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Menschen fotografieren...

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Rainer:

--- Zitat von: DocHoliday am 12. Januar 2014, 23:08:28 ---Deshalb war ich ja so verwundert, dass Du wusstest, dass er nur hilflos gegrinst hat und eigentlich gar nicht fotografiert werden wollte.

--- Ende Zitat ---

"Gewusst" habe ich das keinesfalls (und auch nicht so formuliert), nur ließ Deine erste Darstellung diese Option durchaus zu. Und (wie gesagt) geht es nicht (nur) um diesen Einzelfall, sondern eben um die sicherlich weit verbreitete Methode, erst zu fotografieren und danach zu schauen, ob es OK war.


--- Zitat von: DocHoliday am 12. Januar 2014, 23:08:28 ---Trägt aber so oder so eigentlich nichts zum Thema bei. Er war definitiv damit einverstanden, fotografiert zu werden, nur das ist wichtig.

--- Ende Zitat ---

Das verträgt sich aber nicht wirklich mit dem Zitat aus Michaels Beitrag (das ich übrigens nicht einmal kannte), dass es (mindestens in D) sehr wohl darauf ankommt, erst das Einverständnis einzuholen und dann abzudrücken - und nicht umgekehrt:


--- Zitat ---Für den Fotografen ist daher zu beachten, stets die Einwilligung der Person einzuholen, die fotografiert werden soll. Einwilligung bedeutet übrigens die *vorherige* Zustimmung.
--- Ende Zitat ---

Von daher fand (finde) ich meine Stellungnahme dazu durchaus zum Thema passend, ich kann ja wie gesagt nur das kommentieren, was ich hier lese.

Andrea:
Diese Diskussion finde ich sehr interessant. Daher habe ich jetzt mal über mein eigenes Verhalten nachgedacht. Ich fotografiere ja eigentlich nie, da Heiko das übernimmt. Dennoch fällt mir einiges dazu ein:

Jeder macht wohl in vielen Dingen seine eigenen Regeln. Zum Beispiel in einem Restaurant würde ich niemals auf des Nachbars Teller mit meiner Gabel herumstochern, um mal zu probieren, wie sein Essen schmeckt. Aber wäre es verboten? Grenzwertig. Ähnlich verhält es sich mit der Fotografie. Auch da macht man seine eigenen Regeln, obwohl es da scheinbar gesetzliche Regelungen gibt, die aber Ottonormalbürger gar nicht kennt. Da verlässt man sich dann eben auch auf sein Bauchgefühl und macht seine eigene Regel.

Nun ist das Bauchgefühl nicht bei jedem gleich. Genau wie Rainer würde ich einen betenden Menschen nicht fotogrfieren, jedenfalls nicht so, wie Dirk es getan hat. Das erlaubt mein Bauchgefühl nicht. Andererseits finde ich das Bild sehr gelungen und mich interessiert der betende Mann auf dem Bild nicht, sondern die Stimmung bzw. der Eindruck, der mit dem Bild erzeugt wird. Jemand, der den Mann (er)kennt oder der Mann selbst, wird das Bild mit ganz anderen Augen betrachten als ich, die ihn nicht kennt.

Andersherum würde es mir nicht gefallen, wenn zum Beispiel mich jemand fotografiert, während ich zum Beispiel esse oder aus einem Auto aussteige oder sonstwas. Selbst wenn er mir hinterher erklärt, dass das Bild ein Teil einer wunderbaren Collage oder Sammlung wird, wo mein Foto nicht mich und meine Persönlichkeit darstellt sondern einfach nur die Situation des Essens oder Aussteigens. Es bliebe ein befremdliches Gefühl. Hätte ich vorher die Erklärung gehabt, hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, das Foto abzulehnen, was ich je nach Bauchgefühl (da isses wieder!) getan hätte. Im Nachhinein ist das schwierig.

Wenn ich aber auf einem Foto eines beliebigen Touristen drauf bin und auch zu erkennen, weil ich eben gerade genau wie er auf dem Markusplatz stehe oder am Delicate Arch, dann ist das eben so. Dann bin ich zufällig auf dem Bild. In der Regel spiele ich dann auch nicht die Hauptrolle in dem Bild, auch wenn ich vielleicht als Größenvergleich diene. An solchen Orten muss ich damit rechnen, auf fremden Fotos zu sein.

Aus diesen Dingen resultiert meine eigene Regel, wann ich Menschen fotografiere und wann nicht und wann ich sie wegen des Fotos fragen würde. Dazu kommen dann die Regeln, die zum Beispiel in Museen oder Kirchen oder so angeschlagen sind und wenn ich weiß, dass beispielsweise eine bestimmte Kultur nicht fotografiert werden will.

Michael:

--- Zitat von: DocHoliday am 12. Januar 2014, 23:11:58 ---
--- Zitat von: Horst am 12. Januar 2014, 22:41:44 ---Interessante Fotos von Menschen zu machen ist jedenfalls auch eine Gabe die nicht jedem gelingt.

--- Ende Zitat ---

Ist m.E. die schwierigste Disziplin der Fotografie. Man braucht dazu nicht nur technische und künstlerische Fertigkeiten sondern auch andere Qualitäten. Eben auf Menschen zu gehen zu können, auf sie einzugehen, ihnen Vertrauen einflößen, etc., etc.

Landschaften sind da deutlich einfacher, Wildlife liegt so etwa in der Mitte.

--- Ende Zitat ---

Jede Fotografie, die mehr als das blosse Abbild transportiert, also jenseits von Passbild, Dokumenation oder Bestimmungsbild ist, stellt besondere Anforderungen an den Fotografen. Den Fotografien, die bewegen, geht i.d.R. ausnahmslos eine intensive Beschäftigung des Fotografen mit dem Motiv und/oder der Situation voraus. Tierfotografen studieren oft wochen- oder gar monatelang eine bestimmte Spezies, bis "das eine" Bild entstanden ist, welches die Betrachter so fasziniert.

Grüße aus der Pfalz,
Michael

Hatchcanyon:

--- Zitat von: Horst am 12. Januar 2014, 22:53:59 ---
--- Zitat von: Hatchcanyon am 12. Januar 2014, 22:21:54 ---Wer meint, seine eigenen Regeln den anderen aufbürden zu müssen, der ist für mich nichts anderes wie ein Koloniealist, also jemand der mit seiner Ethik zwei Jahrhunderte im Rückstand ist. Schande über solche Ausbeuter.

--- Ende Zitat ---
Sollte sich das hier auf das Thema Fotografieren beziehen und Du damit einen Teil unserer User als "Ausbeuter " bezeichnest möchte ich darauf hinweisen, daß dies nicht der Ton ist der hier bei eumerika akzeptabel ist.

--- Ende Zitat ---

Es bezieht sich generell auf Leute, die in andere Länder reisen und meinen, dort nach den Regeln, die bei ihnen zuhause gelten - oder auch ihren eigenen - agieren zu müssen. Das ist unakzeptabel. Man darf sich schon bemühen, die Rechte anderer nicht zu verletzen. Wenn mir Regeln in einem Land nicht passen, dann fahre ich eben nicht hin.

Man kann nicht alle Regeln im Ausland kennen, das fällt zuhause schon schwer. Aber Regeln mutwillig zu verletzen nach "bei uns zuhause ist das aber anders" oder "ich mach das jetzt einfach, weil es für mich ein Vorteil ist" das hat ein ziemliches Geschmäckle. Genau das hatten die Herren Kolonialisten im 19. Jh. gemacht - nach ihren Regeln gelebt und die Rechte anderer unterdrückt. Diese Art von Lebenstil meine ich.

Gruss

Rolf

DocHoliday:

--- Zitat von: Hatchcanyon am 13. Januar 2014, 13:57:47 ---Man kann nicht alle Regeln im Ausland kennen, das fällt zuhause schon schwer. Aber Regeln mutwillig zu verletzen nach "bei uns zuhause ist das aber anders" oder "ich mach das jetzt einfach, weil es für mich ein Vorteil ist" das hat ein ziemliches Geschmäckle. Genau das hatten die Herren Kolonialisten im 19. Jh. gemacht - nach ihren Regeln gelebt und die Rechte anderer unterdrückt. Diese Art von Lebenstil meine ich.

--- Ende Zitat ---

Und was hat das jetzt mit dieser Diskussion zu tun bzw. wem wirfst Du vor, so zu handeln?

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