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Wolkenspiegelungen, Schäfchenwolken und dramatischer Himmel - Finnland im Juni 2024
Christina:
4. Tag – Freitag, 07.06.
Den Vormittag möchte ich in der 83.600 Einwohnerstadt Pori verbringen, ich starte gegen 9 Uhr und bin eine Viertelstunde später schon am großen Parkplatz (kostenlos, zeitlich unbegrenzt) auf der der Innenstadt gegenüberliegenden Insel Kirjurinluoto. Diese liegt zwischen zwei Armen des Flusses Kokemäenjoki und ist parkähnlich angelegt. Es gibt einen Bereich mit Blumen, Büschen und Bäumen, aber auch große Bereiche, die freigehalten sind für Veranstaltungen wie das berühmte Pori Jazz Festival später im Sommer, jetzt ist eine kleine Fläche von einem Zirkus belegt. Ich gehe in Richtung Fußgängerbrücke zur Innenstadt und komme dabei an einem Strand vorbei. Direkt gegenüber dem Zentrum gönne ich meinem Bein eine erste Pause auf einer Schaukelbank. Die Innenstadt liegt ziemlich im Gegenlicht und leider ist das größte Gebäude direkt an der Uferpromenade, das Kunstmuseum im neoklassizistischen ehemaligen Pack – und Waagenhaus vollständig von Baugerüsten umhüllt.
Über die Fußgängerbrücke, von der man einen schönen Blick in Richtung einiger neuerer Wohnviertel hat,
erreiche ich die Uferpromenade Eteläranta, modern gestaltet mit verschiedenen Sitzgelegenheiten, Restaurants und Skulpturen.
Ich schaue mir die Gebäude am Ufer und der Parallelstraße an, das Theater, das Alte Rathaus mit schönem Park davor und das Stadthaus, das 1895 nach dem Vorbild venezianischer Gebäude von einem reichen Apotheker erbaut wurde und heute der Stadt Pori gehört.
Ich gehe weiter bis zur neugotischen Keski-Pori-Kirche von 1863, deren gusseisernen Turm ich schon vom gegenüberliegenden Flussufer gesehen habe.
Ein paar Häuserblocks vom Flussufer entfernt komme ich zum Markplatz. Dieser ist wie in vielen finnischen Städten von nüchternen Zweckbauten der Nachkriegszeit umgeben, ebenso die angrenzende Fußgängerzone. Hier stehen viele Geschäfte leer, was vermutlich mit meinem nächsten Ziel, einem vor ein paar Jahren errichteten großen Einkaufszentrum auf der anderen Flussseite, in wenigen Minuten zu Fuß von der Innenstadt zu erreichen, zu tun hat.
Von der Brücke blicke ich nochmal zur Uferpromenade zurück, auf der anderen Seite sehe ich schon das Einkaufszentrum, es wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik errichtet und in die alten Gebäude integriert.
Ich bummle ein bisschen durch die Geschäfte, in einem Finlayson Outletstore finde ich einen Läufer für unseren Esstisch (da habe ich schon vor zwei Jahren in Helsinki im dortigen Laden einen gekauft) und ein T-shirt. Ein paar weitere T-shirts kaufe ich in einem Sportgeschäft. Die Preise für Kleidung und Accessoires sind die gleichen wie in Deutschland.
Hier gibt es natürlich auch einen Food Court, ab 11 Uhr wird überall das Lunch Buffet aufgebaut (und ab dieser frühen Uhrzeit tatsächlich auch schon genutzt), gegen 12 Uhr suche auch ich mir ein Restaurant aus, für EUR 13,50 gibt es viele leckere Sachen (all-you-can-eat), inkl. Wasser, Tee und Kaffee.
Nach dem Essen spaziere ich zurück in die Innenstadt (da muss ich auf dem Weg zum Auto sowieso entlang) und gehe noch ins Satakunta Museum zur Geschichte Poris und der Region (EUR 8,00). Besonders interessiert mich die Sonderausstellung zum Fotografen John Englund, der um die Jahrhundertwende (19. zu 20. Jh) nicht nur Porträts fotografiert hat, sondern auch viele Bilder Poris aufgenommen hat. Es wird auch auf die damaligen Fotografiertechniken eingegangen, auch schon damals konnte man richtig gute Fotos machen, es war nur sehr viel aufwändiger als heute.
Gegen 14 Uhr gehe ich zurück zum Auto (mit nochmaligem Blick auf die Innenstadt vom Sandstrand aus)
und fahre 15 km nach Norden ins Städtchen Noormarkku. Nicht die Stadt an sich möchte ich anschauen, sondern das am Stadtrand liegende Ahlström Gelände. Die dortige Schmiede wurde ab 1870 von Antti Ahlström zu einem großen Industriekomplex ausgebaut, daraus entwickelte sich der Stahlproduzent Rautaruukki (2014 vom schwedischen Konkurrenten SSAB übernommen). Die ehemaligen Eisenwerke können heute noch angeschaut werden, dazu stehen auf dem Gelände zahlreiche Wohnhäuser bzw. Villen der jeweiligen Direktoren, darunter etwas abseits liegend, die Villa Mairea vom großen finnischen Architekten Alvar Aalto und seiner Frau Aino entworfen.
Das (im Hinblick auf mein Bein leider) sehr weitläufige Gelände ist parkartig angelegt und sehr gepflegt, es gibt auch ein hochpreisiges Restaurant und sehr teure Unterkünfte. Möchte man etwas im Inneren besichtigen wird es aber schwierig, es gibt zwei Museen, die wohl nur mit Führung angeschaut werden können, wann diese stattfinden ist der Homepage nicht zu entnehmen, alles etwas merkwürdig.
Ein Besuch des Geländes lohnt sich aber auch ohne Innenbesichtigungen.
Die Aalto Villa liegt so weit abseits, dass ich wegen meines Beins den Parkplatz wechseln muss. Auf der kurzen Fahrt zum anderen Parkplatz komme ich an einem Café vorbei, perfekt, da gibt es für mich einen Kaffee und ein Stück Streusel-Rhabarberkuchen (EUR 5,20).
Vom Parkplatz zur Villa Mairea muss ich noch ein Stück zu Fuß gehen. Das obere Stockwerk der Villa ist bewohnt, das untere kann besichtigt werden, aber verständlicherweise nur mit Führung und die finden, zumindest außerhalb der Sommersaison sehr selten statt, während meiner Tage in Pori gibt es leider keinen Termin. So muss ich mich damit begnügen das Haus von außen anzuschauen, immerhin hat man einen guten Blick darauf. Das sieht toll aus, da würde ich sofort einziehen.
Nun ist es 16.30 Uhr, also noch Zeit für einen kleinen Umweg auf dem Weg zurück zur Unterkunft. Es geht nochmal zu einem ehemaligen Eisenwerk. Hier in Leineperi (30 km südlich von Noormarkku) ging es bescheidener zu als bei Ahlström, das Gelände ist aber nochmal deutlich weitläufiger als das in Noormarkku. Auch hier gibt es kleinere Museen, ein Café/Restaurant und anders als in Noormarkku auch kleinere Shops mit handwerklichen Produkten. Das meiste ist aber aufgrund der Uhrzeit (17 Uhr) bzw. weil noch außerhalb der Sommersaison geschlossen. Das Eisenwerk wurde 1771 in Betrieb genommen und 1902 stillgelegt, die Anlage gilt als die am besten erhaltene und umfassendste in Finnland. Weil ich wegen meines Beins nicht herumlaufen kann, beschränke ich mich auf einen Blick auf den ehemaligen Hochofen. Nun gut, dieser Abstecher war so nicht sehr sinnvoll, dass das Gelände aber so weitläufig ist und daher für mich gerade nicht machbar, wusste ich vorher nicht, das sah auf dem Plan auf der Homepage des Eisenwerks viel kompakter aus.
Dann fahre ich zurück Richtung Ferienwohnung, tanke unterwegs noch und bin gegen 18 Uhr „zu Hause“.
Wetter: teils sonnig, teils bewölkt, ca. 18°C
Susan:
Pori schaut ja ganz nett aus. Die nüchterne Fußgängerzone ist immerhin etwas mit Blumen geschmückt. Es ist also nicht nur bei uns so, dass mit dem Bau solcher Shopping Center die Geschäfte in der Innenstadt leer stehen.
Das Ahlström Gelände gefällt mir da schon besser. Die Herren Direktoren haben ja nicht schlecht gewohnt ;D Ist jedenfalls schön, was sie dort aus den ehemaligen Eisenwerken gemacht haben
Ilona:
--- Zitat ---gegen 12 Uhr suche auch ich mir ein Restaurant aus, für EUR 13,50 gibt es viele leckere Sachen (all-you-can-eat), inkl. Wasser, Tee und Kaffee.
--- Ende Zitat ---
Da kann man nicht meckern.
--- Zitat ---da gibt es für mich einen Kaffee und ein Stück Streusel-Rhabarberkuchen (EUR 5,20)
--- Ende Zitat ---
Beim Bäcker hierzulande kostet die Tasse Kaffee schon 3 €.
Man merkt schon an den günstigen Essenspreisen, dass es sich nicht um eine touristische Hochburg handelt.
Bin weiterhin handschonend an Bord :adieu:.
Christina:
--- Zitat von: Ilona am 08. November 2024, 13:24:53 ---
--- Zitat ---gegen 12 Uhr suche auch ich mir ein Restaurant aus, für EUR 13,50 gibt es viele leckere Sachen (all-you-can-eat), inkl. Wasser, Tee und Kaffee.
--- Ende Zitat ---
Da kann man nicht meckern.
--- Zitat ---da gibt es für mich einen Kaffee und ein Stück Streusel-Rhabarberkuchen (EUR 5,20)
--- Ende Zitat ---
Beim Bäcker hierzulande kostet die Tasse Kaffee schon 3 €.
Man merkt schon an den günstigen Essenspreisen, dass es sich nicht um eine touristische Hochburg handelt.
Bin weiterhin handschonend an Bord :adieu:.
--- Ende Zitat ---
Hallo Ilona :adieu:, die Mittagsbuffets in Finnland sind wirklich eine tolle Sache, die gab's sogar teilweise in Helsinki, damals wusste ich darüber aber noch zu wenig, sonst hätte ich gezielter suchen können.
Kaffee und Kuchen außerhalb der Städte ist auch immer recht günstig, allerdings ist das dann nur ein einfacher Filterkaffee, der schon längere Zeit in der (Thermos) Kanne ist.
Christina:
5. Tag – Samstag, 08.06.
Heute steht ein Unterkunftswechsel an, ich werde den nördlichsten Punkt meiner Reise erreichen. Die Strecke ist recht weit, zwei Zwischenstopps sind dennoch eingeplant.
Nach dem Frühstück mache ich den Abwasch, ziehe das Bett ab und stopfe die Bettwäsche sowie die von mir genutzten Handtücher in den Wäschesack und bringe den Müll raus.
Um 8.15 Uhr bin ich abfahrtbereit. Anderthalb Stunden brauche ich für die 110 km Richtung Norden zum Parkplatz Lauhanvuori des gleichnamigen Nationalparks, die letzten Kilometer wie (fast) immer in Nationalparks auf unbefestigter Straße. Hier bin ich am höchsten Punkt Westfinnlands mit einer „sagenhaften“ Höhe von 231 m Seehöhe. Da dies wegen der Bäume nicht für einen Ausblick reicht, steht auf dem Hügel ein 30 m hoher Aussichtsturm. Von oben habe ich einen Blick über die unendlichen Wälder Finnlands, die sich in alle Richtungen ausdehnen. Leider ist die Sicht nicht sehr gut, man soll von hier eigentlich sogar Pori und die Küste erkennen können (ca. 80 km Luftlinie Entfernung), ich sehe immerhin einige Windräder, die an der Küste stehen.
Nach dem kurzen Stopp fahre ich ein Stück weiter zum Parkplatz Kivijata, direkt daneben liegt ein Highlight des Parks, ein Geröllfeld (es gibt noch mehr solcher Felder im Park). Es handelt sich dabei um breite Bänder aus Granitsteinen, die ursprünglich Küstenlinien waren, heute liegen sie 100 m über Meereshöhe und viele Kilometer vom Meer entfernt. Die Geröllfelder dürfen nur auf den Holzbohlenwegen betreten werden, auch darf man die Steine nicht verlegen oder gar mitnehmen.
Natürlich gibt es auch in diesem Nationalpark unzählige Wanderwege, für die kurze Runde, die mir mit meinem Bein möglich ist, habe ich mich aber für einen anderen Nationalpark entschieden, den Kauhaneva-Pohjankangas-Nationalpark. Diesen erreiche ich nach einer knappen Stunde Fahrzeit weiter Richtung Norden gegen Viertel nach 11 Uhr.
Vom Parkplatz Salomaa führt mich ein zunächst rollstuhlgerechter Weg durch den Wald mit mal wieder vielen Mücken zu einem Rastplatz mit Feuerholz, Grillmöglichkeiten und Trinkwasserpumpe.
Auf einem Holzbohlenweg geht es dann weiter, der Wald weicht zurück und mit jedem Schritt in Richtung freie Moorfläche werden die Mücken weniger. Zum Glück, so kann ich bald auf einer der Bänke Mittagspause machen und meine Brötchen essen.
Der Weg führt vollständig auf Holzbohlen in einer großen Runde um einen See herum. Der See liegt in einem Moorgebiet, das sowohl trockene Stellen als auch nasse, seeartige hat. Zusammen mit den Wolkenformationen und deren Spiegelungen im Wasser gibt das ein wunderbares Bild. Dass das so fantastisch hier aussieht hätte ich nicht erwartet.
Einen kurzen Abstecher mache ich zu einem Aussichtsturm, von dem man einen guten Überblick über das Moor hat.
In der Ferne kann man am Himmel erkennen, dass es regnet, auf meiner Runde bleibt es aber trocken.
Gegen 13.30 Uhr bin ich zurück am Auto und muss nun noch den größten Teil der heutigen Strecke zurücklegen. Es wechseln sich einsame Strecken mit stärker befahrenen ab, an diesen gibt es dann Raststätten, eine nutze ich für eine Pause mit Kaffee und leckerem, gefüllten Donut (EUR 6,50).
Eine weitere Pause verbinde ich mit einem Supermarkteinkauf und gegen 18 Uhr erreiche ich endlich meine Unterkunft auf dem Marjoniemi Campingplatz, die letzten Kilometer auf einer unbefestigten Straße.
Im Haupthaus des Campingplatzes habe ich im oberen Stock ein großes Zimmer mit Mikrowelle und Kühlschrank, es ist modern und gemütlich eingerichtet, sogar eine Klimaanlage gibt es, diese werde ich aber wohl nicht brauchen. Eigentlich würde ich noch gerne einen Rundgang über die Anlage und zum See machen, die Sonne scheint gerade wieder so schön, nachdem es auf der Fahrt eher bewölkt war und immer mal wieder regnete. Aber mein Bein will nicht mehr, den Rundgang verschiebe ich auf morgen.
Wetter: teils sonnig, teils bewölkt, immer wieder Regenschauer, ca. 15°-20° C
Wanderung: im Kauhaneva-Pohjankangas Nationalpark 4,2 km
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