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Germanwings abgestürzt

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Rainer:

--- Zitat von: serendipity am 04. April 2015, 16:59:15 ---Von "Mord" zu sprechen, ist schon einmal von der rechtlichen Betrachtung vollkommen falsch.

--- Ende Zitat ---

Wie würdest Du es nennen, wenn jemand vorsätzlich und geplant jemanden (resp. 150 Menschen) tötet, um möglicherweise "ein Zeichen zu setzen"? Das ist der Stand der Ermittlungen und da sind einige Komponenten aus meiner (nicht-juristischen) Sicht "Mord".

Ob die offensichtlich vorliegende Krankheit für diese Handlung veranwortlich war, wird vielleicht nie geklärt werden, aber dass die Tat geplant und vorsätzlich war, das ist so gut wie bewiesen. Zu erdrückend sind die vorhandenen Beweise.

Also ganz so einfach finde ich das nicht und die Tatsache, dass die Ergebnisse "schnell" erfolgten, ist der guten Arbeit bei der Auffindung und Auswertung der Flugschreiber zuzuschreiben, sowie die Arbeit der Polizei vor Ort anzurechnen, die natürlich das hohe Interesse der Hinterbliebenen würdigen. Ich sehe nicht, wieso das die Qualität der Ermittlungen per se beeinflusst. Man hat sowohl den Voice Recorder wie auch den Flugschreiber auswerten können, man hat im privaten Umfeld Atteste gefunden, man hat  auf dem Tablet eindeutige Indizien für eine geplante Tat gefunden - es spricht nichts dafür, dass das keine vorsätzliche Tat war. Sie ist ganz sicher nicht ad hoc im Cockpit entstanden. Der Zeitpunkt hat sich ad hoc ergeben, aber nicht die Tat an sich.

Und ob es sich bei dem Motiv um ein "niederes" Motiv handelt, kann ich sowieso nicht beurteilen, ist Selbstmord (übrigens auch nicht "Selbsttötung" genannt) ein niederes Motiv? Und war das wirklich das Motiv, oder nur ein kollateraler und erwünschter Nebeneffekt? War das Motiv vielleicht doch, durch die Tat an sich ein (sinnloses) Zeichen setzen zu wollen?

Rein von der Tat und vom Ablauf her war das ganz klar Mord aus meiner Sicht. Es bleibt die schwierige Frage, inwiefern der CoPilot nicht zurechnungsfähig war.

Flicka:
So, die nächste Runde der Berichterstattung ist eröffnet. Schon vor ein paar Tagen hatte Spiegel Online unter Berufung auf Insider von Arbeitsbedingungen der Piloten berichtet und davon, dass psychische Probleme, ständige Übermüdung, Drogen- und Alkoholmissbrauch u.ä. bekannt seien, die Unternehmen die Piloten aber dennoch unter diesen Bedingungen arbeiten lassen würden.

Gerade eben wurde jetzt ein ähnlicher Artikel auf Platz 1 der Spiegel-Online-Website eingestellt.

Ich hatte ja eigentlich gedacht, man würde zumindest noch ein paar Tage warten, bis man die hässliche Diskussion um die Mitschuld von Germanwings lostritt.

DocHoliday:
SPON ist inzwischen wirklich endgülitg auf Bildzeitungsniveau angekommen. Der Artikel enthält null Fakten außer dass Pilot ein Beruf wie jeder andere ist, in dem Vorgesetzte manchmal Arschlöcher sind. Welche Überraschung!

Ich finde es echt zum Kotzen, dass jetzt plötzlich in der Mediendiskussion der Eindruck erweckt wird, in den Cockpits säßen nur alkohol- und drogenabhänige depressive Choleriker.

Ich kenne persönlich drei Menschen, die in der Lufftfahrt arbeiten. Einer meiner Cousins ist Pilot (Kapitän bei Germanwings, früher FO bei LH), ein Bekannter ist Fluglotse und eine weitere Bekannte ist Flugbegleiterin bei Air Berlin. Letztere findet den Job so schrecklich stressig und unmenschlich, dass sie gerade mit 40 nachdem sie 2 Kinder in die Welt gesetzt hat ohne wirtschaftliche Notwendigkeit wieder angefangen hat.
Von allen höre ich nichts anderes als das, was ich auch aus meinem Beruf an Druck und Stress mit den Vorgesetzten kenne.

Und die Tatsache dass potentielle Flugschüler und Piloten sich auf den psychologischen Test vorbereiten ist ja eine wahnsinnig bahnbrechende Erkenntnis. Es gibt glaube ich keinen einzigen relevanten Test, für den es keine Vornereitungskurse gibt. Das fängt beim "Idiotentest" für de Führerschein an, geht weiter mit dem Eignungstest fürs Medizinstudium, für den es schon Coaching und Trainingsmaterial gab, als er Nafang der 80er noch in der Erprobungsphase war und endet noch lange nicht beim Bewerbercoachoing für Vorstellungsgespräche in der Wirtschaft.
Außerdem: Was will uns der Artikel eigentlich sagen. Einerseits scheint er den Eigunugstest disqualifizeiren zu wollen, weil man ja dafür trainieren kann, andererseits wird gemeckert, dass es keine regelmäßigen psychologischen Tests gibt (als ob man sich darauf nicht auch vorbereiten könnte). Ja was denn jetzt?

Und auf diesem Niveau scheine inzwischen fast die gesamte Berichterstattung angekommen zu sein. Der meistinterviewte Man zum Absturz ist wahrscheinlich inzwischen der Pizzabäcker, bei dem der Co-Pilot öfter Pizza geakauft hat. der Mann ist inzwischen Experte für alles, vom Beziehungsstress über psychiatrische Diagnosen bis hin zu Charaktereigenschaften.  Quelle: Bildblog

Der Mann wurde inzwischen zitiert von Bild, RP-Online, Berliner Kurier, Stern, WZ, Hamburger Morgenpost, Express, Telegraph, Financial Times und wahrscheinlich noch einem Dutzend anderer "Zeitungen".
Pfui Teufel!
Als nächstes ist wahrscheinlich der Friseur als Kronzeuge dran,. dem die Freundin des Copiloten beim Haareschneiden was erzählt, hat, das die Welt unbedingt wissen muss.

Ach so: der SPON Artikel: Pilot: Der Alptraumberuf

Flicka:
Der erste "Versuchsballon", auf den ich mich oben bezogen habe, war vor ein paar Tagen zu finden, übrigens vom selben Verfasser:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/germanwings-psychische-probleme-werden-in-der-branche-verdraengt-a-1025983.html


Womöglich handelt es sich bei dem anonymen Insider aber auch bloß um den Pizzabäcker...  ::)

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