10.Tag - 28.3.2026 Samstag: Die Summe der DingeEntgegen sonstiger Gewohnheiten gibt es auf dieser Südwest-Reise nur ein einziges Ziel in Utah und auf das würden wahrscheinlich bei der Vielzahl der tollen Felslandschaften dieses Bundesstaates die Wenigsten auswählen, den Snow Canyon State Park. Es gibt für mich 3 Gründe warum ich mich letztendlich für diesen Park entschieden habe. Erstens, ich kenne ihn noch nicht, zweitens er ist für mich auf dem Weg nach Nevada praktisch ohne Umweg (nur eine handvoll Meilen nördlich der Interstate bei St.George) sehr gut „mitzunehmen“ und drittens, er soll einen Mix aus Roten Steinen, erstarrter schwarzer Vulkanlava mit Lava-Höhlen und sogar Slotcanyons. Ich bin auf jeden Fall gespannt.
Der Park kostet erst mal stattliche 20$ Eintritt.

Der Snow Canyon State Park, an dem Viele ahnungslos auf der Interstate vorbeifahren, wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Wüstenlandschaft – rote Sandsteinfelsen, weite Ebenen, flirrende Hitze.

Doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine zweite, dunklere Seite des Parks und seine offensichtliche vulkanische Geschichte. Vor rund 27.000 Jahren ergossen sich hier Lavaströme aus vulkanischen Spalten, die die Landschaft bis heute prägen.

Schwarze Basaltfelder durchziehen den Park wie erstarrte Flüsse und bilden einen faszinierenden Kontrast zu den warm leuchtenden Navajo-Sandsteinen.
Diese Lava ist kein Relikt eines einzelnen Vulkanausbruchs, sondern Teil eines größeren vulkanischen Systems im sogenannten Great Basin. Die dünnflüssige Lava breitete sich weit aus, kühlte langsam ab und hinterließ bizarre Formationen: zerklüftete Oberflächen, Lavatunnel und scharfkantige Gesteinsbrocken.
Nach kurzem Studium der
Parkkarte, die man mir am Eingang mitgegeben hat, starte ich mit einem Rundtrail, der aus einer Kombination aus Hidden Pinion und Red Sands Trail besteht.
Am Anfang stapft man auf einem sandigen Trail nach Norden. Die Vegetation wird immer interessanter, Kakteen und ihre Blüten garnieren den Weg, ...

... der immer felsiger wird.


Vor mir blicke ich auf eine Anhöhe die sehr stark vulkanisch geprägt ist und mich gleich in ihren Bann zieht. Da hätte es mich auch hinaufgezogen wenn der Weg nicht dorthin geführt hätte, was aber der Fall ist.

Diese Anhöhe überrascht mit einer Art Lava-Hoodoos ...

... und diversen Felsgebilden die eindeutig vulkanisch geprägt sind ...

... und wie eine Armee aus roten Leibern und schwarzen Hüten diese Anhöhe verteidigt.

Nach etwa 90 Minuten bin ich zurück am Wrangler, fahre einen Steinwurf weiter und halte wieder an den Petrified Dunes.

Ein kurzer Spaziergang führt mich zu den gut von der Straße aus erkennbaren Felsen. Diese langgestreckten fließenden Felsen sind verfestigte Sanddünen, die vor Millionen Jahren zu Stein wurden und heute wie erstarrte Wellen wirken.
Besonders eindrucksvoll und vielleicht das Highlight im Snow Canyon State Park sind die Lavahöhlen. So freue ich mich besonders auf den Lava Flow Trail, den ich nach kurzer Fahrt weiter nach Norden erreiche.

Der Lava Flow Trail führt an drei zugänglichen Lavahöhlen vorbei, die beim Abkühlen der Lavaströme entstanden sind und heute einen direkten Einblick in die vulkanische Vergangenheit des Parks geben. Sie entstanden, als die äußere Schicht eines Lavastroms bereits erstarrte, während im Inneren noch glühendes Gestein weiterfloss – bis schließlich hohle Röhren zurückblieben.
Die erste Lavahöhle verkneife ich mir und das nicht nur, weil auf dem Weg dorthin ein verletzter Tourist auf einer Bahre an mir vorbeigetragen wird.

Der Blick in die Tiefe und die Vorstellung dort hinunter zu kraxeln hätte mich vor 20 Jahren sicher interessiert aber heute denke ich mir, lohnt sich das für ein schwarzes Loch für das ich eine Stirnlampe brauche um da unten meine Hand vor Augen zu sehen? Zudem ist die Verletzungsgefahr an dem scharfen Lavagestein nicht zu unterschätzen. Minimum würde ich mir wahrscheinlich meine Hose aufreißen – ich kenne mich …

So wundere ich mich ein bisschen über meinen Vernunftanfall (das ist nicht immer so) und gehe ich weiter zu Lavahöhle 2 die relativ klein ist und nur wenige Meter ohne Klettereinlage in die Tiefe geht.

Die ist wiederum natürlich kein Problem für Knochen und Hose.

Am interessantesten und ebenfalls weitestgehend einfach zu erleben, ist die dritte Lavahöhle.

Ein einfacher kurzer Abstieg führt zunächst in einen Lavakessel, in dessen Ende sich die Lava-Höhle versteckt.

Die Höhle selbst kann man dann vielleicht noch 15-20 Meter erkunden. Stirnlampe oder Handyleuchte sind notwendig - sonst kommt man nicht weit, da der Untergrund im Dunkeln liegt und man dann nicht sieht wo man hin steigt. Die erhöhten Wände sind aber ganz gut zu erkennen. Diesen Kessel mit der Höhle finde ich schon richtig cool und beeindruckend.

Lava-Wände

Auch auf dem Lava Flow Trail kann man gerade jetzt im Frühjahr viele Wüsten-Pflanzen entdecken und das trotz den harten Bedingungen der von Lava geprägten Umgebung. Ein Beleg dafür wie eng Zerstörung und Neuanfang in der Natur miteinander verbunden sind.
Übrigens - die Lava speichert die Hitze der Sonne und strahlt sie wieder ab, weshalb der Park gerade im Sommer eher noch etwas heißer empfunden wird als die Umgebung. So wäre der Sommer wohl nicht gerade die ideale Reisezeit für diesen Park. Die 32°C heute sind da Vorgeschmack genug.
Nochmal Kontrastprogramm im Snow Canyon: es geht auf der Parkstraße nach Süden zum Jenny's Canyon.
Gerade mal 5 Minuten ist man auf dem "Trail" unterwegs und steht schon vor dem Eingang der kurzen Schlucht.

Der ca. 80m lange Jenny's Canyon ist ein Slotcanyon wie aus dem Bilderbuch.

Die engen, vom Wasser geschliffenen Sandsteinwänden sind wirklich ein starker Kontrast zu den umliegenden Lavafeldern.

Besonders gut gefallen mir die wabenförmigen Auswaschungen von denen es hier jede Menge gibt.



Mein letztes Ziel im Park ist der Snow Canyon Overlook - der den Blick über die Bereiche des Parks schweifen lässt.
Der Snow Canyon State Park hat mich positiv überrascht und ist für jeden eine Empfehlung wert, der den Kontrast an rotem Sandstein und der schwarzen Lava zu schätzen weiß. Wer ausschließlich auf der Jagd nach roten Steinen ist, für den gibt es spektakulärere Schutzgebiete im Südwesten und gerade in Utah.
Der Snow Canyon State Park besitzt nicht die eine überragende Natursensation aber die "Summe der Dinge" macht einfach Spaß.
Der Overlook ist ein würdiger Abschluß sowohl meines Besuchs im Snow Canyon State Parks als auch des kurzen Abstechers nach Utah.
Von hier geht es über die Interstate 15 in einer Stunde zu meinem Übernachtungsziel in Mesquite, wo noch ein Lebensmittel-Einkauf im Walmart und eine Stippvisite des Casino-Hotel-Pools absolviert wird, bevor dann die Planung für die letzten Tage erfolgt.
Übernachtung: Virgin River Casino & Lodge, Mesquite