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Deutschland bleibt unfähig, wenn es um Integration, Inklusion und Unterstützung Behinderter geht

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Silke:

--- Zitat von: Horst am 13. September 2020, 20:23:09 ---@Birgit,
wie soll Rainer eine Beschwerde vor Ort vorbringen, wenn er innerhalb einer Stunde gar nicht rein kommt?

--- Ende Zitat ---
Einfach an der Schlange vorbei nach vorne rangehen?

Birgit:

--- Zitat von: Susan am 13. September 2020, 20:01:43 ---Bei den Bedingungen wäre ich auch als "Normale" nicht zur Wahl gegangen  ???


--- Ende Zitat ---

Richtig! Oder ich hätte mich lauthals beschwert!

Ich finde das nicht behindertenunfreundlich, sondern fehlorganisiert, die Situation unter- und falsch einschätzend und schlicht und einfach bürgerunfreundlich.

Man hätte ja durchaus in einem Probelauf abschätzen können, wie lange das Wählen pro Nase unter Coronabedingungen dauern und wie viele hochgerechnet wohl kommen werden unter Berücksichtigung der Anzahl derer, die die Briefwahl genutzt haben, man hätte entsprechend mehr Platz, Wahlurnen, Personal zur Verfügung stellen können.

Man hätte anhand früherer Erfahrungen schon vorher und vor Ort darauf hinweisen können, wann erfahrungsgemäß der größte Ansturm kommt und auf eher schwach besuchte Zeiten hinweisen können.

Rainer:
Also, um es zu komplettieren:

Ich habe eine  Weile da gestanden und habe durchaus auch ein paar "Stationen" vor mir die alte Dame gesehen, die auch den Rollator benötigte. Ich habe dann die Leute vor mir angesprochen und habe gesagt, dass ich das peinlich finde, dass nicht an Behinderte gedacht wird. Selbstverständlich haben die beiden mir angeboten, mich vorzulassen und haben natürlich auch angeregt, dass ich einfach ganz nach vorne gehe.

Aber das habe ich NICHT getan. Warum nicht? Weil ich einschlägige Erfahrung habe. In vergleichbaren Situationen (Flughafen beispielsweise) ist es überhaupt nicht selbstverständlich, dass JEDER einsieht, dass ein Behinderter ganz nach vorne geht. Wenn ich ehrlich bin, da habe ich leider auch schon ziemlich üble Szenen erlebt.

Außerdem habe ich darauf hin gewiesen, dass selbstverständlich auch die alte Dame nach vorne geleitet werden müsse. Da fühlte sich (verständlicherweise) niemand so Recht in der Verantwortung.

Last not least habe ich beschlossen, es auf sich beruhen zu lassen. Sicherlich hätte ich mich nach vorne "pfuschen" können (so empfinden das sehr viele), aber es hätte nicht das grundsätzliche Problem gelöst, ich möchte nicht wissen, wieviele behinderte oder sehr alte Herrschaften heute zum Warten verurteilt waren. Vorher schon und nachher immer noch.  Der Sohn unseres Nachbarn war schon um 8 Uhr zur Wahl gegangen und hatte seine Eltern angerufen, dass eine unerträgliche Schlange dort stünde.

Selbst wenn also eine Organisation am Morgen der Wahl selbst bemerkt, dass da etwas im Argen liegt, hätte man selbst da noch eine Behelfslösung finden können und für Bedürftige einen eigenen Eingang kreieren können. Soviel Phantasie braucht man dafür eigentlich nicht. Aber genau da setzt eben auch meine Kritik an: das ist einfach von vorne bis hinten nicht in den Köpfen drin. Das geht einfach nicht, so oder so nicht. Und das ist auch genau meine Kritik, die ganzen salbungsvollen Programme, die scheitern an der Praxis. Es versteht einfach keiner.

Rainer:

--- Zitat von: Birgit am 13. September 2020, 20:46:06 ---Ich finde das nicht behindertenunfreundlich

--- Ende Zitat ---

Doch, das finde ich durchaus.

Es ist ganz offensichtlich: in den USA sind an allen "kritischen" Passagen eigene "Lanes" für Behinderte. Sei es am Flughafen am Sicherheitsscheck, sei es in Las Vegas am Buffet: überall ist absolut selbstverständlich, dass Behinderte eine eigene Lane bekommen.

Und genau genommen gibt es auch keine andere Lösung. Einfach grundsätzlich eine eigene Spur für Behinderte. Egal, ob die benutzt wird und wieviele letztendlich da durch laufen. Und genau das hat Deutschland immer noch nicht verstanden. Da wird man immer noch gefragt, ob man sich auch gebührend beschwert hätte. Meinst Du wirkllich, mir wäre das nicht auch total unangenehm, auf meinen Umstand hinzuweisen und "den lauten zu machen"? Ich will das nicht. Und ich will auch nicht gefragt werden, ob ich denn auf den Mißstand laut genug hingewiesen hätte.

Ich will einfach nur nicht in der Schlange stehen. Und die Amerikaner haben das verstanden. Die Deutschen nicht ansatzweise.

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