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Allgemeines => Reiseberichte => Thema gestartet von: Christina am 23. Juli 2026, 17:42:00

Titel: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 23. Juli 2026, 17:42:00
Damit ich noch vor meinem Finnland Urlaub im September fertig werde und als Kontrast zur roten Wüste und viel Natur bei Horst starte ich mal meinen Bericht über meine Rotterdam Reise. Wie immer erstmal mit dem bilderlosen Vorwort:


Ende 2025 war für 2026 die Algarve Reise im Januar / Februar und der Finnland Urlaub im September schon gebucht, beides Flugreisen mit Mietauto vor Ort, da fehlte nun noch etwas „Kleines“ zwischendrin. Schon länger war ich nicht mehr mit der Bahn verreist, daher stand das Transportmittel schnell fest.

Als Ziel wäre eine weitere Nordseeinsel mal wieder schön gewesen, aber da fand sich keine passende Zugverbindung, alle, die in einem Tag von zu Hause zu erreichen sind, habe ich wohl inzwischen schon gesehen, da muss ich zukünftig mal eine An- /Abreise mit Zwischenübernachtungen planen, das war mir für diese Reise zu aufwändig.

Ein Blick auf die Europa Karte bei Google Maps hat mich auf die Idee einer Städtereise in die Niederlande gebracht. Zweimal war ich schon in Holland, 2017 und 2019, Zeeland und Noord-Holland, beides als Autoreise mit vielen Kleinstädten und viel Küste. Da wäre eine reine Städtereise mit der Bahn doch mal eine Abwechslung.

Städte gibt es in Holland einige, Den Haag hatte ich schon länger im Hinterkopf, aber bei der Suche nach einer guten Bahnverbindung bin ich dann auf Rotterdam gestoßen und die moderne Architektur dort hat mich sofort angesprochen.

Eine Woche sollte der Urlaub dauern, ob das für Rotterdam zu viel ist, konnte ich nicht einschätzen, aber die Niederlande sind ja ein kleines Land mit guten Bahnverbindungen, da sind eine ganze Reihe von Tagesausflügen von Rotterdam aus möglich.

Als Reisezeit habe ich Ende April gewählt, eigentlich nicht mittig genug zwischen Februar und September, aber mit den Feiertagen im Mai und den danach schon beginnenden Sommerferien war das noch der einzige Zeitraum an dem ich Hoffnung auf eine noch nicht ganz volle Stadt hatte.

Dummerweise fiel mir erst nach der Buchung der Bahnfahrt auf, dass am 27.04. Königstag, ein Feiertag in den Niederlanden ist, gebucht war vom 21. - 28.04., hoffentlich werde ich den dann stattfindenden Feiern gut ausweichen können.

Gesehen hatte ich vor der Buchung, dass der Euromast (ein Aussichtsturm, von dem man über die ganze Stadt und das Umland blicken kann und für mich als Aussichtsliebhaberin ein Muss) gerade wegen Renovierung geschlossen war, die Neueröffnung war für Anfang des zweiten Quartals 2026 angekündigt– da waren also sogar noch ein paar Wochen Puffer für den Fall einer verspäteten Öffnung. Ab Mitte April habe ich dann immer mal wieder auf der Homepage bzw. Google Maps nachgeschaut – der Euromast war und blieb geschlossen. Och nee, wie ärgerlich. Ich habe dann nach möglichen Alternativen gesucht, mal sehen, wie zufrieden ich damit sein würde.


Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Horst am 24. Juli 2026, 10:05:16
Außer Amsterdam habe ich von Holland noch nichts gesehen und mit Rotterdam habe ich mich noch gar nicht beschäftigt.
Bin also mal gespannt wie die Stadt so aussieht. :)
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 24. Juli 2026, 14:15:29
Bin auch wieder mit an Bord  :adieu: und der Königstag soll eigentlich ganz interessant sein. Rotterdam bzw. fast die ganze Niederlande sind zudem Neuland für mich.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 24. Juli 2026, 18:30:26
Hallo Horst und Ilona, schön, dass ihr dabei seid, ich starte gleich mit dem Anreisetag.

1. Tag – Dienstag, 21.04. - 1. Teil

Den Anreisetag kann ich entspannt angehen. Mein Zug fährt um 7.20 Uhr vom Bahnhof nur 3 Minuten zu Fuß von zu Hause entfernt und ich habe eine Stunde Aufenthalt an meinem Umsteigebahnhof Frankfurt Flughafen, da werde ich den ICE, der mich bis fast nach Rotterdam bringen wird, auch bei Verspätung der Regionalbahn  ;) gut erreichen.

Diesen Puffer kann ich tatsächlich gut gebrauchen, der Zug fährt schon mit 10 Minuten Verspätung bei mir ab und im Laufe der Fahrt verlängert sich die Verspätung auf 25 Minuten, immer wieder bremsen uns vorausfahrende und kreuzende Züge aus.

In Frankfurt bleibt dann trotzdem noch genug Zeit damit ich mich bei einem Bäcker mit Proviant für die Fahrt versorgen, die Toilette nutzen und den recht weiten Weg zwischen Regional- und Fernbahnhof zurücklegen kann.

Der ICE mit Endziel Amsterdam verlässt Frankfurt dann pünktlich um viertel vor zehn. Die Fahrt ist sehr angenehm, der Zug ist ziemlich leer und ich habe ohne Reservierung einen 2er Sitz die gesamte Fahrt für mich allein.

Bei den Stopps in Siegburg/Bonn und Köln ist der ICE weiterhin pünktlich, kurz vor dem letzten Halt in Deutschland, Mönchengladbach, kommen wir aber wieder ins Stocken, natürlich wieder ein vorausfahrender Zug, der im Weg ist. Aus der Bummelei werden schließlich 20 Minuten Verspätung. Aber auch das ist kein Problem für mich, am zweiten holländischen Halt nach s’-Hertogenbosch, Utrecht muss ich umsteigen in den IC nach Rotterdam. Den ursprünglich vorgesehenen Zug erreiche ich nicht mehr, aber die Züge zwischen Utrecht und Rotterdam verkehren im 10 – 20 Minuten Takt.

Der Blick aus dem Fenster bei diesem Fahrtabschnitt vermittelt bei herrlichem Sonnenschein all die schönen Hollandklischees mit grünen Acker- und Wiesenflächen, jede einzelne umgeben von einem Entwässerungskanal, auf dem Wasservögel schwimmen, viele Kühe, viele Radwege und Radfahrer, eine Windmühle, und eine Autofähre, die einen etwas größeren Kanal überwindet.

Zwischenstopp ist in Gouda, das wäre ein möglicher Tagesausflug von Rotterdam, mal sehen, ob ich Zeit dafür finden werde.

14.45 Uhr erreiche ich schließlich Rotterdam Centraal. Hier erwartet mich noch eine kleine Herausforderung, in den Niederlanden sind alle Bahnhöfe nur für Ticketinhaber oder mittels Nutzung der contactless Kredit- oder Debitkarte, die dann auch als Fahrkarte dient, nutzbar. Das heißt, um einen Bahnhof zu betreten muss eine Schranke mit einem der genannten Mittel geöffnet werden und beim Verlassen wieder. Ich habe ja mein deutsches Bahnticket, das einen QR Code hat und diesen können nur einige wenige Schranken lesen. Scheinbar nutze ich die falsche oder es liegt daran, dass ich mein ausgedrucktes Papierticket nutze und nicht das Ticket auf meinem Handy, sie will sich jedenfalls nicht öffnen, aber dann kommt auch schon ein sehr hilfsbereiter Holländer vorbei und öffnet die Schranke für mich mit seiner Karte.

Wenige Meter weiter ist die nächste Schranke, die den Zugang zur Metro kontrolliert. Hier nutze ich problemlos meine Kreditkarte und fahre mit der Linie E / D bis zur Haltestelle Wilhelminaplein. Am Ausgang dort muss dann wieder mit der Kreditkarte ausgecheckt werden.

Nur fünf Minuten sind es zu Fuß von der Metrohaltestelle zum Hotel „Room Mate Bruno“, wo ich passend zur Eincheckzeit um 15 Uhr ankomme. Ich habe nur eine Person vor mir und das Einchecken verläuft schnell und problemlos (erwähne ich nur, weil es in einigen der Bewertungen anders beschrieben wurde).

Zunächst hatte ich ein anderes Hotel gebucht, dort hatte ich ein Zimmer mit Küchenzeile, also eigentlich genau das, was ich mag, aber halt ein recht „normales“, Hotel in einer „normalen“ Wohngegend und mit einer Stornierungsfrist von zwei Wochen, was mir eigentlich zu lang ist, da es ja nicht nur um eine Nacht geht, sondern um den nicht unerheblichen Gesamtpreis von 7 Nächten.

Bei der Suche war mir schon gleich ein anderes Hotel ins Auge gefallen, in einem ehemaligen Lagerhaus, kunterbunt modern eingerichtet, umgeben von einer Reihe von modernen Hochhäusern und am Wilhelminapier, der Stelle, von der in früheren Zeiten hunderttausende Europäer in Richtung Westen ausgewandert sind – das würde perfekt zu einer Reise in diese Stadt der Moderne und zu ihrer Migrationsgeschichte (und -gegenwart) passen. Leider war es aber deutlich teurer als mein ursprünglich gebuchtes Hotel (auf allen möglichen Vermittlerseiten und auf der Hotelhomepage). Im Laufe der Wochen habe ich immer wieder vor allem bei booking.com nachgeschaut, dort das Hotel immer wieder aufgerufen, mir die Bilder angeschaut und die neuesten Bewertungen durchgelesen und plötzlich, ungefähr vier Wochen vor Reisebeginn, sollte dieses Hotel genauso viel kosten wie mein gebuchtes, zusätzlich wäre noch Frühstück inkludiert, die Stornierungsfrist sollte nur eine Woche betragen und danach würden nur die Kosten einer Übernachtung anfallen – keine Ahnung ob das Zufall war oder ob das das System irgendwie „gemerkt“ hat – aber da habe ich natürlich sofort zugeschlagen und das andere Hotel storniert.

Nun bin ich also hier

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und gespannt auf mein Zimmer, denn als einziger Wehmutstropfen bei der Geschichte ist es (wie alle Einzelzimmer und auch die „normalen“ Doppelzimmer“) innenliegend, d.h. das Fenster zeigt auf den mit Glas überdachten Innenhof, also keine Aussicht und keine frische Luft. Im Zimmer bin ich aber sofort begeistert, gelbe Einrichtung, hohe Betondecke mit freiliegenden Balken, blaues Bad, großer Schrank, Kühlschrank, Wasserkocher, Kaffeemaschine und düster ist das Zimmer auch nicht, es fällt viel Licht durch das Glasdach, (morgens scheint sogar die Sonne herein) und ich habe einen Blick auf zwei der umliegenden Hochhäuser.

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Ich mache eine kurze Pause im Zimmer und schaue mir dann das Hotel genauer an, erst innen, dann von außen - wirklich toll, mal etwas ganz anderes.

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Die meisten Informationen, die ich über die vielen sehenswerten Gebäude in Rotterdam habe, stammen aus dem Buch „Architectural Guide Rotterdam“ von Anneke Bokern, einer deutschen Journalistin, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Architektur beschäftigt, der Guide wurde von ihr auf Englisch geschrieben, eine deutsche Fassung gibt es nicht. Auch mein Hotel wird in diesem Buch vorgestellt, offiziell heißt das Gebäude „Pakhuismeesteren“ und stammt aus dem Jahr 1941, die Umwandlung in ein Hotel und in die „Foodhallen“, die sich auch in diesem Gebäude befinden und durch einen Gang mit dem Hotel verbunden sind, erfolgte 2018 durch das belgischen Architekturbüro awg. Auf dem Gebäude befinden sich die Inschriften Celebes, Borneo, Java und Sumatra, diese wurden nach dem 2. Weltkrieg hinzugefügt und verweisen auf holländische Kolonien. (Auf meinen Fotos sieht man diese Inschriften leider nicht richtig, da habe ich die falsche Gebäudeseite fotografiert, stattdessen kann man aber die Gebäudebezeichnung in großen Buchstaben entlang des zweiten Stocks erkennen).

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 24. Juli 2026, 18:54:27
1. Tag – Dienstag, 21.04. - 2. Teil

Vom Hotel spaziere ich weiter, zunächst zur „Coffeecompany“ auf einen Cappuccino und ein Stück Kuchen (EUR 9,55),

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dann quer über die Halbinsel – ich bin begeistert, so viele moderne Gebäude, herrlich.

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Zunächst schaue ich hinüber auf die Halbinsel Katendrecht. Im Wasser dazwischen befinden sich schwimmende Häuschen, die kann man zur Übernachtung mieten und ein größeres Haus in dem sich ein Restaurant befindet. Auch in Katendrecht waren früher sehr viele Lagerhäuser, die nun nach und nach umgewandelt werden.

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Dann erreiche ich die Spitze vom Wilhelminapier mit dem Hotel New York. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1901 und beherbergte ursprünglich die Büros der Schifffahrtsgesellschaft Holland Amerika Lijn. 1977 zog die Gesellschaft in ein anderes Gebäude, das am Wilhelminapier bleib einige Jahre ungenutzt bis es 1993 zu einem Hotel umgebaut wurde. Zu diesem Zeitpunkt standen fast alle anderen Gebäude auf dem Wilhelminapier leer und die einzige Verbindung mit der Innenstadt war das Wassertaxi. Die Erasmusbrücke, über die man heute das Stadtzentrum erreicht, wurde erst 1996 eröffnet (heute gibt es zudem die Metroverbindung, die unter der Maas durchführt).

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Rechts hinter dem Hotel New York ragt das „Montevideo“ von 2005 empor, darin sind Apartments, ganz oben vom 41. bis 43. Stockwerk befindet sich ein Penthouse mit Dachterrasse und Swimmingpool. Auf dem Platz davor steht die Skulptur „L’Âge d’Or“ vom britischen Künstler Gavin Turk. Die „offene Tür“ wurde 2021 enthüllt und nimmt Bezug auf die Geschichte des Wilhelminapiers als Ausgangsort für die Auswanderung von Millionen von Europäern in Richtung Westen. (Die meisten meiner Infos zu den zahlreichen Skulpturen in Rotterdam stammen von der Internetseite von „Sculpture International Rotterdam“.)

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Einen kurzen Abstecher mache ich über die Rijnbrug (Fußgängerbrücke) hinüber nach Katendrecht, von der Brücke aus kann ich das Migrationsmuseum Fenix in einem ehemaligen Lagerhaus mit dem spektakulären Aufbau „Tornado“ sehen (dieses werde ich mir natürlich an einem der folgenden Tage noch genauer anschauen) und nochmal die schwimmenden Häuser zwischen Katendrecht und Wilhelminapier, sowie das „New Orleans“, ein 45 stöckiges Apartmenthaus von 2010, das zurzeit mit 158 m Höhe das zweithöchste Apartmentgebäude der Niederlande ist, das höchste „Zalmhaventoren“ mit 215 m liegt nur ein Stück entfernt am gegenüberliegenden Ufer der Maas (zu sehen auf dem Foto von der Erasmusbrücke).
Das Gebäude mit Spiegelfront links vom Fenix sind die Fenix Lofts von 2018. Ursprünglich war das mal (zusammen mit dem rechten Teil auf dem sich heute der „Tornado“ befindet) eines der größten Lagerhäuser der Welt, bis der Mittelteil 1947 niederbrannte. Im Erdgeschoss ist die Fenix Food Factory (Markt, Craftbierbrauerei, Essensstände).

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Nun geht es in Richtung Metrostation Wilhelminapier, interessant sind das schöne Mural und schon nach der Metrostation gelegen, der Gebäudekomplex aus vielen verschiedenen Formen und Farben mit dem Gerichtsgebäude und einem Einkaufszentrum.

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Noordereiland erreiche ich über die Koninginnebrug, von der man auf die Koningshavenbrug blickt, eine ehemalige Eisenbahnbrücke, die als Hebebrücke 1927 erbaut wurde. Sie ist nicht mehr in Betrieb, die Schienen verlaufen nun unter der Maas hindurch und sie sollte deshalb abgerissen werden. Die Rotterdamer Bevölkerung protestierte dagegen und nun bleibt sie als Kulturdenkmal erhalten.

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Noordereiland ist richtig idyllisch so zwischen all den modernen Bauten auf den beiden gegenüberliegenden Ufern. Es gibt Mehrfamilienhäuser aus rotem Backstein, alte Schiffe, die zum Teil zum Wohnen genutzt werden und tolle Ausblicke.

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Unter anderem kann man zwei weitere Gebäude auf dem Wilhelminapier von hier bewundern, das mächtige „De Rotterdam“, das aktuell das größte (vom Volumen, nicht der Höhe) Gebäude Hollands ist und links davon das „Toren op Zuid“ mit der schrägen Fassade vom bekannten italienischen Architekten Renzo Piano aus dem Jahr 2000.

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Von Noordereiland wollte ich eigentlich über die Willemsbrug und die Erasmusbrug in einer Runde zurück zum Wilhelminapier laufen, aber das ist viel zu weit für heute. Daher geht es auf dem bereits bekannten Weg von Noordereiland zurück zum Wilhelminapier.

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Gegenüber vom Hotel ist ein kleiner Albert Heijn Supermarkt, dort kaufe ich noch ein paar Kleinigkeiten für den Abend ein (auf ein Essen in den Foodhallen wie eigentlich angedacht habe ich jetzt doch keine Lust mehr) und bin gegen 18 Uhr wieder in meinem Zimmer.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 15°C
Kosten: 7 Nächte Hotel Room Mate Bruno EUR 775,47, inkl. Frühstück, gebucht über booking.com; Bahn zu Hause – Rotterdam – zu Hause, 2. Klasse, EUR 75,98, gebucht über die Bahn Website

Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Silv am 25. Juli 2026, 12:48:10
Auch wenn es ein Städtetrip ist, komme ich auch mit.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 25. Juli 2026, 14:03:02
Rotterdam verbindet man eher mit einem der größten Seehäfen der Welt und dem größten Tiefwasserhafen Europas. Dass man dort auch Urlaub machen kann - darauf wäre ich nicht gekommen :verlegen:. Aber der Norden ist ohnehin dein Revier :thumb:.

Die Villa Kunterbunt, also deine Unterkunft, gefällt mir sehr. Da hätte ich mich auch einquartiert.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?

In den Benelux-Ländern ist es teurer als bei uns.

Das kann man noch toppen: Diese Woche kam eine Reportage aus New York auf Galileo. Da kostet ein Cappu ab 10 $ aufwärts und das ohne Kuchen. Gut, dass ich kein Kaffeetrinker bin und um NY einen weiten Bogen mache.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 27. Juli 2026, 17:23:10
Auch wenn es ein Städtetrip ist, komme ich auch mit.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?

Schön, dass du dabei bist, ein kleines bisschen Natur gibt es auch, zwischendrin und dann am Ende.

Das ist dort normal, aber auch in Kopenhagen (schon vor ein paar Jahren) und in Finnland zahlt man das.

Rotterdam verbindet man eher mit einem der größten Seehäfen der Welt und dem größten Tiefwasserhafen Europas. Dass man dort auch Urlaub machen kann - darauf wäre ich nicht gekommen :verlegen:. Aber der Norden ist ohnehin dein Revier :thumb:.

Das kann man noch toppen: Diese Woche kam eine Reportage aus New York auf Galileo. Da kostet ein Cappu ab 10 $ aufwärts und das ohne Kuchen. Gut, dass ich kein Kaffeetrinker bin und um NY einen weiten Bogen mache.

In Rotterdam legen auch Kreuzfahrtschiffe an, da kann man dann mal für einen Tag in die Stadt hinheinschnuppern, vielleicht wäre das mal was für euch.

10$ ist dann wirklich viel, aber wer weiß, was man in ein paar Jahre bereit ist zu zahlen, wobei das für mich nur im Urlaub (fast) täglich üblich ist, im Alltag wird zu Hause Kaffee getrunken.  ;D
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 27. Juli 2026, 18:04:54
2. Tag – Mittwoch, 22.04 - 1. Teil

Um 8 Uhr bin ich im großen, hellen Frühstücksraum. Am Buffet gibt es die üblichen kalten und warmen Speisen. Viel los ist nicht, aber alleine bin ich auch nicht, also genau richtig.

Um 9.30 Uhr starte ich dann meine heutige Besichtigungsrunde zu Fuß direkt vom Hotel aus.

Es geht über die Erasmusbrücke, der Belag auf dem Fußgängerweg glitzert schön in der Sonne, leider ist das auf den Fotos nicht zu erkennen.

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Von der Brücke habe ich einen ersten Blick auf die Hochhäuser des Wilhelminapier: „De Rotterdam“ lässt sich in seinen Einzelheiten besser erkennen, als aus den gestrigen Perspektiven und aus dieser Entfernung ist das heutige Kreuzfahrtterminal mit seinen tollen Rundbögen (das Gebäude wurde 1946 – 1949 erbaut und diente damals schon als Schiffsterminal und zwar für die Holland Amerika Lijn, zu deren Hauptsitz im heutigen Hotel New York habe ich gestern schon etwas geschrieben) bestens zu erkennen, ebenso das „Las Palmas“, ein Lagerhaus aus dem Jahr 1953, mit dem außergewöhnlichen gerundeten Aufbau, der 2005 hinzugefügt wurde.

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Am anderen Maasufer ist die Anlegestelle der „Spido“ Schiffsrundfahrten zu sehen, dahinter das riesige Apartmenthochhaus „Zalmhaventoren“, auch dazu habe ich schon gestern etwas geschrieben. Rechts von der Brücke stehen entlang der Maas eine Reihe weiterer spektakulärer Hochhäuser, die ich mir an einem der folgenden Tage noch näher anschauen werde.

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Heute biege ich von der Brücke nach links ab und entlang der Willemskade mit Blick auf die jetzt gerade im Gegenlicht liegenden Häuser auf dem Wilhelminapier,

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erreiche ich, als völligen Kontrast dazu, den idyllischen „Veerhafen“ mit seinen historischen Schiffen.

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Nördlich und westlich davon liegt das sog. Schifffahrtsquartier, eines der Vorzeigeviertel Rotterdams mit herrlichen alten Villen, umgeben von großen parkähnlichen Gärten. Hier ist das moderne Rotterdam plötzlich ganz weit weg. Ursprünglich wohnten hier reiche Reeder und Händler, deren Herrenhäuser blieben von der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg, anders als das Stadtzentrum, fast vollständig verschont und daher bis heute erhalten. Auch heute wohnt hier nur, wer sehr viel Geld und Einfluss in der Stadt hat.

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Westlich dieses Viertels liegt Het Park, ein riesiger Park mit Seen und Kanälen und dem Euromast, wie ich schon im Vorwort schrieb, ist dieser zurzeit wegen Renovierung geschlossen.

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Am Rand des Parks gehe ich in Richtung Norden zum Tuin Schoonoord, einem kleinen, verwunschen wirkenden Garten mit verschlungenen Wegen, einem Meer von Bärlauch, Rhododendren, Farnen und Bäumen, gelesen habe ich davon erst gestern Abend in der Zeitschrift „Inside Rotterdam“, die im Hotelzimmer ausliegt.

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Vom Tuin Schoonoord sind es nur wenige Schritte bis zur nächsten grünen Oase, dem Museumspark. Hier sind einige der bedeutendsten Museen der Stadt versammelt, die ich mir heute aber nur von außen anschauen werde, das Wetter ist für einen längeren Museumsbesuch viel zu schön.

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Als erstes treffe ich auf das Naturhistorische Museum mit seinem modernen Anbau und einer Vogelskulptur davor.

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Daneben ist die Kunsthalle, da ist das Gebäude an sich schon einen Besuch wert, 1992 vom Stararchitekten Rem Koolhaas als eines seiner ersten Bauwerke entworfen, besteht es aus einer Material Mischung: Naturstein, Glas, Plastik, Stahl. Mein Foto zeigt leider nur einen kleinen Teil des Gebäudes.

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Dann komme ich zu einem Highlight meines Rotterdam Besuchs, dem Depotmuseum Boijmans Van Beuningen. Völlig faszinierend finde ich nicht nur das Gebäude an sich, das natürlich sowieso, sondern der Grund für den Bau: das Museum Boijmans van Beuningen, das sich nur wenige Schritte entfernt davon befindet, ist wegen Renovierung für mehrere Jahre geschlossen, die Kunstwerke müssen deshalb ausgelagert werden und statt dafür irgendeine Industriehalle außerhalb der Stadt zu mieten, hat man sich entschieden, einfach mal ein Depotmuseum zu errichten.

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2018 wurde mit dem Bau der silbernen Schüssel begonnen, verantwortlich das Rotterdamer Architekturbüro MVRDV, 2021 war es fertig. Davor steht eine bunte Skulptur von Pipilotti Rist, die sich ebenfalls in der Fassade spiegelt. Natürlich werde ich auch noch das Innere des Depots besuchen, heute lasse ich erstmal nur die Fassade auf mich wirken und mache eine längere Pause auf einer der Bänke in der Sonne. Ein paar Daten dazu: Höhe 39,5 m, Umfang unten 40 m, oben 60 m. Und ja, dass das mit den Bäumen, die von der Dachterrasse drüber schauen, wie eine Salatschlüssel aussieht, war den Architekten bewusst ;D.

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Direkt neben der Schüssel steht das Architektur- und Design Museum Het Nieuwe Instituut umgeben von einem kleinen See. Auch dieses ist architektonisch außergewöhnlich, besonders auffällig das Stahlgerüst, das einen gläsernen Korpus ummantelt und direkt daneben ein eher traditioneller Gebäudeteil aus rotem Backstein, Architekt wurde nach einem Wettbewerb, der hauptsächlich zwischen Rem Koolhaas und Jo Coenen ausgetragen wurde, letzter. Ich hoffe, dass ich im Laufe der Woche nochmal Gelegenheit haben werde, mir das genauer anzuschauen.

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Weiter geht’s vorbei am Chabot Museum. Diese Villa wurde 1938 als Wohnhaus für eine reiche Rotterdamer Familie gebaut im Stil des „Neuen Bauens“, ähnlich dem deutschen Bauhaus Stil. Besonderheit ist der abgerundete Balkon, das oberste Stockwerk wurde erst 1978 angebaut.

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Direkt daneben steht das Boevé Haus von 1931, ebenfalls im Bauhaus Stil (links auf meinem Foto). Hierin befinden sich heute Büros einer Bank.

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Das letzte Gebäude an dieser Ecke des Museumsparks ist das (zurzeit geschlossene) Museum Boijmans Van Beuningen, davor eine wunderbare Skulptur von Picasso und Carl Nesjar, die die 19-jährige Sylvette David im typischen Picasso Stil darstellt.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 27. Juli 2026, 18:58:51
2. Tag – Mittwoch, 22.04. - 2.Teil

Ich überquere den idyllischen Westersingel, auch er mit Skulpturen „aufgepeppt“.

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Ab hier wird es dann wieder städtischer. Zunächst gehe ich die Witte de Withstraat entlang, wurde hier ehemals mit Drogen gedealt und dem illegalen Glücksspiel nachgegangen, reihen sich heute Kneipe an Kneipe aneinander, unterbrochen von Galerien und kleinen Lädchen und einem interessanten Mural an einem Fitnessstudio, man kann sich mittels in die Mauer eingelassener Metallbügel auf die Hände der unteren Figur stellen und wird damit Teil des Murals – leider war gerade kein Passant dort, der das gemacht hätte und ich hatte ja niemanden, der mich fotografiert.

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Die Witte de Withstraat mündet in die Schilderstraat und diese in den Leuvehaven mit dem Maritiem Museum und seinen alten Booten, Kränen und Maschinen, im Hintergrund die Hochhäuser des modernen Rotterdam. Auch hier darf die Kunst nicht fehlen: das „hängende Pferd“, das heute leider nicht am Kran hängt, sondern am Boden steht.

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Ernster wird es auf dem Platz vor dem Museum mit der Skulptur „Die zerstörte Stadt“ von Ossip Zadkine aus dem Jahr 1951, das das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte Stadtzentrum symbolisieren soll, eine Stadt, deren Herz herausgerissen wurde. Rotterdam wurde am 14. Mai 1940 von den Deutschen bombardiert, die zuvor die Niederlande überrannt hatten mit dem Ziel der Kontrolle über die Maas- und Rheinbrücken. Rotterdam wurde vor die Wahl gestellt Kapitulation oder Bombardierung, die Stadt wählte die Kapitulation, aber aufgrund von Kommunikationsproblemen innerhalb der deutschen Armee kam es dennoch zur Bombardierung, die über 800 Menschen das Leben kostete und die Innenstadt bis auf einzelne Gebäude völlig zerstörte.

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Am Churchillplein steht „Cascade“, eine Skulptur vom Atelier Van Lieshout aus dem Jahr 2010. Sie zeigt 18 Ölfässer verbunden durch menschliche Figuren und soll auf begrenzte Rohstoffbestände hinweisen, den Bankrott der Konsumgesellschaft symbolisieren.

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Mitten im großstädtischen Verkehrsgewühl treffe ich auf ein kleines Stück des alten Rotterdam, Het Schielandshuis ist heute eines der ältesten Gebäude Rotterdams, erbaut im 17. Jh. von der damaligen Verwaltung von Schieland, als Versammlungsort und als Gästehaus, Napoleon und Alexander der Große haben darin übernachtet. Das Haus gehört seit 1840 der Stadt und erfüllte schon verschiedene Funktionen, zurzeit sind Büros darin untergebracht.

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Bald stehe ich am „Koopgoot“ (=“Einkaufsgulli“) von 1991, dem Zugang zu einer Passage mit der der mehrspurige Coolsingel unterquert werden kann, gleichzeitig Einkaufszentrum und Metrostation.

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Daneben die Börse von 1940, 1987 wurde das grünliche, ellipsenförmige Hochhaus des World Trade Center in die Haupthalle der Börse integriert.

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Das Gebäude wurde kürzlich im Inneren renoviert (auch davon lese ich gestern Abend in der im Hotelzimmer ausliegenden Zeitschrift), ich gehe einfach mal rein, mal sehen wie weit ich komme. Schon der Zugang ist außergewöhnlich, über Rolltreppen, die sich der Treppenform anpassen und zwischendrin zum ebenen Laufband werden. Die goldenen Handläufe nehmen das Design (goldfarben und gebogen) aus dem Inneren des Gebäudes auf. Ich kann den nüchternen Eingangsbereich betreten und erreiche über eine weitere Rolltreppe einen Übergang unter dem Dach von dem ich einen Blick in die wunderbare Haupthalle werfen kann mit den bogenförmigen Trägern, den runden Öffnungen und den goldenen Türen. Weiter komme ich dann nicht, am Ende des Übergangs braucht man eine Türkarte. Ebenso unten, da findet eine Art Messe statt. Aber ich erspähe ein Toilettenschild, dem ich folge und kann dann die schönen, sauberen Toiletten hier nutzen.

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So erleichtert mache ich mich auf den Weg zur nicht weit entfernt liegenden Markthal, das Mittagessen ruft. Die Markthal von 2014 gehört zu den bekanntesten Bauwerken des modernen Rotterdam, sie wurde wie das Depotmuseum vom Architekturbüro MVRDV gebaut. Im Inneren befinden sich auf Straßenebene Restaurants bzw. Essenstände und in mehreren Untergeschossen Geschäfte und eine Tiefgarage. In die Bögen sind 228 Apartments integriert, die meisten davon haben Fenster ins Innere der Markthal und zur Straßenseite einen Balkon. Die Innenseite ist mit dem Gemälde „Horn des Überflusses“ der Rotterdamer Künstler Arno Coenen und Iris Roskam ausgeschmückt: digital auf Aluminiumplatten gedruckt „hängen“ riesige Früchte, Pflanzen und Tiere an Wänden und Decke. Leider ist recht deutlich zu sehen, dass die hohen Standmieten zu Leerständen führen, sehr schade, diesem Gebäude hätte ein lebhafteres Innere gebührt. Ich entscheide mich für den Stand eines Griechen, da er eine Dachterrasse mit Sitzmöglichkeiten hat, im Stehen essen kommt für mich bei so einer anstrengenden Stadtbesichtigung nicht in Frage und von der Terrasse hat man nochmal einen besseren Blick auf und aus der Halle.

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Nachdem ich meine Pita gegessen und mich ausreichend ausgeruht habe, hole ich noch Wassernachschub in einem der Geschäfte und verlasse dann die Markthal.

Außen fällt sofort die Metrostation Blaak mit ihrem futuristischen Dach ins Auge.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 27. Juli 2026, 20:27:04
2. Tag – Mittwoch, 22.04 - 3. Teil

Außen fällt sofort die Metrostation Blaak mit ihrem futuristischen Dach ins Auge.

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Und gleich daneben treffe ich schon wieder auf ein architektonisches Highlight der Stadt, die Kubus Häuser und der angrenzende Blaaktower (auch Bleistift genannt), beide vom Architekten Piet Blom aus den 1980iger Jahren.

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Es sind viel mehr Kubushäuser als ich dachte, eigentlich ist das ein Kubushaus-Dorf mit begrünten Plätzen dazwischen mit Sitzgelegenheiten und einem Café.

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Die Verbindungsgänge zwischen den Häusern sind zugleich eine Brücke, die die mehrspurige Blaak überquert und zum Alten Hafen führt.

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Insgesamt sind es 41 Kubushäuser, drei davon extra groß, die beiden großen am Südende des Komplexes beherbergen das Stay OK Hostel. Jedes der Häuser besteht aus einem sechseckigen „Stamm“, der als Stauraum dient und der mehrstöckigen „Baumkrone“.

Erfreulicherweise ist eines der Häuser als Museum eingerichtet, das schaue ich mir natürlich an (EUR 3,50). Ein bisschen muss ich warten, bis ich das Haus betreten darf, es dürfen nämlich immer nur wenige Personen gleichzeitig hinein, denn die Baumkrone ist doch recht eng. Es gibt mehrere Stockwerke, in jedem Stockwerk ist nur Platz für ein Zimmer. Die Etagen sind über eine enge und steile Treppe zu erreichen, das Minibad befindet sich auf einer Zwischenetage ohne Fenster. Wirklich ein geniales Bauwerk, aber wohnen würde ich darin ganz sicher nicht wollen, das wäre mir zu eng, zu steil, im Sommer viel zu heiß (Klimaanlagen gibt es nicht), zu laut (wie gesagt stehen sie über einer mehrspurigen Straße und auf der vermeintlich ruhigen Seite zum Alten Hafen sind eine ganze Reihe von Restaurants, vor denen es an warmen Sommerabenden sicher sehr laut wird). Und einen Balkon hat man auch nicht. Dennoch sind laut den Informationstafeln bzw. der Website alle der Kubushäuser bewohnt.

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Ich schaue mir die Kubushäuser von allen Seiten an. Dabei mache ich auch einen Abstecher zum Alten Hafen mit seinen historischen Booten und dem „Witte Huis“, das 1898 als es erbaut wurde mit 45 m das erste Hochhaus in Europa war. Die Architekten ließen sich dabei von den Skyscrapern, die sie auf ihren Reisen durch die USA gesehen hatten, inspirieren.

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Dann gehe ich zurück ins Stadtzentrum zur Sankt Laurentiuskirche. Auf dem Weg treffe ich auf eine weitere Skulptur, einen verdrehten Fuß (es sind eigentlich zwei Füße nicht weit voneinander entfernt, den zweiten habe ich wohl übersehen). Die Skulptur nennt sich „Alle sind tot außer uns“ von Ben Zegers aus dem Jahr 2020 und soll Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt miteinander verbinden (die Binnenrotte wo sich die Füße befinden, ist der Ursprung der Stadt) und die Einwohner auffordern, jederzeit das Beste aus der Stadt herauszuholen. Hm, da muss ich zugeben, dass ich den Titel nicht Einklang mit dieser Interpretation kriege.

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Nun aber zur Kirche. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1449 zurück, damals katholische Kirche, ist die heute einzig verbliebene Kirche im gotischen Stil die Gemeindekirche der Rotterdamer Protestanten, dient gleichzeitig aber auch als Veranstaltungsort und Museum, eine sehr schöne Idee wie ich im Hinblick auf die immer weniger werdenden Gottesdienstbesucher finde.

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Ich entrichte die Eintrittsgebühr von EUR 7,50 und steige als erstes auf den Turm der Kirche. Da der Euromast als Aussichtsturm wegfällt (siehe Vorwort) ist das die einzige Möglichkeit Rotterdam „von oben“ anzuschauen (abgesehen von irgendwelchen Bars oder Restaurants, bei denen völlig unklar ist, ob und wann sie geöffnet sind). Und der Aufstieg über eine sehr schmale und steile Treppe, bei der ich sehr froh bin, dass mir niemand entgegenkommt, lohnt sich absolut auch wenn der Turm niedriger ist als viele der modernen Hochhäuser.

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Das Innere der Kirche schaue ich mir auch noch, wenn auch die Turmbesteigung zugegebenermaßen der Hauptgrund für meinen Kirchenbesuch ist. Praktischerweise gibt es eine Toilette im Keller der Kirche, die nutze ich auch noch.

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Zwischen Kirche und Kanal befindet sich das „Städtische Podium“ das wohl hin und wieder als Bühne für Theateraufführungen genutzt wird, an einem sonnigen und warmen Tag wie heute bietet es nette Sitzmöglichkeiten.

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Auf meinem weiteren Weg komme ich am „schönsten McDonalds der Welt“ vorbei: goldfarbene und gläserne Wände und eine stählerne Wendeltreppe im Inneren. Das Bauwerk von 2015 erlangte zahlreiche Designpreise.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 27. Juli 2026, 20:50:59
2. Tag – Mittwoch, 22.04. - 4. Teil

Die Stadthalle von 1920 im Beaux Arts Stil gehört zu den Gebäuden, die die Bombardierung des Zweiten Weltkriegs überstanden haben.

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Nun habe ich ein paar Ziele hinter dem Hauptbahnhof auf dem Plan. Das erste ist oder besser gesagt sollte sein, der Luchtsingel. Das ist eine hölzerne Konstruktion, teilweise mit Crowdfunding Mitteln, teilweise mit städtischer Förderung gebaut, die die Bahngleise als Fußgängerüberführung überquert und unter anderem einen Zugang zum Dachpark Hofbogen ermöglicht. Schon von weitem sehe ich aber, dass auf dem Treppenzugang komische Typen herumturnen, da verzichte ich lieber auf eine Besichtigung. Der Dachpark ist im Übrigen sowieso längerfristig geschlossen, das habe ich bei meiner Reisevorbereitung festgestellt. Bei diesem Park handelt es sich um eine Begrünung der ehemaligen Hochtrasse der Straßenbahn, die schon vor längerem stillgelegt wurde. Warum dieser Park geschlossen ist, konnte ich nicht rauskriegen.

Aber ich kann unterhalb der ehemaligen Hochtrasse entlang gehen, in den sog. Hofbogen sind Geschäfte, Cafés und Restaurants eingezogen.

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In ehemals leerstehende Büros und Fabriken sind Künstler und sonstige Kreative eingezogen.

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So richtig wohl fühle ich mich aber nicht, so dass ich die Gegend recht schnell verlasse und ins benachbarte Provenierswijk wechsle. Nur wenige Schritte und man ist in einer anderen Welt: altehrwürdige Backsteinhäuser, Kanäle mit viel Grün drumherum, ein paar Restaurants, die bereits genannte Zeitschrift in meinem Hotelzimmer bezeichnet das Viertel als Klein-Paris, so weit würde ich dann doch nicht gehen, aber es ist auf jeden Fall eine unerwartete Oase der Ruhe direkt hinter dem Hauptbahnhof.

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So langsam geht es nun auf den Rückweg in Richtung Hotel. Ich durchquere den Hauptbahnhof, natürlich mit ein -und auschecken mittels Kreditkarte durch die Sperren (es kostet aber nichts, wenn man sich nur eine kurze Zeit im Bahnhof aufhält, um z.B. jemanden abzuholen, etwas einzukaufen oder wie ich, einfach durch zu gehen) und schaue mir dann den Vorplatz und das Bahnhofsgebäude von außen genauer an.

Wie nicht anders zu erwarten in dieser Stadt der modernen Architektur ist auch die Centraal Station ein architektonisches Highlight mit ihrem dreieckigen Dach aus Stahl und Holz. Eröffnet wurde das Gebäude 2014, sehr schön finde ich, dass in Erinnerung an den Vorgängerbau von diesem der Schriftzug Centraal Station und die große Uhr an der Glasfassade des Eingangsbereichs übernommen wurde.

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Seit 2023 steht auf dem Platz vor dem Bahnhof die Skulptur „Moments Contained“ vom Thomas J. Price. Vier Meter hoch ist die junge Schwarze aus Bronze, die äußerlich unbeeindruckt, durch die geballten Fäuste in den Hosentaschen aber ihre Anspannung zeigt, die sie aufgrund ihrer Andersartigkeit empfindet. Die Skulptur will einen Moment, eine Möglichkeit für Verständnis, Verbindung und Empathie zeigen.

Links des Bahnhofsgebäudes steht das Groothandelsgebouw aus den 1950igern Jahren. Es war eines der ersten Gebäude, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Rotterdam errichtet wurden und ist inspiriert von amerikanischen Bauwerken aus dieser Zeit. Zu Beginn wurde es von 150 Firmen mit insgesamt 5000 Angestellten genutzt, die ihre bisherigen Büroräume durch die Bombardierung verloren hatten. Aufgelockert wird die Betonfassade durch die kleinteiligen Fenster und die verschnörkelten Balkonbrüstungen.

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Einen Kontrast dazu bildet das Gebäude rechts vom Bahnhof, das „Delftse Poort“ mit seinen zwei Türmen mit einer völlig schmucklosen Glasfassade. Erbaut wurde es von 1988 – 1991 und war mit 151 m Höhe bis 2009 das höchste Gebäude der Niederlande. Auch hierin sind Büros untergebracht.

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Nun folge ich dem Westersingel / Mauritsweg wo ich am Calypso Gebäudekomplex aus dem Jahr 2013 vorbeikomme, Apartments und Büros befinden sich in den silberfarbenen und roten Gebäuden mit einer Art Zig-Zag Fassadengestaltung. Am äußersten Rand steht die Pauluskirche aus braunen Kupferplatten, sie soll an einen Felsbrocken erinnern, der von einem Berg heruntergefallen ist.

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Das Restaurant /Café „Bagels and Beans” lacht mich an, eine Kaffeepause habe ich nun dringend nötig. Nach einem Flat White und einem Stück Cheesecake (EUR 10,00) bin ich wieder fit für die letzte Etappe des Tages.

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Entlang des etwas tiefer als das übrige Straßen Niveau liegenden Westersingel (den ich schon heute vormittag vom Museumspark kommend an anderer Stelle überquert habe) sind eine Reihe von Skulpturen aufgestellt. Leider etwas von mir vernachlässigt, schaut dahinter eines der bekanntesten Gebäude Rotterdams hervor, das Café de Unie von 1925. Wobei, es ist gar nicht das Café de Unie, dieses stand ein paar Straßen weiter und wurde bei der Bombardierung 1940 zerstört. 1986 wurde es an der heutigen Stelle nachgebaut. Architekt war J.J.P. Oud, ein Mitglied der Künstlergruppe De Stijl zu der unter anderen auch der Künstler Piet Mondrian gehörte und an dessen Gemälde erinnert es auch deutlich mit seinen Blöcken in Primärfarben.

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Am Eendrachtsplein stoße ich auf die weithin bekannte Skulptur des Santa Claus des amerikanischen Künstlers Paul McCarthy aus dem Jahr 2001. Das Sex Spielzeug in seiner rechten Hand führte zu einer riesigen Debatte in und sogar außerhalb der Niederlande, die Skulptur wurde von einem Platz zum anderen gebracht, bis sie schließlich einige Jahre im Museum Boijmans Van Beuningen verbrachte. Seit 2008 zeigt sie sich wieder der Öffentlichkeit auf dem Eendrachtsplein.

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Ich folge dem ruhigen Westersingel bis ich mit der Willemskade wieder die Maas erreiche. Der Wilhelminapier und die Erasmusbrücke zeigen sich nun im perfekten Nachmittagslicht.

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Nun noch über die Brücke und gegen 17.30 Uhr bin ich zurück im Hotel.

Nach einer kurzen Pause gehe ich noch zum kleinen Supermarkt gegenüber und hole mir etwas zum Abendessen.

Ich möchte die Erasmusbrücke und die umliegenden Gebäude auch bei Dunkelheit sehen, dämmrig wird es aber erst ab 21 Uhr, jetzt kann ich mich nicht mehr aufraffen und nochmal rausgehen, das verschiebe ich auf einen der kommenden Tage.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 6° - 16°C
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Horst am 28. Juli 2026, 07:17:14
Irgendwie erinnern mich Deine Fotos ein bisschen an Chicago (Wolkenkratzer, Fluß, Kunst-Plastiken) fehlt eigentlich nur die berühmte Hochbahn.
Aber ich muss sagen ich bin überrascht was Rotterdam alles bietet. Tolle vielseitige Architektur, die Plastiken finde ich cool und die Stadt erscheint mir sehr fotogen - gefällt mir wirklich gut. :D
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 28. Juli 2026, 16:49:38
In Rotterdam legen auch Kreuzfahrtschiffe an, da kann man dann mal für einen Tag in die Stadt hinheinschnuppern, vielleicht wäre das mal was für euch.

Ich weiß, aber gehe nicht davon aus, dass wir die Stadt im Rahmen einer Kreuzfahrt besuchen. Zudem wahrscheinlich erst, wenn wir mal im (Un-)Ruhestand sind.

Nun zum aktuellen Reisetag:

Kunst ist in Rotterdam ein sichtbares Thema, denn selbst der Cheesecake war ein buntes Kunstwerk :thumb:.

Die Architektur begeistert mich und hier vor allem die Kubushäuser.

Nicht zu vergessen ist das Kaiserwetter  :strahl:, wenn auch mit kühleren Temperaturen. So ohne Regenjacke und -schirm ist eine Reise doch viel schöner.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 28. Juli 2026, 17:34:29
Ein paar Bilder wurden beim Tagesbericht 22.04. nicht angezeigt, ich habe sie bei einem anderen Bilderhoster mal hochgeladen, mal sehen, ob es jetzt klappt:

Veerhafen:

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/qhvtc2ct.jpg)

Depot Museum:

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/73awzm6f.jpg)

Markthal:

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/gm65fxhu.jpg)

Kubus Häuser:

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/q6k9po6v.jpg)

Die Metrostation Blaak (wurde gar nicht angezeigt):

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/fznnthst.jpg)

Blick von der Laurentius Kirche:

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/royqzuv3.jpg)

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/xdrm5u9r.jpg)

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/ei3evk8s.jpg)

Café de Unie:

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/ldekwa7x.jpg)

Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 28. Juli 2026, 17:42:28
Das funktioniert viel besser, das ist jetzt directupload.eu, bisher habe ich postimages.org genutzt, der ist zum Hochladen und Anzeigen sehr komfortabel, aber funktioniert offensichtlich beim Verlinken nur fehlerhaft.

Horst, du nutzt pic-upload, da kann man (oder jedenfalls ich) kostenlos nur 20 Bilder hochladen, aber vielen Dank für die Unterstützung.


Nicht zu vergessen ist das Kaiserwetter  :strahl:, wenn auch mit kühleren Temperaturen. So ohne Regenjacke und -schirm ist eine Reise doch viel schöner.


Oh ja, das herrliche Wetter konnte ich nach dem verregneten Algarve Urlaub ganz besonders genießen.

Irgendwie erinnern mich Deine Fotos ein bisschen an Chicago (Wolkenkratzer, Fluß, Kunst-Plastiken) fehlt eigentlich nur die berühmte Hochbahn.


Chicago war ich noch nicht, aber was ich davon schon in Berichten / Fotos gesehen habe, könnte tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit bestehen, allerdings ist Rotterdam natürlich viel kleiner.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 28. Juli 2026, 18:49:54
Prima, jetzt sind die Bilder zu sehen  :thumb:.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Silvia am 28. Juli 2026, 19:15:37
Also Rotterdam zeigst du uns ja von seiner schönsten Seite ... mir ging es wie Ilona verband Rotterdam nur mit dem Hafen.

Diese Stadt hat wirklich viele Facetten (dein Hotel find ich auch super  :beifall: )
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 29. Juli 2026, 17:29:59
Also Rotterdam zeigst du uns ja von seiner schönsten Seite ... mir ging es wie Ilona verband Rotterdam nur mit dem Hafen.

Diese Stadt hat wirklich viele Facetten (dein Hotel find ich auch super  :beifall: )

Hallo Silvia, freut mich, wenn ich was Neues zeigen kann.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 29. Juli 2026, 17:41:53
3. Tag – Donnerstag, 23.04. - 1. Teil

Nach so viel moderner Architektur gestern, soll es heute idyllischer werden. Ich mache einen Ausflug nach Dordrecht mit seiner typisch holländischen Altstadt.

Die Stadt mit 122.000 Einwohnern liegt 20 km südöstlich von Rotterdam und kann entweder in 15 min mit der Bahn oder in einer Stunde mit dem Wasserbus erreicht werden. Ich entscheide mich für letzteren, mit der Bahn kann ich überall fahren.

Die Ablegestelle des Waterbus in Rotterdam liegt an der Willemskade, direkt beim Auf-/Abgang zur Erasmusbrücke. Es geht also als erstes wieder vom Hotel über die Brücke, dabei sehe ich, dass am Wilhelminapier ein riesiges Kreuzfahrtschiff angelegt hat (Aida Perla), jetzt habe ich keine Zeit mir das genauer anzuschauen, sonst fährt mir der Wasserbus vor der Nase weg, aber vermutlich wird das Schiff auch noch heute Nachmittag, wenn ich zurück von Dordrecht komme, hier sein.

Ich nehme den Wasserbus um 9.30 Uhr und setze mich auf einen der wenigen Plätze im Freien, die meisten Sitze sind im Inneren, das ist kein touristisches Sightseeing Boot, sondern wird hauptsächlich von den Einheimischen als öffentliches Verkehrsmittel genutzt. Die Zahlung erfolgt dementsprechend wie überall in Rotterdam mittels einchecken mit der Kreditkarte (oder sonstiger Karte des öffentlichen Verkehrsunternehmens RET). Auf dem Boot wird dann nochmal kontrolliert, ob man eingecheckt hat, wenn nicht, kann man auch noch an Bord zahlen (aber nicht in bar).

Sehr frisch ist es heute Vormittag trotz wieder strahlendem Sonnenschein, da bin ich froh, einigermaßen windgeschützt zu sitzen, einige Holländer, die meist mit ihrem Fahrrad an einer der folgenden Haltestellen ein- oder aussteigen, sind in T-shirt und Shorts, da friere ich schon beim Anschauen.

Zu Beginn der Fahrt mache ich einige Fotos, es schwankt aber stark, dazu der Wind, daher lasse ich bald einfach nur die Landschaft von meinem Platz aus vorbeiziehen, ohne für Fotos aufzustehen.

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/lfptyi2d.jpg)

(https://s1.directupload.eu/images/user/260728/nuu6yfuy.jpg)

Dordrecht ist eine der ältesten Städte der Niederlande und hat eine große Bedeutung für die Geschichte des Landes: 1275 schlossen sich zwölf holländische Städte unter Wilhelm von Oranien zusammen und erklärten ihre Unabhängigkeit von Spanien, wozu sie bis dahin gehörten – die Geburtsstunde der Niederlande.

Um 10.30 Uhr legt der Wasserbus an der Merwekade am Rande der Altstadt an. Eine Reihe von Schafen begrüßt mich in der Stadt,

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dann bin ich auch schon mittendrin im klassischen Holland mit Kanälen, Ziehbrücken, wappengeschmückten Stadttoren und Giebelhäusern.

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Ich orientiere mich grob am ausgeschilderten Rundgang „Rondtje Dordt“, der mich zu den schönsten Ecken der Stadt bringt. Gemütlich bummle ich durch die Gassen und genieße Sonne, Ruhe (es sind fast keine anderen Leute unterwegs) und Idylle.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 29. Juli 2026, 17:55:58
3. Tag – Donnerstag, 23.04. - 2. Teil

Gegen Viertel nach 11 Uhr komme ich zur Grote Kerk mit ihrem unvollendeten Turm (EUR 4,00). Mit dem Bau der Kirche wurde wohl im 13. Jh. begonnen, das schöne Chorgestühl mit seinen kunstvollen Schnitzereien, die Szenen aus der Geschichte der Niederland zeigen, stammt aus dem 16. Jh.

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Nach dem Rundgang durch die Kirche klettere ich auf den Turm. Er ist knapp 70 m hoch, bei dieser Höhe hatte man aufgehört weiter zu bauen, da sich der Turm bereits begann zu neigen. Fast 300 Stufen sind zu bewältigen, natürlich wieder auf einer schmalen und sehr engen Treppe. Die Aussicht ist herrlich, in der Ferne ist sogar die Skyline von Rotterdam zu erkennen, ich sehe oder ahne die Erasmusbrücke und das „De Rotterdam“.

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Die Dordrechter Hebebrücke, eine Eisenbahnbrücke ist zu sehen

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und natürlich die Gassen und Kanäle der Altstadt. Sehr erfreut bin ich, dass sowohl der Ausblick heute als auch der von der Laurentiuskirche gestern völlig frei ist von Gittern oder ähnlichem, da habe ich anderswo schon die ein oder andere Enttäuschung erlebt.

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Nach der Kirchenbesichtigung setze ich meinen Stadtrundgang fort, er führt mich nun in den belebteren Teil der Altstadt mit Geschäften und Restaurants.

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Zum Mittagessen wähle ich das Restaurant „Pancake District“, hier gibt es wie der Name schon sagt, Pfannkuchen in allen Varianten, ich wähle einen im Mediterranen Stil, dazu einen Smoothie (EUR 20,50).

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Nach dem Essen geht es weiter durch die Stadt,

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unterwegs kaufe ich noch zwei kleine Flaschen Wasser und besuche dann das Museum „Hof van NLD“ in einem ehemaligen Augustinerkloster, das der Geschichte der Stadt und der Niederlande gewidmet ist (EUR 20,00 als Kombiticket mit einem weiteren Museum in Dordrecht). Meine Erwartungen an das Museum werden leider nicht so ganz erfüllt, ich hatte auf die Darstellung der Geschichte der Niederlande in einem schönen / interessanten historischen Gebäude gehofft, aber es ist eher ein interaktives Museum für Jugendliche mit Schwerpunkt Bedeutung von Freiheit und Demokratie in den Niederlanden heute.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 29. Juli 2026, 18:02:59
3. Tag – Donnerstag, 23.04. - 3. Teil

Nach einer dreiviertel Stunde bin ich deshalb auch schon fertig und mache ich mich auf den Weg

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zum „Huis Gijn“, das zweite Museum im Kombiticket vom „Hof van NLD“. An diesem traditionell holländischen Haus bin ich heute Vormittag schon vorbeigekommen, jetzt geht es ins Innere. Das Haus stammt aus dem Jahr 1729, gezeigt wird der Zustand von 1922. Der Jurist, Banker und Sammler Simon van Gijn bewohnte das Haus mit seiner Frau von 1864 bis zu seinem Tod 1922. Van Gijn vermachte das Haus samt Einrichtung der Stadt mit der Auflage, es zu einem Museum umzuwandeln. Seit 1925 kann man nun erfahren, wie eine reiche holländische Familie in einem Stadthaus zum Ende des 19. Jh. lebte. (Ein Foto von der Fassade des Hauses habe ich leider nicht gemacht, kann man sich aber auf Google Street View anschauen, Nieuwe Haven 29-30.) Hier gefällt es mir richtig gut, ich mag es immer mal wieder in das Leben zu früheren Zeiten einzutauchen.

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Gegen 15 Uhr habe ich mir alles angeschaut. Das Café, das sich im Haus befindet kommt nun wie gerufen. Mit einem klassisch holländischen Apfelkuchen mit Sahne und einem Cappuccino setze ich mich in den schönen Museumsgarten und ruhe mich aus.

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Ein paar weitere Straßenzüge erkunde ich noch auf dem Rückweg zur Wasserbusanlegestelle Merwekade.

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Ich nehme das Schiff um 16.30 Uhr und bin eine Stunde später wieder mitten in den Wolkenkratzern von Rotterdam- was für ein Kontrast!

Am Wilhelminapier liegt immer noch die Aida Perla, unglaublich wie riesig das Schiff ist, vom schönen Las Palmas Gebäude mit seinem gerundeten Aufbau ist nichts mehr zu sehen.

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Ich mache eine Pause im Hotel und gehe gegen 20 Uhr nochmal raus, irgendwann möchte ich ja noch Fotos von der beleuchteten Brücke machen, habe aber Zweifel, ob ich die heute wegen des Riesenschiffs überhaupt von der Spitze des Wilhelminapier sehen kann. Und es ist so wie ich befürchtet habe, das ist nicht möglich, das Schiff ist viel zu groß, dazu ist auch noch weiträumig alles am Pier mit Gittern abgesperrt, man sieht nur den linken Teil der Brücke, aber nicht den „Schwanenhals“. Das sehen sicher einige anders, aber ich habe kein Verständnis dafür, warum solche riesigen Kreuzfahrtschiffe mitten in der Stadt anlegen und nicht wie alle anderen Schiffe dieser Größe außerhalb der Stadt im Hafen festmachen. Na ja, es wird hoffentlich noch Abende ohne Kreuzfahrtschiff geben.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 6 - 15°C
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 30. Juli 2026, 14:08:47
Die Fahrt nach Dordrecht mit dem Wasserbus erinnert mich an Kopenhagen. Dordrecht ist ein reizendes Städtchen mit Wasserwegen, die auch an Brügge oder Straßburg erinnern. Der Ausflug hat sich gelohnt :thumb:.

Die AIDAperla ist eigentlich kein Riesenschiff. Es fasst nur 3300 Passagiere. Bei unserer ersten Kreuzfahrt mit der nagelneuen MSC Euribia waren 6000 an Bord. Aber dennoch sind diese Pötte wie Kleinstädte. Ich hoffe, dir verstellte am nächsten Abend kein weiterer Dampfer die Sicht auf die beleuchtete Brücke.   
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 30. Juli 2026, 17:51:09


Die AIDAperla ist eigentlich kein Riesenschiff. Es fasst nur 3300 Passagiere. Bei unserer ersten Kreuzfahrt mit der nagelneuen MSC Euribia waren 6000 an Bord. Aber dennoch sind diese Pötte wie Kleinstädte. Ich hoffe, dir verstellte am nächsten Abend kein weiterer Dampfer die Sicht auf die beleuchtete Brücke.

Ich kenne mich mit Kreuzfahrtschiffen nicht so aus, aber ich fand die Höhe und Länge des Schiffs hier im direkten Vergleich mit den Hochhäusern dahinter enorm. 3300 Passagiere, das ist mehr als unser Dorf Einwohner hat.  :)
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 31. Juli 2026, 18:10:58
4. Tag – Freitag, 24.04. - 1. Teil

Nach dem Frühstück verbringe ich noch ein bisschen Zeit im Hotelzimmer, gestern Abend habe ich noch ein Ticket für das Migrationsmuseum Fenix (EUR 15,00) für den ersten Zeitslot des Tages um 10 Uhr gebucht und das Fenix liegt nur ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt.

Gegen halb zehn mache ich mich dann auf den Weg, ich werfe einen Blick zur Erasmusbrücke, die Aida Perla ist weggefahren, die Brücke wieder in voller Länge sichtbar.

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Dann gehe ich am Hotel New York vorbei (dazu habe ich im Bericht zum 1. Tag etwas geschrieben) und der Skulptur „Lost Luggage Depot“ vom kanadischen Künstler Jeff Wall aus dem Jahr 2001. Die Skulptur greift die Geschichte des Wilhelmina Pier als Ablegestelle der Schiffe der Holland America Lijn auf, mit denen über Jahrzehnte Millionen von Menschen Europa mit dem Ziel USA oder Kanada verlassen haben.

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Über die Rijnhavenbrug erreiche ich Katendrecht und das Fenix. Wie ebenfalls im Bericht zum 1. Tag schon geschrieben, befindet sich dieses in einem ehemaligen Lagerhaus und ist weithin erkennbar am seiner silbernen Skulptur auf dem Dach.

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Der „Tornado“ ist auch der Hauptgrund meines Besuchs, vom Museum selbst verspreche ich mir nicht so viel, sondern vermute, dass es inhaltlich und konzeptionell ähnlich sein wird wie der „Hof van NLD“ in Dordrecht gestern. Ich hoffe, dass ich mit meinem Ticket gleich zur Öffnungszeit des Museums eine Chance habe, den „Tornado“ ohne allzu viele anderen Besucher erleben zu können. Diese Hoffnung wird allerdings gleich geringer, als ich die Schulklasse sehe, die ebenfalls auf die Museumsöffnung wartet.

Pünktlich um 10 Uhr öffnen sich die Türen und schon beim ersten Blick nach oben bin ich begeistert, der „Tornado“ ist nicht nur eine Skulptur auf dem Dach, sondern „beginnt“ bereits im Gebäude.

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Als erstes muss aber natürlich mein Ticket gescannt werden, dann bekomme ich einen Aufkleber, der zeigt, dass ich mich berechtigterweise im Museum aufhalte. Ich stelle fest, dass anders als auf der Website des Museums ausgeführt, ein Ticketkauf auch vor Ort problemlos möglich ist (und auch kaum mehr Zeit in Anspruch nimmt, als das Scannen des vorab gebuchten Tickets).

Nun geht es aber „in den Tornado“, die silberfarbene „Schlange“ ist nämlich die Treppe bzw. mehrere freihängende Treppen, die aufs Dach führen. Im oberen Bereich ist der Aufgang mit einem Glasdach versehen, dann erreicht man die Dachterrasse.

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Die geschwungene Form und die spiegelnde Oberfläche der Tornadoskulptur ermöglichen viele wechselnde Blickwinkel auf die Skulptur selbst und die umgebenden Hochhäuser sowie den Himmel. Und erstaunlicherweise haben weder die Schüler noch die Mehrheit der sonstigen Besucher den Tornado als erstes Besuchsziel gewählt, außer mir sind nur wenige andere Personen hier oben und eine ganze Zeit lang habe ich die Dachterrasse sogar für mich allein. Und das genieße ich ausgiebig! Designt hat den Tornado Ma Yansong vom chinesischen Architekturbüro MAD.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 31. Juli 2026, 18:20:43
4. Tag – Freitag, 24.04. - 2. Teil

Auch wenn der Tornado der Hauptgrund für meinen Besuch des Fenix war, schaue ich mir nun natürlich auch noch die Ausstellungen an. Und die überraschen mich dann positiv. Das ist nicht vergleichbar mit dem gestrigen Museum und lohnt sich unbedingt. Ich beginne im zweiten Stock, wo sich im großen, hellen Loft des ehemaligen Lagerhauses die Ausstellung „All Directions“ verschiedener Künstler zum Thema Migration befindet.

Ein Künstler verbindet die afrikanische Tradition des Haareflechtens mit Rotterdam und stellt die wichtigsten Rotterdamer Bauwerke in geknüpfter Form dar,

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ein indischer Künstler hat ein Eisentor konstruiert, das sich halbstündlich von einer Wandseite zur anderen bewegt, was nicht nur zu einem lauten Knall führt, sondern die Wand jedes Mal ein bisschen mehr beschädigt – ein Symbol sowohl dafür, dass irgendwann jede Wand / Grenze bröckelt als auch für den Schmerz, den sich schließende Tore / Grenzen für Menschen bedeutet, die sie überqueren wollen.

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Eine Erinnerung daran, dass viele Einwanderer in Holland Putzjobs haben, ist der Vorhang aus Wischmopps einer italienischen Künstlerin.

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Bekannt ist das Pop Art Gemälde von Robert Indiana mit dem Wort Love.

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Und natürlich noch viele andere sehr eindrückliche Kunstwerke sind zu sehen. Auch auf diesem Stockwerk ist das Museumscafé mit Sitzgelegenheiten, da mache ich eine kleine Verschnauf- und Trinkpause, dann geht es ins Erdgeschoss, wo sich zwei weitere Ausstellungen befinden.

Zunächst schaue ich mir das „Kofferlabyrinth“ an: über 2000 Koffer hat das Museum überall auf der Welt gesammelt und die Geschichten der Eigentümer dazu. Einige dieser Geschichten kann man mittels Audioguide anhören (sogar auch auf Deutsch) – das ist richtig gut gemacht, sehr abwechslungsreich und mit gerade so viel Interaktion wie auch ich das noch mag ;): man sucht sich selbst die Koffer aus, deren Geschichte man anhören möchte.

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Abschließend besuche ich die dritte und letzte Museumsausstellung, die Fotoausstellung „Family of Migrants“, eine Sammlung von Fotos zum Thema Migration mit Bildern aus der Zeit von 1905 bis 2025. Sie ist inspiriert von der Fotoausstellung „Family of Man“, die ich zufälligerweise schon gesehen habe, 2010 in Clervaux in Belgien (Eröffnung dieser Ausstellung war 1955 im Museum of Modern Art in New York).

„Family of Migrants“ zeigt bekannte und bislang unbekannte Fotos, meist ist es schwere Kost, bei der ich hin und wieder ein paar Tränchen verdrücke, aber es gibt auch positive Bilder z.B. von Albert Einstein bei seinem Einbürgerungsschwur 1940 in den USA.

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Gegen zwölf Uhr verlasse ich das Museum – das mich unerwarteterweise ganz unabhängig vom „Tornado“ sehr begeistert hat.

Fürs Mittagessen finde ich am Deliplein gleich neben dem Fenix das Burgerrestaurant „Hamburg“, auf der sonnigen Terrasse stärke ich mich mit einem Burger mit Pommes und einem Ice Tea (EUR 22,00).

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In Katendrecht gibt es ein weiteres Museum, das ich auf meiner Liste habe, Tickets (EUR 17,50) für das Niederländische Fotomuseum können jederzeit vor Ort gekauft werden, also habe ich keinen Termindruck.

Auch dieses Museum befindet sich in einem ehemaligen Lagerhaus, der Umzug dahin erfolgte erst kürzlich. Das „Santos“ Gebäude in dem brasilianischer Kaffee gelagert wurde, stammt aus dem Jahr 1901 und war mit 24,5 m das höchste Lagerhaus der Stadt, nun wurde es mit einer „goldenen“ Dachkonstruktion noch um ein Stockwerk erhöht. Vom Deliplein sind es nur zehn Minuten zu Fuß zum Fotomuseum.

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Es werden die wichtigsten Stationen der Entwicklung der Fotografie vom ersten analogen Foto anfangs des 19. Jh. bis zur aktuellen digitalen Fotografie dargestellt und es gibt mehrere thematische Fotoausstellungen. Das Museum ist auch nationales Archiv für unzählige Fotos, die als bedeutsam für das Land angesehen werden (laut Homepage des Museums werden im Jahr 2028 wohl 7,5 Millionen Fotos aufbewahrt sein), auch dazu gibt es Informationen und man kann einen Blick in die Archive und auf die Arbeitsplätze der Archivare werfen.

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Eine der Ausstellungen zeigt Fotos von Rotterdam im Laufe der Geschichte, das gefällt mir richtig gut, aber es sind mir eigentlich schon zu viele Fotos, vielleicht bin ich auch nach dem vormittäglichen Museumsbesuch nicht mehr richtig aufnahmefähig.

Ich lasse daher eine ganze Reihe Fotos aus und widme mich noch der zweiten Ausstellung „Awakening in Blue“. Blau ist meine Lieblingsfarbe, das passt also schon mal. Es geht um Fotografie im weiteren bzw. historischen Sinn, nämlich mittels Cyanotypie, auch „Blaudruck“ oder „Sonnendruck“ genannt. Das Verfahren wurde 1842 entdeckt, dabei wird Papier (oder ein sonstiger Trägerstoff) mit einem lichtempfindlichen Eisensalz beschichtet, darauf werden z.B. Blätter oder sonstige Gegenstände gelegt und das Ganze dann dem Licht ausgesetzt. Das beschichtete Papier verfärbt sich blau, dort wo die Gegenstände gelegen haben, bleibt es weiß. (Zugegebenermaßen kannte ich die Cyanotypie nicht, sie wird aber wohl von (Hobby) Künstlern seit einigen Jahren wieder viel genutzt, das benötigte Material gibt es als Set im Bastelbedarf und das Internet hält viele Anleitungen bereit).

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Es ist viertel nach zwei und nun habe ich für heute endgültig genug Zeit in Museen verbracht, mehr kann mein Kopf nicht mehr aufnehmen.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 31. Juli 2026, 18:31:43
4. Tag – Freitag, 24.04. - 3. Teil

Und was hilft, um den Kopf wieder frei zu bekommen? Bei mir immer Sonne, Wind und Wellen und auch das kann Rotterdam bieten. In Sichtweite zum Fotomuseum ist die Metrostation „Rijnhaven“, mit der Linie D/E fahre ich zwei Stationen bis „Beurs“ und von hier mit der Linie B zur Endstation Hoek van Holland Strand – eine knappe Stunde nach Verlassen des Fotomuseums stehe ich am Nordseestrand.

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Klar ist das kein Strand inmitten unberührter Natur, es gibt viele Cafés und Restaurants, Strandhäuschen in denen man seine Sachen verstauen kann und Ferienhäuser (Beach Villas von Landal). Und in Richtung Süden blickt man auf die Maasmündung und den Rotterdamer Hafen. Lange Strandspaziergänge sind trotzdem möglich und wer gerne nach großen Schiffen Ausschau hält, ist auch an der richtigen Stelle. Ich gehe erst ein Stück nach Norden, dann nach Süden bis zur Maasmündung. Leider weht ein sehr starker und kalter Wind und im Wasser scheinen irgendwelche Algen oder chemische Substanzen zu sein, der Schaum sieht ziemlich unnatürlich aus. Ich warte einige Zeit darauf, dass ein Schiff die Maas hinauf oder hinunter fährt, verliere dann aber doch die Geduld und gehe schließlich in eines der Cafés, dort windgeschützt in der Sonne kann ich sogar im T-shirt draußen sitzen und meinen Cappuccino trinken. Wenn man mehr Zeit hat, kann man hier noch einiges entdecken, im Ort Hoek van Holland stehen zwei Leuchttürme und ein architektonisch interessanter Wohnkomplex, es gibt zahlreiche Weltkriegsüberbleibsel samt Museum und auch ein Naturschutzgebiet in den Dünen mit Spazier- und Fahrradwegen.

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Ich mache mich gegen 16.30 wieder auf den Weg zur Metrostation. Auf der Rückfahrt in die Stadt entscheide ich mich, an der Station Rijnhaven an der ich eingestiegen bin auch wieder auszusteigen und mich dort noch etwas umzuschauen. Das Stadtviertel Afrikaanderwijk, das an die Metrostation angrenzt ist bekannt für seine Murals, ein paar davon möchte ich mir noch anschauen. Dafür muss ich nicht weit gehen: die Metro fährt hier als Hochbahn und die Betonstützen sind bunt bemalt. An den Fassaden naher Mehrfamilienhäuser entdecke ich zwei weitere Wandbemalungen.

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Nun ruft endgültig das Hotelzimmer und ich spaziere gemütlich, vorbei an Fotomuseum und Fenix dorthin, ein paar Fotos unterwegs im schönen Nachmittagslicht müssen auch noch sein.

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Gegen 20 Uhr bin ich erholt genug, um nochmal rauszugehen, ich brauche noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt. Und etwas später möchte ich dann endlich zu meinen Fotos von der beleuchteten Brücke kommen. Um 20.50 Uhr bin ich an der Spitze des Wilhelminapier, aber leider ist es gerade einmal leicht dämmrig und es will einfach nicht dunkel werden.

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Ich spaziere ein bisschen herum und gegen 21.10 Uhr gehen dann endlich ein paar Lichter an.

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Ich harre noch bis 21.20 Uhr aus, dann reicht es mir, es weht ein eiskalter Wind und weil der Himmel so klar ist, wird es wohl nicht vor 22 Uhr dunkel sein, so lange will ich nicht mehr warten. Für die Nachtfotografie bin ich eindeutig zur falschen Jahreszeit hier, da kann ich mir vorstellen, in ein paar Jahren irgendwann zwischen November und Februar nochmal nach Rotterdam zu kommen.

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Um 21.30 Uhr bin ich wieder in meinem warmen Hotelzimmer.

Wetter: morgens Wolken / Hochnebel, dann sonnig, kalter Wind, ca. 3 - 15°C
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Susan am 31. Juli 2026, 20:28:01
Wir sind tatsächlich wieder im Lande  ;D

Ungewohnt warm hier  ;) da macht Reiseberichte (nach)lesen mehr Spaß als Bügeln. Rotterdam als Ziel konnte ich mir so gar nicht vorstellen, doch beim flüchtigen Drüberschauen gefällt mir doch so einiges dort. Werde jetzt etwas gründlicher schauen.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Silv am 01. August 2026, 11:32:53
Mir ist das natürlich wieder zu viel Stadt, aber der Tornado gefällt mir. Da hattest du ja Glück, dass du den für dich alleine hattest. So sind wirklich schöne Bilder zustande gekommen  ^-^
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Horst am 01. August 2026, 12:04:08
Tolle Stadt - tolle Fotos!
Hätte ich ehrlich gesagt vorher nicht über Rotterdam gedacht, dass die Stadt soo viel hergibt.
Eigentlich bin ich auch eher ein Kunstmuffel aber das was Du zeigst ist so kreativ und optisch ansprechend, dass das absolut ein Plus von Rotterdam zu sein scheint, selbst für mich.
Das Fenix mit dem Tornado ist spektakulär. Die "Geschichte der Koffer" finde ich cool und die zeigt, wie innovativ es in dem Museum und scheinbar auch in der Stadt zugeht.
Die Murals und die Wolkenkratzer am Wasser erinnern mich schon wieder an Chicago.  :))
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 01. August 2026, 13:59:51
Morgens in die Stadt und mittags an den breiten, hellen Strand. In Rotterdam ist was geboten.

Der Tornado begeistert mich natürlich auch. Da hätte ich mir sogar den Rest vom Museum angeschaut. So altes verstaubtes Museumsgut mag ich nicht, aber dieses ist modern.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 03. August 2026, 17:17:43
Wir sind tatsächlich wieder im Lande  ;D

Ungewohnt warm hier  ;) da macht Reiseberichte (nach)lesen mehr Spaß als Bügeln. Rotterdam als Ziel konnte ich mir so gar nicht vorstellen, doch beim flüchtigen Drüberschauen gefällt mir doch so einiges dort. Werde jetzt etwas gründlicher schauen.

Ich dachte schon, ihr kommt erst wieder zurück, wenn es hier wieder erträgliche Temperaturen hat ;D

Freut mich, dass du auch noch mit dabei bist.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 03. August 2026, 17:36:02
5. Tag – Samstag, 25.04. - 1. Teil

Auch heute habe ich es nach dem Frühstück nicht eilig loszukommen, mein erstes Ziel heute, das Museum Huis Sonneveld öffnet erst um 10 Uhr. Mit der am heutigen Samstag um diese Uhrzeit sehr leeren Metro

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fahre ich gegen 9.20 Uhr mit einmal Umsteigen zur Haltestelle Eendrachtsplein, von hier sind es nur ein paar Gehminuten bis zum Museumspark in dem auch das Huis Sonneveld liegt.

Ich bummle nochmal zum Nieuwe Instituut mit seinem Teich und der Skulptur darüber und dem Depotmuseum Van Beuningen daneben.

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Dann ist es 10 Uhr und das Huis Sonneveld öffnet.

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Ich kaufe mein Ticket (EUR 12,00), bekomme einen Audioguide und muss Plastiküberzieher über meine Schuhe ziehen. Der Fußboden der Räumlichkeiten des Museums soll geschützt werden, ist doch (fast) die gesamte Inneneinrichtung inklusive Fußbodenbelag im Original erhalten. Beim Huis Sonneveld handelt es sich nämlich um die Villa der Familie Sonneveld, erbaut 1933 im Stil des holländischen „Neuen Bauens“, ähnlich dem deutschen Bauhaus Stil. Architekt war das Büro von Brinkman en Van der Vlugt, das auch für die Inneneinrichtung verantwortlich war, die Möbel stammen überwiegend von der holländischen Marke Gispen. Herr Sonneveld war einer der Direktoren der Van Nelle Fabriek, die von Brinkman en Van der Vlugt designt worden war und er war davon so begeistert, dass er die Architekten auch für sein Wohnhaus beauftragte (von der Van Nelle Fabriek werde ich morgen mehr sehen).

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Man kann alle Räume in eigenem Tempo anschauen, zu jedem Zimmer gibt es mittels des Audioguides Erklärungen.

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Ich bin begeistert, sowieso mag ich den Bauhaus Stil sehr, auch die funktionale schnörkellose Inneneinrichtung (wobei es mir hier in einigen Räumen wie dem Gästezimmer

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aufgrund des Chroms und der glänzenden Oberflächen etwas zu karg und ungemütlich erscheint), dazu ist es für die 30iger Jahre eine unglaublich moderne Einrichtung, z.B. die Bäder mit Badewanne und im Badezimmer der Eltern zusätzlich eine Dusche mit mehreren Sprühköpfen, die Herr Sonneveld auf Geschäftsreisen in Amerika kennengelernt hat. Die Geschichten, die man mittels des Audioguides (auf Deutsch) hören kann, sind richtig interessant, es werden neben den Fakten viele kleine Einzelheiten aus dem Leben der Familie Sonneveld liebevoll erzählt. Gleichzeitig mit mir ist noch ein Paar im Museum, wir können uns die Räume ohne uns gegenseitig zu stören in Ruhe anschauen.

Eine Stunde halte ich mich im Haus auf, dann gebe ich meine Schuhüberzieher und den Audioguide wieder ab und unterhalte mich kurz mit der Dame am Empfang über das Haus und die Einrichtung. Das war für mich ein weiteres Highlight meines Rotterdam Besuchs.

Nun ist es 11 Uhr und ich kann nahtlos ins nächste Museum wechseln, denn gestern habe ich mir online ein Ticket fürs Depotmuseum Bojmans van Beuningen für den ersten Zeitslot ab 11 Uhr gekauft (EUR 20,00). Ich bin schon gespannt, wie es in der „Salatschüssel“ innen aussieht. Wie schon bei meiner Außenbesichtigung am zweiten Urlaubstag geschrieben, ist dieses Museum kein eigentliches Museum, sondern (wie ja auch der Name schon sagt) ein Depot für die Kunstwerke, die sich normalerweise im Museum Bojmans van Beuningen befinden, das aber zurzeit (mit einer mehrjährigen Dauer) umgebaut wird.

Ich lasse mein Ticket scannen (auch hier kann man übrigens wieder, entgegen der Angabe auf der Museumshomepage, Tickets vor Ort kaufen), verstaue meine Tasche in einem der bunten durchsichtigen Schließfächer und nehme den Aufzug ganz nach oben auf die Dachterrasse. Die Außenterrasse des Museumsrestaurants ist hier und auf der restlichen Fläche fühlt man sich fast als wäre man im Wald, ganz viele Birken wurden gepflanzt. Die Ausblicke werden durch die spiegelnde Glaswand etwas beeinträchtigt, sind aber trotzdem nett, nur wegen der Aussicht herzukommen, ist allerdings nicht lohnenswert (es gibt aber für den Abend ein sehr günstiges Ticket, mit dem man nur auf die Dachterrasse kommt).

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 03. August 2026, 17:54:48
5. Tag – Samstag, 25.04. - 2. Teil

Im Inneren arbeite ich mich dann Stockwerk für Stockwerk nach unten.

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Als erstes schaue ich mir die Ausstellung „Pixel Pioneers“ an, die heute ihren ersten Tag hat. Bereits in den 1960iger Jahren gab es Künstler, die mittels Computern Kunstwerke geschaffen haben, was sich seitdem natürlich bis heute fortgesetzt hat. Mal sind die Bilder digital hergestellt, mal sind Computerbildschirme das Kunstwerk, mal werden analoge Bilder bekannter Künstler digital wiedergegeben und die Besucher können mittels ihrer Bewegung das jeweilige Bild beeinflussen. Das alles ist nicht so ganz mein Geschmack, schade, aber ich bin ja nicht wegen einer einzelnen Ausstellung hier, sondern wegen des Gebäudes an sich.

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Und das ist gut gemacht, auch das Treppenhaus ist Teil der Ausstellungsfläche, es wird sehr viel buntes zwischen sehr viel durchsichtigen Flächen gezeigt, so dass man auf den ersten Blick oft gar nicht sieht, wo was hingehört.

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An mehreren Stellen kann man in das eigentliche Depot schauen, also die Lagerräume der Kunstwerke, dazu kann man jeweils einen Lichtschalter betätigen, dann wird der hinter einer Glaswand liegende Raum für kurze Zeit hell und damit sichtbar.

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Außerdem besteht die Möglichkeit zu geführten Überraschungs- oder Spontanbesuchen in verschiedenen Lagerräumen, dazu wird auf einem kleinen Schild am jeweiligen Eingang eine Uhrzeit angezeigt zu der man sich einfinden muss. Leider komme ich immer entweder zu spät oder ich werde zu der angegebenen Zeit nicht mehr im Museum sein.

Schließlich gibt es eine weitere Ausstellung „Diary of Things“, da geht es anhand von konkreten Ausstellungsstücken darum, wie ein Museum zu seinen Werken kommt. Mal werden sie von anderen Museen gekauft, wie z.B. das Gemälde „Schwarzes Dreieck“ von Kandinsky, 1964 gekauft vom Guggenheim Museum New York, das zu viele Werke von Kandinsky hatte,

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mal sind es Spenden oder Geschenke, manchmal geht ein Werk auch illegale Wege, was oft erst später festgestellt wird und dann zu Erwägungen darüber führt, ob und an wen das Kunstwerk zurückgegeben werden soll. Ein sehr interessantes Thema, das eine Vielzahl von völlig unterschiedlichen Werken in einer Ausstellung zusammenführt.

Leider habe ich nur eine gute Stunde Zeit für das Depotmuseum, weil ich später noch einen Termin habe, meinen Wunsch, die Dachterrasse und das Innere dieses einfallsreichen Gebäudes zu sehen, kann ich in der Stunde aber natürlich erfüllen, auch ein kurzer Blick in die beiden Ausstellungen war möglich. Möchte man diese aber genauer anschauen und vielleicht auch an einer kurzen „Spontanführung“ teilnehmen, braucht man zumindest zwei Stunden.

Gegen viertel nach zwölf Uhr verlasse ich also das Depotmuseum und mache auf einer der Bänke davor eine kurze Mittagspause, dafür habe ich mir gestern im Supermarkt ein Sandwich besorgt und heute mitgenommen, ich konnte nicht einschätzen, ob Zeit für einen Restaurantbesuch bleiben würde. Dann spaziere ich in Richtung Schiffsanlegestelle bei der Erasmusbrücke.

Auf dem Weg dorthin komme ich am Westersingel an einem weiteren Kunstwerk vorbei, der Skulptur „Elevazione“ des italienischen Künstlers Giuseppe Penone aus dem Jahr 2001, ein Baumstamm aus Bronze ist inmitten von fünf echten Bäumen befestigt, ich muss mehrmals hinschauen, bis ich mir sicher bin, dass der „Baum“ in der Mitte künstlich ist.

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Die Idee dahinter ist, dass sich im Laufe der Jahre Spuren des künstlichen Baums bzw. dessen Wurzeln in der Rinde der echten Bäume finden werden. Ob und wie gut das gelingt, müsste man jetzt schon beurteilen können, immerhin steht die Baumgruppe schon seit 25 Jahren hier, gewachsen sind die Bäume auf jeden Fall, das kann ich beim Vergleich zwischen meinem Foto und dem auf der „Sculpture International Rotterdam“ Homepage sehen.

Für 13.30 Uhr habe ich schon von zu Hause aus online ein Ticket für die „Extended Harbour Tour“ Schiffsrundfahrt, durchgeführt von „Spido“ gekauft (EUR 32,50). Diese findet während meines Rotterdam Aufenthalts nur am heutigen Samstag einmal vormittags und einmal nachmittags statt, die üblichen, kürzeren Hafenrundfahrten werden dagegen mehrmals täglich angeboten.

Um 13.15 Uhr bin ich an der Abfahrtsstelle, das Schiff kann schon betreten werden, ich reihe mich in die recht lange Schlange ein und habe kurz Zweifel, ob das eine gute Idee war mit der Schiffsrundfahrt, auf so eine touristische Menschenmenge habe ich nicht wirklich Lust und bis ich auf dem Schiff sein werde, werden die besten Plätze ganz vorne oben sicher schon belegt sein.

Die Zweifel sind zum Glück schnell zerstreut, denn erstaunlicherweise gehen die meisten Leute entweder ins Innere des Schiffs (bei strahlendem Sonnenschein und einer Fahrt, die man ausschließlich wegen der Ausblicke macht!) oder an die Tische auf dem mittleren Deck. Außerdem ist das Schiff alles andere als voll belegt, was ich aufgrund der langen Schlange nicht vermutet hätte. Ich kann mir also problemlos meinen Wunschplatz sichern und die Fahrt genießen.

Wir fahren unter der Erasmusbrücke durch, wenden dann aber bald wieder. Man hat einen schönen Blick auf das Denkmal „The Bow“ aus dem Jahr 1956 von Frederico Carasso, die Skulptur ist einem Schiffsbug nachempfunden und soll an die während des Zweiten Weltkriegs Gefallenen der Handelsmarine erinnern.

Das dunkle Hochhaus mit dem überstehenden Dach beherbergt das Hotel Doubletree by Hilton und die beiden dunkelgrauen Hochhäuser ganz links sind „De Hoge Heren“ („Die hohen Herren“), Apartmenthäuser aus dem Jahr 1997. Beide haben jeweils 29 Stockwerke, alle 285 Apartments haben Blicke sowohl auf den Fluss als auch auf die Stadt. Die Fassaden bestehen aus Beton und heben sich aufgrund der dunklen Farbe gut von den eher helleren Hochhäusern der Innenstadt ab.

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Wir fahren am historischen Fährhafen vorbei, an dem ich schon zu Fuß war

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und erreichen dann das Lloydkwartier mit einigen interessanten Hochhäusern. Besonders auffällig ist das „Shipping and Transport College“ mit dem periskopartig geformten oberen Bereich, typisch für das Architekturbüro Neutelings Riedijk.

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Es geht noch an ein paar unspektakulären Wohnblocks vorbei,


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dann beginnt der Hafenbereich. Hier gibt es nun eine Vielzahl von Trockendocks, Kränen und riesigen Schiffen bzw. stationären Plattformen zu sehen.

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Leider gibt es dazu, anders als beim Vorbeifahren an den Hochhäuern vorhin, keine Erklärungen dazu, was genau man da sieht, aber ich finde diese farbigen Riesen mit all den Rohren und Gerüsten und Aufbauten einfach faszinierend, genau deshalb habe ich die ausführliche Hafenrundfahrt gebucht.

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Eine gute halbe Stunde bewegen wir uns ganz langsam rund um die Giganten,

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dann machen wir einen Abstecher zu einem weiteren Hafenbereich, hier dominieren die Kräne sowohl an Land als auch auf Schiffen.

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Dann wird gedreht und wir fahren wieder in Richtung Innenstadt.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 03. August 2026, 18:10:03
5. Tag – Samstag, 25.04. - 3. Teil

Jetzt habe ich auch endlich mal Zeit, um auf die Toilette zu gehen, da ich die Strecke ja schon von der Hinfahrt kenne.

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Die letzten Minuten geht es entlang der Halbinsel Katendrecht, hier liegt das ehemalige Kreuzfahrtschiff SS Rotterdam dauerhaft vor Anker. Es ist das größte in den Niederlanden gebaute Passagierschiff (1958) und kann heute besichtigt werden, es gibt Restaurants, Cafés und man kann dort in einem Teil der ehemaligen Kabinen übernachten.

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Auf der anderen Maasseite ist nun der Euromast, der Zugang zum Maastunnel für Fußgänger (für den ich wohl keine Zeit mehr finden werde) und ein Pier im chinesischen Stil, mit Chinarestaurant, Supermarkt und Hotel (mit extrem schlechten Bewertungen) zu sehen.

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Wir kommen am Wilhelminapier vorbei und legen gegen 16 Uhr wieder nahe der Erasmusbrücke an.

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Nun möchte ich erstmal einen Kaffee trinken und mir dabei überlegen, was ich mit der begrenzten Zeit, die mir heute noch übrigbleibt, anfange. Kaffee und Kuchen hätte es auch auf dem Schiff gegeben, da war ich aber mit Gucken und Fotografieren beschäftigt ;).

Ich gehe ein Stück nach Norden und finde im „Maritiem Museum“ am Leuvehaven ein Café. Bei Cappuccino und einem Muffin (EUR 6,50) überdenke ich meine Möglichkeiten: Museen fallen weg, die schließen alle schon um 17 Uhr, zum Maastunnel und unter der Maas hindurch spazieren, nochmal Bummel durch die Innenstadt, Lloydviertel und die vom Schiff aus gesehenen Hochhäuser von nahem anschauen?

Ich entscheide mich für letzteres und nehme die Metro ab der Station Leuvehaven und erreiche mit einmal Umsteigen die Haltestelle Coolhaven. Von hier ist es noch ein Stückchen zu Fuß zum Lloydkwartier, das Laufen tut gut nach dem langen Sitzen auf dem Schiff.

Als erstes schaue ich mir die Schiecentrale 4B an. An einem Netz aus Metall, das vor der eigentlichen Fassade hängt (an der Gebäuderückseite, über die Galerien gelangt man ins Innere der Wohnungen, an der Vorderseite hat das Gebäude eine normale Glasfassade) sind „Boxen“ befestigt. Sie dienen als Aufbewahrungsräumlichkeiten für die Apartments. Diese ungewöhnliche Idee hatte 2008 das Architekturbüro Mei architects and planners.

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Dann geht’s zum vom bereits vom Schiff aus gesehenen Shipping and Transport College mit dem „Periskopdach“ von 2006

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und schließlich entdecke ich noch eine Wohnanlage aus Holz in einer Form, die mich an ein Schiff erinnert. Dieses Gebäude ist (noch) nicht in meinem Architekturführer aufgeführt (aber in Google Maps zu finden, es handelt sich um das „SAWA“, das Gebäude wurde in großen Teilen aus Holz errichtet, ist als solches eine technische Neuheit und Vorbild für vertikales Bauen mit Holz, Architekten sind auch wieder Mei architects and planners. Erst im November 2025 wurde es in Anwesenheit der niederländischen Königin eröffnet.)

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Auch das Gebäude ein Stück die Straße hoch sieht interessant aus mit den „Hütten“ auf dem Dach (dazu sehe ich in Google Maps, dass es sich dabei um die 3 Penthäuser „Eden District“ handelt, zwei davon sind schon verkauft, das größte mit über 400 qm Fläche ist für 2,4 Mio EUR noch zu haben) – ach in diesem Stadtviertel gäbe es noch einiges zu entdecken, aber für heute ist es genug.

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Ich mache mich auf den Rückweg zur Metrostation und fahre zum Hotel.

Wetter: sonnig, kaum Wind, ca. 6°-17°C
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 04. August 2026, 11:37:06
Das Bad in dem Huis ist ja schrill  ;D und die Zimmer wie im Krankenhaus.

Die Bootsfahrt gefällt mir, dafür bin ich immer zu haben.

Ansonsten könntest du wirklich Reiseführer über die von dir besuchten Städte verfassen. Immer sehr ausführlich und detailliert. 
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Susan am 04. August 2026, 22:37:16
Zitat
Ich dachte schon, ihr kommt erst wieder zurück, wenn es hier wieder erträgliche Temperaturen hat
;D Nö, wir hatten genug kühle Sommertage - endlich können wir bis spät abnends im T-Shirt draußen sietzen.  ;)  Obwohl es schon etwas weniger schwül sein dürfte.

Habe jetzt endlich alles nachgelesen. Vor etlichen Zeiten habe wir mal zumindest eine große Hafentour in Rotterdam gemacht - da gab es aber viele der Hochhäuser noch nicht. Imposant waren da die Schiffe und die Anlagen zum Bau, Reparatur und Verladung.

Eigentlich bin ich ja kein besonderer Freund von moderner Archtektur, hier wurde aber viel Einfallreichtum gezeigt. Besonders gefallen haben mir da die Kubus Häuser, das Depot und der Tornado und auch dein Hotel. Die Kofferausstellung finde ich sehr interessant, hört sich spannend an, die Geschichte zu den Teilen hören zu können. Von Cyanotypie hatte ich noch nie gehört, doch die Bilder in Blau wären total mein Fall. Türkis ist eine meiner Lieblingsfarben, doch das Bad im Huis Sonneveld ist dann doch etwas grell  8)

Dordrecht mit seinem eher traditionellen Stil und der Strand sind eine nette Abwechslung zwischendurch.  Der Schaum an letzerem sieht mir aber gar nicht gesund aus.  :(

Schade, dass es mit den Nachtbildern nichts geworden ist. Mir war nicht bewusst, dass es dort schon im April so lange hell ist.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 05. August 2026, 18:14:52
6. Tag – Sonntag, 26.04. - 1. Teil

Auch heute habe ich einen Termin, auch heute um 13.30 Uhr, was die Gestaltung des Vormittags wieder etwas erschwert bzw. einschränkt.

Ich fahre mit der Metro zur Station Marconiplein, um mir den Fuchs anzuschauen. Der Fuchs nennt sich auf Niederländisch Bospoldervos und wurde von Florentijn Hofman 2020 gestaltet.

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Die Skulptur ist 16 m lang und 10 m hoch und soll die Straße bzw. Gegend aufwerten und Aufmerksamkeit auf sie lenken, die Plastiktüte im Maul soll die Verbindung von Natur und Stadt zeigen oder auch die Problematik von Plastiktüten für die Natur. Mir gefällt der Fuchs sehr gut, ist doch mal eine andere Art von Skulptur als die sonst üblichen, sehr viel auffälliger, sehr viel einfacher zu deuten. Florentijn Hofmann hat noch andere Skulpturen in Rotterdam geschaffen, den großen Raben neben dem Naturhistorischen Museum (siehe mein 2. Urlaubstag) oder die bunten „Papier“boote, die ich bei der Schiffsrundfahrt gestern vor einer Wohnanlage gesehen hab (siehe mein Bericht zum gestrigen Tag) und von ihm stammen auch die riesigen gelben Gummienten, die vor ein paar Jahren in verschiedenen Häfen weltweit zu sehen waren.

Vom Fuchs ist es nur Spaziergang den Schiedamseweg entlang zu meinem nächsten Ziel, Delfshaven. Heute ein Stadtteil von Rotterdam gehörte der Hafen früher zur Stadt Delft und war dann eine Zeitlang eine eigenständige Stadt. Hier findet man noch ein Stück Holland wie aus dem Bilderbuch mit Kanälen, Ziehbrücken und Giebelhäusern.

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Das schöne Gotteshaus nennt sich Kirche der Pilgerväter, denn von hier starteten 1620 die Pilgerväter mit dem Schiff in die heutigen USA, wobei sie korrekterweise nur bis Southampton fuhren und dort an Bord der bekannten Mayflower gingen, die sie schließlich nach Amerika brachte. Das Innere der Kirche kann ich leider nicht anschauen, denn darin findet, nicht überraschend für einen Sonntagvormittag, ein Gottesdienst statt.

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So hübsch Delfshaven auch ist, der wirklich alte Teil ist sehr klein. Man sieht auf der Karte zwar zwei Kanäle umgeben von Bebauung und überspannt von Brücken, alt ist aber davon nur der kleinste Teil, überwiegend handelt es sich um recht neue Häuser, auch die alte Mühle ist umgeben von solch moderneren Häusern, von etwas weiter weg, sieht sie aber sehr typisch holländisch und alt aus.

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Schneller als gedacht bin ich daher mit meinem Besuch von Delfshaven fertig. Durch das angrenzende Wohnviertel

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gelange ich zu einer weiteren interessanten „Sehenswürdigkeit“ der Gegend, dem Dakpark. Vor einigen Jahren wurde auf dem Dach eines Einkaufszentrums in neun Metern Höhe eine Grünfläche mit über einem Kilometer Länge und 85 m Breite eingerichtet, mit Rasenflächen zum Grillen und Spielen, Bänken, Wasserspielen, auch ein Restaurant in einem gewächshausähnlichen Gebäude gibt es. In diesem Restaurant hatte ich mir überlegt Mittag zu essen, da ich nun aber schon so früh hier bin, spaziere ich nur vorbei und komme am Ende des Dakparks wieder zum Marconiplein mit der Metrostation.

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Es ist jetzt 11 Uhr und ich beschließe mit der Metro nach Schiedam zu fahren, eigentlich ist die Zeit bis zum Termin später zu kurz, aber besser ein bisschen was von Schiedam sehen, als überhaupt nicht dort gewesen zu sein. Schiedam ist zwar mit Rotterdam zusammengewachsen und auch nur eine Metrostation vom Marconiplein entfernt, aber trotzdem ein eingeständiges Städtchen mit einem historischen Stadtkern. Diesen erreicht man von der Metrostation nach einem Spaziergang am neu gestalteten Kanalufer entlang in ungefähr 10 Minuten. An der Grote of Sint Janskerk und dem nebenanliegenden Platz Grote Markt angekommen, bin ich gleich begeistert. Eine gemütliche Kleinstadtatmosphäre herrscht hier, dazu die hübschen alten Häuser und der Kanal. Da wäre es besser gewesen nach einem Besuch beim Fuchs direkt hierher zu fahren und Delfshaven samt Dakpark auszulassen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

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Ich schaue mich noch ein wenig um, gehe in die Kirche hinein

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und suche dann nach einem Restaurant fürs Mittagessen. Am Grote Markt werde ich fündig, „Lucas Drinkwinkel“ bietet schöne, auch sonnige Plätze auf der Außenterrasse und Sandwiches und ähnliche Kleinigkeiten. Es ist noch nicht ganz 12 Uhr, daher bin ich anfangs der einzige Gast, das ändert sich aber schnell. Mein Schinken-Käse Brot ist lecker (zusammen mit einem Eistee EUR 17,70) und gegen halb eins muss ich mich dann leider auf den Rückweg zur Metrostation machen.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 05. August 2026, 18:31:18
6. Tag – Sonntag, 26.04. - 2. Teil

Ich fahre wieder zurück zur Station Marconiplein. Von hier erstreckt sich in Richtung Norden / Nordosten das Wohnviertel Spangen, das zum Stadtteil Delfshaven gehört und eines der ärmsten Wohnviertel der Niederlande sein soll, in Spangen ist aber auch Sparta Rotterdam, der älteste Fußballklub Hollands zu Hause mit seinem Stadion „Het Kasteel“. Nördlich davon befindet sich die Van Nelle Fabri(e)k, wo ich um 13.30 Uhr an einer Führung teilnehmen möchte. Das Ticket (EUR 19,50) habe ich mir schon zu Hause online gekauft, die englischsprachige Führung findet nur samstags und sonntags um jeweils 13.30 Uhr statt.

Vom Marconiplein könnte ich nun noch die Straßenbahn für ein Stück des Wegs nehmen, ich bin aber nicht unter Zeitdruck und das Wetter ist schön, also gehe ich zu Fuß. Am Wohnviertel ist nichts besonders auffällig, es sind keine zigstöckigen Wohnblocks, sondern drei bis vierstöckige Häuser aus dem typischen roten Backstein. Ich komme an besagtem Stadion vorbei und kann für das letzte Wegstück auf einem Fußweg am Fluss/ Kanal Schie entlang gehen.

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An der Pförtnerloge ist der Treffpunkt für die Führung, in einem kleinen Raum lasse ich mein Ticket scannen, es gibt Sitzmöglichkeiten, ein paar Bildbände und Bücher über die Fabrik und Architektur allgemein liegen aus und sind auch käuflich erwerbbar. Auch eine Toilette ist vorhanden.

Ungefähr 15 Leute aus unterschiedlichen Ländern (da kann ich nur anhand der Sprachen raten, eine Vorstellung der Teilnehmer gibt es natürlich nicht, wir sind ja nicht in den USA :)) nehmen an der Führung teil. Der Guide ist älterer Holländer.

Die Van Nelle Fabrik gehört zum Weltkulturerbe und ist architektonisch eines der herausragendsten Gebäude der Niederlande. Sie wurde in den 1920iger Jahren erbaut, wie schon bei meinem Besuch des Sonneveld Hauses (das einem der Direktoren der Van Nelle Fabrik gehörte) gestern erwähnt, waren Brinkman en Van der Vlugt die Architekten, die im Auftrag des Fabrikinhabers eine für diese Zeit hochmoderne Fabrik erbauten. Sehr viel Glas wurde verwendet, das viel Licht und Luft (viele Fenster zum öffnen) in die Fabrikräume ließ, eine weitere Besonderheit war die Stahlbetonskelett Bauweise die mit ihren pilzartigen Trägern ebenfalls sehr viel Platz für Licht und Luft ließ. Außerdem waren die sanitären Einrichtungen für die Arbeiter meilenweit oberhalb des damaligen Standards, Duschen hatten die meisten damals nicht mal zu Hause, ganz zu schweigen von ihrem Arbeitsplatz.

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In der Fabrik wurden Tee, Kaffee und Tabak verarbeitet und zum Verkauf verpackt, angeliefert in Rohform mit dem Schiff vom Rotterdamer Hafen direkt an die Anlegestelle vor der Fabrik.

Die gläsernen Verbindungen zwischen den zwei Gebäuden sind übrigens keine Gänge für Fußgänger, sondern waren mit elektrischen Transportbändern für den Warentransport ausgestattet. Diese „Brücken“ sollten ursprünglich waagrecht angebracht werden, aufgrund von finanziellen Problemen wurden die Gebäude aber mit weniger Stockwerken gebaut als geplant, was also eher zufällig zum heute herausragendsten Merkmal der Fabrik führte.

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Im leicht gebogenen Gebäude waren die Büros der Direktoren, drei gab es, sichtbar an den drei Garagen, die sich im Erdgeschoss des Gebäudes befinden. Vom Bürogebäude führt eine diesmal tatsächlich für Fußgänger gedachte verglaste Brücke zum Treppenhaus des Produktionsgebäudes. Von dort ist der runde Pavillon auf dem Dach erreichbar mit Panorama Blick über das gesamte Gelände und darüber hinaus.

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Die Fabrik gehört heute (nach mehreren Verkäufen) einer belgischen Firma, die einzelne Räume an Unternehmen (Anwaltskanzleien, Architekturbüros, Unternehmensberater, Designer usw.) vermietet, aber auch Events finden hier statt. Drei interessante Details noch: eines der Unternehmen, die heute Mieter in der ehemaligen Fabrik sind, ist das Architekturbüro Brinkmann en Van der Vlugt bzw. deren Nachfolger, so schließt sich der Kreis; einer der Räume wird von der finnischen Designfirma Marimekko genutzt, die fast schon als Synonym für Finnland steht und mich natürlich sofort an meine Finnland Urlaube erinnert; die türkisfarbigen Fliesen im Treppenhaus sind die gleichen, die im Bad des Hauses Sonneveld verwendet wurden, entweder weil Herrn Sonneveld diese so sehr gefielen, dass er sie auch zu Hause haben wollte oder weil noch viele der Fliesen nach der Fertigstellung der Fabrik übrig waren (das lässt sich heute nicht mehr klären).

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Eine Stunde ist für die Führung vorgesehen, sie dauert aber länger, auch, weil ein paar der Teilnehmer ständig Fragen haben. Insgesamt war die Führung sehr interessant, ich hatte mir aber erhofft, mehr vom Inneren der Fabrik zu sehen, z.B. in eine der gläsernen Brücken gehen zu können oder auch in die gläserne Panoramalounge auf dem Dach. Aber das alles erlaubt der belgische Inhaber nicht bzw. würde dafür sehr viel höhere Gebühren fordern. Da das Außengelände für jedermann zugänglich ist, kann man sich also überlegen, ob man nicht auf die Führung verzichtet und sich die Gebäude nur von außen anschaut. Sehr schön wäre das Ganze auch bei Dämmerung oder Dunkelheit, der ikonische Schriftzug auf dem Dach ist dann farbig beleuchtet.

Die Führung wird vom Chabot Museum organisiert und im Ticketpreis für die Führung ist auch der Eintritt ins Chabot Museum enthalten und dorthin möchte ich nun noch gehen.

Das Chabot Museum steht neben dem Haus Sonneveld, also im Museumspark und dieser ist praktischerweise mit der Straßenbahnlinie, die ihre Endstation in Spangen am Sparta Fußballstadion hat, gut erreichbar. Dorthin mache ich mich also nach dem Ende der Führung zu Fuß auf den Weg.

Die Haltestelle Museumspark erreicht die Tram gegen 20 nach drei, ein paar Minuten später bin ich beim Museum. Das Museum ist in einer Villa untergebracht, das wie das benachbarte Huis Sonneveld im Bauhaus Stil in den 1930iger Jahren errichtet wurde. Architekten waren hier nicht Brinkman en Van der Vlugt, sondern Gerrit Willem Baas, der aber ein ehemaliger Angestellter von Brinkman war. Besonderheit des Hauses ist der gebogene Balkon, während am Haus Sonneveld alles kantig ist.

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Gezeigt werden zurzeit die Werke von drei Künstlerinnen aus Rotterdam. Im Erdgeschoss stellt Anne Wenzel aus, sie macht große, dunkle, wuchtige Skulpturen, die sich auf frühere oder aktuelle politische Ereignisse oder Personen beziehen, so z.B. der Sturm auf das Capitol in Washington 2021. Es geht um Heldentum, Macht und Gewalt und um die Macht des Volkes gegen die Macht der Politik.

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Im ersten Stock schaue ich mir die unterschiedlichen Objekte von Evelyn Taocheng Wang an. Sie malt, zeichnet und schreibt, ihre Werke wirken oft humorvoll und leicht. Es geht bei ihr um Migration, Verbindung und wie wir uns präsentieren mittels Kleidungsstil und Marken.

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Im dritten Stock schließlich finden sich die Werke von Silvia B. In den hier gezeigten Skulpturen geht es um die heutige junge Generation, die geprägt ist von hohem Druck hinsichtlich Aussehen und Kleidung und der eigenen Darstellung in den sozialen Medien, dazu die Hoffnung und Erwartung die Umwelt zu retten, die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Sehr ungewöhnliche Skulpturen finde ich.

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Im Untergeschoß wird ein kurzer Film über den Bau der Van Nelle Fabrik gezeigt, der eine tolle Ergänzung zur Führung ist.

Am Ausgang kann man noch seine Stimme abgeben, welche der drei Künstlerinnen den diesjährigen Chabot Preis erhalten soll, ich wähle Evelyn Taocheng Wang, da mir die Leichtigkeit ihrer Werke gefallen hat, trotz der ernsten Themen, die zugrunde liegen.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 05. August 2026, 18:37:06
6. Tag – Sonntag, 26.04. - 3. Teil

Eine Kaffeepause hatte ich heute noch nicht, das möchte ich nun nachholen. Da bietet sich das Museumscafé des Het Nieuwe Instituut an, das neben dem Chabot Museum ist, noch eine gute halbe Stunde geöffnet (es ist 16.30 Uhr) und eine wunderbar in der Sonne liegende Terrasse mit Blick auf das Depotmuseum hat. Bei hausgemachter Limonade und einem Brownie (EUR 9,00) entspanne ich ein Weilchen.

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Bis zur Schließung um 17 Uhr bleibt dann noch Zeit für einen Besuch der Toilette, erwähnenswert wegen der bunten Farben und des Museumshops, der unzählige Bücher, auch auf Englisch zum Thema Design und Architektur bietet.

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Das Wetter ist so schön sonnig und warm, das lädt zu einem abschließenden Spaziergang ein. Ich gehe in die Innenstadt, wo ich mir die „Lijnbaan“ anschaue. Zur Bauzeit in den 1950iger Jahren war das die erste (oder eine der ersten) Fußgängerzone Europas, gesäumt von zweistockigen Gebäuden in Modularbauweise, mit Geschäften im Erdgeschoss und Büros und Lagerräumen im ersten Stock. Dahinter wurden 10 große Wohnblocks gebaut. Das ganze Ensemble ist ein nationales Monument seit 2010.

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Ich wäre gerne noch ein bisschen länger durch die Innenstadt geschlendert und hätte vielleicht in den ein oder anderen Laden geschaut, aber es ist mir viel zu voll, nicht nur viele Fußgänger hat es, sondern auch Autos ohne Ende, gefühlt zieht sich durch die gesamte Innenstadt ein einziger Stau. Vermutlich liegt das am morgigen Feiertag, dem Königstag oder vielleicht ist es Sonntagnachmittags immer so, ich jedenfalls mache mich auf den Weg zum Hotel.

Dabei komme ich noch am Karel Doorman Gebäude vorbei, gebaut 1951, renoviert und dabei mit der heutigen Fassade versehen 2012, wirkt es auf mich ein bisschen wie eine Plastikbox. Das „Plastik“ ist aber Glas mit Streifendesign und soll als Windschutz für die Balkone / Loggias dahinter dienen.

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Auch interessant die Skulptur Two Turning Vertical Rectangles (1969) von George Rickey.

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Kurz vor der Erasmusbrücke fallen mir noch diese drei unterschiedlichen Fassaden ins Auge.

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Dann folgt noch ein Einkauf im Supermarkt um die Ecke vom Hotel und gegen 18 Uhr bin ich im Zimmer.

Wetter: sonnig, ca. 7 - 17°C
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 05. August 2026, 18:44:45
Zitat
Ich dachte schon, ihr kommt erst wieder zurück, wenn es hier wieder erträgliche Temperaturen hat
;D Nö, wir hatten genug kühle Sommertage - endlich können wir bis spät abnends im T-Shirt draußen sietzen.  ;)  Obwohl es schon etwas weniger schwül sein dürfte.

Habe jetzt endlich alles nachgelesen.

Von Cyanotypie hatte ich noch nie gehört, doch die Bilder in Blau wären total mein Fall.

Schade, dass es mit den Nachtbildern nichts geworden ist. Mir war nicht bewusst, dass es dort schon im April so lange hell ist.

Ja, wenn man bisher hauptsächlich kühle Tage hatte, kann man das aktuelle Wetter genießen, wenn man das nun, ich glaube in der fünften Woche am Stück erlebt (und immer noch keine Aussicht auf Änderung hat), ist es eher unerträglich.

Da hattest du einiges zum Nachlesen, bei Städtetrips werden es immer ziemlich viele Fotos und viel Text bei mir.

Wenn ich nicht so ungeschickt beim Basteln wäre, könnte ich mir vorstellen, die Cyanotypie mal auszuprobieren.

Das mit der langen Helligkeit war mir auch nicht so klar, ich hatte zwar die Sonnenuntergangszeiten angeschaut, aber es ist ja nicht direkt dunkel nach diesem Zeitpunkt und daher konnte ich das nicht richtig einschätzen.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 06. August 2026, 14:48:29
Boah, ist das bei dir immer viel Lesestoff. Ich komme derzeit eigentlich nur zum Überfliegen der Texte. Deshalb ist meine Antwort stichwortartig:

Der Fuchs springt gleich ins Auge, den finde ich klasse.

Grachten mit Narrowbooten mag ich sowieso und

die Toilette des Museums sieht nach Blutbad aus ;D.

Rotterdam ist wirklich eine vielfältige Stadt.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 06. August 2026, 18:26:35
Boah, ist das bei dir immer viel Lesestoff. Ich komme derzeit eigentlich nur zum Überfliegen der Texte. Deshalb ist meine Antwort stichwortartig:


Tut mir leid ;), aber ich schreibe den Text ja auch für mich und möchte das alles hinterher noch nachlesen können, aber Überfliegen ist auch erlaubt ;D Vom nächsten Urlaub gibt es dann dafür umso weniger Text, von Wanderungen oder Autofahrten gibt es nicht so viel zu erzählen und auch viel weniger Fotos.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 07. August 2026, 08:09:41
Tut mir leid ;), aber ich schreibe den Text ja auch für mich und möchte das alles hinterher noch nachlesen können, aber Überfliegen ist auch erlaubt ;D Vom nächsten Urlaub gibt es dann dafür umso weniger Text, von Wanderungen oder Autofahrten gibt es nicht so viel zu erzählen und auch viel weniger Fotos.

Alles gut, Christina. Ich wollte mich damit nur für meine kurz gehaltenen Antworten entschuldigen.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Silv am 07. August 2026, 13:33:34
Tut mir leid ;), aber ich schreibe den Text ja auch für mich und möchte das alles hinterher noch nachlesen können, aber Überfliegen ist auch erlaubt ;D Vom nächsten Urlaub gibt es dann dafür umso weniger Text, von Wanderungen oder Autofahrten gibt es nicht so viel zu erzählen und auch viel weniger Fotos.

Alles gut, Christina. Ich wollte mich damit nur für meine kurz gehaltenen Antworten entschuldigen.

Lieber kurz als gar nicht  :-[ ::)  - so wie ich

Die Kanäle gefallen mir, aber mit der Kunst kann ich nichts anfangen. Diese halben Menschen... Dann heißt die Künstlerin auch noch wie ich - oje  ;D
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 07. August 2026, 20:35:25
Dann heißt die Künstlerin auch noch wie ich - oje  ;D

 :lach:
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 09. August 2026, 19:48:19
7. Tag – Montag, 27.04. - 1. Teil

Da ist er nun also, der von mir bei der Planung der Daten für den Urlaub völlig übersehene Königstag. Das ist ein Nationalfeiertag in den Niederlanden, der immer am Geburtstag des jeweiligen Königs / Königin stattfindet, seit 2014 ist es der 27. April, Geburtstag vom aktuellen Regenten Willem-Alexander. Und leider bedeutet Feiertag nicht einfach, dass alle frei haben, Geschäfte geschlossen sind und jeder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht, sondern, dass gefeiert wird, das ist ein Partytag. Die Aktivitäten sind je nach Stadt unterschiedlich, in Rotterdam gibt es ein paar Konzerte, einen Umzug und die Geschäfte haben geöffnet.

Immerhin ist es ein Montag, da sind die Museen eh geschlossen, also gibt es für mich wenigstens diesbezüglich keine Einschränkungen.

Bei meiner Suche nach Unternehmungen abseits des Partytrubels bin ich auf den Botanischen Garten gestoßen, der an diesem Feiertag um 10 Uhr öffnen soll und auf einen Park mit Blick auf die Skyline der Stadt.

Gegen 9 Uhr mache ich mich zu Fuß auf den Weg in Richtung Arboretum Trompenburg. So kann ich noch einen weiteren Punkt abhaken, den ich auf meiner Liste für Rotterdam habe: Spaziergang entlang Boompjeskade und Maasboulevard, von wo man schöne Blicke auf die Stadt haben soll.

Zunächst sehe ich die Erasmusbrücke mal aus einer anderen Perspektive, am Wilhelminapier hat wieder ein Kreuzfahrtschiff angelegt (dieses ist aber deutlich kleiner als die Aida Perla).

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Ich komme an der bunten Skulptur „Marathonbild“ von Henk Visch vorbei, das 2001 anlässlich des 20. Rotterdamer Stadtmarathons enthüllt wurde. Auf dem Betonpodest sind die Namen aller bisherigen Marathon Gewinner festgehalten.

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Zu meiner Linken kann ich nun eine Reihe interessanter Gebäude anschauen, überwiegend neueren Datums, aber auch ein älteres ist dabei, das Nieuwe Boompjes aus dem Jahr 1955.

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Besonders auffällig ist das weiße „Willemswerf“ mit seinem schrägen „Schnitt“ in der Fassade. Erbaut 1989 und durch den Film „Who Am I“ (in Deutschland „Jackie Chan ist Nobody“) bekannt worden, Jackie Chan rutscht das Glasdach (das erst aus weiterer Entfernung vom Gebäude sichtbar wird) dieser Diagonalen herunter.

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Auf Höhe der Willemsbrug ist die Skulptur „Maasbild“ von Auke de Vries verankert. Sie wurde anlässlich der Eröffnung der neuen Willemsbrug 1982 geschaffen.

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Die Bebauung zu meiner Linken wird ab hier weniger, dafür werden die Ausblicke auf die Skyline immer besser und verändert sich alle paar Meter. Ich komme kaum voran, weil ich mich immer wieder umdrehen muss. Sogar die Markthalle und der „Bleistift“ sind zu sehen.

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Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 09. August 2026, 19:55:27
7. Tag – Montag, 27.04. - 2. Teil

Gegen 11 Uhr bin ich dann am Arboretum Trompenburg. Der botanische Garten liegt im Stadtteil Kralingen, entstand aus einem privaten Garten einer Villa, wurde 1958 eröffnet und ist für seine vielen Rhododendren bekannt.

Die Tore sind allerdings verschlossen, obwohl die Website für heute eine Öffnung ab 10 Uhr angibt. Na ja, ich setze mich erstmal auf eine Bank in der Nähe des Eingangs, ich werde sicherlich nicht die einzige Besucherin heute sein. Und tatsächlich kommt bald eine Frau mit dem Fahrrad, die auch das Arboretum besuchen will. Wir unterhalten uns kurz, dann kommt ein Mitarbeiter zum Tor, der (wie die Dame mir übersetzt) sagt, dass heute Montag sei und montags erst um 12 Uhr geöffnet wird. Die Fahrradfahrerin weist auf die anderslautende Angabe auf der Website hin und der Mitarbeiter sagt, dass er es klären und schnellstmöglich aufmachen wird. Und so ist es dann auch, na ich bin nur froh, dass ich für den Weg hierher viel länger gebraucht habe als gedacht, wäre ich schon um 10 Uhr hier gewesen, hätte ich lange warten müssen (und hätte wahrscheinlich aufgegeben).

Ich zahle den Eintritt von EUR 12,50 und spaziere dann durch den schönen Garten. Wer ein Tulpenmeer erwartet hat: auch hier gilt Rotterdam ist das „andere Holland“.

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Nach ungefähr einer Stunde habe ich das Meiste gesehen und gehe zurück zum Eingangsbereich, wo sich ein Souvenir Shop und ein Café befinden. Leider gibt es nur Kleinigkeiten zum Essen, ich nehme ein Stück Quiche, eine Limo und eine Flasche Wasser zum Mitnehmen (EUR 12,75).

Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 09. August 2026, 20:05:00
7. Tag – Montag, 27.04. - 3. Teil

Nach dem Essen gehe ich nochmal durch den Garten zum Hinterausgang und von dort über die Straße in einen weiteren Bereich des Arboretums, der erst in den letzten Jahren dazu gekommen ist und eher naturbelassener angelegt ist.

Von dort spaziere ich durch den Stadtteil Kralingen in Richtung meines nächsten Ziels. Ein sehr nettes Wohnviertel ist das, viele Villen, Einfamilienhäuser, aber auch Mehrfamilienhäuser, dazwischen viel Grün und einige Kanäle.

Nun begegne ich immer mehr Menschen, die irgendetwas orangenes tragen, Restaurants und Cafés, die orange geschmückt sind, orangene Wimpel hängen über den Straßen. Ich komme an der Osteria Vicini vorbei, ein italienisches Restaurant in einer ehemaligen Fabrik oder Werkhalle mit Außensitzplätzen. Hier wird schon gefeiert, es gibt auch eine spezielle Getränkekarte mit orangenen Getränken, aber insgesamt geht es (noch) ruhig zu und ich bin auch nicht die Einzige, die nichts Orangefarbenes trägt. Ich finde noch einen Platz innen (außen ist alles belegt) und bestelle ein Sandwich mit Thunfischpaste und Ei, dazu einen iced Cappuccino (EUR 17,50), nun bin ich satt.

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Vom Restaurant ist es nicht mehr weit bis zum Park Kralingse Plas, der sich um einen See erstreckt, dessen Ufer ich einmal rund um folge. Ich komme an zwei Windmühlen vorbei,

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an einem schönen Reetdachhaus

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und mache eine längere Pause auf einer Bank in der Sonne.

Nun bin ich am nördlichen Seeufer und von hier hat man einen Blick auf die Skyline der Stadt. Das erinnert mich ein bisschen an die Außenalster in Hamburg, dort ist die Skyline allerdings näher und von Kirchtürmen geprägt. Ein Stück des Wegs kann auf Holzbohlen zurückgelegt werden, eine schöne Idee.

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An der süd-westlichen Ecke des Parks muss man einige Umwegen laufen, da einiges wegen eines Festivals abgesperrt ist.

Auf dem Weg zur nächsten Metrostation (Oostplein) komme ich nochmal durch nette Wohnviertel, die feiertäglich geschmückt sind.

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Nun wird es etwas chaotisch, ich möchte mir noch das „Industriegebouw“ anschauen, das in der Nähe der Metrostation steht, finde es aber nicht. Außerdem könnte ich mal gut eine Kaffeepause vertragen, aber auch das erweist sich als schwierig, weil viele Cafés wegen des Feiertags geschlossen sind und ich mich außerdem immer wieder durch feiernde Menschengruppen durchdrängen muss. Aber ich werde noch fündig. Eine Filiale der „Coffeecompany“ hat geöffnet und das ganze ohne orangene Partystimmung. Bei Cappuccino und Lemon Tarte (EUR 9,55) nutze ich das W-Lan des Cafés und suche im Internet in Ruhe das Gebäude, das ich noch anschauen möchte.

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Nach der Pause spaziere ich dorthin.

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Das Industriegebäude stammt aus dem Jahr 1952 und ähnelt dem Groothandelsgebouw beim Hauptbahnhof (siehe Tagesbericht vom 22.04.), ist aber kleiner. Errichtet wurde es als Bürogebäude für eine Vielzahl von Firmen, deren bisherigen Büros bei der Bombardierung Rotterdams 1940 zerstört worden waren und von vielen Firmen gemeinsam wird es auch heute noch genutzt. Auffällig sind die großen Fenster, die für viel Licht im Inneren sorgen.

Die Metrostation Oostplein ist nicht weit entfernt, aber dort angekommen, muss ich feststellen, dass sie wegen Bauarbeiten geschlossen ist und auf die nächste Station oder die Tram verwiesen wird. Diese nehme ich bis zur Metrostation Beurs und von dort geht es dann zum Wilhelminaplein, in den Supermarkt und dann gegen 17.45 Uhr ins Hotel.

Wetter: teils sonnig, teils Schleierwolken, ca. 8° - 17°C
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 10. August 2026, 11:25:40
Du hast wieder viel gesehen und erkundet  :thumb: .

Vom Königstag hast du nur am Rande was mitbekommen. Meine Schwester war auch mal zu der Zeit in den Niederlanden und stand plötzlich mittendrin. Ihr gefiel das aber.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 10. August 2026, 17:24:02

Vom Königstag hast du nur am Rande was mitbekommen. Meine Schwester war auch mal zu der Zeit in den Niederlanden und stand plötzlich mittendrin. Ihr gefiel das aber.

Ich wollte so wenig wie möglich davon mitbekommen. Solche Parties und Menschenmassen sind überhaupt nichts für mich.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Susan am 10. August 2026, 18:17:39
Auf den Königstag wäre ich schon gespannt gewesen, wenigstens mal kurz in die Party hineinschnuppern  8)

Die Parks sind eine schöne Abwechslung zu den Museen und den architektonischen Besonderheiten. Erstaunlich, dass da schon Rhododendren blühten, unsere sind immer erst spät im Mai dran.

Im Chabotmuseum hätte ich tatsachlich Silvia B. für den Preis gewählt, irgendwie haben diese skurilen Skulpturen etwas.  ^-^ Interessant finde ich auch den Dakpark. ich kenne so einige Einkaufszentren / Gebäude, denen solch eine Begrünung gut stehen würde.

 
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 11. August 2026, 20:26:48


Im Chabotmuseum hätte ich tatsachlich Silvia B. für den Preis gewählt, irgendwie haben diese skurilen Skulpturen etwas. 

Ich fand die auch faszinierend, als ich in den Raum kam, dachte ich im ersten Moment, dass da tatsächlich ein Mensch am Boden liegt. Aber ich habe mich dann doch für Taocheng Wang entschieden, weil ich die Leichtigkeit mochte, das finde ich, ist bei Kunst eher selten zu finden. Ich habe gerade mal nachgeschaut, ob schon eine Entscheidung gefallen ist, aber die Ausstellung geht noch bis Mitte September, vielleicht denke ich im Herbst / Winter daran noch mal nachzuschauen, das würde mich schon interessieren, wer von den dreien den Preis bekommt.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 12. August 2026, 20:01:03
8. Tag, 28.04.

Zum letzten Mal gehe ich heute gegen 8 Uhr zum Frühstück, gegen 8.45 Uhr mache ich, auch zum letzten Mal, einen Spaziergang über den Wilhelminapier, heute ohne Kreuzfahrtschiff und erneut bei strahlendem Sonnenschein. Eigentlich möchte ich den Urlaub heute nicht schon beenden, ich hätte durchaus noch ein paar Tage hier füllen können.

Im Albert Heijn kaufe ich noch Proviant für die Zugfahrt ein, dann geht es ins Hotel zurück zum Packen, eilig habe ich es nicht, mein Zug fährt erst um 11.35 Uhr ab Hauptbahnhof.

Gegen 10 Uhr wird es mir aber zu langweilig auf dem Zimmer, ich beschließe schon jetzt zum Bahnhof zu fahren und einen früheren Zug nach Utrecht zu nehmen, nicht, dass doch mal ein holländischer Zug Verspätung hat  ;) und ich den ICE in Utrecht verpasse (Zugbindung besteht nur für den ICE Anteil der Fahrt).

Am Hauptbahnhof schaue ich noch durch den Souvenirshop der Tourist Info, richtig schöne Postkarten haben die hier, da nehme ich eine für mich mit, auch sonst gibt es viele tolle Sachen, ich bleibe aber standhaft und kaufe nichts, das einzige was ich noch gerne hätte, wäre ein Paar Miniholzschuhe, solche habe ich mir bei meinen anderen beiden Holland-Reisen auch gekauft, die Tradition möchte ich fortsetzen, genau die gibt es aber nicht, nicht weiter verwunderlich, mit dem typischen Klischee von Holland, das die Holzschuhe perfekt verkörpern, möchte man in Rotterdam nichts zu tun haben.

Der Zugang zur Bahnhofshalle (die Tourist Info befindet sich auch dort, aber noch im Bereich vor der Zugangssperre) gelingt mir heute mit meinem QR Code Ticket problemlos (anders als bei der Anreise als ich den Bahnhof verlassen wollte). Ich bummle noch durch ein paar der sehr netten Geschäfte, die es hier neben zahlreichen (Fastfood) Restaurants, Cafés und einem Supermarkt, gibt.

Der 10.50 Uhr Zug nach Utrecht ist dann meiner. Pünktlich erreicht er um halb zwölf sein Ziel. Hier habe ich nun eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des ICE. Der Bahnhof hat mir schon bei der Hinfahrt gefallen, nun schaue ich ihn mir genauer an: hell, sauber, mit vielen Sitzgelegenheiten, Toiletten, vielen Geschäften und Restaurants, fühlt man sich eher als wäre man in einem Flughafen als einem Bahnhof. Und in einem der Geschäfte komme ich sogar noch zu meinen Holzschuhen und in einem anderen entdecke ich einen hübschen Schal, schon lange war ich auf der Suche nach einem Ersatz für den alten.

Pünktlich um 12.27 Uhr fährt dann der ICE in Utrecht ab. Er ist sehr voll, da haben wohl sehr viele Deutsche in Amsterdam den Königstag gefeiert (viele haben orangene Pullis oder Schals oder Hüte dabei). Ich finde aber dennoch auch ohne Sitzplatzreservierung einen freien Platz, wenn auch entgegen der Fahrtrichtung.

Kurz hinter Venlo, also nicht mehr weit von der deutschen Grenze entfernt, kommt der Zug zum Stehen. Durchsage: „Wir mussten anhalten, wissen aber noch nicht weshalb.“ Oh je, das klingt gar nicht gut, am üblichen vorausfahrenden oder kreuzenden Zug kann es diesmal wohl nicht liegen. Nach einiger Zeit dann die Hiobsbotschaft: „Auf der Strecke zwischen hier und Mönchengladbach gibt es Beschädigungen, die repariert werden müssen (natürlich auf der deutschen Seite). Unklar ist, ob wir warten, bis die Reparaturen durchgeführt sind oder ob wir über Eindhoven und Aachen nach Köln fahren. Letzteres würde einen Umweg von mindestens zwei Stunden bedeuten.“

Herrlich!! Ich bin ja nur froh, dass ich mich mit ausreichend Getränken und Essen versorgt habe, denn nun werde ich, zusammen mit vielen anderen noch viele Stunden in diesem Zug verbringen und die Vorräte im Bord Bistro und Bord Restaurant werden auf jeden Fall nicht ausreichen – das ist mir jetzt schon klar.

Nach längerer Wartezeit wird dann mitgeteilt, dass sich die Fahrleitung für den Umweg entschieden hat. Nun geht es also erstmal zurück in Richtung Venlo, hier wird ein weiterer längerer Stopp eingelegt, die Türen werden geöffnet und man kann sich auf dem Bahnsteig die Füße vertreten. Um 15.15 Uhr (eine Stunde vor der geplanten Ankunftszeit in Frankfurt Flughafen!) starten wir dann die Runde durch Holland.
Um 15.55 Uhr verlassen wir Eindhoven, das Bordbistro hat hier nochmal Proviant laden können und ich schaffe es tatsächlich mir noch einen Cappuccino zu kaufen, bevor die Milch wieder aus ist.
Die endlose Fahrt durch Holland vergeht erstaunlich schnell, ich bin irgendwie dauernd beschäftigt: Kaffee kaufen, Toilette, mich und dann Peter über den neuesten Zeitplan informieren, dieser ändert sich gefühlt minütlich, essen, trinken.

Kurz vor Aachen schnüffelt dann ein Schäferhund mit zwei deutschen Zollbeamten im Gepäck und bei den Passagieren (sehr angenehm, wenn man Angst vor Hunden hat) nach Drogen.

Um 17.30 Uhr verlassen wir dann endlich Aachen (nun würde ich eigentlich seit zwanzig Minuten im Regionalzug zwischen Frankfurt und Alzey sitzen). In Köln leert sich der Zug merklich, viele können ab hier einen anderen ICE in Richtung München nehmen.

Um 19.10 Uhr sind wir dann endlich mit 2 h 40 minütiger Verspätung in Frankfurt Flughafen.

Meinen Anschlusszug um 19.24 Uhr nach Mainz erreiche ich gut, aber kaum zu glauben, auch dieser hat wieder mehrere ungeplante Stopps auf der Strecke, so dass in Mainz aus einer Umsteigezeit von 10 Minuten 2 Minuten werden, in denen ich auch noch das Gleis über die Treppe wechseln muss (für den Aufzug bleibt keine Zeit). Ein sehr netter junger Mann, der ebenfalls diesen Umstieg macht, bleibt dann noch in der Tür des Anschlusszugs stehen bis ich da bin, sonst wäre er mir vermutlich direkt vor der Nase weggefahren.

Jetzt ist es 20 Uhr und es geht auf die letzte Zugetappe meiner Rückfahrt. Ankunft in Osthofen soll um 20.30 Uhr sein, von dort würde es dann mit dem Bus zu meinem Heimatbahnhof gehen, Ankunft dort wäre 21.18 Uhr. Ganz so schlimm wird es für mich nicht, in Osthofen wartet Peter mit dem Auto. Unglaublicherweise verläuft aber auch dieser Reiseabschnitt nicht ohne Störung, noch ein Stopp wäre es vor Osthofen, da kommt der Zug wieder mal zum Stehen, diesmal wegen einer ungeplanten Signalreparatur. Peter schreibt mir dann, dass ich am nächsten Bahnhof aussteigen soll, das ist mit dem Auto nicht weit von Osthofen und wer weiß, wie lange der Zug noch bis dahin brauchen wird.

Bis wir dann zu Hause sind, ist es 21 Uhr. Ein sehr langer, nervenaufreibender Tag geht damit zu Ende und leider auch der Urlaub.

Damit waren nun sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt nur die beiden Fahrtabschnitte mit der holländischen Bahn zwischen Rotterdam und Utrecht pünktlich, sonst kein einziger! Keine Ahnung, wie das so schlimm werden konnte mit der Deutschen Bahn und erst recht keine Ahnung, wie das auch nur einigermaßen zeitnah verbessert werden kann. Etwas Positives zur Deutschen Bahn kann ich immerhin vermelden: am Mittwochabend, also dem Tag nach meiner Ankunft zu Hause, habe ich über mein Kundenkonto bei der Bahn meinen Schadensersatzanspruch (50% des Fahrpreises bei mindestens 2 Stunden Verspätung) geltend gemacht und am nächsten Morgen war bereits die Bestätigung über die Rückzahlung von EUR 19,00 in meinem E-Mail-Postfach. Auf dem Konto war das Geld dann auch gleich nach dem langen Wochenende am Montag.

Wetter: sonnig, windig, ca. 15° - 20° C

In den nächsten Tagen folgt dann noch das Fazit, dann habt ihr es geschafft  ;)
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Horst am 12. August 2026, 20:57:14
Au weia.
Ich bin ja (zum Glück) kein Bahnfahrer aber wenn man das so liest scheint mir die Fahrt zu den Buffington Pockets einfacher als mit der Deutschen Bahn im ICE von Holland nach Hause zu kommen. Eine Besserung scheint mir hier auch nicht in Sicht ...
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 13. August 2026, 09:00:01
Das sag noch einer was über die Frusthansa. Die Deutsche Bahn sollte sich mal ein Beispiel an China und Japan nehmen. Dort fahren alle Züge pünktlich.

Gut, dass du für Proviant gesorgt hattest :thumb:. Frust und Hunger sind nämlich eine Zeitbombe.

Wir haben auch einen Bahnhof im Ort, doch ich bin in den 20 Jahren nur einmal mit der Bahn gefahren.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Susan am 14. August 2026, 12:29:34
Abenteuer Deutsche Bahn  ::) Zum Glück muss ich auch nur noch sehr selten Fernstrecke mit dem Zug fahren. Ohne ausreichend Proviant würde ich das nicht mehr wagen.

Schade, dass der Aufenthalt in Rotterdam schon vorbei ist.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Paula am 15. August 2026, 18:19:29
Hallo Christina,
Heute ist in München Feiertag und jetzt hatte ich endlich mal Zeit genug und Muße deinen Reisebericht zu lesen  :)
Einen Städtetripp nach Rotterdam hatten wir mal für Ostern geplant, da war aber alles so überteuert dass wir es gelassen haben. Wie ich jetzt an deinem Bericht sehe müssen wir das unbedingt mal nachholen. Ich hätte nicht gedacht dass es so eine schöne Stadt ist! So viele schöne moderne Bauten hätte ich nicht erwartet und genügend alte Gebäude und Villenviertel gibt es auch, die Mischung ist perfekt in meinen Augen, dazu noch die vielen Kunstwerke - am besten hat mir der Fuchs gefallen (warum bekommt man typischerweise in anderen Städten immer nur bunte Kühe zu sehen?).
Eigentlich hat mir bis auf den ekligen Schaum am Strand alles gefallen…und am Königstag hätte ich mir bestimmt den Umzug angeschaut, hat dich das nicht interessiert? Gut wenn man Menschenmassen nicht mag ist das natürlich eine Herausforderung.
Dein Hotel sieht optisch klasse aus, ich hätte bei innenliegenden Fenstern nur Angst nicht richtig lüften zu können, hell genug war es ja aber wie war es mit Frischluftzufuhr?
Und zur Bahn braucht man bald nix mehr zu sagen, am Donnerstag war ich bei einer Freundin zu Besuch, abends bekam sie Fotos von Ihrer Tochter und den beiden Enkeln, die sind wie du von Holland nach München zurück gefahren. In Holland alles klasse, im deutschen Zug fiel die Klimaanlage aus. Und draußen 38 Grad, drinnen eher mehr. Auf den Fotos sieht man die Kinder nackt auf dem Boden liegend mit hochroten Köpfen die waren völlig fertig, laut ihrer Tochter unerträgliche Zustände und die schlimmste Zugfahrt ever. Und ähnliche Berichte habe ich auch schon in der Zeitung gelesen. Für mich ein Grund von Juni bis August keine Reisen per Deutscher Bahn mehr zu planen. Zum Glück habe ich aktuell noch ein Auto. Eigentlich wollte ich das in den nächsten Jahren spätestens zur Rente abschaffen, aber das überlege ich mir noch mal, bis dahin iwird es vermutlich noch schlimmer, die Sommertemperaturen werden in Zukunft ja eher noch steigen…
Ich hoffe die stressige Rückreise hat dir nicht die Erholung geraubt.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 17. August 2026, 18:42:27
Hallo Paula,

freut mich, dass du noch nachgelesen hast. Mich hat Rotterdam auch sehr positiv überrascht.

Das Fenster im Hotelzimmer konnte man nicht öffnen, es war durchgängig eine Art Klimaanlage (die war nicht zu hören oder zu spüren) in Betrieb, die wohl auch die Luft ausgetauscht hat. Aber es gibt ja auch viele Zimmer in diesem Hotel, die Fenster nach außen zur Straße hin haben und sogar auch welche mit Zugang zu einem Balkon / Dachterrasse, da hat man dann auch einen schönen Blick auf die Hochhäuser der Umgebung.

Die Bahn und die ausfallende Klimaanlage, das kenne ich noch von vor zwanzig Jahren, da bin ich ein paar Jahre täglich zwischen Augsburg und München gependelt, da ist auch öfter die Klimaanlage im ICE ausgefallen. Immerhin war das eine nicht allzu lange Fahrt und damals war es noch nicht ganz so heiß, wobei 2003 ja auch so ein langer, heißer Sommer war (mit etwas geringeren Temperaturen), von Holland bis München und dann noch mit kleinen Kindern muss das unerträglich sein. Und leider ist das ja nicht das einzige Problem bei der Bahn.

Kurzfristig war dann die Erholung weg, aber so etwas ist (wie ja auch Flugverspätungen oder Jetlag) zum Glück meist recht schnell vergessen und zurück bleibt die schöne Erinnerung an den Urlaub.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 17. August 2026, 18:44:33
Fazit:

Es war ein rundum gelungener Urlaub. Endlich mal wieder gab es keinerlei Beeinträchtigungen, die das Erleben und Genießen erschwerten: an Gesundheit und Wetter gab es nichts auszusetzen, vorab gab es kein Bangen wegen Streiks oder ähnlichem.

Rotterdam selbst hat mir sehr gut gefallen, die vielen Hochhäuser mit ihren architektonischen Feinheiten waren sehr interessant, aber auch der Kontrast dazu, die traditionell holländische Architektur mit roten Backsteinen und Giebeln kam mit Dordrecht, Delfshaven und Schiedam nicht zu kurz und auch die Natur konnte ich mit Meeresstrand, botanischem Garten und diversen Parks erleben. Zu meinen Highlights gehören die Van Nelle Fabrik und das Sonneveld Huis, die Spiegelarchitektur von Depot Boijman und Fenix und der Ausblick von der Laurentius Kirche.

Auch unabhängig von einzelnen Besichtigungen habe ich mich in Rotterdam sehr wohl gefühlt, wie immer in Holland waren die Leute sehr freundlich, Essensmöglichkeiten waren immer vorhanden und lecker, auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln und in ärmeren Wohnvierteln habe ich mich nie unsicher oder unwohl gefühlt, einzige kleine Ausnahme, der Bereich um den Luchtsingel / Hofbogen.

Habe ich den Euromast bzw. den Ausblick von dort vermisst? Es bleibt ärgerlich, dass dort geschlossen war, aber mit dem Ausblick von der St. Laurens Kirche und den Skyline Anblicken, als ich zu Fuß und per Schiff unterwegs war, kann ich gut leben.

War der Königstag störend? Ja ein bisschen schon, ohne ihn wäre ich sowohl am Sonntag als auch am Montag gegen Nachmittag noch gemütlich durch die Innenstadt gebummelt und hätte das Ganze nochmal auf mich wirken lassen, wäre vielleicht auch noch in den einen oder anderen Laden, so war es mir an beiden Tagen in der Innenstadt einfach viel zu voll.

Weil ich jahreszeitlich bedingt keine Möglichkeiten hatte die Stadt bei Dunkelheit zu erleben, plane ich Rotterdam in ein paar Jahren nochmal zu besuchen, dann irgendwann zwischen November und Februar und mit den zwei Schwerpunkten Nachtfotografie und Museen, letztere sind bei meinem jetzigen Besuch etwas zu kurz gekommen. Und dann wird hoffentlich auch der Euromast geöffnet sein.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Susan am 17. August 2026, 20:42:12
Herzlichen Dank für diesen interessanten und ausführlichen Reisebericht über Rotterdam. Die Stadt ist um einiges vielseitiger und sehenswerter als ich erwartet hätte.

Ich hatte ja schon einige Frühjahre einen Tulpentrip im April im Sinn (immer zu dicht gedrängte Feiertage). Wenn der Plan endlich mal ausgeführt wird, kommt nun auch das andere Holland mit ins Programm.

 :danke:

Wünsche dir schon mal einen schönen Urlaub in Finnland
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Horst am 18. August 2026, 09:19:38
Danke fürs Mitnehmen. Das war ein mehr als gelungenes (illustriertes) Bewerbungsschreiben für Rotterdam!  :D

Obwohl ich inzwischen Groß-Städten nicht mehr so viel abgewinnen kann wie in jüngeren Jahren, könnte ich mir nach Deinem Bericht einen Besuch von Rotterdam durchaus vorstellen und das heißt bei mir wirklich was.
Nur die Anreise im Zug scheint mir nicht wirklich nachahmenswert. ;)
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Ilona am 18. August 2026, 10:49:34
Auch ich sage :danke: für die Berichterstattung vom anderen Holland. Du hast eine tolle Vielfalt von Rotterdam gezeigt.

 Mal schauen, wie ich in ein paar Jahren zu Fuß unterwegs sein kann.

Vielleicht legen wir irgendwann mal im Hafen an, denn mit dem Zug fahren wir garantiert nicht :floet:.
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Silv am 18. August 2026, 13:23:13
Das wäre für mich der reinste Horror gewesen mit dieser Zugfahrt.  :o

Vielen Dank für deinen Bericht. Auch wenn ich nicht gerne Großstädte besuche, aber in Reiseberichten schaue ich sie gerne an  ^-^
Titel: Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
Beitrag von: Christina am 18. August 2026, 17:52:26
Vielen Dank euch allen fürs Begleiten und Kommentieren, freut mich, dass ich zumindest bei dem ein oder anderen eine Inspiration für einen zukünftigen Städtetrip geben konnte.

Noch ein Tipp für alle, die nicht mit der Bahn anreisen wollen und trotzdem sich den Großstadtverkehr und die hohen Parkgebühren in den Hotels sparen wollen: Übernachten in Hoek van Holland, da gibt es einige Unterkünfte, u.a. die Ferienhäuser direkt am Strand, und mit der Metro ist man in ca. 30 min in der Innenstadt und kann morgens und abends die Ruhe abseits der Großstadt genießen.