Autor Thema: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23  (Gelesen 2915 mal)

Christina

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Nun bin ich auch endlich soweit, wer den Sommer nicht nur in Schottland, Deutschland und dem Südwesten der USA verlängern möchte, kann dies nun auch noch in Finnland machen ;D.

Vorwort

Bereits zum Beginn des Jahres 2023 stand fest, dass Peter aufgrund eines neuen Jobs frühestens im Herbst würde Urlaub machen können/wollen. Das hieß, bis dahin musste ich leider mal wieder alleine reisen, war dafür aber auch völlig frei bei der Wahl des Urlaubsziels, auch eine frühe Buchung war daher schon möglich.

Im Mai oder Juni sollte es losgehen, Skandinavien oder Island, Fluganreise, Rundreise mit dem Mietauto waren meine Wünsche.

Island schied schnell aus, die Mietautopreise für den gesamten Zeitraum Mai bis September 23 waren weit jenseits dessen, was ich zu zahlen bereit war (vor allem auch unter dem Aspekt, dass es dann trotz des hohen Preises ziemlich sicher wesentlich mehr Touristen haben würde, als bei meinen möglichen anderen Zielen).

Als zweites habe ich mit Norwegen näher beschäftigt. Das sah für Mai hinsichtlich Preisen und Verfügbarkeit von Flügen, Mietwagen und Unterkünften ganz gut aus, allerdings wurde es bereits ab Anfang Juni schon teurer und voller. Bei der Planung einer möglichen Route stieß ich dann auf Bergpässe und Hochebenen, die zu überqueren wären, bei denen bis weit in den Juni hinein mit Sperrungen wegen Schnees zu rechnen ist, also ein sinnvoller Reisestart eigentlich erst ab Mitte Juni möglich ist und damit wäre ich dann schon in die volle und teure Sommerzeit ab Mittsommer gekommen, während derer ganz Skandinavien Sommerferien hat. Weniger glücklich war ich auch über die zahlreichen Zusatzkosten in Form von Strassenmaut, Fähren und Parkplatzgebühren, wobei letztere auch noch kompliziert über irgendwelche Apps zu bezahlen wären (Maut und Fährkosten werden immerhin beim Mietauto automatisch über den Vermieter abgerechnet, so dass man dafür nicht auch noch eine Anmeldung oder App braucht).

Also ging die Suche weiter (auch wenn ich irgendwann dann trotz allem mal nach Norwegen möchte). Helsinki und auch die «Ausflüge» nach Hanko und Porvoo haben mir 2022 doch so gut gefallen, warum also nicht nochmal nach Finnland? Und hier hat dann bei einem ersten Überblick tatsächlich alles gepasst. Bereits Ende Januar 2023 habe ich Flug und Mietauto gebucht.

Die Festlegung der Route, der Übernachtungsorte und Aktivitäten war ziemlich «harte Arbeit» und sehr zeitaufwändig, da es zu Finnland (insbesondere, wenn es nicht um Helsinki geht) nur wenige Foren, Reiseberichte, Blogs und Reiseführer gibt. Bei den Reiseführern habe ich mich schließlich für den Iwanowski entschieden, eine brauchbare Alternative gab es nicht (am ehesten noch der Dumont Reiseführer, allerdings längst nicht so detailliert wie der Iwanowski). Einen Wanderführer gab es gar nicht (nur für Lappland), ein Rother Wanderführer sollte Anfang Juni herauskommen, dann wurde das Erscheinungsdatum auf September verschoben. Extrem hilfreich waren die «offiziellen» touristischen Websites der verschiedenen Regionen/Städte und die Seite Nationalparks.fi, die sogar Routenvorschläge für Rundreisen durch Finnland beinhaltet. 

Wie gefühlt inzwischen eigentlich immer war bis kurz vor Reisebeginn nicht klar, ob es zu einem Bahnstreik und/oder Flughafenstreik in Deutschland/FRA kommen würde. Zum Glück ging alles gut, Streiks des Flughafenpersonals waren nach der Einigung der Tarifparteien nicht mehr zu erwarten, Bahnstreiks erstmal verschoben. Die Reise konnte also tatsächlich problemlos starten.

Allen Mitfahrern Willkommen in Finnland!





LG Christina

Horst

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #1 am: 23. Oktober 2023, 20:14:28 »
Hallo Christina,
ich hab mal das Mückennetz übergestülpt und bin gespannt was mich erwartet. :D
Ich bin mit dem, was Du sagst, nicht einverstanden, aber ich werde bis zum Tod Dein Recht verteidigen, es zu sagen. Voltaire.

Susan

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #2 am: 24. Oktober 2023, 01:58:38 »
Hallo Christina,
bin auch gern dabei und schon gespannt auf Finnland  :adieu:
Liebe Grüße
Susan

Christina

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #3 am: 24. Oktober 2023, 17:42:35 »
Hallo Christina,
ich hab mal das Mückennetz übergestülpt und bin gespannt was mich erwartet. :D

 :totlach: ich sehe, du bist bestens ausgerüstet, ob wir es brauchen? Mal sehen.


LG Christina

Paula

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #4 am: 24. Oktober 2023, 21:53:01 »
Da im Zuge der Klimaerwärmung Ziele im Norden immer interessanter werden bin ich auch dabei! Bin sehr gespannt auf die Wanderungen in Finland!
Viele Grüße Paula

Silvia

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #5 am: 25. Oktober 2023, 15:32:35 »
Ich bin auch dabei  :adieu:     
Die Fotos lassen mich von Schweden träumen, jetzt bin ich gespannt mit was das Nachbarland mit der unmöglichen Sprache aufwartet  :happy:

Christina

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #6 am: 25. Oktober 2023, 17:48:17 »
Schön, dass so viele dabei sind.

Silvia, "unmögliche Sprache", da hast du recht und die verschiedenen online Übersetzer werden auch nicht mit ihr fertig, ein Wort, zig Übersetzungvarianten oder noch besser, gar keine Übersetzung.

So, dann starte ich mal mit dem ersten Tag, der allerdings noch nicht viel interessantes von Finnland zeigt. Ab dem nächsten Tag geht es dann richtig los.

1. Tag – Dienstag, 06.06.

Letzten Sommer bin ich mit der Lufthansa nach Helsinki geflogen, dieses Jahr war Finnair günstiger. Für den Hinflug hat das den Vorteil, dass Abflugzeit erst 11.30 Uhr ist und ich so zu «normalen» Zeiten in den Tag starten kann.

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, eine gute Stunde später fährt mein Zug und das ist ein weiterer Vorteil des späten Abflugs, ich kann eine der wenigen Verbindungen am Tag nehmen, bei der der Zug von meinem Heimatbahnhof (also nur ein paar Meter zu Fuß von zu Hause entfernt) ohne Umsteigen bis FRA fährt.

Pünktlich um zehn vor neun bin ich am Flughafen. Züge kommen am Terminal 1 an, Finnair fliegt ab Terminal 2, daher muss ich den kostenlosen Shuttlebus zwischen den Terminals nehmen. Eigentlich geht das wesentlich angenehmer mit dem Skytrain, der ist aber wegen der Baustelle am und um den Flughafen zurzeit außer Betrieb. Die Busse fahren regelmäßig, da aber normale Gelenklinienbusse eingesetzt werden, die zwar viele Sitzplätze, aber kaum Kofferstauraum haben, sind diese auch an Tagen mit wenigen Fluggästen wie heute sehr schnell «voll». Für den ersten Bus stehe ich zu weit hinten in der Schlange, beim zweiten bin ich mit dabei.

Im Terminal 2 gehe ich gleich zum Schalter von Finnair, einen Kofferaufgabeautomaten gibt es für Finnair hier nicht.

An der Sicherheitskontrolle gibt es keine Wartezeit, leider muss man hier wieder die Elektronik aus dem Handgepäck rausnehmen, bei meinem letzten Flug ab Terminal 1 war das nicht mehr nötig.

Bereits eine knappe halbe Stunde nach Ankunft am Flughafenbahnhof bin ich schon am Gate. Ich fülle meine Wasserflaschen am Trinkwasserspender, kaufe zwei Sandwiches als zweites Frühstück und für später zum Mittagessen im Flugzeug und vertrete mir ausgiebig die Füße.

Mit dem Bus geht es dann zum Flugzeug. Bei Finnair ist, anders als bei Lufthansa, bei Buchung des Economy Tarifs mit Aufgabegepäck keine kostenlose Sitzplatzwahl, auch nicht beim (online) Check-in, enthalten. Witzigerweise hat Finnair mir genau den Platz zugeteilt, den ich selbst ausgewählt hätte, nämlich wie immer einen Fensterplatz ziemlich weit hinten. Das Flugzeug ist alles andere als ausgebucht, viele Plätze bleiben frei, so auch der Sitz neben mir. Sehr schön.

Der Flug startet pünktlich um 11.30 Uhr, der Himmel ist überwiegend bewölkt, außerdem bin ich die Strecke letztes Jahr bei bestem Wetter schon geflogen, so dass ich nun auf Fotos verzichten kann und zunächst eine Runde schlafe. Zum Mittagessen gibt es dann mein am Flughafen gekauftes Sandwich (auch bei Finnair sind auf der Kurzstrecke nur noch Wasser und Blaubeersaft kostenlos), später kaufe ich noch einen Cappuccino (EUR 3,00).

Gegen 15 Uhr landen wir pünktlich in HEL (eine Stunde Zeitverschiebung), ich gehe auf die Toilette, am Kofferband dreht dann schon mein Koffer seine Runden. Also gehe ich direkt weiter zur Autovermietung. Über den ADAC habe ich ein Automatikauto bei Sixt reserviert (CCAR), auch am Sixt Schalter gibt es keine Wartezeit, gleich drei Mitarbeiter können sich um mich kümmern.

Der Vertragsschluss verläuft sehr angenehm, es gibt keinen Versuch, mich zu einem Upgrade zu überreden, im Gegenteil, ich höre den für eine Autovermietung sehr bemerkenswerten Satz « ein Toyota Yaris steht für Sie bereit (das entspricht dem Beispielfahrzeug für CCAR bei Sixt Helsinki), das ist zwar ein kleines Auto, aber für Sie als Alleinreisende ja ausreichend». Es wird mir angeboten, eine Tankfüllung zu kaufen (also das Auto leer abgeben zu können), der Literpreis liegt mit 1,79 EUR deutlich unter dem in Finnland zurzeit üblichen Preis von 1,91 bis 2,03 EUR (darüber hatte ich mich natürlich schon vorab informiert). Eigentlich dürfte das Tanken vor Abgabe diesmal kein Problem werden, da ich vorhabe, das Auto schon am Abend vor dem Rückflug abzugeben, also keinen Zeitdruck haben werde, auch bin ich etwas misstrauisch wegen dem günstigen Literpreis bzw, weiß ich ja gar nicht, ob die von Sixt berechneten Liter tatsächlich in den Tank des Toyota passen. Nach etwas überlegen mache ich es dann doch, am Ende nicht mehr tanken zu müssen ist einfach stressfreier und der günstige Literpreis rechnet sich für Sixt wohl dadurch, dass es niemand schafft, das Auto ganz leer zurückzugeben. Na mal sehen was am Ende unterm Strich dann rauskommt.

Im Parkhaus steht ein nagelneuer (zumindest riecht er so und ich habe nur die Kilometerangabe 8 km gefunden, im Kofferraum liegt noch eingeschweißt ein zweites Paar Fußmatten) silberner Toyota Yaris Hybrid (dass es ein Hybrid ist, habe ich erst nach ein paar Tagen festgestellt, ist aber genial, da spare ich einiges an Benzin). Mein Koffer passt in den Kofferraum (da hatte ich ein bisschen Sorge, dass ich die Rücksitze umklappen muss, was ich selbst im sicheren Finnland bei einer Rundreise nicht so toll gefunden hätte), für mein Navi gibt es einen 12 Volt Anschluss (es ist aber auch ein eingebautes Navi vorhanden), so dass die Fahrt gegen 16 Uhr losgehen kann.


Mein Ziel heute ist meine Ferienwohnung für die nächsten 5 Nächte in Raisio, einem Vorort von Turku. Dorthin sind es vom Flughafen in Helsinki ca. 180 km, alles auf der Autobahn. Zur Auflockerung der Fahrt habe ich aber als erstes Ziel einen Supermarkt nach ungefähr 50 km, in Lohja, ins Navi eingegeben (anders als auf Mallorca kann ich hier in Finnland zum Glück mein vollgepacktes Auto ziemlich sorglos auf (Supermarkt) Parkplätzen stehen lassen).

Rund um den Flughafen in Helsinki sind viele Baustellen, zum Glück habe ich mir die ersten Kilometer nach dem Parkhaus auf Google Maps und Street View vorab angeschaut (also vor allem die Beschilderung), denn mein Navi sieht mich überwiegend im Nichts fahren, hilfreiche Angaben sind zunächst Fehlanzeige. Die Baustellen sorgen auch für Verkehrsbehinderungen, aber wo auf den Straßen um den Flughafen Frankfurt eine gesperrte Fahrspur zu kilometerlangen Staus führt, geht es hier nur ein bisschen langsamer voran.

Bald läuft es aber normal und mein Navi findet mich auch auf der passenden Autobahn wieder.

Nach einer guten halben Stunde Fahrt erreiche ich den K-Market Lohjanportti bei Lohja, einen kleinen Supermarkt fast direkt an der Autobahnausfahrt. Ich kaufe die nötigsten Dinge vor allem für heute Abend und morgen fürs Frühstück ein, die meisten Produkte kenne ich ja schon vom letzten Jahr, so dass es einigermaßen schnell geht und ich gegen 17 Uhr wieder auf der Autobahn bin.

Knapp anderthalb Stunden später fahre ich auf den Parkplatz des kleinen Einkaufszentrums in Raisio, nicht weit von meiner Ferienwohnung. Im Einkaufszentrum gibt es unter anderem einen «Kioski» ein kleines Lädchen für Zeitschriften, Lotto, ein paar Lebensmittel, usw. Hier ist der Schlüssel für die Ferienwohnung hinterlegt, der mir nach Vorzeigen meines Personalausweises ausgehändigt wird.

Dann geht es auf die letzten Meter bis zum Parkplatz hinter dem 12-stöckigen Hochhaus und mit dem Aufzug in den 11. Stock.

Wohnungen in Mehrfamilienhäusern in Finnland haben offensichtlich zwei Wohnungstüren, eine erste mit Briefkastenschlitz, die mit dem Wohnungsschlüssel zu öffnen ist, dahinter mit vielleicht 50 Zentimeter Abstand, einen zweite, die nur eine Türklinke, kein Schloss mehr hat.

Die Wohnung mit Wohn-, Esszimmer und offener Küche, Schlafzimmer, Abstellraum, Bad und separater Toilette ist frisch renoviert (bis auf Bad und Toilette), modern eingerichtet mit viel Platz und Stauraum und einem großen Balkon mit Weitblick. In der Ferne erkennt man die «Meyer Werft Turku» in der viele Kreuzfahrtschiffe, wie z.B. Mein Schiff 1, 2 und 7, Costa Smeralda und Toskana und Carnival Celebration erbaut wurden und werden.

Die Dusche ist mal wieder gewöhnungsbedürftig, wie häufig in Skandinavien gibt es keine Duschwanne und hier sogar nicht mal einen Vorhang.





Ich richte mich ein, esse zu Abend, telefoniere mit Peter und falle gegen halb zehn völlig fertig ins Bett (wie schon letztes Jahr in Helsinki stört es meinen Schlaf nicht, dass die Sonne erst gegen 23 Uhr unter und schon gegen 3.30 Uhr wieder aufgeht).

Wetter: FRA sonnig, ca. 25 °C, HEL und Turku bewölkt, kurze Schauer, ca. 18 °C
Kosten:
Bahnfahrkarte FRA hin- und zurück (Deutschlandticket) EUR 49,00;
Flug Finnair, Economy inkl. Aufgabegepäck, kostenlose Umbuchung, EUR 258,48, gebucht auf der Finnair Website;
5 Nächte Ferienwohnung in Raisio, inkl. Bettwäsche, Handtücher, Endreinigung, EUR 299,00 (gebucht über booking.com)



LG Christina

Silv

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #7 am: 26. Oktober 2023, 13:31:22 »
Hallo Christina,

ich bin auch dabei, allerdings mehr als "Gast" übers Handy. Da schreibe ich nicht gerne Texte...
Liebe Grüße
Silvia

Paula

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #8 am: 27. Oktober 2023, 08:13:46 »
Die Duschkabine schaut aus wie die in einem Wohnmobil. Da muss man dann vorher alle mobilen Teile wie den Teppisch rausräumen und nach dem Duschen das Bad putzen? Da spritzt doch die Dusche über das Waschbecken und das WC oder? Das ist ja primitiver als in Korea…
Viele Grüße Paula

Susan

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #9 am: 27. Oktober 2023, 12:35:18 »
Die Duschkabine schaut aus wie die in einem Wohnmobil. Da muss man dann vorher alle mobilen Teile wie den Teppisch rausräumen und nach dem Duschen das Bad putzen? Da spritzt doch die Dusche über das Waschbecken und das WC oder? Das ist ja primitiver als in Korea…

Kleine Korrektur  ;) In den meisten WoMos, die ich kenne , gibt es eine Duschabtrennung. Hier wäre zumindest ein Vorhang hilfreich, zumindest steht ein Wischer da. Ansonsten eine nette Wohnung.
Liebe Grüße
Susan

Christina

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #10 am: 27. Oktober 2023, 17:48:35 »
Die Duschkabine schaut aus wie die in einem Wohnmobil. Da muss man dann vorher alle mobilen Teile wie den Teppisch rausräumen und nach dem Duschen das Bad putzen? Da spritzt doch die Dusche über das Waschbecken und das WC oder? Das ist ja primitiver als in Korea…

Kleine Korrektur  ;) In den meisten WoMos, die ich kenne , gibt es eine Duschabtrennung. Hier wäre zumindest ein Vorhang hilfreich, zumindest steht ein Wischer da. Ansonsten eine nette Wohnung.

Zu den Duschen in Skandinavien: da gibt es oft (war z.B. in meinem Hotel in Kopenhagen auch so) keine Duschwanne, d.h. man steht einfach im Badezimmer, das dann natürlich einen Abfluss im Boden hat. Meist gibt es aber einen Vorhang oder eine Duschkabine, aber eben unten offen. Nach dem Duschen schiebt man das Wasser mit dem immer (zumindest in Finnland, nicht beim Hotel in Kopenhagen) vorhandenen Gummischieber in Richtung Abfluss. Beim Bad hier ohne Vorhang dachte ich auch, da wird ja das ganze Bad unter Wasser gesetzt, war aber nicht so, ein paar Spritzer am Waschbecken, mehr nicht. Da stand ja sogar eine Waschmaschine im Raum. Aber ja, die Badematte muss man natürlich vorher aus dem Bad rauslegen oder zumindest weit weg vom Duschbereich.

Hat übrigens nichts mit primitiv oder altmodisch zu tun, ich habe während des Urlaubs mal in so eine Haus-/Wohnungsrenovierungssendung im Fernsehen geschaut und in einer der Unterkünfte gab es Zeitschriften ähnlich wie "Schöner Wohnen", da war das auch bei nagelneuen Bädern so. Spart halt enorm Geld und Platz im Bad und ist automatisch behinderten- bzw. seniorengerecht. Dieses Bad hier wird allerdings bald renoviert, das hängt aber davon ab, wann im gesamten Haus die Wasserrohrleitungen neu gemacht werden, in dem Zusammenhang wird auch das Bad komplett renoviert. Dann kostet die Unterkunft allerdings sicherlich deutlich mehr. In den Bewertungen haben sich die meisten (immer Finnen) gar nicht zum Badezimmer geäussert, nur wenige haben gemeint, ein Vorhang wäre toll.

Es gibt aber auch in Finnland viele Unterkünfte mit "normaler" Dusche, vor allem denke ich, in den Stadthotels, da hatte ich in Helsinki auch eine normale Duschwanne.


LG Christina

Christina

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #11 am: 27. Oktober 2023, 18:09:12 »
Hallo Silvia (Silv), schön, dass du auch dabei bist.

2. Tag – Mittwoch, 07.06.

Heute steht ein Ausflug in die Schären in der Ostsee vor Turku auf meinem Programm. Es gibt zwei touristische Routen, die große und die kleine Schärenringstraße. Beide sind mit dem Auto oder dem Fahrrad zu fahren, die große Runde ist auch mit dem Auto nicht an einem Tag zu bewältigen, dafür gibt es zu viel zu sehen und zu viele Fährverbindungen, die nur ein oder zwei Abfahrten pro Tag haben.

Da ich mir nur diesen einen Tag für die Schären Zeit nehme, kann ich höchstens die kleine Schärenringstraße fahren. Ich lasse mir noch offen, ob ich die komplette Runde fahre oder einfach so weit, wie ich Zeit und Lust habe und dann umdrehe und die gleiche Strecke zurückfahre, ohne die Runde zu vollenden, denn auch bei der kurzen Runde gibt es eine Fähre, die nur zweimal am Tag fährt.

Erster Stopp ist nach 45 Minuten Fahrt gegen 9 Uhr das Städtchen Pargas (wie schon in meinem Helsinki Bericht geschrieben, im Süden Finnlands haben alle Städte einen finnischen und einen schwedischen Namen, also nicht wundern, wenn ihr irgendwo andere Bezeichnungen entdeckt.)

Ich parke mein Auto kostenlos am Hafen und bummle dann durch die Altstadt von Pargas. Es gibt eine Pfarrkirche aus dem frühen 14. Jh. und viele alte bunte Holzhäuser – richtig idyllisch, außer ein paar Einwohnern ist niemand unterwegs, die Sonne scheint, überall blüht und duftet der Flieder, ein wunderbarer Beginn des Urlaubs ist das. Alt- und Neustadt werden durch einen Kanal getrennt, diesen gehe ich entlang zurück zum Hafen, wo der Kanal ins Meer mündet (den neueren Teil der Stadt schaue ich nur von weitem im Vorbeigehen an) und spaziere dort noch ein bisschen herum, nach ungefähr einer Stunde Aufenthalt in Pargas fahre ich weiter.












Bald steht dann meine erste Fährfahrt in Finnland an, sie dauert nur wenige Minuten und ist kostenlos. Aussteigen ist während der Überfahrt wohl nicht vorgesehen, zumindest bleiben alle anderen sitzen, daran halte ich mich mal.

Die Strecke führt auf einer kurvigen Straße mal leicht bergab, mal leicht bergauf durch herrlich blühende Wiesen, vorbei an den typisch finnischen roten Holzhäusern, über Brücken und hin- und wieder mit Blick auf das Meer. Sehr, sehr schade, dass es keinerlei Haltemöglichkeiten gibt.

Gegen 11 Uhr (also ungefähr eine Stunde Fahrt ab Pargas) erreiche ich Nagu. Auch hier kann ich kostenlos am Hafen parken. In diesem Ort sind einige Touristen unterwegs, insbesondere rund um die kleinen roten Häuschen am Hafen, in denen kleine Shops sind, von denen viele aber noch nicht geöffnet haben. Ich spaziere durch ein Waldstück vom Hafen zu einem Strand mit Badesteg und genieße den Ausblick einige Zeit auf einem Felsen sitzend.





Zum Mittagessen finde ich im Ort ein nettes Restaurant mit Garten zum draußen sitzen. Es gibt kein spezielles Mittagsgericht, wie sonst häufig in Finnland, ich bestelle Fish and Chips und einen Apfelsaft (Restaurant Köpmans, EUR 26,00). Damit beginne ich (was mir erst später auffällt) meinen zweiten Finnlandaufenthalt, so wie ich den ersten beendet habe, mit Fish and Chips (damals am Flughafen am Abreisetag).


Nach dem Essen bleibe ich noch in Nagu. Ich habe mir eine kleine Wanderung, den Westerholm Path, auf den Spuren des Malers Victor Westerholm (Landschaftsmaler, 1860 in Nagu geboren, hat zunächst in Finnland, dann in Düsseldorf Kunst und Malerei studiert und hier in den Schären viele Motive für seine Bilder gefunden) gespeichert. (In diesem Urlaub habe ich zum ersten Mal meine Garmin Uhr nicht nur zum Aufzeichnen der Strecke genutzt, sondern auch Wanderstrecken vorab gespeichert, das hat gut funktioniert und mir erspart, ein weiteres Gerät, unser Garmin Wandernavi, mitzunehmen.)

Zunächst geht es auf einem Holzbohlenweg über eine sumpfige Wiese, dann ein ganzes Stück eben durch den Wald, immer mal wieder hat man Blicke aufs Meer.


Dann führt der Weg bergauf, die an den Bäumen angebrachten Seile als Aufstiegshilfe sehe ich als ziemlich übertrieben an, aber bei matschigem Untergrund sieht das vielleicht anders aus.


Oben angekommen hat man eine relativ gute Sicht über Meer und weitere Inselchen, eingeschränkt aber durch die Bäume und die eher geringe Höhe des Felsens. Dieses Problem wurde offensichtlich bereits angegangen, es wird gerade ein hölzerner Aussichtsturm gebaut. Leider ist er noch nicht fertig, zeigt aber mal wieder sehr schön, wie gering die Kriminalitätsrate in Finnland ist, die Arbeiter haben ihre Ausrüstung und das Holz für den Weiterbau einfach auf dem Fels liegen gelassen, es gibt auch nirgends ein Verbotsschild oder Absperrung, auf den Aufstieg verzichte ich natürlich trotzdem.



Auf dem Jetukastberget genannten Hügel gibt es neben der Aussicht eine Begräbnisstätte aus der Bronze Zeit.


Nach einer kurzen Pause auf dem Hügel folge ich dem Waldweg bergab, es ist herrlich grün hier.


Der Weg verlässt dann den Wald und führt über grüne Wiesen zurück in den Ort.


Das war ein sehr netter Spaziergang, mein Gpx Track wäre nicht nötig gewesen, der Weg war bestens ausgeschildert und informierte auf mehreren Tafeln über das Leben von Victor Westerholm. Auf der gesamten Runde habe ich keine Menschenseele angetroffen.

Nun muss ich mich entscheiden. Ab Nagu fährt eine Fähre zurück nach Turku bzw. in dessen Nähe, damit hätte ich die kleine Schärenringstrasse vollendet. Abfahrt ist erst um 16 Uhr, nun ist es 13.30 Uhr. Außerdem kann die Fähre nicht reserviert werden, ich müsste also schon einige Zeit vor Abfahrt mich mit dem Auto an den Fährableger stellen, andererseits würde so eine 2,5-stündige Schiffsfahrt durch die Schären sicher sehr schön sein.

Ich entscheide mich der Schärenringstraße noch ein Stück weiter zu folgen und dann mit dem Auto zurück zu fahren, auf die Fährfahrt also zu verzichten.

Im Supermarkt in Nagu kaufe ich noch Wasser ein (und unterhalte mich mit der Kassiererin kurz auf Deutsch), dann fahre ich weiter in Richtung Korpo, der nächsten Insel. Wieder geht es auf eine Fähre für eine kurze, kostenlose Fahrt.

Gegen 14.45 Uhr erreiche ich den kleinen Hafen von Korpo, wo ich wieder kostenlos parken kann. Von hier spaziere ich ein Stück durch den Wald, dann über eine Brücke zum Inselchen Likholmen. Ganz alleine genieße ich hier Strand, Badesteg mit Bank, Sonne und Ausblick, hin und wieder fahren ein paar Boote vorbei.




Gegen 15.30 Uhr mache ich mich auf den Rückweg. Bei der Fähre zwischen Korpo und Nagu gibt es einen großen Parkplatz, den nutze ich, um auch mal ein Foto von solch einer Fähre, wie sie hier zahlreich unterwegs sind, zu machen.


Danach fahre ich ohne Stopp zurück in meine Unterkunft, wo ich gegen 17.45 Uhr ankomme.

Nach dem Abendessen mache ich noch einen kleinen Spaziergang durch den Park an den das Hochhaus in dem ich wohne, angrenzt.

Wetter: sonnig, teils kühler Wind, ca. 17°C
Wanderung: Westerholm Path in Nagu, 2,25 km, 55 Höhenmeter



LG Christina

Christina

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #12 am: 30. Oktober 2023, 18:06:05 »
3. Tag – Donnerstag, 02.03.

Heute soll es den ganzen Tag bewölkt sein und immer mal wieder regnen, da bietet es sich an, diesen Tag in Turku zu verbringen.

Ins Stadtzentrum kann ich den Bus nehmen, die Haltestelle ist nur ein paar Minuten zu Fuß von meiner Unterkunft entfernt. Wie auf Mallorca kann im Turkuer Nahverkehr auch einfach mit Kredit- oder EC Karte bezahlt werden, ein Ticket muss nicht gekauft werden. Besser gelöst als auf Mallorca ist hier, dass man nur beim Einsteigen die Karte scannen muss, aber nicht mehr beim Aussteigen, Strafgebühren wegen Vergessens oder Nichtfunktionierens des Geräts sind so ausgeschlossen, funktioniert aber nur, weil alle Strecken, egal wie weit, dasselbe kosten (EUR 3,00).

Nach ungefähr zwanzigminütiger Fahrt erreiche ich gegen 8.40 Uhr den Marktplatz von Turku. Dieser wurde gerade neugestaltet, einiges ist noch nicht ganz fertig, insgesamt ein schöner Platz umgeben von sowohl historischen Häusern, als auch modernen. Auffällig ist die Orthodoxe Kirche von 1846, deren Architekt C.L. Engel war, der auch für das Zentrum von Helsinki verantwortlich ist, die Ähnlichkeit ist deutlich – Pastellfarbe, Kuppel, Säulen (rund um die Kirche wird noch gebaut, daher kann ich sie nicht von innen besichtigen).



Turku war in der Zeit als Finnland zu Schweden gehörte, die Hauptstadt des Landes, ist heute mit 194.000 Einwohnern nur die sechstgrößte Stadt Finnlands, hat aber immer noch einige Bedeutung als Sitz von zwei Universitäten und einem großen Fähr- und Industriehafen, die Meyer Werft habe ich schon erwähnt.

Südlich vom Marktplatz stehen einige hübsche historische Gebäude, darunter auch die Kaupahalli (Markthalle, die es in jeder etwas größeren finnischen Stadt gibt), es gibt aber auch einige leerstehende und verwahrlost aussehende Gebäude.


Modern ist die Bibliothek der Stadt (von 2007),


dahinter erreiche ich den Aurajoki mit schöner Promenade, der man am Fluss entlang bis zum Hafen folgen kann. Sie ist gesäumt von teils historischen Häusern und vielen Cafés, Restaurants, Bars, auch Restaurantschiffen.




Ich gehe zunächst flussaufwärts zum Dom. Dieser ist die größte und wichtigste mittelalterliche Kirche Finnlands und Sitz des evangelischen Erzbischofs, dem Oberhaupt der Lutherischen Kirche des Landes. Auf dem großen Vorplatz ist zurzeit eine Art Sommerbiergarten aufgebaut, mehrere Cafés und, im unteren Bereich zum Fluss hin, Bühnen mit Sitzplätzen befinden sich hier, am frühen Vormittag hat das meiste noch geschlossen, eine sehr nette Idee finde ich, um den Platz zu beleben.


Natürlich schaue ich mir den Dom, der von 1229 bis 1300 erbaut wurde, auch von innen an. Hier ist es ziemlich düster, bemerkenswert ist die neugotische Kanzel von C.L. Engel entworfen und das Grab von Karin Måndotter (kein Foto gemacht, zu dunkel), der einzigen schwedischen Königin, die in Finnland begraben ist.


Nach der Innenbesichtigung spaziere ich einmal rund um den Dom. Hier stehen viele alte Holzhäuser, einige davon waren Teil der Schwedischen Universität, ein modernes Gebäude gibt es auch, das ist das Sibelius Museum, in dem es um den berühmten finnischen Komponisten geht (in Helsinki war ich letztes Jahr beim Sibelius Monument, mit den Orgelpfeifen aus Metall, die eher an Baumstämme erinnern) und um Musikinstrumente im Allgemeinen.




Angrenzend an den Domplatz befindet sich der Alte Markt, der besonders im Winter eine Rolle spielt, hier findet ein Weihnachtsmarkt statt und vom orangefarbenen Haus mit dem Balkon wird an Heiligabend der Weihnachtsfrieden verkündet, übertragen vom Fernsehen in ganz Finnland.


Vom Alten Markt gehe ich ein Stückchen am Fluss entlang flussabwärts und dann weg vom Fluss den Vartiovuori (Wachtberg) hinauf, ein Park mit von C.L. Engel entworfener Sternwarte und einem Punpenhaus im Jugendstil, beides hinter Felsen, Büschen und Bäumen kaum zu sehen.

Auf der anderen Seite des Parks erreiche ich das Freilichtmuseum Luostarinmäki. Ein Freilichtmuseum im eigentlichen Sinn, also mit aus einer ganzen Region zusammengetragenen und wiederaufgebauten Gebäuden, ist es nicht, sondern ein erhaltener bzw. in den ursprünglichen Zustand des 18. Jh. zurückgebauter Stadtteil von Turku.

Das Viertel blieb als einziges vom großen Feuer 1827 verschont und wurde, anders als ursprünglich geplant, nicht zusammen mit dem Rest der Stadt nach dem Brand völlig neu konzipiert.

Am Eingang bezahle ich EUR 10,00 Eintritt, dann bummle ich durch die Gassen und schaue mir auch einen Teil der Häuser von innen an. Es gibt sowohl alte Wohnungen als auch verschiedene Handwerksbetriebe zu sehen, z.T. arbeiten dort der Zeit entsprechend gekleidete Personen. In einem der Häuser wird die Geschichte des Viertels dargestellt, die vielen Diskussionen nach dem Brand, ob das Viertel erhalten werden soll oder nicht und dann die schon frühen Anfänge als Museum ab 1940, in dem noch sehr lange einige der Angestellten und ihre Familien tatsächlich wohnten. Diesen Teil finde ich besonders interessant.






Zum Mittagessen gehe ich wieder ins Stadtzentrum. Von den Lokalen am Fluss suche ich mir das „Tintå“ aus, hier gibt es verschiedene Lunchgerichte, ich bestelle die „Korean Steakpizza“, Wasser und danach Kaffee sowie Pralinen sind in den EUR 13,90 enthalten. Es ist warm genug, dass ich draußen am Fluss sitzen kann.


Nach dem Essen wechsle ich nochmal auf die andere Seite des Aurajoki


und schaue mir das vom großen finnischen Architekten Alvar Aalto entworfene Stadttheater an und nicht weit davon entfernt, das Wäinö-Aaltonen-Museum (nur von außen), in dem viele Werke dieses berühmten finnischen Bildhauers zu sehen sind.



Wieder geht’s danach auf die andere Flussseite und den Berg hinauf zur Michaelskirche. Dieses im Reiseführer mit knappen anderthalb Sätzen als neugotische Kirche, entworfen 1899-1905 vom Architekten Lars Sonck, der „ansonsten eindeutig den Jugendstil bevorzugt hat“ beschriebene Gebäude ist eine wunderschöne Überraschung für mich. Schon im Eingangsbereich ist klar, dass Lars Sonck nicht nur „ansonsten“ den Jugendstil mochte, sondern ihm auch hier, trotz der neugotischen Fassade, gefolgt ist. Im Kircheninneren wird das noch deutlicher, herrliche Jugendstilelemente finden sich überall – ich bin hin und weg. Das erinnert mich sehr an die Kallio Kirche in Helsinki, allerdings ist diese hier noch viel schöner.





Dem ausliegenden Flyer (sogar auch auf Deutsch) entnehme ich, dass Sonck mit dem neugotischen Kirchenäußeren einen Architekturwettbewerb gewonnen hat, vor Baubeginn seine Entwürfe gerne geändert und die Kirche auch von außen im Jugendstil gebaut hätte. Das wurde ihm verständlicherweise verwehrt, immerhin hatte er mit dem neugotischen Äußeren den Wettbewerb gewonnen. Aber im Inneren gab man ihm ziemlich freie Hand und so kam es zum Stilbruch, außen Neugotik, innen Jugendstil und Nationalromantik.

In den 1950iger Jahren wurde das dann aber geändert, das Kircheninnere nach und nach in einen neugotischen Kirchenraum umgewandelt. All die schönen Wandmalereien wurden übermalt. Zum Glück hat man bereits in den 1960igern dies als Fehler erkannt und zum Teil rückgängig gemacht, eine große Restauration fand dann in den 1980iger Jahren statt, heute entspricht der Kircheninnenraum wieder dem Original.

Nach Nutzung der Toilette in der Michaelskirche (in Finnland gibt es in fast allen Kirchen Toiletten, sehr praktisch) spaziere ich in das angrenzende Stadtviertel Port Arthur. Hier gibt es einige Straßenzüge mit gut erhaltenen bunten Holzhäusern. Diese Häuser wurden Anfang des letzten Jahrhunderts von den Russen gebaut (Finnland gehörte damals zu Russland), doch woher kommt der für Finnland oder Russland unpassende Name? Im Russisch-Japanischen Krieg (1904-05) verlor der Zar sein bisheriges Pachtgebiet Port Arthur in der Mandschurei an Japan (wobei Port Arthur eigentlich Lüshun hieß, den westlichen Namen Port Arthur von den Briten erhielt, die dort im 19. Jh. Kolonialmacht waren) und ließ dann als eine Art Ersatz diesen Stadtteil von Turku erbauen und entsprechend benennen.


Einen kurzen aber kräftigen Regenschauer warte ich unter einem Baum ab, dann geht’s weiter auf den Hügel Kakolanmäki. Hier wurde vor ein paar Jahren ein ehemaliges Gefängnis zum Hotel umgebaut und daneben wird zurzeit ein modernes Wohnviertel errichtet mit Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften.


Der nächste Regenschauer trifft mich, als ich den neu errichteten „Funicular“ anschaue, ein Schrägaufzug, der den Hügel Kakolanmäki mit der Flusspromenade verbindet. Die Fahrt ist kostenlos und automatisch, aber wohl eher eine Spielerei als echte Notwendigkeit, denn es sind nur wenige Höhenmeter zu überwinden.



Am Fluss angekommen hat der Regen aufgehört und es klart sogar auf. Ich folge der Promenade flussabwärts und komme an der Skulptur „Harmonia“ des deutschen Achim Kühn vorbei, errichtet 1996 im Rahmen des „Turku Environmental Art Project“. Ein Wasserbus fährt an mir vorbei, am gegenüberliegenden Ufer sehe ich das Restaurant „Nobi“ über dem ein „Stein“ von einem Kran gehalten, hängt.



Als nächstes komme ich am Forum Marinum vorbei, auf einem ehemaligen Werftgelände wird in mehreren Gebäuden zum Thema Schifffahrt und Hafenstadt Turku ausgestellt, dazu gehört eine Reihe von historischen Schiffen, die hier am Fluss verankert sind.


Auf eine Besichtigung des Museums habe ich keine Lust, genauso wenig wie auf die Innenbesichtigung der Turun Linna, der Burg von Turku, die etwas zurückversetzt vom Fluss an dessen Mündung ins Meer liegt. Ich schaue mir sie von außen an, soweit das möglich ist. Gerne wäre ich ins Burgcafé gegangen, dieses ist aber geschlossen, zumindest das, das ohne Burgeintritt zu bezahlen, zu erreichen ist.


Ich gehe daher zurück zum Forum Marinum und setze mich ins dortige Café. Das Schoko-Karamell-Törtchen und der Cappuccino sind lecker (EUR 9,50). Im Museumsshop schaue ich dann nach Postkarten, bisher habe ich noch nirgends welche gesehen, die mir gefallen hätten, leider gibt es hier nur welche mit historischen Schiffen als Motiv, ich möchte aber welche mit allgemein Turku oder auch Finnland als Motiv.


Dann spaziere ich die gesamte Promenade wieder flussaufwärts Richtung Stadtzentrum. Dabei sehe ich die „Föri“, eine kostenlose Fähre über den Fluss für Fußgänger und Fahrradfahrer, außerdem nochmal das Stadttheater, davor liegt eines der zahlreichen Restaurantschiffe.



Zurück am Marktplatz schlendere ich noch durch das dortige Einkaufszentrum, wieder auf der Suche nach Postkarten, wieder erfolglos. Sehr merkwürdig, letztes Jahr in Helsinki gab es „überall“ Postkarten.

Gegen 17 Uhr fahre ich mit dem Bus zurück nach Raisio. Nach einer kurzen Pause in der Wohnung gehe ich dann nochmal zum Supermarkt, meine Vorräte brauchen Auffrischung. Hier habe ich heute mal Zeit für einen etwas ausführlicheren Blick in die Regale und bin erstaunt, wie klein doch die Auswahl bei fast allem ist (das war schon in Helsinki so, da dachte ich aber, dass es daran lag, dass es kleine Supermärkte in der Innenstadt waren) mit der Ausnahme von Milch und Joghurt (Milch gibt es von zig verschiedenen Herstellern und in allen Größen und Fettstufen, bei Joghurt und Quark ist es ähnlich), Wasser wird dagegen von den Finnen wohl hauptsächlich dem Wasserhahn entnommen, es gibt fast gar keine Auswahl und das wenige das da ist, ist kohlensäurehaltiges Wasser (das war allerdings anders in Helsinki letztes Jahr).

Den Tag beende ich in der Wohnung mit Abendessen und den üblichen Abendbeschäftigungen.

Wetter: bewölkt, mehrere kurze Regenschauer, ab Spätnachmittag zunehmend sonnig, teils kalter Wind, ca. 15°C


LG Christina

Paula

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #13 am: 31. Oktober 2023, 19:11:42 »
Christina wieviele Kilometer waren das heute? Ich glaube du hast wirklich die ganze Stadt gesehen, Hut ab! Solche Strecken schaffe ich irgendwie nicht mehr. Das Freilichtmuseum hat mir besonders gut gefallen, danach wäre ich wahrscheinlich heim gegangen  ;D
Der Tag gestern war sehr idyllisch, insgesamt scheint mir die Stimmung sehr entspannt, das gefällt mir gut.
Viele Grüße Paula

Susan

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Re: Tervetuloa Suomeen - Wasser, Wälder, Felsen- Finnland im Juni 23
« Antwort #14 am: 01. November 2023, 13:57:05 »
Hi,
die bunten Holzhäuser geben mir doch gleich wieder das Bullerbü Gefühl  ;D Die Rückfahrt mit dem Schiff auf der Schärenrunde würde mir gefallen, allerdings hätte ich auch lieber nicht so lange gewartet. Vorallem, wenn man dann einenTeil in der Warteschlange verbringen muss.

 :respekt: Für dein Turku Programm bräuchten wir wahrscheinlich mehrere Tage. Interessante Stadt
Liebe Grüße
Susan