aber nicht möglich ist, da ich nicht auf dem engen Parkplatz stehen bleiben kann. Ich fahre daher einfach mal nach Gefühl in die grobe Richtung, die Bucht wird dann sicherlich ausgeschildert sein. Ist sie tatsächlich und als ich so den Schildern folge, komme ich an einer Abzweigung mit der Beschilderung „Far de Capdepera“ vorbei, das ist doch der Leuchtturm, den ich mir sowieso auch anschauen möchte, zwar eigentlich zu Fuß und die Straße soll mit zu den engsten und kurvigsten der Insel gehören, aber das probiere ich jetzt einfach mal.

Ja, die Straße ist eng und kurvig, aber in bestem Zustand und es gibt nur einmal an einer unproblematischen Stelle Gegenverkehr und so erreiche ich den Leuchtturm problemlos. Hier oben stehen zwei, drei andere Autos, ich stelle mich irgendwo an den Straßenrand, ausgewiesene Parkplätze gibt es nicht. Es sind einige Leute hier, viele offenbar zu Fuß. Ich schaue mir den Leuchtturm an, andernorts sind Leuchttürme Teil der touristischen Attraktionen und als solche auch von innen zu besichtigen, oft mit Souvenirgeschäft oder Café, auf Mallorca ist dies nicht so, alle Leuchttürme sind von Zäunen umgeben, näherkommen ist nicht erwünscht. Hübsch ist der weiße Turm trotzdem und auch die Aussicht von hier oben, immerhin dem östlichsten Punkt Mallorcas, ist wunderbar.
Zwischen dem Leuchtturm und dem Hafen von Cala Rajada liegt auf einem Hügel der Palast Sa Torre Cega, erbaut 1911 gehört er seit einigen Jahrzehnten der Familie March (von der ich gestern bei meinem Palma Besuch geschrieben habe). Ebenfalls gut zu sehen ist das Castell von Capdepera, das ich vorhin besucht habe. Ich klettere noch ein bisschen auf den Felsen herum, gehe ein gutes Stück nach unten, lasse mir auf einem Felsen den Wind um die Nase wehen, ach wie schön…





Dann gehe ich zum Auto zurück, suche mir die Daten für den Parkplatz bei der Bucht Cala Agulla raus und gebe ihn ins Navi ein. Die Rückfahrt auf der kurvigen Straße läuft ebenso problemlos wie die Hinfahrt, so langsam wird meine Abneigung gegen den T-Cross kleiner.

Am Ende der Kurvenstraße will ich gerade dem Navi folgend geradeaus weiterfahren, da sehe ich links eine lange breite Straße mit einem völlig leeren Parkstreifen am Rand – na, da nehme ich doch die Gelegenheit wahr und parke hier, warum noch weiterfahren? Ich kontrolliere noch genau, ob Parken hier wirklich erlaubt ist, wobei das auf Mallorca immer am Fahrbahnrand zu erkennen ist, ist er weiß oder farblos, ist parken kostenlos und unbegrenzt erlaubt. Ich sehe auch keine gegenteiligen Schilder, ziehe mir meine Wanderschuhe an, nehme den Rucksack und gehe in Richtung Wasser und Zentrum.

Ich muss nur wenige hundert Meter kurz bergauf und dann bergab gehen und stehe an der schönen kleinen Bucht Cala Gat. Wunderbar ruhig, sonnig und warm ist es hier, nur wenige andere Leute sitzen oder liegen in der Sonne, da bleibe ich doch hier und mache meine Mittagspause mit belegten Brötchen.


Oberhalb der Cala Gat beginnt bzw. endet ein Fußweg, der sich an der gesamten Küste von Cala Rajada und etwas darüber hinaus entlang zieht. Gleich beim Blick auf die Cala Gat von oben bin ich begeistert – das Wasser schimmert in einem unglaublichen Türkis- und Blauton, einfach nur wunderschön.


Der Weg führt nun unterhalb des Grundstücks auf dem sich der Palast Sa Torre Cega befindet, entlang, und auch hier sind Spuren des Unwetters der vergangenen Tage zu sehen, ein entwurzelter Baum ist den Hang hinuntergestürzt und hat die Mauer und die unten stehende Skulptur beschädigt.


Bald erreiche ich den Hafen von Cala Rajada, hier wird gerade die Kaimauer verlängert bzw. verstärkt, dadurch ist es recht laut, außerdem liegen sehr viele Boote im Hafen, immerhin auch Fischerboote, nicht nur Jachten, die Häuser dahinter verdienen auch nicht gerade einen Schönheitspreis, aber nur wenige Schritte hinter dem Hafenbereich ist es wieder ruhig und das Wasser schimmert wieder türkis.



Ruhig geht es auch weiter, ich komme an einer weiteren Sandbucht mit hübschen kleinen Häusern (vermutlich früher ein kleiner Fischerhafen) vorbei und erreiche schließlich das Ende des Küstenwegs bei einem Hotel.



Ich gehe den Weg zurück und setze mich dann in ein Café bzw. Restaurant im ruhigen Bereich abseits des trubeligen Hafens.

Bei den Restaurants bestätigt sich, dass Cala Rajada hauptsächlich von deutschen Touristen besucht wird, die Namen sind oft deutsch, die Tafeln mit den Gerichten bzw. Tagesangeboten/-spezialitäten, die vor den Gaststätten aufgestellt sind, ausschließlich auf Deutsch. Das finde ich ziemlich unpassend, es spricht ja überhaupt nichts dagegen die Speisekarte in verschiedenen Sprachen, eben auch auf Deutsch zu schreiben, aber alles darüber hinausgehende ist doch eher respektlos gegenüber dem Gastland und auch mein „Urlaubsgefühl“ leidet, wenn ich mir wie in Deutschland vorkomme, obwohl ich im Ausland bin.

Auch das von mir ausgesuchte Restaurant unterscheidet sich da nicht von den anderen, beim Reingehen werde ich von der blonden Chefin auf Deutsch begrüßt und auch die Möblierung und Deko des frisch renovierten Gastraums und Terrasse ist unverkennbar deutsch, hübsche Tische im „Vintage-Landhaus-Beach-Stil“, gefällt mir an sich sehr gut und genauso stellt man sich als Deutscher auch ein Restaurant an einer südlichen Küste vor, die einheimischen Restaurants sind allerdings völlig anders, dunkel, schwere braune Möbel. Sehr positiv finde ich, dass zwar die Chefin Deutsche ist, alle Angestellten aber Einheimische/Spanier, mit denen sie sich auf Spanisch/Mallorquinisch unterhält. Bestellen und ein paar Worte wechseln kann man mit allen auf Deutsch.

Ich bestelle einen Latte Macchiato und einen Karottenkuchen (EUR 8,30) und genieße beides auf der Außenterrasse direkt am Wasser.



Nach der Pause gehe ich auf dem Küstenweg bis zum Hafen, von dort dann in den Ort hinein, ich möchte zu Fuß zur Cala Agulla (die ich heute Vormittag bereits als Ziel mit Parkmöglichkeiten ins Auge gefasst hatte). Wegen des Caps de Capdepera (auf dem der Leuchtturm steht), das steil ins Meer abfällt, kann man nicht komplett bis zum anderen Ende von Cala Rajada, der Cala Agulla den Küstenweg fortsetzen, sondern muss das Cap im „Hinterland“ umgehen, bevor man wieder die Küste erreicht.

Dank meiner Offline Google Maps Karte auf dem Handy ist es auch hier kein Problem den Weg durch Geschäfts-, dann Wohnstraßen und schließlich einen Park zu finden.

Die Cala Agulla ist eine große Sandbucht, zu beiden Seiten begrenzt durch felsige Steilküste und durch einen Pinienwald hinter dem Strand. Auch hier sind die Nachwirkungen des Sturms der vergangenen Tage noch zu spüren, das Wasser ist extrem unruhig, hohe Wellen brechen sich an der Steilküste, es ist auch immer noch sehr windig. Ich bin wieder begeistert – salzige Luft, blaues Meer, Wellen, Strand, Felsen – einfach herrlich.




Ich spaziere den Strand entlang bis zum anderen Ende der Bucht. Ab hier beginnt ein Wanderweg durch den Wald bis zur nächsten Bucht Cala Mesquida. Das wären laut Beschreibung im Reiseführer (ohne Abstecher) hin- und zurück ca. 3 h, es ist bereits 15 Uhr und ich muss dann von hier auch noch zurück zum Auto gehen, andererseits würde ich die Wanderung schon noch gerne machen. Ich gehe den Wanderweg ein Stück entlang, da wird mir die Entscheidung abgenommen, aus dem Weg ist nach den vergangenen Unwettern ein Bach geworden, das möchte ich mir nicht antun.

Daher gehe ich am Strand entlang zurück und wieder hinauf zur Steilküste, hier setze mich auf einen Felsen und beobachte das Meer und die Wellen – da könnte ich endlos zuschauen.

(das Bild kennt ihr bereits vom Vorwort)


Nach einer halben Stunde reiße ich mich los und gehe wieder durch den Ort zurück zum Auto.

Ich fahre zurück zum Hotel, anders als heute Morgen sind nun viele Fahrradfahrer am Straßenrand unterwegs, da muss man einiges an Geduld aufbringen.

Ich bringe meine Sachen ins Hotelzimmer (wie schon geschrieben, auf Mallorca sind Autoaufbrüche an der Tagesordnung und man sollte so wenig wie möglich im Auto lassen, daher stoppe ich nie unterwegs an einem Supermarkt, da müsste ich Rucksack samt Kamera mit in den Laden nehmen, was ja oft nicht gerne gesehen wird, daher lade ich immer alles erst im Hotel ab und fahre dann nur mit Geldbeutel und Handy zum Supermarkt) und fahre nochmal los zum nahegelegenen Lidl.

Gegen 18.30 Uhr beginnt dann das übliche Abendprogramm mit Abendessen, Telefonieren mit Peter, Reisenotizen, Planung für den nächsten Tag – und zwischen halb neun und halb zehn etwas genervt sein vom Lärm, der vom Restaurant bzw. Aufenthaltsbereich zu meinem Zimmer hochsteigt, in dieser Zeit findet allabendlich die Kinderanimation statt.

Wetter: zunächst bewölkt, ab 10 Uhr sonnig, ca. 15 °C
Wanderung/Strecke: in Cala Rajada 12,45 km, 142 Höhenmeter


LG Christina

Silvia

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #19 am: 18. Juli 2023, 15:51:34 »
So, ich habe jetzt endlich mal nachgelesen ... gefielen mir gut deine ersten Tage  :thumb:  und da ich den Lärm der Kinderanimation ja nicht mitbekomme strahlt der Bericht eine entspannte Urlaubsruhe aus  ;D  ... vor allem da sich das Wetter ja wesentlich gebessert hat

Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #20 am: 20. Juli 2023, 18:16:05 »
5. Tag – Samstag, 04.03.

Heute soll es von Morgens an sonnig sein, das möchte ich gleich nutzen und zu einem der touristischen „Höhepunkte“ der Insel fahren, dem Cap Formentor, darauf freue ich mich schon die ganze Zeit. Der Leuchtturm am Ende der langgezogenen Halbinsel bildet den nördlichsten Punkt Mallorcas, auf dem Weg dorthin passiert man mehrere Aussichtspunkte und Sandbuchten. Im Sommer kann man nur den ersten Teil der Straße mit dem eigenen Auto befahren, danach ist Busshuttle oder Fahrrad angesagt, zurzeit ist das Auto (oder Fahrrad) die einzige Möglichkeit zum Leuchtturm zu kommen.

Cap Formentor ist nicht weit von meinem Hotel entfernt, ich starte gegen 08.15 Uhr, da es Samstag ist, ist um diese Uhrzeit kaum ein Auto unterwegs. Ich fahre durch Alcúdia und vorbei an Port de Pollença, bald ist mein Ziel an jeder Abzweigung bzw. Kreisverkehrsausfahrt ausgeschildert. Noch ein letzter Kreisverkehr, die zweite Ausfahrt ist Cap Formentor – aber was ist das, die Ausfahrt ist mit einem Gitter abgesperrt, ein Schild sagt, dass die Straße gesperrt ist! :schreck: Keine Erklärung dazu, keine Zeitangaben- ich bin erstmal fassungslos. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, es gab seit vergangenen Herbst eine Baustelle auf der Strecke, während derer der Leuchtturm nicht erreicht werden konnte, dass sich diese möglicherweise länger als geplant (Januar 23) hinzieht und ich nicht zum Leuchtturm komme werde, darauf habe ich mich eingestellt, es war aber immer möglich zum ersten großen Aussichtspunkt und Strand zu fahren. Und nun geht gar nichts mehr? Und warum hat man dann die Verkehrsschilder zum Cap nicht „durchgestrichen“?

Ich parke auf dem Parkstreifen am Straßenrand und überlege, was ich nun tun soll. Und beobachte ein paar wenige weitere Autos, die ebenfalls zum Cap wollten, an der Ausfahrt wie ich kurz langsam werden oder anhalten und dann die Runde im Kreisverkehr beenden. Also falsch verstanden habe ich es nicht, die Straße ist tatsächlich gesperrt.

Für den Nachmittag habe ich in dieser Gegend noch eine kleine Wanderung und einen kleinen Ort mit mehreren Buchten als mögliche Ziele herausgesucht. Die Wanderung startet nicht weit von da wo ich gerade parke, da ist noch kein Mensch unterwegs zu dieser Uhrzeit, daher ist mir das zu einsam und die Buchten sind nur ein kurzer Stopp. Ich überlege, wie ich den Tag nun gestalten soll und entscheide mich, zu einem der zahlreichen Ziele entlang der Ma-10, der Panoramastraße im Tramuntana Gebirge im Westen Mallorcas, zu fahren. Die Straße startet/endet eigentlich nicht weit von hier, das Navi leitet mich aber auf die Autobahn, na gut, vermutlich ist dies der wesentlich schnellere Weg als die kurvenreiche MA-10.

Nach einiger Zeit auf der Autobahn kommt eines dieser elektronisch einstellbaren Verkehrsschilder in Sicht – ich kann es kaum glauben, darauf steht, dass die Ma-10 gesperrt ist :schreck:, daneben das Schneeflockensymbol, aber sonst keine näheren Angaben. Hm, kann wirklich die gesamte Straße gesperrt sein? Wie werden dann die einzelnen Orte erreicht? Und warum meint mein Navi, dass es mich zum Ziel führen kann? Ich bin am hin – und herüberlegen. An der Abfahrt, an der ich laut Navi die Autobahn verlassen soll, ist ein Outletshopping Center, da fahre ich auf den großen Parkplatz und denke nochmal nach. Nun sitze ich bei schönstem Wetter schon seit heute Morgen im Auto und jetzt noch weiterfahren und am Ende womöglich doch umdrehen müssen? Nee, darauf habe ich keine Lust und beende daher den „Ausflug“ zur Ma-10. Ich nutze die Toiletten des Shopping Centers und fahre dann auf der Autobahn zurück zum Ausgangspunkt für die Wanderung, die ich für heute Nachmittag geplant hatte.

Der Ausgangspunkt der Wanderung ist wie gesagt, nicht weit von der Zufahrt zum Cap Formentor entfernt, daher fahre ich dort nochmal vorbei, vielleicht wurde die Sperrung zwischenzeitlich aufgehoben, galt nur nachts? Nein, leider nicht, die Straße ist weiterhin gesperrt.

Laut Google Maps und Streetview gibt es für die Wanderung einen großen Parkplatz neben der Straße, dorthin lasse ich mich navigieren, aber dieser Parkplatz, den ich mit eigenen Augen im Internet gesehen habe, existiert nicht, dort sind hohe Zäune um ein ziemlich verwildertes Grundstück aufgestellt. Immerhin wird aber zum Parken mittels Schilds auf die Parkplätze am Straßenrand verwiesen. Dort stehen nun immerhin eine Handvoll Autos, da werde ich nun nicht mehr alleine wandern müssen.

Ich ziehe die Wanderschuhe an und kann nun endlich gegen 10.30 Uhr richtig in den Tag starten.
Nach wenigen Metern erreiche ich ein Tor, das man als Fußgänger öffnen und durchschreiten kann, auf einer Tafel wird der Zugang mit Hunden verboten. Das finde ich natürlich toll, da kann ich ganz entspannt wandern. Man geht an einem nicht mehr bewohnten Bauernhaus vorbei, dann kommt ein zweites Tor. Dahinter startet der eigentliche Wanderweg durch das Tal von Bóquer. Er führt auf einem gut erkennbaren breiten Pfad leicht bergan, Felsbrocken in verschiedener Größe sind weit verstreut, dazwischen Zwergpalmen und sonstige Vegetation, es soll hier auch verschiedene seltene Vogelarten geben. Die Felswände werden für einen kurzen Abschnitt höher und der Weg enger, dann öffnet sich das Tal wieder und in Richtung Südwesten sind in der Ferne die teils schneebedeckten Berge des Tramuntana Gebirges zu sehen.






Nach ungefähr 20 Minuten fällt in der anderen Richtung der Blick aufs Meer. Ab hier führt der Weg bergab, etwas nervig ist, dass, anders als ich es von felsigen Wanderabschnitten in den Alpen kenne, keinerlei Farbmarkierungen auf den Felsen (oder sonstige Markierungen) angebracht sind, so dass man sich seinen Weg selbst suchen muss. Das klappt ganz gut, aber hin- und wieder heißt es auch nochmal zurückgehen, weil der ausgesuchte Pfad endet bzw. unpassierbar wird. Sonst ist der Weg recht einfach, Wanderstöcke sind nicht nötig, es ist zwar steil, aber nicht rutschig.




Ca. eine halbe Stunde nach dem ersten Blick aufs Meer erreiche ich das Talende und damit den Strand. Leider trüben die Massen vom durch das Unwetter angeschwemmten Seegras die Idylle ein bisschen, in die andere Richtung, zum Cap Formentor hin, liegen dekorative Felsen, größere und kleinere Steine.


Auf so einen setze ich mich, mache Pause und genieße die Landschaft. Der Rückweg ist identisch mit dem Hinweg, daher packe ich vor dem Aufstieg meine Kamera ein, etwas Neues zu fotografieren gibt es ja nicht. Ich höre leises Lachen irgendwo hinter mir, gleichzeitig steckt eine der wilden Ziegen, die sich von mir unbemerkt von hinten angeschlichen hat, ihren Kopf in meinen geöffneten Rucksack (in den ich gerade meine Kamera packen will) - und lässt sich nicht verscheuchen. Ich muss irgendwie aufstehen, aufpassen, dass ich meine Kamera nicht fallenlasse und auch nicht über die Steine stürze, zum Glück folgt mir die Ziege nicht – oh man, in Helsinki bzw. Porvoo haben mir die Möwen fast meinen Burger geklaut, nun will eine Ziege etwas aus meinem Rucksack schnappen – für die anderen Wanderer ist das natürlich lustig zu beobachten. Es zeigt allerdings auch, dass die Tiere sicherlich häufig von Touristen gefüttert werden, daher wissen/erwarten sie schon, dass sich in Rucksäcken Essbares befindet.

Nachdem ich alles sicher verstaut habe, trete ich den Rückweg an. Der Aufstieg ist gar nicht so anstrengend wie ich mir das vorgestellt habe. Oben angekommen mache ich Mittagspause mit meinen mitgebrachten belegten Brötchen, natürlich schaue ich vor und während des Essens genau, ob sich nicht Ziegen in der Nähe befinden ;D. Der restliche Weg ist dann schnell zurückgelegt. Bis zur Mittagspause waren nur wenige andere Wanderer unterwegs, nun kommen mir immer mehr entgegen, und kaum zu glauben, mehrere Wanderer haben Hunde dabei, na ja, warum sollte man sich auf Mallorca eher an Verbote halten als anderswo. Einmal höre ich laute Musik, da kommt mir eine kleine Gruppe vielleicht Ende Zwanzig-, Anfang Dreißigjähriger entgegen mit einem Lautsprecher – Einheimische vermutlich auf Samstagsausflug (nehme ich an, könnten aber auch Festlandsspanier gewesen sein, so genau kann ich das anhand der Sprache nicht festmachen).

Am Auto endet dann die lohnenswerte kleine Wanderung durch das Vall de Bóquer zur Cala Bóquer.
Ich gebe die Daten meines nächsten Ziels, das nahegelegene kleine Örtchen Cala Sant Vicenç, ins Navi ein. Dort soll es ein paar hübsche Buchten geben, allerdings auch hässliche Hotelbauten.

Ich stelle mich schonmal darauf ein, dass der von mir auch hier wieder vorab ausgesuchte Parkplatz voll sind wird und bin dann umso überraschter, einen riesigen und fast leeren Platz vor mir zu haben. Der Parkplatz grenzt praktisch direkt an eine der Buchten, ein schöner Sandstrand, begrenzt von hohen Felsen, auch hier gibt es wieder ziemlich hohe Wellen zu bewundern.


An der Bucht liegt außer dem Parkplatz auch eine kleine Kneipe mit Terrasse, sehr praktisch, ich benötige nämlich mal eine Toilette und eine Kaffee- und Kuchenpause wäre auch nicht schlecht. Auf dem Tisch liegt noch die Rechnung der Vorgänger – das bestelle ich dann auch gleich ;D, einen Café con leche und ein Stück Mandelkuchen (EUR 7,20).

https://abload.de/img/230304_016_forumh2c4i.jpg
Während ich gemütlich auf der Café-Terrasse sitze, kommt auf dem Parkplatz ein Reisebus an, wohl auf einer Inselrundfahrt. Erstaunlicherweise haben die meisten der aussteigenden Touristen nicht die schöne Bucht(en) des Orts als Ziel für die sicherlich nur kurze Pause ausgewählt, sondern das Café. Im nu sind alle Plätze belegt. Es sind spanischsprachige Touristen im frühen Rentenalter, für jeden gibt es ein Bier oder einen Kaffee, dann ein Selfie in verschiedenen Gruppenzusammensetzungen (dass der Selfiewahn nun auch schon diese Altersgruppe erreicht hat :() und schon geht es wieder zurück zum Bus. Der Kellner hat nun wieder Zeit, ich bezahle, nutze die Toiletten und gehe nochmal zur Bucht von vorhin, dann spaziere ich zur nächsten und schließlich zur übernächsten. Hier gibt es ein Restaurant und einige nette weiße Häuschen. Sehr hübsch mit dem Pinienwald und den Bergen dahinter.



An sich also ein sehr sympathischer, ruhiger Ort abseits des Trubels. Allerdings finden sich hier tatsächlich die Anfangs erwähnten überdimensionierten Hotelklötze, nämlich zwischen zwei der Buchten.



Da kann ich mal wieder nicht verstehen, warum man solche riesigen Bauten genehmigt, statt sie nur halb so groß zu bauen und dann auch das ganze Jahr über zu nutzen, jetzt gerade ist nämlich tatsächlich alles hier geschlossen, alle Hotels sind leer, oft sind Eingangstüren und Fenster im Erdgeschoss mit Papier beklebt, sogar viele Metallgeländer sind mit Plastikfolie und Klebeband umwickelt- ich schaue es mir extra genau an, denn ich kann es kaum glauben.

Immerhin finde ich hier endlich einen Briefkasten für meine schon in Palma gekaufte Postkarte an meine Mutter, hoffentlich stimmt die Angabe, dass am Montag wieder geleert wird (um es vorwegzunehmen, die Karte kam erst nach zwei Monaten bei meiner Mutter an!).

Gegen 14.30 Uhr fahre ich ins Hotel zurück und frage an der Rezeption wegen den Sperrungen des Cap Formentor und der Ma-10. Die Straße zum Cap Formentor sollte heute wieder geöffnet werden wird mir gesagt, die beiden Rezeptionisten können mir nicht sagen, warum das nun nicht der Fall war. Die Ma-10 ist nur in Teilabschnitten gesperrt. Die beiden zeigen mir eine Internetseite auf der alle Straßensperrungen in Spanien auf einer Karte abgebildet sind (die Straße zum Cap Formentor ist dort nicht als gesperrt gekennzeichnet), und zeichnen mir in einer Papierkarte ein, was zurzeit bezüglich der Ma-10 zugänglich ist und was nicht.

Nach einer kurzen Pause auf dem Zimmer starte ich gegen 15.30 Uhr zu einem Strandspaziergang vom Hotel aus, diesmal in Richtung Ca’n Picafort. Wieder treffe ich auf deutliche Spuren des vergangenen Unwetters: ein Baum ist auf ein Flachdachgebäude gestürzt, das zurzeit aber nicht genutzt wird und in der Nähe einer Flussmündung sind Unmengen an Holz und Pflanzenresten, insbesondere Schilfgras, aber auch z.B. eine Betonboje auf dem Strand verteilt.




Dort wo der Fluss ins Meer mündet befindet sich in Richtung Landesinnere der Naturpark S’Albufera mit Spazierwegen durch die Reste eines Süßwassersumpfgebiets (zu Beginn des 20.Jh wurde hier sogar Reis angebaut), das heute dennoch das größte Feuchtgebiet der Balearen ist. Dort sind viele Vogelarten zu Hause, es gibt auch Beobachtungshütten. Gerne hätte ich dort noch eine Runde gedreht, der Park schließt aber um 17 Uhr, inzwischen ist es 16.30 Uhr und schon der Weg vom Eingang zum eigentlich Parkbeginn am Besucherzentrum beträgt 2 km. Das wird also leider nichts mehr heute, mal sehen, ob ich die nächsten Tage noch Zeit dafür habe.

Ich schaue mir stattdessen den kleinen Jachthafen an der Flussmündung an, der schön im abendlichen Licht daliegt, dann gehe ich auf der anderen Flussseite noch ein Stückchen den Strand entlang, bevor ich umdrehe und zum Hotel zurück spaziere.





Nach dem unschönen Beginn ist das dann doch noch ein sehr schöner Tag geworden.

Wetter: sonnig, teils leicht bewölkt, ca. 15° C
Wanderung/Strecke: Vall de Bóquer 5,66 km, 190 Höhenmeter; Strandspaziergang ab Hotel 6,55 km, 16 Höhenmeter


LG Christina

Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #21 am: 24. Juli 2023, 18:06:18 »
6. Tag – Sonntag, 05.03.

Nachdem ich nun weiß, welche Ziele an und um die Straße MA-10 im Tramuntana Gebirge im Westen von Mallorca erreichbar sind, werden heute gleich mal die ersten in Angriff genommen.

Gegen 8.15 Uhr starte ich in Richtung der Kleinstadt Sóller, der «Hauptstadt» der Tramuntana. Es geht wieder auf die Autobahn bis kurz vor Palma, ab der Ausfahrt mit dem Fashion Outlet fahre ich durchs Landesinnere in Richtung Küste. Um diese und damit Sóller zu erreichen muss das Tramuntana Gebirge überquert werden bzw. kann es heutzutage zum Glück unterquert werden, seit einigen Jahren gibt es einen Tunnel (der keine Maut mehr kostet, da liest man immer mal wieder das Gegenteil, aber all diese Informationen sind veraltet, es musste nur so lange Maut gezahlt werden, bis der Tunnel bezahlt war, nun fährt man kostenlos durch). «Zum Glück», weil Sóller sonst vermutlich zurzeit nicht erreichbar wäre, die Straße wäre sicherlich wie ein Großteil der MA-10 wegen Unwetterschäden oder Schnee gesperrt.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt erreiche ich den von mir vorab ausgesuchten Parkplatz entlang der Hauptstraße, die außerhalb der Altstadt an Sóller vorbeiführt. Hier kann man kostenlos und zeitlich unbegrenzt parken und erspart sich die Fahrt in die engen Altstadtgassen. Jetzt am frühen Sonntagmorgen parken nur wenige Autos entlang der Straße.

Ich spaziere ins Zentrum der 14.000 Einwohner Stadt, der bis zum 19. Jh. der Orangenanbau und -export in diesem sonnigen und windgeschützten Tal zwischen Meer und Gebirge viel Wohlstand brachte.



Aus dieser Zeit stammen viele der beeindruckenden Gebäude der Altstadt. Einen sehr netten Eindruck macht der Hauptplatz Plaça de Constitució mit dem Rathaus, der Pfarrkirche St. Bartomeu, die wie auch das nebenanstehende Bankgebäude im Modernisme Stil, angelehnt an die Werke Gaudís, errichtet wurde (bzw. wurde bei der Kirche nur die Fassade 1904 im Modernisme Stil renoviert, alles andere an der Kirche ist deutlich älter) und einigen Cafés, auf deren Terrassen die ersten Einheimischen und Touristen ihren Kaffee trinken.





Von den umliegenden Gassen, die trotz ihrer Enge mit mehrstöckigen Häusern bebaut sind, hat man immer wieder Blicke auf die Berge im Hintergrund. Ich komme an einem weiteren Gebäude im Modernisme Stil vorbei, dem Museu Modernista Ca’n Prunera. Das Haus wurde 1910 als Wohnhaus errichtet und als solches bis 2006 genutzt, seit 2009 ist es ein Museum, in dem man Innenarchitektur und Mobiliar im Jugendstil anschauen kann und eine Kunstsammlung mit Bildern von z.B. Picasso und Magritte, auch der spanische König war schon hier. Das hätte ich mir sehr gerne angeschaut, sonst sieht man ja immer nur die Fassaden der Häuser, aber leider ist es geschlossen (ich bin mir gerade nicht sicher, ob es den ganzen Tag zu war oder erst viel später am Vormittag öffnete).




Nur ein paar Schritte von der Plaça de Constitució entfernt liegt der wunderschöne kleine Bahnhof von Sóller. Erst im Jahr 1912 wurde zwischen Palma und Sóller eine Bahntrasse gebaut, die die Stadt aus ihrer Isolation vom Rest von Mallorca holte (die Straße über den Pass wurde erst in den 1960iger Jahren gebaut). Bis heute fährt ein Zug zwischen Palma und Sóller, allerdings hauptsächlich von Touristen genutzt, denn mit dem Linienbus ist man wesentlich schneller (und günstiger) unterwegs.

Im Bahnhofsgebäude gibt es Arbeiten von Picasso und Miró zu bewundern und von den Gleisen hat man einen schönen Blick auf die Berge und die auch heute noch allgegenwärtigen Orangenbäume in den Gärten.





Mein nächstes Ziel ist Port de Sóller, der Hafen von Sóller, ca. 2 km von Sóller entfernt. Dorthin möchte ich eigentlich mit dem Bus fahren, an der Haltstelle bin ich vorhin vorbeigelaufen, der Rückweg soll dann zu Fuß erfolgen. Die Altstadt ist aber so verwinkelt, dass ich trotz Google Maps mit Standortanzeige peinlicherweise den Weg zurück zur Bushaltestelle nicht mehr finde, so etwas ist mir noch nie passiert :verlegen:. Allerdings bin ich auch ein bisschen unter Zeitdruck, da ich ja den Bus erreichen möchte, der nicht allzu häufig fährt, und Zeitdruck ist in solchen Situationen immer kontraproduktiv.

Ich irre ein Weilchen durch die Gassen, dann entscheide ich mich, dem ein Ende zu setzen und die andere, touristische Möglichkeit nach Port de Sóller zu kommen, zu nutzen: vor dem Bahnhof fährt eine alte Strassenbahn aus dem Jahr 1912 nach Port de Sóller ab, dabei ist es ähnlich wie mit dem Zug nach Palma, sie ist wesentlicher teurer (EUR 8 eine Richtung) und ist wesentlich länger unterwegs als der Bus, aber immerhin ist die Strecke sehr idyllisch, es geht mitten zwischen den Wohnhäusern und Obstgärten mit Orangen und Zitronenbäumen hindurch (leider habe ich keine Fotos gemacht).

Nach halbstündiger Fahrt erreicht die Strassenbahn die Endhaltstelle am äußeren Ende des Hafens von Port de Sóller.


Von hier nehme ich die Treppen den Berg hinauf bis zum Museu de la Mar, das sich im Gebäude /auf dem Gelände der ehemaligen Kirche Santa Catalina befindet. Der Eintritt ins Museum ist frei, ich werfe allerdings nur einen kurzen Blick in die verschiedenen Räume, da mich das schöne Wetter nach draußen lockt, hier her bin ich deshalb auch nicht wegen des Museums gekommen, sondern der tollen Aussicht wegen über die halbkreisförmige Bucht.




Wieder unten angekommen, bummle ich die gesamte Bucht entlang bis zu deren anderem Ende – das klare türkis schimmernde Wasser, die Boote, die beiden Leuchttürme links und rechts der Hafeneinfahrt, die Berge im Hintergrund-  herrlich. Entlang der Promenade gibt es natürlich unzählige Hotels, Restaurants und Cafés, etwas weniger von allem wäre mir lieber, es bewegt sich aber noch im Rahmen des für mich erträglichen.




Auf einer Bank am Wasser mache ich Mittagspause mit meinen Brötchen, wobei es hier tatsächlich schon jetzt um 12 Uhr in einigen Cafés Tapas und sonstige Kleinigkeiten zum Essen gegeben hätte.

Nach dem Essen gehe ich wieder den Berg hinauf, diesmal am anderen Ende der Bucht. Hier führt eine kaum befahrene Straße entlang einiger Villen bis zum weißen Leuchtturm, den ich schon von unten bewundert habe. Der schwarz-weiß gestreifte Leuchtturm auf der gegenüberliegenden Hafeneinfahrt steht inmitten eines militärisch genutzten Gebiets und kann somit nicht besichtigt werden.

Die Aussichten entlang der Strasse sind wunderschön, alle paar Meter bleibe ich stehen, mache Fotos und genieße den Anblick.





Oben kann man sich natürlich dem Leuchtturm nicht allzu sehr nähern, wie am Cap de Capdepera ist er von einem Zaun umgeben. Außer dem Leuchtturm gibt es hier noch ein zweites Ziel, die Wanderhütte Refugio de Maleta. Hier kann man sich Getränke und Snacks am Tresen kaufen, es gibt Sitzplätze drinnen und draußen im großen Garten, in dem sogar gegrillt werden kann. Das Refugio ist gut besucht, hauptsächlich von einheimischen Familien, die hier mit ihren Kindern wohl den Tag/Nachmittag verbringen. 


Für mich gibt es eine kurze Pause mit einem Müsliriegel, dann gehe ich wieder hinunter in den Ort, nun kommen mir immer mehr Leute zu Fuß und auch mit dem Auto entgegen (wobei der Parkplatz oben sehr klein und inzwischen voll ist).

Unten an der Promenade setze ich mich auf die Terrasse eines netten, modernen Cafés mit angeschlossenem Laden und esse eine Schinken-Käse Croissant zum Milchkaffee (EUR 5,25), irgendwie habe ich schon wieder oder immer noch Hunger.


Nach der Pause gehe ich dann die zwei Kilometer zurück nach Sóller und zum Auto zu Fuß.

Nächstes und letztes Ziel für heute ist Valldemossa. Dieser Ort liegt wie Sóller an der MA-10, wegen der teilweisen Sperrung der Straße muss ich aber einen ziemlichen Umweg fahren, erst wieder durch den Tunnel zurück ins Landesinnere, dann auf einer anderen Stichstrasse wieder Richtung Tramuntana Gebirge.

Die Landschaft auf der Strecke ist aber wieder sehr hübsch, hier stehen viele Mandelbäume, die ihre ersten Blüten zeigen (dieses Jahr ziemlich spät, sonst ist die Mandelblüte oft schon im Februar, Ursache ist der warme Dezember – die Mandelbäume brauchen für die Blüte eine gewisse Zeit, in der es kalt sein muss, je später diese ist, desto später beginnt die Blüte). Leider gibt es keine Haltemöglichkeiten entlang der Straße, um die Blüte ausgiebig bewundern zu können, erst recht gibt es keine Wege auf denen man sich den Mandelbäumen zu Fuß nähern könnte – das wäre eine Möglichkeit, den Tourismus schon vor der Sommersaison anzukurbeln, wird aber aus welchen Gründen auch immer nicht gemacht. Einmal bietet sich dann doch die Möglichkeit das Auto an einer Einfahrt zu einer Wiese sicher parken zu können, das nutze ich dann natürlich.


Valldemossa ist ein idyllisch gelegenes Dorf im Tramuntana Gebirge, eigentlich eines unter mehreren, ist es aber das bekannteste, das heute am meisten Touristen anzieht und das ausgerechnet wegen ursprünglich sehr unliebsamer Gäste: George Sand, ihre beiden Kinder und Frédéric Chopin verbrachten im Winter 1838/39 einige Wochen in der damals bereits nicht mehr religiös genutzten Kartause des Ortes.

Die beiden wollten dem gesellschaftlichen Trubel in Paris entfliehen, sich auf ihre Arbeit konzentrieren und dem kränklichen Chopin sollten Sonne und Wärme auf Mallorca gut tun. Anfangs lief alles nach Plan, das Wetter war bestens, es wurde eine Wohnung in einem Herrenhaus in der Nähe von Palma gefunden. Dann verschlechterte sich der Gesundheitszustand Chopins. Die Ärzte diagnostizierten Tuberkulose und ihr Vermieter kündigte ihnen wegen der vermeintlichen Ansteckungsgefahr.

Die einzige Möglichkeit einer sonstigen Unterkunft auf der Insel bot sich in den Zellen des ehemaligen Klosters in Valldemossa. Die konservativen und streng religiösen Dorfbewohner konnten mit dem für damalige Zeiten unkonventionellen Lebensstil des Paares nichts anfangen, das Wetter verschlechterte sich, in den ehemaligen Mönchszellen war es kalt und feucht, insgesamt also eine sehr unangenehme Zeit für Sand und Chopin, insbesondere Chopin litt gesundheitlich extrem unter der Situation. Dennoch gelang es ihnen bei ihrer Arbeit voranzukommen, Chopin komponierte hier seine Regentropfen Prélude und konnte nach einigen Wochen immerhin sein eigenes hochwertiges Klavier nutzen, das er von Frankreich nach Mallorca verschiffen hatte lassen und Sand konnte sich an den wenigen trockenen und sonnigen Tagen sehr über die Landschaft Mallorcas freuen.

Bereits Mitte Februar musste aber der Aufenthalt auf Mallorca abgebrochen werden, der Gesundheitszustand Chopins hatte sich so sehr verschlechtert, dass eine Rückkehr nach Frankreich zwingend notwendig war.

Die touristische Bedeutung von Valldemossa kann ich an der Anzahl und Größe der Parkplätze erkennen, die anders als meine bisherigen Parkplätze auf Mallorca auch noch kostenpflichtig sind. Heute am Sonntag fand auf einem der Parkplätze ein Flohmarkt statt, der wohl viele Mallorquiner und natürlich einige Touristen angelockt hat. Der Flohmarkt wird gerade abgebaut und der Parkplatz am Ortsrand, den ich ansteuere leert sich dementsprechend. Ich werfe 3 EUR in den Parkautomaten, dafür könnte ich nun 24 h hier parken, na, da hätte ich mal besser geschaut, 1 oder 2 EUR wären genug gewesen.

Ich schaue mir den Klostergarten an und kaufe mir dann ein Ticket (EUR 5,00) für das Innere des Klosters und den Zutritt zu den beiden von Sand und Chopin gemieteten Zellen, wo sich auch noch das Pleyel Klavier Chopins befindet. Schon interessant diesen Ort zu sehen, George Sand hatte einige Zeit nach ihrem Mallorca Aufenthalt einen Bericht darüber geschrieben («Ein Winter auf Mallorca»), den ich vor zig Jahren mal gelesen hatte (als ich mich für Mallorca als Urlaubsort noch überhaupt nicht interessierte) und den ich nach meiner Rückkehr mit den frischen Eindrücken nochmal lesen werde.






Auch unabhängig von den Klosterzellen ist Valldemossa einen Besuch wert, es liegt sehr idyllisch auf einem Hügel und hat viele hübsche enge Gassen, durch die ich nun bummle. Auffällig sind die vielen bunten Kachelbilder an den Hauswänden, manche haben sogar ein kleines Lämpchen nur zur Beleuchtung der Kachel. Alle Kacheln zeigen die Inselheilige Santa Catalina Tomàs, die in Valldemossa geboren (1531) und 1930 heilig gesprochen wurde.





Sehr schön ist auch die Gesamtansicht des Orts von einem Standpunkt unterhalb gesehen, davon konnte ich mich bei der Herfahrt überzeugen, leider nur bei kurzen Blicken während des Fahrens, denn eine Parkmöglichkeit gibt es auf der Strasse nirgends. Daher möchte ich nun zu Fuß einen entsprechenden Standpunkt erreichen, muss aber bald feststellen, dass der Ort dabei völlig im Gegenlicht liegt, da lohnt sich der weitere Weg durch das Dorf bis zu seinem unteren Ende nicht.


Da ich irgendwie schon wieder Hunger habe, keine Ahnung was da heute los ist, statte ich stattdessen einer Bäckerei einen Besuch ab, dort kaufe ich meine erste Empanada, ein rundes handtellergroßes Gebäck aus Mürbteig, gefüllt mit Fleisch oder Fisch oder Gemüse. Die nette Verkäuferin wärmt mir meine Hähnchen-Empanada (EUR 2,00) im Ofen auf, man kann sie aber auch kalt essen.

Gegen viertel nach 4 Uhr mache ich mich dann auf den Rückweg zum Hotel, wo ich gegen 17.30 Uhr ankomme. Neben dem Hotel ist eine Tankstelle, das erste Mal Tanken steht an und ich will es jetzt gleich erledigen. Als ich an eine der Zapfsäulen fahre und aussteige, spricht mich der Fahrer des Autos an der benachbarten Zapfsäule auf Englisch an. Ich vermute aufgrund Kleidung und Akzent einen Deutschen und ja, wir können deutsch miteinander reden. Er fragt mich, ob ich weiss, wie man hier tankt, der Shop sei geschlossen und es gäbe keine Möglichkeit an der Zapfsäule mit Karte zu zahlen, laut großem Schild an der Einfahrt hat die Tankstelle aber tgl. von 7-22 Uhr geöffnet. Hm, ich probiere einfach mal mein Glück, aber erwartungsgemäss fließt kein Benzin – da hat die Tankstelle wohl einfach früher geschlossen. Mir ist das ziemlich egal, denn ich kann ja einfach morgen früh tanken, bei den anderen Deutschen ist das aber ein Problem, denn sie müssen heute abend ihren Mietwagen mit vollem Tank zurückgeben und haben sich bei der Planung natürlich auf die ausgeschilderten Öffnungszeiten der Tankstelle verlassen. Ich sage ihnen noch, dass es nicht weit entfernt eine weitere Tankstelle gibt, dort waren sie aber bereits und mit demselben Erfolg bzw. natürlich eher Misserfolg.

Ich parke mein Auto und verbringe den Abend mit den üblichen Tätigkeiten im Hotel.

Wetter:
sonnig, teils leicht bewölkt, ca. 15° C
Wanderung/Strecke: Port de Sóller (Hafen und die beiden Aussichtspunkte) - Sóller 8,42 km, 142 Höhenmeter


LG Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #22 am: 26. Juli 2023, 18:13:27 »
7. Tag – Montag, 06.03.

Die Morgenstunden sind als bewölkt angekündigt, dann soll es sonnig werden, allerdings soll es an der Südostküste wolkig bleiben, daher entscheide ich mich nach dem Frühstück vor dem eigentlichen Tagesprogramm zum Supermarkt und zum Tanken zu fahren und dann nochmal ins Tramuntana Gebirge an der Westküste und die Ostküste (die ich eigentlich als Abwechslung zur Westküste gestern für heute geplant hatte) auf morgen zu verschieben. Außerdem sind auf der Internetseite mit den Strassensperrungen in Spanien, keine mehr auf Mallorca verzeichnet, ich werde also einen weiteren Versuch starten, zum Cap Formentor zu fahren und Punkte auf der Ma-10 zu erreichen, die im bisher gesperrten Bereich lagen.

Gegen 8 Uhr fahre ich also zum Supermarkt und freue mich, dass der Parkplatz so leer ist – tja, da hätte ich besser mal dem großen Banner mit den Öffnungszeiten bei einem meiner vorherigen Besuche mehr Aufmerksamkeit geschenkt – der Parkplatz ist leer, weil der Supermarkt erst um 9 Uhr öffnet >:(. Puh, also mit dem Lebensrhythmus der Spanier kann ich so gar nichts anfangen. Aber gut, da muss ich dann eben wieder am Abend einkaufen gehen.
Die Tankstelle hat zum Glück geöffnet und als ich aus dem Auto aussteige, kommt eine Tankwartin, die für mich tankt, ich muss nur noch zur Kasse gehen.

Gegen 8.30 Uhr starte ich dann zum Cap Formentor, aber wie ich es fast erwartet habe, die Absperrgitter stehen unverändert da, Zufahrt weiterhin nicht erlaubt :'(.

Also geht es auf die Autobahn nach Süden. Bald kommt die erste elektronische Anzeigetafel in Sicht und auch hier habe ich es fast erwartet, entgegen der Angaben auf der Internetseite leuchtet mir weiterhin die Sperrung der Ma-10 wegen Schnee entgegen :'(. Daher bleibe ich bei meinem Plan, heute den südlichen Teil der Ma-10, der von Anfang an nicht gesperrt war, weiter zu erkunden.

Über Valldemossa erreiche ich gegen Viertel vor 11 Uhr das etwas nördlich davon gelegene idyllische Dorf Deià. Ich parke gleich beim ersten Parkplatz (kostenlos, zeitlich unbegrenzt) und kann dann den Blick auf die in den Berghang gebauten Häuser genießen, während ich in Richtung Dorfzentrum bergauf gehe.




Deià wurde durch den britischen Schriftsteller Robert Graves (« Ich, Claudius, Kaiser und Gott») bekannt, der sich ab den 1920iger Jahren des vorigen Jahrhunderts hier niederliess und bis zu seinem Tod 1984 in Deià lebte. Ihm folgten weitere, weniger bekannte Künstler, so dass Deià schließlich als «Künstlerdorf» galt, was sehr viele Ausländer dazu veranlasste, sich Ferienhäuser in Deià zu kaufen. Das ehemalige Wohnhaus von Robert Graves ist heute ein Museum, darauf habe ich aber keine Lust, ich «kenne» Graves nicht und das schöne Wetter möchte ich lieber draußen genießen. Ich bummle daher durch die hübschen Dorfstraßen, nutze die öffentliche Toilette und kaufe in einem kleinen Tante-Emma-Laden zwei Empanadas für mein späteres Mittagspicknick.





Mein nächster Stopp liegt einige Kilometer südlich an der Ma-10. Son Marroig war einer von mehreren Landsitzen, die der österreichische Erzherzog Ludwig Salvador in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auf Mallorca kaufte. Er kam nur etwa dreißig Jahre nach George Sand auf die Insel, war genauso wie sie von der Landschaft begeistert, hatte aber im Gegensatz zu Sand ein sehr gutes Verhältnis zu den Bewohnern, wurde von diesen sogar verehrt, noch heute gibt es unzählige Strassen auf Mallorca, die seinen Namen tragen. Der Erzherzog lebte ungefähr vierzig Jahre fast ununterbrochen auf Mallorca, sprach Mallorquinisch und schrieb ein umfassendes, mehrbändiges Werk über die Insel, mit dem er das touristische Interesse für Mallorca weckte. Bemerkenswert für die damalige Zeit ist das Umweltbewusstsein von Salvador. Er kaufte Grundstücke, um deren Abholzung zu verhindern, er legte Wanderwege an und erließ auf seinen Grundstücken ein Jagdverbot.

Neben der Besichtigung von Son Marroig lohnt sich ein Stopp an dieser Stelle der Ma-10 auch wegen eines Aussichtspunkts auf die Küste, eines Restaurants mit Aussichtsblick (zurzeit geschlossen) und einem Wanderweg hinunter zur Küste. Der recht große Parkplatz ist kostenpflichtig, leider wieder mit einem Parkautomaten, bei dem man schon im Vorhinein wissen muss, wie lange man Parken will. Ich werfe EUR 4,00 ein und darf dafür bis 14.45 Uhr parken, hoffentlich reicht das, jetzt ist es 11.45 Uhr (irgendetwas stimmt nicht mit dem Automaten, denn laut Aufschrift kostet von November bis April eine Stunde EUR 0,50).

Zuerst gehe ich zum Aussichtspunkt und genieße den Blick auf das tiefblaue Meer, die felsige Steilküste und direkt unter mir, den Lochfelsen Na Foradada.



Als nächstes besichtige ich das Landhaus des Erzherzogs samt Garten (EUR 4,00). Nur ein Teil der Räume kann besichtigt werden, am interessantesten ist das große Esszimmer mit den Steinwänden und Meerblick. Noch besser ist der Ausblick vom Garten, Blickfang hier ist ein weißer Pavillon, der leider von einem hässlichen Zaun umgeben ist.





Gegen viertel nach zwölf starte ich dann die Wanderung hinunter zum Lochfelsen. Um auf den Wanderweg zu kommen, muss ein großes Tor überklettert werden, zum Glück hatte ich davon bei meinen Vorbereitungen gelesen, sonst wäre ich wie eine deutsche Familie, die zeitgleich mit mir die Wanderung beginnt, ziemlich ratlos vor dem Tor gestanden und hätte nicht gewusst, wie dieses zu überwinden ist.

Der Weg ist anfänglich ein geteerter Fahrweg, der bald in Schotter übergeht und von knorrigen Olivenbäumen umgeben ist. Bald erreiche ich einen ersten Aussichtspunkt mit Sitzgelegenheit, hier mache ich Mittagspause mit den in Deià gekauften Empanadas.
Der Weg führt in großzügigen Serpentinen abwärts, aus dem Schotter wird bald Erde. Immer wieder habe ich herrliche Ausblicke auf Meer und Küste und auf mein Ziel Na Foradada. Auch die Bergseite bietet oft einen interessanten Anblick mit steilen Felswänden.





Nach einer knappen Stunde erreiche ich das Meer. Etwas erhöht auf einem Felsen steht ein Wohnhaus mit Restaurant, das Restaurant ist schon seit längerem geschlossen, das Haus aber wohl bewohnt, es sind zwei Personen samt kleinem Hund bei der Gartenarbeit zu sehen. Es gibt zwei Buchten, einmal mit Blick nach Süden, einmal mit Blick nach Norden. Besonders beeindruckend ist der Südblick mit der Bergkette, die sich im Dunst auflöst. Ich bleibe einige Zeit sitzen, ruhe mich aus und genieße den Anblick.




Weil ich nicht genau weiß, wie lange ich für den Aufstieg brauchen werde und ich ja spätestens zum Ende der bezahlten Parkzeit wieder am Auto sein muss, breche ich dann bald wieder auf, wenn man erst beim Verlassen des Parkplatzes zahlen könnte oder es ein Tagesticket gäbe, könnte man entspannter wandern.

Am Beginn des Aufstiegs mache ich noch einen kurzen Abstecher, um auch von hier unten einen Blick auf den Lochfelsen werfen zu können, von den beiden Buchten an der Landspitze sind man das «Loch» nämlich nicht.


Dann packe ich meine Kamera ein, Neues gibt es sowieso nicht zu sehen, der Rückweg ist mit dem Hinweg identisch. Ohne Fotopausen bin ich überraschend schnell wieder oben beim Auto, der Aufstieg hat mich genau wie der Abstieg eine knappe Stunde gekostet.

Nun möchte ich der Ma-10 so weit nach Süden folgen, wie es zeitlich möglich ist. Die Fahrt auf der kurvigen, aber sich in bestem Zustand befindlichen Bergstraße ist herrlich, immer wieder blickt man aufs blaue Meer, nur wenige andere Autos sind unterwegs. Fast überall ist die Straße breit genug, dass zwei Autos problemlos an einander vorbeikommen, es gibt aber auch recht schmale Abschnitte bei denen ich froh bin, dass kein Gegenverkehr kommt.

Bei jedem ausgewiesenen «Viewpoint» halt ich an. Beim ersten kann ich einen Blick zurück zum Landhaus Son Marroig und Na Foradada werfen.


Beim zweiten schaut man auf einen weiteren sehr idyllisch gelegenen Bergort, Banyalbufar.


Nächster Stopp ist Torre des Verger, ein Wachtturm aus dem 16. Jh, der vor kurzem renoviert wurde und nun durch eine schmale Lucke sogar bis hinauf auf sein Dach bestiegen werden kann, die Aussicht ist natürlich auch hier wunderbar.



Nächster und letzter Stopp ist der Mirador de Ricardo Roca. Hier gibt es direkt nach einem kurzen Tunnel einen ziemlich großen Parkplatz. Von diesem spaziere ich über die Straße zunächst zum «offiziellen» Aussichtspunkt, der allerding nur nach Norden einen weiten Blick bietet. Nach Süden schaut man lediglich auf einen vorspringenden Felsen, auf dem eine Restaurantterrasse zu erkennen ist.





Es handelt sich dabei um das Restaurant «Es Grau», zu dem ich nun hingehe, vielleicht hat es ja geöffnet, einen Nachmittagskaffee hatte ich heute nämlich noch nicht. Tatsächlich ist offen, Innenraum und Terrasse sind riesig, laut Reiseführer ist «Es Grau» in der Saison das Ziel vieler Busrundfahrten. Heute bin ich aber fast alleine und suche mir natürlich einen Platz auf der Terrasse direkt am Geländer aus. Bei Café con leche und Mandelkuchen genieße ich die Sonne und die traumhafte Aussicht. Diese lässt sich das Restaurant allerdings auch bezahlen (vermutlich liegt es nicht an der Aussicht, sondern an den Bustouristen und der Nähe zu Palma), ich bezahlen EUR 9,15, vorgestern habe ich für exakt das Gleiche EUR 7,20 bezahlt.



Wieder am Auto gebe ich meine Unterkunft als nächstes Ziel ein, es ist 16 Uhr und ich habe noch einen ziemlich weiten Weg vor mir. Ich bin gespannt, ob mich das Navi auf der Ma-10 zurück nach Valldemossa und von dort auf die Autobahn leitet oder weiter auf der Ma-10 nach Süden und von dort auf die Autobahn.

Es wird die zweite Variante, schön, dann bin ich die Ma-10 wenigstens in diesem Abschnitt vollständig gefahren. Ein Weilchen geht es noch ruhig, kurvig und idyllisch bergab, an einem großen Kreisverkehr ist dann aber die vom Navi vorgesehene Ausfahrt gesperrt (auch hier mal wieder wie beim Cap Formentor völlig unangekündigt und ohne nähere Angaben zu warum und wie lange). Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die einzig verbliebene Ausfahrt zu nehmen (wobei ich natürlich auch wieder dorthin zurück hätte fahren können, wo ich hergekommen war und dann die gleiche Route wie beim Herweg zu nehmen, das dies sinnvoll sein könnte, habe ich aber gar nicht in Erwägung gezogen) und erstmal weiter in Richtung Süden und Küste zu fahren.

Meine Fahrt ist aber schon bald (fast) zu Ende, denn nur wenige hundert Meter nach dem Kreisverkehr geht es nur noch im Schritttempo voran. Und das bleibt so, die Autoschlange quält sich durch den Ort Andratx, auch dort sind viele Strassen gesperrt, dann schleichen wir weiter vorbei an Peguera, was ich bin ich froh, dass ich den Kuchen gegessen und im Restaurant die Toilette genutzt habe. Im Schritttempo erreiche ich dann irgendwann die vielspurige Ringautobahn, die um Palma herumführt, hier drängen von allen Seiten die Autos heran, es gibt eine Vielzahl von Auf- und Abfahrten, erstaunlicherweise geht es sehr gesittet zu, kein Hupen, kein Drängeln. Erst weit hinter Palma in Richtung Norden wird es dann ruhiger, nach der Abfahrt in Richtung Sa Pobla bin ich dann wieder fast alleine auf der Straße.

Erst gegen viertel nach sechs erreiche ich das Hotel, ich bringe schnell meine Sachen ins Apartment und fahre dann zum Supermarkt (dass er heute Morgen noch nicht geöffnet war, bedauere ich nun erst recht), dort geht es weiter, ich scheine die Haupteinkaufszeit der Mallorquiner erwischt zu haben, erst muss ich warten, bis eine Parklücke frei wird, im Supermarkt herrscht dann Familienausflugsstimmung, entsprechend lang muss ich an der Kasse anstehen.

Gegen 19 Uhr bin ich dann endlich wieder im Hotel.

Wetter: morgens bewölkt, dann sonnig, ca. 18°C
Wanderung/Strecke: Son Marroig- Na Foradada und zurück 6,81 km, 280 Höhenmeter


LG Christina

Silv

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #23 am: 27. Juli 2023, 07:40:25 »
Du schreibst ja echt halbe Romane... ;) Momentan "überfliege" ich den Text nur.

Ich war auch mal im März auf Mallorca, ist bestimmt schon 20-25 Jahre her. Wenn ich Valdemossa lese, sehr ich nur Orangenbäume vor meinem geistigen Auge. Es war sehr schön dort.

Und das mit dem Supermarkt kann uns nicht passieren, weil wir vor neun meistens eh nicht unterwegs sind  ;D
Liebe Grüße
Silvia

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #24 am: 27. Juli 2023, 17:59:21 »

Ich war auch mal im März auf Mallorca, ist bestimmt schon 20-25 Jahre her. Wenn ich Valdemossa lese, sehr ich nur Orangenbäume vor meinem geistigen Auge. Es war sehr schön dort.

Und das mit dem Supermarkt kann uns nicht passieren, weil wir vor neun meistens eh nicht unterwegs sind  ;D

Vor 20 Jahren war es im März sicher noch viel ruhiger als heute um diese Jahreszeit.

Die Orangen- und Zitronenbäume haben mir auch sehr gut gefallen.




LG Christina

Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #25 am: 28. Juli 2023, 18:08:48 »
8. Tag – Dienstag, 07.03.

Heute ist für den Osten endlich mal keine Bewölkung vorhergesagt, daher will ich verschiedene Calas, also Buchten entlang der Ostküste besuchen.

Mit der südlichsten der von mir ausgesuchten Calas fange ich an, die Doppelbucht Caló d‘es Moro und Cala S’Amonia. Der Zugang zu den Buchten ist nach allen Quellen in denen ich dazu was gelesen habe, etwas schwierig. Er liegt in einem Wohngebiet, zu dem Touristen, die nicht dort wohnen, nur zu Fuß Zugang haben. Immerhin ist ein großer Parkplatz am Rande des Wohngebiets angelegt worden. Ich habe zwei Beschreibungen, wie ich vom Parkplatz zu den Buchten komme dabei, da diese nicht ausgeschildert sind.

Ich starte gegen 8.15 Uhr am Hotel und erreiche das Wohngebiet eine gute Stunde später. Aber was ist da los – keine Absperrung, kein Parkplatz? Wie beim Parkplatz für die Wanderung durchs Val de Bóquer besteht das, was ich mit eigenen Augen auf Google Streetview gesehen habe, nicht (mehr). Offensichtlich ist es so, dass diese Sperrung des Wohngebiets nur in den Sommermonaten gilt und der Parkplatz auch nur in dieser Zeit zugänglich gemacht wird, in der Zeit dazwischen darf das Unkraut wuchern. Eigentlich umso besser, ich kann also direkt bis zu den Buchten fahren, wäre nur schön, wenn es zumindest einer der Reiseführer/Websites/Blogs usw. geschafft hätte, das zu erwähnen, dann hätte ich mir die Koordinaten für den direkten Zugang herausgesucht, nun muss ich nach Gefühl und Karte des Navi so küstennah wie möglich fahren, denn auf die Beschreibung für den Weg zu Fuß kann ich mich als Autofahrer nicht konzentrieren, da wäre ein Beifahrer hilfreich. Aber ich finde tatsächlich einen Zugang zu den Buchten und auch eine Parkmöglichkeit in der Nähe.

Ich ziehe meine Wanderschuhe an und los geht es. Ein bisschen mulmig ist mir zumute, so ganz alleine zwischen den (zur Zeit scheinbar überwiegend nicht bewohnten) Häusern durchzugehen, wer weiß, ob da nicht Wachhunde lauern.

Aber alles geht gut, ich erreiche einen wunderschön (von privat wie ein Schild erklärt) angelegten Küstenpfad


und dann die erste der beiden Buchten, Caló des Moro. Der Strand der Bucht ist nach den Unwettern immer noch sehr schmal, daher lohnt sich der vermutlich ziemlich halsbrecherische Abstieg nicht, aber schon alleine der Blick von oben auf das wieder mal in verschiedenen Blautönen schimmernde Wasser ist herrlich.



Der Küstenpfad führt mich dann auch zur zweiten Bucht, diese ist flacher und hat keinen Sandstrand, das blaue Wasser ist genauso wunderbar.



Eine Weile genieße ich Sonne, Ruhe und den Blick auf die Buchten, dann gehe zurück zum Auto. Dort hat sich nun ein zweites Auto zu meinem gesellt, ein junges Pärchen macht sich gerade auf den Weg zu den Calas.

Ich fahre zu meinem nächsten Ziel, das nur wenige Minuten in Richtung Norden entfernt liegt, die Cala Llombards. Hier ist alles wie beschrieben und im Internet gesehen, durch den Ort fährt man hinunter zum Meer, direkt vor dem Strand ist ein großer Parkplatz, auf dem ein paar wenige Autos (und ein italienisches Wohnmobil) stehen.

Auch diese Bucht ist traumhaft, herrlich klares Wasser, umgeben von Felsen und einigen Häusern bzw. Bootsgaragen. Ich klettere ein bisschen herum und möchte mich von diesem schönen Ort eigentlich gar nicht trennen, aber ich will ja noch mehr sehen heute.





Deshalb geht es dann eine Bucht weiter nördlich, zur Cala Santanyi. Hier interessiert mich aber nicht die Bucht an sich, sondern die Felsbrücke „Es Portas“. Sie ist ein paar hundert Meter vom nächsten Parkplatz zu Fuß zu erreichen und liegt am Vormittag leider etwas im Gegenlicht, ist aber dennoch beeindruckend.



Auch zu meinem nächsten Ziel ist es nicht weit, Cala Figuera erreiche ich gegen 11.30 Uhr. Hier ist die Parksituation etwas schwieriger, der Ort liegt am Hang, alles ist sehr eng, ich habe aber Glück und finde eine Lücke an einer steilen Straße, in die ich mich dank Automatikgetriebe auch ganz gut hineinmanövrieren kann.

Erster Stopp ist ein Café, denn ich muss dringend auf die Toilette und eine öffentliche war bisher nicht zu finden bzw. geschlossen. Etwas anderes als ein paar süße Teilchen gibt es natürlich noch nicht zu essen, daher gibt es auf der Café Terrasse nur einen Kaffee, dann esse ich meine mitgebrachten belegten Brötchen auf einer Bank mit Blick auf die Bucht. Dann spaziere ich durch den Ort. Hier ist die Bucht vollständig bebaut und wird (immer noch) als Hafen genutzt, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie früher. Man kann die Bucht/den Hafen komplett umrunden, z.T. sind nur wenige Zentimeter Platz zwischen Mauer und Wasser. Ein sehr idyllisches Fleckchen ist das hier. Ich bin wieder mehr als begeistert und erkunde die Bucht ausführlich.










Gegen 13.30 Uhr breche ich zu meinem letzten Ziel für heute auf, der wieder etwas nördlich gelegene Naturpark Mondragó.
Diesen erreiche ich auf einer Landstraße, die gesäumt ist von kleinen Feldern, wie immer umgeben von mannshohen Mauern, man sieht aber die Kronen der blühenden Mandelbäume, eine sehr schöne Fahrt, leider wieder keine Parkmöglichkeit, um das Ganze auch mal fotografisch festzuhalten.

Der Parkplatz des Naturparks ist riesig (und das ist nur einer von zweien), was muss hier im Sommer los sein? Heute stehen nur drei, vier Autos da (die Parkgebühr von der im Internet und Reiseführer die Rede ist, fällt nicht an), ich ziehe meine Wanderschuhe an und spaziere los. Der Naturpark und verschiedene Wanderwege beginnen nicht weit vom Parkplatz entfernt. Die Wege führen auf kürzeren oder längeren Routen durch den Wald und zu den insgesamt drei Buchten des Parks. Auch diese Buchten sind wunderschön, mal Sandstrand, mal Felsküste und immer klares, in verschiedenen Blautönen erscheinendes Wasser. Zum Glück gelang es 1992 das Gelände als Naturpark unter Schutz zu stellen, ansonsten würde hier nun eine große Ferienanlage stehen. Leider gibt es aber trotz der Einstufung als Naturpark eine zurzeit geschlossene Strandbar am größten Strand und etwas nach hinten versetzt ein kleineres Hotel.









Heute baden sogar einige Leute, das wäre mir aber schon wegen der Lufttemperatur von unter 20°C zu kühl.

Gegen 16 Uhr mache ich mich wieder auf die Rückfahrt und bin, nachdem ich nochmal getankt habe, um 18 Uhr zurück im Hotel, wo ich noch eine ganze Weile den warmen, sonnigen Abend auf dem Balkon genieße.

Wetter: sonnig, nachmittags ein paar Wolken, starker Wind, ca. 18°C
Wanderung/Strecke: Naturpark Mondragó 4,24 km, 85 Höhenmeter


LG Christina

Silv

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #26 am: 30. Juli 2023, 16:47:54 »
Ich glaube, in Cala Mondragó waren wir sogar mal irgendwo im Hotel, als Andys Kinder noch klein waren (bestimmt schon 15 Jahre her). Habe gerade mal gegoogelt, aber das Hotel nicht mehr gefunden.  :weissnicht:

Tolles Wasser, da könnte man glatt reinspringen.
Liebe Grüße
Silvia

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #27 am: 31. Juli 2023, 20:21:02 »
9. Tag – Mittwoch, 08.03.

An meinem letzten vollen Urlaubstag möchte ich ein letztes Mal versuchen, zum Cap Formentor zu kommen, kann ja nicht sein, dass die Straße immer noch gesperrt ist, einen Alternativplan habe ich aber auch.

Gegen viertel nach acht mache ich mich also auf den mir nun schon gut bekannten Weg – und kaum vorstellbar, aber der Zugang zum Cap Formentor ist völlig identisch zu meinen vorherigen Versuchen weiterhin gesperrt >:(. Schade – ein bisschen traurig bin ich natürlich schon, hat doch das Cap den letzten Ausschlag gegeben, einen Mietwagen zu nehmen, da dorthin nur im Sommer Busse fahren. Aber mein Alternativziel ist sicher auch schön. Es geht auf die dem Cap Formentor gegenüberliegende Halbinsel La Victòria. Dazu muss ich in den Ortskern von Alcúdia fahren, die Fahrt dorthin führt ein gutes Stück direkt am Meer entlang. Für die schönen Blicke auf die beiden Halbinseln parke ich das Auto kurz (was hier nur schlecht geht) und überquere die Straße zu Fuß, um direkt am Wasser zu sein.




In Alcúdia findet eine Polizeikontrolle statt, scheinbar sind eher die älteren Autos der Einheimischen das Ziel, ich werde jedenfalls durchgewunken.

Erster Stopp am Beginn von La Victòria ist der Strand S’Illot, so genannt nach dem malerisch in der Bucht liegenden «Inselchen». Schön ist es hier, so ruhig und friedlich, auch wenn ich ein Wohnmobil, das direkt an der Wasserkante parkt, optisch ausblenden muss (soweit ich weiß, gibt es auf Mallorca keinen Campingplatz, ich habe aber trotzdem schon Wohnmobile herumfahren sehen, ein paar davon haben offensichtlich hier die Nacht verbracht, eines davon eben direkt am Wasser, die anderen wenigstens in einer Parkbucht auf der gegenüberliegenden Seite der Straße). Die Strandbar hat noch geschlossen, es gibt einige hübsch gelegene Picknickbänke und einen Blick auf die Halbinsel Cap Formentor gegenüber.




Nun geht es weiter bergauf auf der kurvigen Strasse.  Zu dieser hatte ich mehrfach gelesen, dass sie noch enger und damit unangenehmer als die anderen kurvigen Strassen auf der Insel sein soll und deshalb überlegt, ob ich es überhaupt wage, hierher zu kommen. Da Cap Formentor gesperrt ist, bleibt mir nun fast nichts anderes übrig – und die Straße ist für mich völlig unproblematisch. Diese Warnungen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Die Straße ist an allen kritischen Stellen mit Leitplanken bzw. entsprechenden Steinen gesichert, sie ist geteert, hat keine Schlaglöcher oder sonstige Beschädigungen, jedes Auto hat ein Lenkrad, das man einfach dreht, bis man um die Kurve herum ist und wenn an einer engen Stelle mal ein Auto entgegenkommt (passiert mir einmal), dann wartet eines davon an einer breiteren Stelle und lässt den anderen vorbei. Solche Strassen gibt es in den europ. Alpen und z.B. sogar auf der Schwäbischen Alb und sonstigen Mittelgebirgen zigfach, ohne dass sich jemand darüber Gedanken macht. Also über manche Warnungen und Beschreibungen in Reiseführern, Blogs und Foren über Mallorca wundere ich mich wirklich und ich bin nun nicht der beste Autofahrer, insbesondere was das Einschätzen von Abständen angeht.


Gegen 9.30 Uhr erreiche ich das Ende der Straße und damit die Ermita de la Victòria samt relativ großem Parkplatz, auf dem auch schon ein paar Autos stehen. Die Kirche stammt aus dem 16. Jh, und trägt den Namen Mare de Déu de la Victòria (Mutter Gottes des Sieges), daher auch der Name der Halbinsel. Diese Bezeichnung geht auf eine Legende von Mitte des 13. Jh. zurück, laut derer ein Hirtenjunge eine Madonnenstatue an dieser Stelle gefunden hat, für die eine erste, kleine Kapelle errichtet wurde. Die Statue wurde mehrfach von Piraten geraubt und kehrte dann von selbst immer wieder in die Kapelle zurück. Sie steht heute durch Glas geschützt hinter dem Altar der im 18. Jh. renovierten Kirche. Das Kirchengebäude ist recht groß, oberhalb des eigentlichen Kirchenraums befinden sich ein Restaurant und einige Gästezimmer, in einem Anbau ein Kiosk (geschlossen) und etwas daneben, Toiletten, die erfreulicherweise geöffnet haben. Auf dem Vorplatz stehen einige Bänke unter schattenspendenden Bäumen mit schönem Ausblick.




Von hier starten einige Wanderungen in die umliegenden Berge, zur bekanntesten, die als Ziel den Talaia d’Alcúdia hat, starte ich nun gegen 9.45 Uhr.

Zunächst geht es auf einem breiten, geschotterten Weg in Serpentinen bergauf. Immer wieder bieten sich tolle Ausblicke, je höher man kommt, umso schöner werden sie. Nach ungefähr einer halben Stunde wandern erreiche ich ein Plateau mit einer Wasserzisterne und wieder herrlichem Blick. Auch wenn man nur bis hier wandern will, lohnt sich das.



Ich nehme nun den zweiten, schwierigeren Abschnitt der Wanderung in Angriff, es geht auf einem Pfad in engen Serpentinen steil bergauf. Zunächst muss ich mir mal wieder den Weg suchen, da wie schon mal gesagt, es hier auf Mallorca scheinbar keine Farbmarkierung auf Felsen gibt. Aber bald kann ich den Weg, der ganz am Rande des Hanges entlangführt, gut erkennen und damit ist der Aufstieg gut machbar. An den engsten Stellen schützt ein Holzgeländer, das aber teilweise von Felsabgängen (vielleicht erst durch das Unwetter der vergangenen Woche) zerstört wurde. Das ist aber unproblematisch, denn das Geländer hat vermutlich eher eine psychologische Wirkung, dagegen lehnen würde ich mich nicht.


Nach einer Viertelstunde Aufstieg wendet sich der Pfad von der schattigen Seite des Bergs auf die sonnige (ich würde ja gerne die Himmelsrichtungen dazu nennen, bin mir diesbezüglich aber nicht sicher, vermutlich von der Nord- zur Ostseite). Nun gilt es nochmal sich einen gangbaren Pfad suchen und nach einer weiteren Viertelstunde (insgesamt ab der Ermita also eine gute Stunde) bin ich am Ziel, dem ehemaligen Wachturm von Alcúdia auf 444 Metern Höhe. Es ist bereits ein spanisches Paar in meinem Alter, das sich zum Glück ruhig verhält hier oben und wieder mal einige Ziegen. Stille und Aussicht sind beeindruckend. Man sieht vom Cap Formentor über Port de Pollença, Alcúdia und Port d’Alcúdia bis fast zum gegenüberliegenden Ende der Bucht von Alcúdia, im Hintergrund sind auch die teilweise schneebedeckten Gipfel des Tramuntana Gebirges zu sehen.







Eine ganze Weile sitze ich auf einem Felsbrocken und genieße einfach nur. Als ein paar weitere Wanderer auftauchen, packe ich meine Kamera in den Rucksack und mache mich an den Abstieg, der Weg ist mit dem Aufstieg identisch.

Gegen 12 Uhr erreiche ich die Ermita wieder. Auf einer der schönen Bänke gibt es meine belegten Brötchen zu Mittag, der Kiosk hat nun zwar geöffnet, es gibt aber nur ein paar kleinere Snacks.

Für den Nachmittag habe ich mir das Ostende der Bucht von Alcúdia ausgesucht. Dies ist eine sehr abgelegene, einsame Gegend, die aus den kleinen Orten Colònia de Sant Pere und Betlem besteht, direkt am Fuß des Massivs von Artà. Der Sandstrand, aus dem die Bucht sonst besteht, ist hier schon in Felsküste mit interessanten Formen übergegangen und man kann lange Spaziergänge entlang der Küste machen.

Ich parke in Betlem am Strassenrand, einen offiziellen Parkplatz konnte ich auf Google maps nicht finden und gehe ans Meer. Eine wunderbar karge Landschaft ist das hier, nur Sonne, Wind, Wasser und Felsen in allen Größen und Formen, nur hin- und wieder begegnen mir ein paar Spaziergänger.




Ich gehe zunächst in Richtung Osten, also in Richtung Bucht Ende. Als ich mir schon Gedanken darüber mache, wie ich mein Toilettenproblem lösen kann, entdecke ich doch tatsächlich ein geöffnetes Restaurant, damit hätte ich in der Einsamkeit hier gar nicht gerechnet. Ich setze mich auf die Terrasse mit Meerblick (zum Restaurant gehört auch ein Pool, der wohl später im Jahr von den Gästen genutzt werden kann) und bestelle einen Milchkaffee und einen Zitronenkäsekuchen (EUR 6,30). Nur wenige Tische sind besetzt, einer davon mit Spaniern/Mallorquinern, die jetzt um halb drei Uhr noch beim Mittagessen sind ;D.



Nach der Pause spaziere ich in die andere Richtung, man könnte bis Colònia de Sant Pere wandern oder auch im Hinterland den Berg hinauf zur Ermita de Betlem, für keines von beiden reicht meine Zeit heute. Daher gehe ich einfach, solange ich Zeit und Lust habe und drehe dann um.







Gegen 16 Uhr fahre ich dann zurück ins Hotel, auch hier bei Betlem findet nun eine Polizeikontrolle statt, aber auch hier werde ich durchgewunken.

Neben der üblichen Abendbeschäftigung steht heute leider auch noch das Packen an.

Wetter:
sonnig, teils Schleierwolken, starker Wind, ca. 21°C
Wanderung/Strecke: Talaia d’Alcúdia 5,50 km, 323 Höhenmeter


LG Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #28 am: 31. Juli 2023, 20:24:31 »
Ich glaube, in Cala Mondragó waren wir sogar mal irgendwo im Hotel, als Andys Kinder noch klein waren (bestimmt schon 15 Jahre her). Habe gerade mal gegoogelt, aber das Hotel nicht mehr gefunden.  :weissnicht:

Tolles Wasser, da könnte man glatt reinspringen.

Das stelle ich mir im Sommer sehr nett vor, dort zu übernachten, da hat man morgens und abends bevor/nachdem die Tagestouristen ankommen/wegfahren die Bucht(en) für sich und kann eine Runde schwimmen.


LG Christina

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Re: Mallorca im Frühling - Februar/März 2023
« Antwort #29 am: 02. August 2023, 18:10:32 »
10. Tag – Donnerstag, 09.03.

Abreisetag  :'( -mein Flug startet um 11.45 Uhr, da ich nicht einschätzen kann, ob es sich auf der Autobahn vor Palma bzw. dem Flughafen staut und wie viel Zeit Tanken und Autorückgabe in Anspruch nehmen, breche ich am Hotel bereits um halb acht auf. Vor dem Losfahren schüttle ich die Fußmatte des Fahrerbereichs aus und wische Einstieg und Becherhalter ab, von außen ist das Auto weitgehend sauber.

Auf der Autobahn ist viel Verkehr, es bleibt aber staufrei. Amüsant finde ich, dass auf den elektronischen Anzeigetafeln immer noch die Ma-10 als gesperrt genannt wird, obwohl auf der offiziellen Website zu Strassensperrungen in Spanien, die mir die Dame an der Rezeption gezeigt hat, schon seit ein paar Tage für Mallorca keinerlei Sperrungen mehr angezeigt werden.

Richtung Flughafen wird es deutlich ruhiger auf den Strassen, an einem der Kreisverkehre in Richtung Tankstelle nehme ich (mal wieder >:() die falsche Ausfahrt (das ärgert mich am Garmin Navi so richtig, dass sich über all die Jahre bei der Ansage zu Kreisverkehrsausfahrten nichts verbessert hat. Es wird zwar gesagt soundsovielte Ausfahrt, das hilft aber oft nicht, weil bei Kreisverkehren wie hier auf Mallorca oftmals sehr viele, auch kleine Ausfahrten da sind, die nicht immer alle vom Navi mitgezählt werden. Außerdem nennt das Navi dann den Strassennamen der Ausfahrt bzw. der Strasse auf die die Ausfahrt führt und das ist völlig sinnlos, denn nirgends an einem Kreisverkehr ist der Strassenname zu lesen. Ich verstehe nicht, weshalb nicht gesagt wird, in welche Richtung die Ausfahrt führt, denn das ist immer auf den Schildern zu lesen, daran könnte man sich bestens orientieren).

Aber gut, dank Navi ist andererseits ein Verfahren ja auch nicht so schlimm, auf dem Weg in Richtung der von mir ins Navi eingegebenen Tankstelle komme ich an einer anderen Tankstelle vorbei und tanke dann natürlich dort. Auch hier ist ein Tankwart da, beim Bezahlen bekomme ich (wie immer bisher) eine Quittung - im Sommer scheint an den Tankstellen ein völlig anderes Personal zu arbeiten, denn auf den Google Bewertungen der Tankstellen in Flughafennähe ist mehrfach zu lesen, dass das Aushändigen einer Quittung (die man ja eventuell bei Autorückgabe braucht) verweigert wurde.

Bereits um 8.30 Uhr stehe ich dann auf einem Europcar Platz im Parkhaus am Flughafen. Kurzer prüfender Blick der Dame von Europcar ins Auto und einmal rundherum, alles i.O. meint sie und das Protokoll sowie die Rechnung kommen dann per Mail (tatsächlich bekomme ich eine Mail mit einem angehängten «Statement of Return», dieses Pdf ist aber leer. Da ich meine Mails aber erst wieder am Abend zu Hause abgerufen habe und am nächsten Morgen dann auch schon die Rechnung mit einer Null am Ende da war, habe ich das auf sich beruhen lassen).

Im Flughafen muss ich noch kurz warten, bis um 9.15 Uhr der Schalter zur Gepäckaufgabe öffnet. Um halb zehn gehe ich durch die Sicherheitskontrolle ohne Wartezeit, Elektronik muss separat rausgelegt werden, wobei sich (zumindest scheinbar) niemand für Gepäck oder Personenkontrolle interessiert, die Angestellten quatschen fröhlich miteinander, das habe ich auch noch nirgends erlebt.

Erstmals in diesem Urlaub habe ich nun am Ende genug Zeit (bzw. nehme ich mir genug Zeit), den Souvenirshop ausführlich zu durchstöbern. Außer einer Orangenmarmelade aus Sóller kaufe ich aber nichts.

Dann begebe ich mich in Richtung Gate, in diesem Bereich des Flughafens ist es noch leerer als in den anderen Bereichen, geradezu ausgestorben, immerhin haben die meisten Geschäfte geöffnet, wenn sich auch die Verkäuferinnen und die Dame beim Infopoint sichtlich langweilen. Zum Mittagessen und für später kaufe ich mir drei Empanadas mit Fleischfüllung (EUR 8,25), die schmecken einfach lecker, machen satt und kosten auch noch weniger als ein Sandwich.

Um 11.15 Uhr beginnt das Boarding. Anders als beim Hinflug ist das Flugzeug nicht ganz belegt, im hinteren Bereich bleiben einige Sitze frei, ich habe jedoch kein Glück, die beiden Sitze neben mir werden ganz zum Schluss noch von zwei Mädels belegt, die mir schon im Gatebereich negativ aufgefallen waren wegen ihrer Unmengen an Handgepäck, das unmöglich den geltenden Regeln entsprechend kann.
Es scheinen Amerikanerinnen zu sein (der Flug ist ein Codeshare Flug u. a. mit irgendeiner amerikanischen Fluggesellschaft), ihre beiden riesigen Trolleys passen nirgends mehr in die oberen Fächer, daher stehen die beiden erstmal samt Gepäck eine ganze Zeit lang im Gang rum, das Flugzeug rollt schon zur Startbahn, da erbarmt sich endlich eine Flugbegleiterin und meint, sie sollen die beiden Koffer in den Fußraum von leeren Sitzen legen.
Und statt dass sich eine von beiden in meine Reihe setzt (ich sitze am Fenster) und den Fußraum des mittleren Platzes mit ihrem Koffer belegt und die andere das Gleiche eine Reihe weiter hinten macht, wo auch nur der Fensterplatz belegt ist (dann hätten sie nämlich auch noch den jeweiligen Mittelsitz als Ablagefläche für ihre dicken Jacken und die großen, überquellenden Schultertaschen und die großen Papiertüten aus dem Duty Free Shop, die sie jeweils auch noch dabei haben), legen sie die Koffer unter die beiden freien Sitze in der Reihe hinter mir und setzen sich auf die beiden freien Plätze in meiner Reihe.
Eine der beiden tippt, kaum dass sie sitzt, wie wild auf ihrem Laptop herum (soweit ich mitkriege, schreibt sie einen Aufsatz für die Uni, dessen Abgabefrist kurz bevorsteht) und muss vor Start und Landung zweimal von einer Flugbegleiterin aufgefordert werden, das Tischchen hochzuklappen, sie schreibt dann mit dem Laptop auf den Knien weiter, wobei doch eigentlich während Start und Landung nur Handys und Tablets in der Hand gehalten werden dürfen.
Die andere schläft durchgängig, so dass es also keinen Grund gibt, unbedingt nebeneinander sitzen zu müssen.

Das Flugzeug startet in Richtung Süden, um dann in einer grossen Kurve nach Norden zu drehen und die Insel einmal komplett zu überfliegen. Sowohl die Südküste mit dem Flughafen und der Bucht von Palma ist bestens zu sehen, als auch im Norden die beiden Halbinseln Cap Formentor und La Victòria, die Buchten von Pollença und Alcúdia und am Ende der Bucht von Alcúdia die Siedlung Betlem.



Nach einem relativ unruhigen Flug wegen vieler Wolken und Wind landen wir nach zwei Stunden in Frankfurt. Eine Stunde nach der Landung erwische ich gerade noch den 15 Uhr Zug, am Kofferband musste ich recht lange warten, bis mein Koffer da war. Einmal Umsteigen und eine Stunde später bin ich am Bahnhof in meinem Nachbarort. Peter holt mich hier ab und um 16.15 findet die Reise zu Hause ein Ende.

Wetter: auf Mallorca sonnig, mit zunehmenden Schleierwolken, ca. 15°C; FRA und zu Hause bewölkt, starker Wind ca. 8°C

Gefahrene Gesamtkilometer auf Mallorca: 1095 km

Ein Fazit folgt in den nächsten Tagen.


LG Christina