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Jahresbeginn 2016 in Andulasien
Gipsy:
Diesen Winter habe ich endlich einmal etwas gewagt, was ich bisher nie in Betracht bezogen hatte oder vor dem ich sofort wieder zurückgeschreckt bin: Ich habe meine Eltern in ihrem Winterquartier in Andalusien besucht.
Was habe ich befürchtet?
Mein Vater ist jetzt 84 und meine Mutter 80. Sie sind beide im Krieg aufgewachsen und haben sich dann ein einfaches, bürgerliches Leben aufgebaut, in dem sie 3 Kinder großgezogen haben. Das Geld reichte meist nur für einfache Urlaube mit Selbstversorgung in Deutschland. Auch als viele Bekannte und Verwandte sich schon Urlaub im Ausland, vor allem in Italien, gönnen konnten, war es für sie schon ein Luxus, wenn sie sich ein mehrtägige, verbilligte Werbe-Busreise leisten konnten. Erst als die Kinder aus dem Haus waren, gingen sie mit ihrem Wohnwagen auf Auslandstour mit Selbstversorgung. So kamen sie auch nach Andalusien und fanden dort einen Ort, an dem sie sich ein Überwintern von Dezember bis April vorstellen konnten, um dem deutschen Winter aus dem Weg zu gehen.
Für uns hier ist es kaum vorstellbar, in ein fremdes Land zu reisen allein mit den Informationen, die es ausgedruckt in den Zweigstellen des ADAC gibt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie nach fast 20 Jahren Überwittern in Andalusien kein Spanisch sprechen und aucb die Bräuche nicht kennen, wenn sie ihnen niemand auf deutsch erklärt hat.
Sie wagen sich auch an nicht-deutsche Küche heran, wenn das fremde Essen nicht scharf ist und in Geruch und Geschmack Ähnlichkeit mit der süddeutschen Küche hat.
Mit diesem Hintergrund habe ich befürchtet, dass wir die meiste Zeit in dem kleinen Ort sein würden, in sie ihr Winterquartier haben. Ich hoffte, dass ich sie zu wenigstens 2 Besuchen von spanischen Restaurants würde überreden können und dass das Wetter gut genug sein würde, dass ich warm eingepackt beim Beobachten der Meeresbrandung von der Strandpromenade aus die Zeit würde totschlagen können, die mich meine Eltern nicht beanspruchen würden.
Ich habe mich überhaupt nicht auf die Reise vorbereitet; habe keine virtuellen Reiseführer gewälzt und mich nicht auf Internet-Seiten über die Gegend und Sehenswürdigkeiten informiert, um dann nicht zu enttäuscht zu werden, wenn meine schlimmsten Befürchtungen zutreffen sollten.
Und was habe ich dann vorgefunden?
Das Winterquartier meiner Eltern liegt ideal zum einfach im verglasten Balkon zu sitzen und "Leute kucken". Da kann man wirklich die Küstengebirge und das Meer, ein Zufahrt zur Strandpromenade und einen Teil der Strandpromenade selbst überblicken. Meine Mutter hatte schon einige Gerichte vorgekocht und eingefroren, so dass sie nicht mehrere Stunden in der Küche zubringen musste. Auch waren wir 4 mal im Restaurant, 3 mal in einem spanischen und 1 mal in einem chinesischen Restaurant.
Bis vor 4 Jahren sind meine Eltern immer mit dem Auto nach Andalusien gefahren. Erst seit 3 Jahren fliegen sie und mieten sich dann dort für die 4 Monate ein kleines Auto. Ich hatte nie erwartet, dass mein Vater noch immer ganz souverän die engen, schmalen Bergstraßen dort fährt und wir so 3 sehr schöne Ausflüge machen würden.
Wahrscheinlich ahnt Ihr jetzt schon, dass Euch auch dieses Mal nicht der klassische Reisebericht erwartet sondern sondern eher eine kleine Beschreibung des Ortes und die Vorstellung von 3 sehr schönen Tagestouren, die in einer klassischen Rundreise wohl jede in einem halben Tag zu machen wären.
Wenn Ihr trotzdem mitkommen und dem deutschen Winter für kurze Zeit entfliehen wollt, seid Ihr herzlich eingeladen.
serendipity:
Nach deinen Pflanzen-Appetithappen :) und der sehr interessanten und offenen Einführung reise ich gerne mit.
Meine älteste Schwester, die immer hin auch schon 76 Jahre alt ist, verbringt die Hälfte des Jahres in Spanien, allerdings in der Nähe von Calpe, den Rest des Jahres reist sie im Rest der Welt herum, so war sie letztes Jahr im Südwesten der USA, in Dubai, in Thailand und auf Kreuzfahrt in der Karibik und auch dieses Jahr bekommen wir sie nicht viel zu Gesicht. Früher war sie mit vier Kindern auch nur in Holland, Österreich - maximal in Spanien. Ich finde das ganz toll, dass sie nun, wo sie sozusagen "frei" ist, die Welt bereist - auch wenn sie nie wieder den Navajo-Queens Garden Trail im Bryce laufen möchte, nachdem sie das letztes Jahr gemacht hat ;D
Ich finde die Winterflucht deiner Eltern jedenfalls richtig toll! Und bin natürlich gespannt, was ihr zusammen erlebt habt.
Flicka:
Ich komme gerne mit und freue mich auf mehr Fotos und Eindrücke! :)
Andrea:
Das klingt ja wieder total spannend. Ich freue mich sehr auf deine (unerwarteten) Erlebnisse und vorallem auch Frühlingsbilder!
Gipsy:
Alles einsteigen, es geht los mit dem
Prolog
Nachdem ich die unerwartete Reise nach Shanghai zur Hochzeit der Freundin meiner Tochter und die anschließende Erkältung ohne Krankenhausaufenthalt überstanden hatte, gab mein Arzt grünes Licht für weitere Reisen, bei denen Entspannen aber einen höheren Stellenwert als Erleben und Aufregung haben sollten.
Da bot sich ein Besuch bei meinen Eltern in Andalusien einfach an.
Bis auf letzten Winter war bisher immer jemand aus der Verwandtschaft oder eine Freundin meiner Mutter zu Besuch gekommen, so dass beim Geburtstag meiner Mutter Anfang Januar immer noch jemand da war. Nur letzten Winter ging es der Freundin meiner Mutter so schlecht, dass sie die Reise nicht mehr unternehmen konnte und dann auch vor der Rückkehr meiner Eltern gestorben ist. So bekam meine Mutter das Gefühl, dass sie ihren 80. Geburtstag ganz allein im fernen Spanien würde verbringen müssen, auch wenn die Feier dann im Frühjahr groß nachgeholt werden wird.
So kam ich auf die Idee, ich könnte einfach mal versuchen, mein Gedankenexperiment mit einem Kurzbesuch in Andalusien zu realisieren.
Bei der Arbeit bekam ich grünes Licht, die ersten 2 Wochen im Januar frei zu nehmen, wenn ich dafür an Heiligabend, Silvester und die Tage dazwischen arbeiten würde, obwohl ich eigentlich nicht an der Reihe war. Das war für mich so okay.
Als nächstes begann dann die Suche nach einem bezahlbaren Flug. Für mich die beste Anbindung hat Zürich - aber ist das dann nicht fast unbezahlbar?
Frühest möglicher Termin war der 1. Januar. Also hab ich für diesen Termin mal einen Flug nach Malaga gesucht. Die Preise haben da schon fast meine Schmerzgrenze erreicht, egal, ob ich als Abflugsort Zürich, Stuttgart oder Friedrichshafen probierte. Aber dabei sah ich, dass der Flug ab Zürich mit Swiss gar nicht mal so teuer wie erwartet war. Also hab ich direkt bei Swiss gesucht - und einen Flug gefunden, der weit unter dem von mir angesetzten Höchstbetrag blieb.
Der Flug am 1. Januar gefiel mir nicht besonders und war auch viel zu teuer. Er sollte bereits um 9:40 starten, was für mich bedeutete, dass ich um 6:00 (ohne Umsteigen) oder spätestens um 6:30 (mit Umsteigen) mit dem Zug nach Zürich fahren müsste. Das Auto in Zürich abzustellen kam aus Kostengründen nicht in Frage; die wollen doch tatsächlich über 250 Euro für 10 Tage parken.
Und da sah ich den idealen Flug: Abflug am 2. Januar um 12:50 von Zürich nach Malaga und Rückflug am 12. Januar um 13:10 von Malaga nach Zürich. Diese Zeiten waren ideal. Am Abflugstag konnte ich noch gemütlich meine Marschverpflegung und eine Überraschung für meine Mutter besorgen und meine Eltern konnten dann nach dem Mittagessen gemütlich los, um mich abzuholen. Beim Rückflug wäre ebenfalls noch viel Zeit für ein gemütliches Frühstück und eine entspannte Fahrt zum Flughafen. Und dann sollten beide Flüge zusammen mit dem Europa-Baustein-Tarif der Swiss auch nur so viel kosten wie der Hinflug am 1. Januar. Schon da begann ich dann mit dem Comfort-Paket der Swiss zu liebäugeln. Aber dazu später.
Beim nächsten Besuch meiner Eltern Anfang November lies ich die Bombe platzen, dass ich sie gerne vom 2. bis 12. Januar besuchen würde - wenn ich eine eigene Unterkunft hätte. Bei ihnen in ihrer 2-Zimmer-Wohnung auf dem Sofa im Wohnzimmer zu schlafen, kam überhaupt nicht in Frage.
Als meine Mutter ihre Sprache dann wiedergefunden hatte, rief sie eine Bekannte in dem Gebäude an, in dem sie überwintern. Und diese Bekannte hatte tatsächlich noch für den gewünschten Termin ein 1-Raum-Studio frei, das wir sofort telefonisch reservierten. Und der Flug war dann auch ganz schnell gebucht.
Die Zeit verging dann und ich begann, alles vorzubereiten.
Der Europa-Baustein-Tarif der Swiss bietet verschiedene Pakete für Economy und Business an, die man über Optionen aufwerten kann. So enthält das günstigste Paket nur den Flug selbst und ein Stück Handgepäck. Einen (oder 2) Koffer mit 23 kg sowie die Sitzplatzreservierung kann man einfach dazu buchen. Meilen gibt es dafür fast keine.
Aber für mich war dieses Paket genau richtig: mehr als 1 Koffer mit 23 kg und 1 Rucksack kann ich allein mit dem Zug nicht zum Flughafen bringen. Und außerdem sollten 23 kg für 10 Tage Urlaub reichen.
Das Comfort-Paket, das als Option angeboten wird, wertet für einen (kleinen) Zuschlag das Economy-Ticket zu einem Business-Ticket auf, wobei die Meilen und das Freigepäck nicht erweitert werden. Preislich entsprach das Comfort-Paket für beide Flüge für mich dem Betrag, den ich durch den Flug am Mittag des 2. Januar gegenüber dem frühen Flug am 1. Januar einsparen konnte - und ich lag insgesamt immer noch unter dem für den Flug angesetzten Höchstbetrag von 500 Euro.
Das wollte ich mir einfach gönnen: Für 410 Euro in Business von Zürich nach Malaga und zurück.
Gewonnen hatte ich damit eine garantiert freien Nebenplatz in der 3-er Reihe, Zugang zur Lounge in Zürich und Malaga mit freien Getränken und Snacks, Essen an Bord und Getränke bis zum Abwinken - und eine Toilette ohne Stau davor ;) Daran könnte man sich glatt gewöhnen.
Die nächste Frage war dann, was an Technik alles mit darf. Es war keine Frage, ob ich das Smartphone, den Kindle und den Nintendo mitnehme; das ist die Basisausrüstung für den Urlaub. Aber brauche ich die Powerbank zum mobilen Wiederaufladen der Geräte wirklich? Und was ist mit einem Fotoapparat? Soll ich wirklich versuchen, meine Tochter zu überreden, mir wieder ihre Kamera zu leihen? Wenn ich eine Kamera für mich suche, finde ich in der Regel die gesuchte eierlegende Wollmichsau nicht ;) und warte ich mit dem Kauf immer, bis ich wirklich eine Kamera brauche.
Ich entscheide, dass für die paar Gedächtnisstütz-Fotos, die ich machen werde, die Kamera in meinem (billigen und kleinen) Smartphone ausreichen würde. Das war dann teilweise eine Fehleinschätzung 8); es wurden weit mehr als ein paar Fotos, aber das Smartphone hat dann doch in den meisten Situationen noch brauchbare Fotos geliefert. Und ich hab jetzt wieder die Qual der Wahl, welche der Fotos ich zeigen werde.
Zum Glück habe ich die Powerbank mitgenommen; den Nintendo (und auch den Kindle) hätte ich aber getrost zu Hause lassen können.
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