Autor Thema: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020  (Gelesen 769 mal)

Ilona

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #15 am: 12. Februar 2021, 11:10:54 »
Gut, die Zuckelei auf der Landstraße war nervig, doch du hast dein Ziel erreicht.

Die Ferienwohnung ist absolut toll  :beifall: und die Sporteinheit (99 Stufen) war nach der langen Autofahrt nicht schlecht.

Das Seebad gefällt mir schon mal gut und jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht :adieu:.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Christina

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #16 am: 12. Februar 2021, 18:11:06 »
Der Ausblick von Altefähr nach Stralsund ist wirklich mal toll gewesen, bis man ihn durch das neue Meeresmuseum so verschandelt hat.
Ich bin die Strecke von Altefähr nach Stralsund schon geschwommen, einmal im Jahr findet das Sundschwimmen statt. Wer gern schwimmt, für den ist das ein besonderes Erlebnis.

Mir gefällt das Meeresmuseum, ich mag so moderne Architektur zwischen alten Häusern.

Um das Schwimmen zw. Altefähr und Stralsund beneide ich dich, das muss toll sein, aber sicher auch anstrengend. Das findet vermutlich im Sommer statt, so dass Meer und Luft einigermaßen angenehm von den Temperaturen her sind?
LG Christina

Silke

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #17 am: 12. Februar 2021, 21:26:36 »


Der Ausblick von Altefähr nach Stralsund ist wirklich mal toll gewesen, bis man ihn durch das neue Meeresmuseum so verschandelt hat.
Ich bin die Strecke von Altefähr nach Stralsund schon geschwommen, einmal im Jahr findet das Sundschwimmen statt. Wer gern schwimmt, für den ist das ein besonderes Erlebnis.

Mir gefällt das Meeresmuseum, ich mag so moderne Architektur zwischen alten Häusern.

Um das Schwimmen zw. Altefähr und Stralsund beneide ich dich, das muss toll sein, aber sicher auch anstrengend. Das findet vermutlich im Sommer statt, so dass Meer und Luft einigermaßen angenehm von den Temperaturen her sind?

Ja, das findet im Sommer statt, am 1. Samstag im Juli. Als ich mitgeschwommen bin, hatten Luft und Wasser je 18 Grad, dazu war es bewölkt. Da ist die Kälte das Anstrengendste. Trotzdem toll, und ich bin da bestimmt mal wieder dabei, aber dazu muss ich die Gelegenheit zum Training haben. Und da darf man die Anmeldung nicht verpassen, nach 30 Minuten sind die reichlich 1000 Plätze ausgebucht.

Silv

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #18 am: 12. Februar 2021, 21:39:13 »
Ach, ich würde jetzt so gerne in so einem Strandkorb sitzen...
Liebe Grüße
Silvia

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #19 am: 13. Februar 2021, 20:47:55 »

Ja, das findet im Sommer statt, am 1. Samstag im Juli. Als ich mitgeschwommen bin, hatten Luft und Wasser je 18 Grad, dazu war es bewölkt. Da ist die Kälte das Anstrengendste. Trotzdem toll, und ich bin da bestimmt mal wieder dabei, aber dazu muss ich die Gelegenheit zum Training haben. Und da darf man die Anmeldung nicht verpassen, nach 30 Minuten sind die reichlich 1000 Plätze ausgebucht.

Ah 18 °C, da muss man wirklich trainiert haben.

Ach, ich würde jetzt so gerne in so einem Strandkorb sitzen...

Frag mich mal ;D
LG Christina

Christina

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #20 am: 13. Februar 2021, 21:04:10 »
3. Tag – Sonntag, 20.09.

Nach der vielen Autofahrerei an den letzten beiden Tagen kann das Auto heute mal stehenbleiben. Ich habe mir eine Wanderung aus dem Rother Wanderführer rausgesucht, die in Sellin startet.

Gegen 8.45 Uhr marschiere ich los, erster Stopp gleich beim Bäcker nebenan, der auch am Sonntag ab 7 Uhr aufhat. Ich kaufe belegte Brötchen als Proviant, falls zur Mittagszeit kein Restaurant in der Nähe sein sollte. Dann geht es weiter zur Wilhelmstrasse, im Wald hinter ihr ist Startpunkt der Wanderung. Bei diesem wunderbaren morgendlichen Licht und den wenigen Menschen, die unterwegs sind, kann ich einem Abstecher die Wilhelmstrasse entlang zum Häuser bewundern und zur Seebrücke nicht widerstehen – einfach schön.





Aber um 9.30 Uhr beginne ich dann tatsächlich die Wanderung. Sie verläuft zunächst durch schönen lichten Wald, hauptsächlich Buchen und Kiefern. Nur wenige andere Wanderer und Spaziergänger sind unterwegs. An einer Lichtung treffe ich auf die Schienen des „Rasenden Roland“, einer historischen Schmalspurbahn, deren erstes Teilstück 1895 in Betrieb genommen wurde, auf ein Streckennetz von 100 km anwuchs und nach der Wiederinbetriebnahme 1996 immerhin 24 km Strecke von Göhren nach Putbus fährt. Die Bahn ist aber nicht nur Touristenattraktion, sondern Teil des öffentlichen Nahverkehrs. In der Ferne höre ich regelmäßiges lautes Tuten, da warte ich an dieser für ein Foto idealen Stelle doch ab, bis der Zug hier durchfährt: ziemlich viel Dreck, der da, auch deutlich zu riechen, ausgestoßen wird, aber ein imposanter Anblick.


Einige Zeit lang führt der Wanderweg parallel zu den Schienen, dann weicht der Weg von ihnen ab und es geht kräftig bergauf zum ersten Ziel der Wanderung. Puh, so steil kann es an der Ostseeküste sein :schwitz:. Gegen viertel vor elf Uhr stehe ich dann vor dem Jagdschloss Granitz. Dieser Prunkbau steht auf dem 107 m hohen Tempelberg und wurde Mitte des 19. Jh vom Putbuser Fürsten Wilhelm Malte I. erbaut, der bei der Entwicklung des Tourismus auf Rügen eine entscheidende Rolle spielte. Vom 38 m hohen Turm in der Mitte des Schlosses, verantwortlich dafür war der damalige Oberlandesbaudirektor Karl Friedrich Schinkel, hat man damals wie heute einen traumhaften Blick, insbesondere bei dem heutigen Traumwetter. Aber leider, irgendwie hatte ich das schon befürchtet, wegen Corona ist ein Turmaufstieg nicht möglich, es sind nur die Innenräume zu besichtigen. Schade, aber der Anblick des Schlosses so mitten im Wald hat immerhin auch schon etwas (auf eine Innenbesichtigung ohne Turmbesteigung habe ich keine Lust).


Nach einer kurzen Bananenpause mit Blick auf das Schloss gehe ich weiter, komme etwas unterhalb des Jagdschlosses am schlossähnlichen Granitzhaus vorbei


und muss dann den gerade erklommenen Berg wieder hinab wandern.

Danach verlässt die Wanderung den Wald, eine schöne Kastanienbaumallee noch mit Kopfsteinpflaster


führt ins Dörfchen Lancken-Granitz, wo ich an der hübschen alten Backsteinkirche vorbeikomme.


Ab dem Ortsende von Lancken-Granitz wird die Landschaft richtig idyllisch: Wiesen, Sumpfwiesen, Kühe, Schafe und der Neuensiener und Selliner See, dazu, in meinem Rücken, die Hügel der Granitz mit dem Schlossturm in der Ferne – sooo schön.




Gegen 12 Uhr erreiche ich das Örtchen Seedorf mit Jachthafen


und Ferienhäusern am Neuensiener See. Perfektes Timing – fürs Mittagessen brauche ich nicht auf meinen Proviant zurückgreifen, sondern kann im Restaurant „Drei Linden“ lecker essen. Die Plätze draußen sind leider alle belegt, aber drinnen ist es mit Seefahrerdekoration auch sehr nett und die große Fensterfront ist geöffnet. Für mich gibt es eine Holunderlimo und ein Dorschfilet mit Linsen und Kartoffeln.

Eine Stunde später geht es weiter, an einigen hübschen Häusern vorbei


zum Ortsende von Seedorf, dann auf einem Pfad, teilweise Holzsteg, durch Wald und Sumpf immer am Wasser entlang oder oberhalb davon.




Eine dreiviertel Stunde später bin ich in Moritzdorf. Dort mache ich einen kurzen Abstecher über eine Holztreppe auf einen Hügel mit fantastischer Aussicht, dann geht es wieder runter und durch das Minidorf mit einigen schönen (Ferien)Häuschen bis zum Ufer.




Weiter geht es nur per Fähre, denn hier verbindet die Baaber Rinne den Selliner See mit der Having, die wiederum ins offene Meer mündet. Die Rinne ist nur 50 m breit, so dass die Bootsfahrt gerade mal eine Minute dauert. Der Bootsführer ist eine lokale Berühmtheit, er bewegt die Personen- und Fahrradfähre nämlich mit Muskelkraft und das in der Saison unendlich viele Male am Tag, allerdings hat das Boot auch einen Motor, der wohl doch häufiger eingesetzt wird, so auch bei meiner Überfahrt (1 EUR).



Auf der anderen Seite erreiche ich bald den Badeort Baabe, der Weg durch den Ort bis zum Strand zieht sich dann aber doch etwas. So bin ich froh, als ich das Ortszentrum mit Geschäften, Restaurants und Cafés erreiche, in einem Bäckerei-Café mache ich eine dringend nötige Pause mit Cappuccino und Marzipantorte.

Die Wanderung endet „offiziell“ in Baabe, von hier kann man mit dem Bus oder dem Rasenden Roland zurück nach Sellin fahren, es sind aber sowieso nur ca. 2,5 km am Strand oder der gepflasterten Strandpromenade entlang. Das mache ich gerne noch zu Fuß, habe ich doch heute das offene Meer noch gar nicht gesehen. Mal direkt am Wasser, mal auf der Strandpromenade schlendere ich nach Sellin. Dort halte ich mich noch eine Weile am Strand unterhalb der Steilküste auf, hier liegen hübsche Steine im Wasser, es gibt Möwen und viele Schwäne und auf dem größten Stein, einem Findling, der von den Gletschern hierhergetragen wurde, steht die Skulptur Kaysa (eine Frau, die ihr Haar auswringt, seit 2014). Dieses Geräusch wie das Wasser über die Steine plätschert, mag ich sehr gerne, das vermittelt so eine friedliche, ruhige Stimmung.


Gegen halb fünf bin ich dann zurück in der Wohnung.

Ach wie gut das tut, die Füße auf dem Sofa hochzulegen!

Um halb sieben mache ich mich nochmal auf den Weg zum Sonnenuntergang. Nein, leider nicht an der Seebrücke zu beobachten, denn die zeigt ja nach Osten, aber das Schöne an Sellin ist, es gibt nicht nur die Ostseeküste, sondern auch den Selliner See, über den man in Richtung Westen schauen kann.

Am südlichen Ende des Sees war ich ja auf meiner Wanderung heute schon, am Rande von Sellin, nur ca. 15 min zu Fuß von meiner Ferienwohnung, liegt das nördliche Seeende mit Anlegestelle für Ausflugsschiffe und Jachthafen. Dorthin spaziere ich nun und dort bietet sich eine wunderbare Kulisse für die Beobachtung des Sonnenuntergangs. Was für ein herrliches Ende eines herrlichen Tages!





Wetter: sonnig, ca. 24°C
Wanderung: Rother Wanderung Nr. 41 und in Teilen Nr. 40, ca. 18,2 km, 225 Höhenmeter
LG Christina

Susan

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #21 am: 13. Februar 2021, 21:36:46 »
Eine sehr schöne Wanderung! Da sieht alles so herrlich idyllisch aus.
Schönes Schlösschen, da hätte ich mir die Inneneinrichtung normalerweise gern angeschaut, aber nicht bei dem Prachtwetter.
Liebe Grüße
Susan

Silvia

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #22 am: 14. Februar 2021, 10:21:29 »
Wie schade... die Aussicht müsste traumhaft gewesen sein... ich hatte damals leider schlechtes Wetter und sehr wenig Sicht... fand aber die Wendeltreppe hoch viel interessanter

Ansonsten SEHR schöne Tour bei traumhaftem Wanderwetter  :thumb:

Ilona

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #23 am: 14. Februar 2021, 16:23:22 »
Zitat
Sie verläuft zunächst durch schönen lichten Wald, hauptsächlich Buchen und Kiefern

Einen lichten Wald kann ich gerade noch so akzeptieren :zwinker:.

Was für eine tolle Wanderung :beifall:. Die Marzipantorte hast du dir verdient.

Das Jagdschloss sieht toll und wie neu gebaut aus. Der rasende Roland verrust die Gegend zwar gewaltig, aber ist eine Augenweide.

Ist das Haus auf der Seebrücke ein Restaurant?
Liebe Grüße

Ilona

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Christina

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #24 am: 15. Februar 2021, 19:42:39 »

Ist das Haus auf der Seebrücke ein Restaurant?

Ja, ist ein Restaurant und auf dem Steg dahinter gibt es noch einige Verkaufshäuschen (Eis, Würstchen), die waren aber während ich dort war, immer geschlossen.
LG Christina

Christina

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #25 am: 15. Februar 2021, 20:03:50 »
4. Tag – Montag, 21.09.

Um 8.15 Uhr ist heute Abfahrt, es geht nach Sassnitz, ca. 30 km entfernt von Sellin, von dort möchte ich an der Kreideküste entlang bis zum nächsten Ort, Lohme wandern. Um diese Uhrzeit ist es wunderbar ruhig auf den Straßen, an der Baustellenampel, an der ich am Samstagnachmittag so lange warten musste, komme ich schnell durch. Insgesamt ist das Fahren hier auf Rügen aber eher mühsam, viele enge Straßen, viele davon Baumalleen, oft noch Kopfsteinpflaster, viele Urlauber, die entweder Zeit totschlagen möchten oder zu Hause nur breite, schnurgerade Straßen kennen und daher oft weit unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit (meist eh nur 80 km/h) bleiben.

Unterwegs tanke ich noch und bin dann gegen 9 Uhr am Parkplatz. Leider gibt es keinen Tagestarif und ich muss pro geplanter Stunde 1 EUR einwerfen, obwohl ich noch gar nicht weiß, wann ich wieder zurückkommen werde. So eine Regelung hat mich letztes Jahr in Noordholland an vielen Parkplätzen schon gestört. Ich werfe 8 EUR ein, das reicht bis 17.20 Uhr, Zeitdruck kann ich im Urlaub und erst recht bei einer Wanderung nicht gebrauchen. Obwohl eigentlich Kartenzahlung möglich ist, werden sowohl meine EC Karte, als auch meine Kreditkarte als ungültig abgewiesen. Egal, Münzen habe ich extra in großer Anzahl dabei. Die Toilette sollte sich gegen Einwurf von 50 Cent öffnen lassen, tut sie aber nicht, wie ein anderer Urlauber erfahren muss. Das ist doof, aber es bleibt mir nichts Anderes übrig, als loszuwandern. Zunächst geht es für ein paar Minuten durch ein Wohngebiet mit Wohnblocks noch aus DDR Zeiten, dann erreiche ich auch schon den Wald und damit den Nationalpark Jasmund, den kleinsten Nationalpark Deutschlands.

Ein Pfad führt durch lichten Buchenwald, die Blätter zeigen schon Ansätze von herbstlicher Verfärbung, die Sonne malt Lichtflecke auf den Boden, nur das Rascheln der Blätter im leichten Wind ist zu hören – ich genieße es sehr, hier entlang zu wandern. Ich entdecke eine Stelle mit einem dicken Baumstamm und Gebüsch drumherum, wo ich endlich „austreten“ kann. Nun macht das Wandern noch mehr Spaß.



Nach kurzer Zeit gibt es die Möglichkeit, zum Strand abzusteigen, der Waldpfad führt als Hochuferweg oben auf der Steilküste entlang, wie in Sellin ist die Gefahr des Abbruchs der Küste sehr hoch, so dass man nur an den gekennzeichneten Stellen an den Strand gehen kann, wobei dies ohne die zu diesem Zweck gebauten Treppen sowieso praktisch nicht möglich wäre, so steil ist es. Natürlich nutze ich diese Möglichkeit – und stehe bald staunend am Strand und blicke auf weiße Kreidefelsen, von der Sonne angestrahlt. Meine Güte, ist das schön hier! Eine ganze Weile halte ich mich hier auf, spaziere mal in die eine, mal in die andere Richtung, setze mich auf einen Stein und höre dem Plätschern der Wellen zu.





Dann steige ich wieder zum Hochuferweg hinauf und folge ihm, es geht fast im stetigen Wechsel bergab und bergauf und das häufig auch sehr steil, das schöne ist aber, dass es kein Geröll gibt, sondern der Weg ausschließlich aus einer Erde-Sand Mischung besteht, bei der es keinerlei Rutschgefahr gibt, so mag ich das. Nur auf die zahlreichen Baumwurzeln muss man aufpassen.

Ich komme an der „Waldhalle“ (seit 2017 Michael-Otto-Haus, UNESCO Welterbeforum) vorbei, hier gibt es die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zu essen, es gibt Toiletten und eine Ausstellung über den Nationalpark. Das Gebäude wurde zu Beginn des 20. Jh. errichtet als Ausflugsgaststätte. Schon damals war Rügen ein beliebtes Reiseziel.


Weiter auf dem Hochuferweg gibt es nun recht häufig wunderbare Ausblicke auf die Kreideküste.



Dann gibt es noch ein weiteres Mal die Möglichkeit zum Strand zu gelangen, über einen hölzernen Treppenweg und zum Schluss eine steile Treppe aus Metall gehe ich zum Kieler Ufer hinunter – wie auch am vorigen Strandzugang ist es hier wunderschön, als Zugabe fließt direkt neben der Treppe ein kleiner Wasserfall an den Strand. Wieder bleibe ich einige Zeit und versuche, die Schönheit der Natur in mich aufzusaugen.






Wieder auf dem Hochuferweg


erreiche ich bald eine weitere Aussichtsstelle – mit einem unfassbar traumhaften Anblick – die Kreideküste im leichten Gegenlicht, den Strand, an dem ich vorhin war – dieser Ausblick gehört für mich zum schönsten, was ich bisher an Naturwundern gesehen habe. Und nun habe ich auch noch das Glück mit genau dieser Aussicht Mittagspause (es gibt das Schnitzelbrötchen, das ich gestern nicht gegessen habe, da ich im Restaurant zu Mittag war, durch die Nacht im Kühlschrank war es immer noch gut) machen zu können, es gibt einen einzelnen Baumstumpf als Sitzgelegenheit, von den anderen Wanderern, die ab hier nun etwas häufiger werden, nicht beachtet. Ewig könnte ich hier sitzen und schauen.



Irgendwann muss ich dann aber weiter, der Hochuferweg nähert sich seinen (heutzutage) bekanntesten Stellen (nachdem die Wissower Klinken 2005 ins Meer stürzten), der Victoriasicht mit Blick auf den Königsstuhl und der Königsstuhl selbst.

Schon von Ferne sehe ich durch die Bäume sehr viele Menschen herumstehen und kann es mir zunächst gar nicht erklären. Dann erreiche ich die Stelle und sehe, dass die sog. Victoriasicht aus drei kleinen Aussichtsplattformen aus Holz besteht, der Rest des Bereichs unmittelbar an den Klippen ist durch Zäume weiträumig abgesperrt. Die Menschen stehen tatsächlich auf einem Waldpfad mitten in der Natur in einer langen Schlange an, um für eine eng begrenzte Zeit auf eine der Aussichtsplattformen zu kommen. Da fehlen mir, diesmal im negativen Sinne, die Worte. Und es herrscht ein ziemlicher Lärm, da diese Leute mit Kind und Kegel hier sind, mit Kinderwagen auf diesem wurzeligen Waldpfad, mit Stoffschühchen, mit kleinen Hunden,…

So schnell ich kann, laufe ich an dieser Stelle vorbei, nein danke, dann verzichte ich auf die Victoriasicht eben, das was ich heute schon gesehen habe, kann sowieso nicht mehr getoppt werden.

Kurz nach den Aussichtsplattformen der Victoriasicht erreiche ich den Endpunkt einer geteerten Straße, bis hierher kann man mit dem Bus vom etwas entfernten Großparkplatz fahren. Hier befindet sich auch der Zugang zum Königsstuhl, dieser ist gebührenpflichtig, man kann dort auch eine Ausstellung zum Nationalpark anschauen, auch hier eine lange Schlange am Eingang. Ich gehe schnell weiter und bin schon ein paar Minuten später wieder fast alleine auf der Fortsetzung des Hochuferwegs in Richtung Lohme.


Ausblicke aufs Wasser gibt es nun keine mehr und so schön der Waldweg auch ist, es zieht sich etwas. Daher bin ich froh, als ich den Strand von Lohme erreiche. Er liegt schon im Schatten, nur der Findling Schwanenstein wird noch schön von der Sonne beleuchtet.


Kurz darauf bin ich gegen 14 Uhr am kleinen Hafen von Lohme. Ein Stück den Berg hinauf befindet sich das Café „Niedlich“ am Steilhang, von der Terrasse hat man einen wunderbaren Blick über den Hafen, aufs Meer und bis zum Kap Arkona. Ich bekomme einen Tisch im vorderen Terrassenbereich und bestelle Käsekuchen und einen großen Milchkaffee. Nicht nur die Aussicht ist toll hier, sondern auch die Ruhe, hier ist nichts mehr vom Trubel bei Königsstuhl und Victoriasicht zu spüren, obwohl Lohme nicht weit davon entfernt ist.


Nach einer halben Stunde gehe ich den steilen Weg zur Hauptstraße von Lohme hinauf, wo um viertel vor drei der Bus zurück zu meinem Ausgangspunkt Sassnitz fährt (EUR 3,20).

Nur eine Viertelstunde dauert die Fahrt bis zur Hauptstraße von Sassnitz. An dieser gehe ich entlang bis ich oberhalb des Hafens bin. Eine moderne Fußgängerbrücke führt hinunter ans Wasser.


Vom Hafen sehe ich nicht viel, irgendwie verpasse ich den Weg auf die Mole, von der aus man die Schiffe betrachten kann. Hätte ich nicht schon eine 12 km Wanderung hinter mir, würde ich umdrehen, so gehe ich an der Strandpromenade weiter. Bald kommt die am Hang liegende Altstadt in Sicht, der Sassnitz den Beinamen „Weiße Stadt am Meer“ verdankt.


Auch in Sassnitz gibt es eine Seebrücke, leider darf diese schon seit Jahren wegen Baufälligkeit nicht betreten werden, kaum zu glauben, dass das bei dem Geld, das die vielen Touristen jedes Jahr in Rügen lassen, passieren kann. Ein Stückchen weiter steht die Konzertmuschel des Rügener Ingenieur Ulrich Müther von 1987, diese wurde 2018 von der Stiftung Wüstenrot restauriert. Scheinbar weiß die Stadt nichts mit ihr anzufangen, sie steht einsam und ungenutzt da – sehr schade.


Ulrich Müther war in der DDR (und darüber hinaus) für seine „hyperbolischen paraboloiden Betonschalen“ oder „doppelt gekrümmten Betonschalentragwerke“ bekannt, auf Rügen gibt es noch ein paar mehr Schalenbauten, die ich mir in den nächsten Tagen noch anschauen möchte, der „Teepott“ in Warnemünde ist auch von ihm, ebenso die inzwischen abgerissene Gaststätte „Ahornblatt“ in Berlin und das Restaurant „Seerose“ in Potsdam. Interessanterweise wurde auch die Kuppel des Zeiss Planetarium in Wolfsburg 1983 von Müther konstruiert, im Gegenzug wurden an die DDR 10.000 VW Golf geliefert.

Ich schlendere durch die kleine, aber feine Altstadt langsam den Hang wieder nach oben.




Gegen 16 Uhr bin ich am Parkplatz.

Die Rückfahrt dauert erwartungsgemäß deutlich länger als die Hinfahrt, über eine Stunde brauche ich für die 30 km.

Auf der Terrasse meiner Ferienwohnung gibt es in der warmen Abendsonne gemütlich etwas zu essen, für einen Abendspaziergang bin ich heute zu müde. Ich denke nochmal an die wunderschönen Kreidefelsen zurück, die ich heute sehen durfte und beschließe, falls es nächste Woche nochmal einen sonnigen Tag gibt, mir den Anblick ein zweites Mal zu gönnen, dann vielleicht auch mit Victoriasicht.

Wetter: sonnig, ca. 22 °C
Wanderung: Rother Wanderung Nr. 29, 12,4 km, 200 Höhenmeter
LG Christina

Susan

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #26 am: 15. Februar 2021, 20:38:49 »
Oh, wie ich das hasse: dringend auf Box müssen und dann wird mein Geld nicht genommen. In der Natur nicht ganz so schlimm, in der Stadt dann peinlich  :o

Der Hochuferweg gefällt mir; schön lichter Wald, Strandzugänge und tolle Aussichten auf Kreidefelsen. Ich glaube, ich wäre an deinem Picknickplatz hängen geblieben  ;) So viel schöner können die berühmteren Stellen kaum sein.

Vielleicht gibt ja an der Konzertmuschel wieder Konzerte, wenn das wieder möglich ist?
Liebe Grüße
Susan

Silke

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #27 am: 15. Februar 2021, 20:40:17 »
Tolle Wanderung.
Am Königsstuhl konnte man früher auch eine Treppe zum Wasser runter gehen. Aber ich glaube, die ist auch seit einiger Zeit wwgen der Abbruchgefahr gesperrt. Zu dem Parkplatz führt von dort aus auch ein schöner Wanderweg durch tollen Buchenwald.

Ilona

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #28 am: 16. Februar 2021, 09:55:50 »
Die Parkzeit hast du perfekt abgeschätzt :thumb:.

Das mit der geldverweigernden Toilette ist unschön und geht bestimmt öfter in die Hose :cool2:. Also wenn man in einem Touristenort sowas hinstellt, dann muss das stille Örtchen auch regelmäßig gewartet werden. Gut, dass auf dem Wanderweg nicht so viel los war und es Bäume gab. In diesem Fall mag ich dichten Wald auch  :zwinker:.

Die Kreidefelsenwanderung hat mir sehr gut gefallen. Abseits der Menschenmassen kann man seine Akkus wieder aufladen.
Liebe Grüße

Ilona

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Re: 2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
« Antwort #29 am: 16. Februar 2021, 12:02:03 »
Was für ein traumhaftes Wetter für die Tour   :herz: