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Ich verstehe es nicht...

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Rainer:
... tut mir Leid, aber das übersteigt mein Verständnis. Heute "gedenkt" Herr Steinmeyer der "vielen Opfer der Pandemie". Und sonst nichts?

Ich meine, schauen wir uns das Geschehen doch an:

Von Februar 2020 bis heute sind in Deutschland ziemlich genau 1,2 Millionen Menschen gestorben. An den verschiedensten Ursachen (am häufigsten Herz/Kreislauferkrankungen, gefolgt von Krebserkrankungen, danach gefolgt von Atemwegsinfektionen). Wenn alte Menschen an Atemwegsinfektionen erkranken, ist das häufig deren Tod. Das ist seit Generationen schon so.

Nun sind im Laufe der 14 Monate neben den 1,12 Millionen an "anderen" Ursachen verstorbenen Menschen auch 0,08 Millionen (80.000) Menschen an Corona verstorben. Diese an Corona verstorbenen Menschen wurden im Schnitt etwas über 84 Jahre alt und hatten damit eine deutlich erhöhte Lebenszeit gegenüber den "übrigen" 1,12 Millionen Menschen, die im Schnitt nur ca. 80 Jahre alt wurden. Von 15 Verstorbenen im letzten Jahr ist genau ein einziger an/mit Corona verstorben, die anderen 14 sind an anderen Ursachen und im Schnitt 4 Jahre jünger verstorben, jedoch haben alle ein relativ gesegnetes Alter erreicht, die Coronatoten noch mehr als die anderen Toten.

Jetzt gedenken wir also einer geradezu krassen Minderheit Verstorbener, verlieren nicht ein einziges Wort des Bedauerns oder Mitgefühls der "nur an anderen Ursachen Verstorbenen" (die, wie ich in einem Forum als Gipfel des Unfassbaren erfahren durften, "doch sowieso verstorben wären, das sind die normalen(!) Toten wie immer"), als hätte es die nie gegeben. Ist nur ein Corona Toter ein "ehrenwerter" Toter? Oder wie muss ich das ganze Geschehen verstehen? Ich verstehe es nämlich nicht. Warum zählt nur noch Corona, selbst wenn (wie hier) die Relationen eklatant mit Füssen getreten werden? Glaubt Herr Steinmeyer wirklich, nur die Angehörigen von Coronatoten würden trauern? Oder was glaubt er überhaupt, weiß er überhaupt, dass es "nur" weitere 1,12 Millionen Tote gibt, die es zu beklagen gilt? Gibt es wirklich nur noch Corona? Ich finde es schlicht und ergreifend peinlich.

Silv:
Ja, so ähnlich habe ich auch gedacht, als ich das gehört habe...

Mich kotzt die ganze Situation momentan auch gewaltig an, dass ich mich nicht mehr mit Freunden treffen, nicht reisen oder sonstwas darf. Andererseits denke ich an meinen Bruder, der ist 48, hat Frau und 2 kleine Kinder und Krebs. Dann geht es mir eigentlich gut, so wie es ist. Denn ich bin gesund (soweit ich weiß).

Momentan gedenke ich eher einem Freund, der im Januar mit 38 an Bauspeicheldrüsenkrebs, einem Sohn einer Bekannten, der vor 3 Wochen während einer Op an den Folgen eines Unfalls (der 15 Jahre zurückliegt) mit 33 Jahren gestorben ist.... Ich möchte nicht sagen, dass es nicht schlimm ist, wenn z.B. über 80jährige versterben. Aber meiner Meinung nach hat derjenige sein Leben gelebt.

Susan:
Mein Verständnis dafür hält sich auch in Grenzen, so tragisch jeder einzelne Todesfall im Zusammenhang mit Corona auch sein mag.

Aber eigentlich ist es ja nichts neues.  Das Gedenken des Bundespräsidenten sowie Oberbürgermeistern, Ministern, ... gibt es nur in Katastrophenfällen - wie Flugzeugabstürzen, Anschlägen usw -  und für den "Rest" gibt es Totensonntag und/oder Volkstrauertag. Ob Corona dazu zu zählen ist, darüber kann man sich streiten. Zumindest war die Traueranzeige unseres OBs in der gestrigen Zeitung genereller formuliert, sie gedachte aller Verstorbenen in der Coronazeit.

Nervig finde ich die Appelle, dass wir auch noch mit gedenken sollen.  Wem bringt das was?

Ilona:
Mein Verständnis hält sich auch in Grenzen.

Ich denke an diejenigen, die noch leben könnten, weil Operationen oder Behandlungen wegen der Freihaltung von (Intensiv-)Betten zu lange verschoben wurden. 

Horst:
Populistischer aber wenig zielführender Aktionismus.
Das einzige was unsere Politik seit Monaten zu bieten hat.

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