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Alltag in Corona-Zeiten
Christina:
Zum Homeschooling: in BaWü hat jetzt nach den Pfingstferien der Unterricht wieder begonnen, aber in mehreren Schichten und freiwillig. Meine Schwester hat sich entschieden, ihre Jungs weiterhin zu Hause zu lassen, da sich alle an die Situation gewöhnt haben. Und da sind sie bei weitem nicht die einzige Familie, die so entschieden hat.
Rainer, ja ich finde und fand die Corona Maßnahmen richtig, sie sind ja schon wieder weitgehend gelockert, ich sehe/sah einfach keine Alternative dazu. Und wir sind ja nicht das einzige Land, sondern praktisch alle machen dasselbe (Und wenn ich sehe, dass in Peking schon wieder drastische Maßnahmen wegen Neuinfektionen verhängt werden, bestätigt mir das die Richtigkeit des Vorgehens, denn die Chinesen stellen die Interessen und die Gesundheit der Bevölkerung sehr weit hinten an, die Wirtschaft einzuschränken und weiter zu gefährden, wird sicherlich nur gemacht, wenn es gar nicht anders geht). Und ja, die wirtschaftlichen Probleme dadurch sind heftig, ich habe meinen Job noch, aber es ist von Monat zu Monat ungewiss, ob es so bleibt, das gleiche gilt für Peter. Aber ich denke, dass langfristig sich alles weitgehend wieder bessern wird.
Rainer:
--- Zitat von: Christina am 15. Juni 2020, 18:53:45 ---Rainer, ja ich finde und fand die Corona Maßnahmen richtig, sie sind ja schon wieder weitgehend gelockert, ich sehe/sah einfach keine Alternative dazu.
--- Ende Zitat ---
D.h. also jetzt werden die Infektionszahlen wieder sprunghaft ansteigen, resp. hätten sie eigentlich seit einigen Wochen wieder machen müssen. Wenn schon, denn schon. Oder wie? Irgendwo ist da doch der Wurm drin, nicht wahr? Wenn die Maßnahmen doch wirklich alle notwendig waren, warum gehen die Zahlen nicht seit Wochen entsprechend hoch?
Im Gegenzug dazu wird es nach dem Sommer einen furchtbaren Kahlschlag geben, Millionen Menschen werden ihren Arbeitsplatz verlieren (die im Moment noch in Kurzarbeit verharren) und es wird eine Masseninsolvenz geben. Das ist momentan nur künstlich per Gesetz nach hinten verschoben worden. Aber das wird kommen und dann bin ich mal gespannt, ob die Begeisterung weiterhin keine Grenzen kennt. Das Ausmaß des Desasters wird sich nach und nach immer mehr zeigen.
Heute habe ich die neuesten Zahlen aus England gelesen. Das ist ja grauenhaft, Brexit hin oder her, aber so etwas gönnt man doch keinem. Da ist das Brutto Inlands Produkt alleine im April um furchtbare 20%(!!!!!) eingeknickt. Was das letztendlich bedeutet, das kann man überhaupt noch nicht erfassen, so furchtbar ist das. Und auch dort sind "nur" 30.000 Menschen in 3 Monaten gestorben. In den letzten 100 Tagen sind in England ca.180.000 Menschen gestorben. Davon waren anscheinend 150.000 "scheißegal" ("Business as usual"), aber die 30.000 an Corona infizierten rechtfertigen so einen irrsinnigen Einbruch der Wirtschaft?
Ich behaupte nicht, dass Corona harmlos ist. Natürlich nicht. Aber ich verstehe nicht, warum es diesen wahnsinnigen Stellenwert bekommt. Tot ist doch tot, oder nicht?
Horst:
Den Erfolg bei der Bekämpfung von Corona in Deutschland brachten ja ganz andere Maßnahmen - nicht der Lockdown. Der war nutzlos - allerdings nicht wirkungslos.
Die "Wirkung" sagen viele Ökonome für den Zeitraum Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 voraus, aufgrund der milliardenschweren staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für vom Lockdown geschädigten Unternehmen und noch mehr die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende September (darf noch bis März 2021 verlängert werden).
In den letzten Wochen habe ich auch keinen Börsianer oder Wirtschaftsexperten gehört, der nicht von einer saftigen Inflation ausgeht, im Moment wird das Geld ja wie Klopapier produziert.
Also so ab späten Herbst würde es mich nicht wundern, wenn der Großteil der Bevölkerung (vor allem die, deren Arbeitsplätze es dann nicht mehr gibt) die Entscheidungen aus dem März noch einmal in einem anderen Licht sieht ... darf natürlich gerne anders kommen aber alles spricht im Moment dafür.
serendipity:
Ich war länger nicht hier - einfach weil mir die Art und Weise der Diskussion nicht gefallen hat und ich diese im privaten und vor allem beruflichen Umfeld zur Genüge hatte. Ich stehe zu 100 % bei Christina
--- Zitat von: Christina am 15. Juni 2020, 18:53:45 ---Zum Homeschooling: in BaWü hat jetzt nach den Pfingstferien der Unterricht wieder begonnen, aber in mehreren Schichten und freiwillig. Meine Schwester hat sich entschieden, ihre Jungs weiterhin zu Hause zu lassen, da sich alle an die Situation gewöhnt haben. Und da sind sie bei weitem nicht die einzige Familie, die so entschieden hat.
Rainer, ja ich finde und fand die Corona Maßnahmen richtig, sie sind ja schon wieder weitgehend gelockert, ich sehe/sah einfach keine Alternative dazu. Und wir sind ja nicht das einzige Land, sondern praktisch alle machen dasselbe (Und wenn ich sehe, dass in Peking schon wieder drastische Maßnahmen wegen Neuinfektionen verhängt werden, bestätigt mir das die Richtigkeit des Vorgehens, denn die Chinesen stellen die Interessen und die Gesundheit der Bevölkerung sehr weit hinten an, die Wirtschaft einzuschränken und weiter zu gefährden, wird sicherlich nur gemacht, wenn es gar nicht anders geht). Und ja, die wirtschaftlichen Probleme dadurch sind heftig, ich habe meinen Job noch, aber es ist von Monat zu Monat ungewiss, ob es so bleibt, das gleiche gilt für Peter. Aber ich denke, dass langfristig sich alles weitgehend wieder bessern wird.
--- Ende Zitat ---
Ich finde solche Aussagen einfach nur zynisch und menschenverachtend:
--- Zitat von: Rainer am 15. Juni 2020, 19:46:24 ---Ich behaupte nicht, dass Corona harmlos ist. Natürlich nicht. Aber ich verstehe nicht, warum es diesen wahnsinnigen Stellenwert bekommt. Tot ist doch tot, oder nicht?
--- Ende Zitat ---
Ich bin ja nun seit mehreren Wochen wieder im Präsenzunterricht, zunächst mit den Viertklässlern (freiwillig), dann mit zwei Gruppen-Präsenzunterricht und nun in der zweiten Woche mit "allen" Kindern, wobei in meiner Klasse sich 6 Eltern fürs Home-Schooling entschieden haben, so dass ich nur 12 Schüler/innen habe, die immer noch mit 1,5 m Abstand sitzen und von normalem Schulbetrieb ist alles weit entfernt. Unsere Kinder im dritten Schuljahr sind nun mit ihrem Stoff durch und sie gehen ganz normal ins 4.Schuljahr. Viele sind durch die Homeschooling-Zeit "gewachsen" und haben mehr Eigenverantwortung und Selbstreflexion erlernt. Dafür bin ich den unterstützenden Eltern extrem dankbar - hier hat die Zusammenarbeit einfach gepasst!
--- Zitat von: Christina am 12. Juni 2020, 18:30:25 ---Und was das Homeschooling angeht, es gibt weltweit unzählige Kinder, die immer zu Hause unterrichtet werden, die oft sehr weit entfernt von anderen Familien leben, und ich nehme nicht an, dass diese Kinder alle geschädigt aufwachsen (wobei ich definitiv kein Unterstützer von Homeschooling bin, ich denke, dass der regelmäßige Umgang mit anderen Kindern wichtig ist), daher bin ich mir sicher, dass in ein paar Monaten, wenn alles wieder normal läuft, kein Kind mehr irgendwie durch Corona bleibende psychische Schäden hat.
--- Ende Zitat ---
Auch da bin ich wieder zu 100 % bei dir, Christina.
--- Zitat von: Silke am 12. Juni 2020, 19:06:56 ---Diese anderen Kinder sind das gewöhnt, sie kennen es nicht anders. Unsere Kinder wurden von heute auf morgen, ohne, dass sie Zeit hatten, sich daran zu gewöhnen oder das irgendwie zu verarbeiten, aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Das kann man m.E. nicht vergleichen. Es ist ja auch diese Ungewissheit, die die Kinder belastet. Die Kinder, die immer anders leben, wissen, dass das soundsoviele Jahre sein wird. Unsere Kinder wissen derzeit nicht bzw. wussten es bis vor ein paar Tagen nicht, wie lange das so weiter geht.
Dazu kommt die Angst der Eltern um ihre Existenz, die die Kinder natürlich mitbekommen. Wenn eine Mutter/Vater die Kinder betreuen muss und dadurch Angst haben muss, ihren/seinen Job zu verlieren, bekommen das die Kinder mit.
WENN in ein paar Monaten wieder alles gewohnt läuft, werden es die meisten Kinder verarbeiten. Wenn es wieder Schulschließungen gibt, werden das sicher nicht Alle verkraften.
--- Ende Zitat ---
Sorry, aber es ist die Aufgabe der Eltern eine besondere Situation zu vermitteln und dies ohne Angst
--- Zitat von: Silke am 12. Juni 2020, 07:19:17 ---Also manche Folgen sind schon ganz klar dem Lockdown zuzuschreiben.
Meine Nichte, 5.Klasse, leidet immens unter der Schulschließung. Sie sitzt zu hause und weint nur, will die Aufgaben nicht machen, es ist jeden Tag ein Kampf. Und sie war vorher ein ausgeglichenes Mädchen mit super Leistungen, die auch viel allein gemacht hat, vorzeitig aufs Gymnasium gewechselt ist usw. Sie ist nicht weit entfernt davon, eine Behandlung zu benötigen. Und mein Bruder meint, es geht Einigen in der Klasse so.
--- Ende Zitat ---
Vielleicht war auch einfach der vorzeitige Wechsel aufs Gymnasium nicht gut - es gibt Kinder, die leistungsmäßig viel weiter sind, aber nicht von ihrer emotionalen-sozialen Entwicklung. Sorry, wenn ein Kind nach einem einmaligem Schul-Lockdown eine therapeutische Behandlung braucht, dann liegt/lag vorher schon viel im Argen - wir haben an unserer Schule kein einziges Kind, welches solche Symptome zeigt.
Horst:
--- Zitat von: serendipity am 01. Juli 2020, 20:44:52 ---
--- Zitat von: Silke am 12. Juni 2020, 19:06:56 ---Diese anderen Kinder sind das gewöhnt, sie kennen es nicht anders. Unsere Kinder wurden von heute auf morgen, ohne, dass sie Zeit hatten, sich daran zu gewöhnen oder das irgendwie zu verarbeiten, aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Das kann man m.E. nicht vergleichen. Es ist ja auch diese Ungewissheit, die die Kinder belastet. Die Kinder, die immer anders leben, wissen, dass das soundsoviele Jahre sein wird. Unsere Kinder wissen derzeit nicht bzw. wussten es bis vor ein paar Tagen nicht, wie lange das so weiter geht.
Dazu kommt die Angst der Eltern um ihre Existenz, die die Kinder natürlich mitbekommen. Wenn eine Mutter/Vater die Kinder betreuen muss und dadurch Angst haben muss, ihren/seinen Job zu verlieren, bekommen das die Kinder mit.
WENN in ein paar Monaten wieder alles gewohnt läuft, werden es die meisten Kinder verarbeiten. Wenn es wieder Schulschließungen gibt, werden das sicher nicht Alle verkraften.
--- Ende Zitat ---
Sorry, aber es ist die Aufgabe der Eltern eine besondere Situation zu vermitteln und dies ohne Angst
--- Ende Zitat ---
Also Leute die monatelang mit 2-3 Kindern in einer 40-50 qm Wohnung, vielleicht noch ohne Balkon sitzen, Angst um ihren Job und den Verlust der Wohnung haben wenn sie ihre Miete nicht mehr zahlen können, sollen auf engstem Raum ihren Kindern nach Wochen voller Streß, Wutausbrüchen, Frustration pädagogisch und angstfrei erklären, warum sie mit so einer Situation überfordert sind?
Ernsthaft?
Ich habe nicht wenige Teilnehmer (Männer wie Frauen) die seit März nicht mehr am Unterricht bei mir teilnehmen können, weil sie alleinerziehend sind und ihre Kinder nicht in Kita oder Schule dürfen. Weiß nicht wie die Deine Aussage finden würden.
Um nicht den gleichen Hammer zu schwingen wie Du gegenüber Rainer verkneife ich mir einen Vergleich. :)
Hier tragen wir unterschiedliche Sichtweisen, Erlebnisse, Erfahrungen, Meinungen zusammen. Es ist natürlich auch ein emotionales Thema das uns ausnahmslos alle sorgt, ängstigt und umtreibt - wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen und manches was man dazu schreibt ist vielleicht auch ein Ventil das man nutzt, um irgendwo etwas loszuwerden, eben hier und das auch mal im Klartext.
Hätten wir alle die gleiche Meinung wär's ja auch langweilig ... ;)
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