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Der Norden Englands – von der Ostküste zum Lake District
Horst:
3.Tag, 6.6.2022 Montag
Wir bleiben an der Yorkshire Coast, der Nordsee im Osten Nordenglands und verlassen Bridlington Richtung Norden.
Im schillernden aber in die Jahre gekommene Seebad Scarborough (bekannt durch ihr von Simon & Garfunkel besungenes Volksfest Scarborough Fair) halten wir nur kurz.
Burgruine Scarborough.
Der Tag hat noch einige Fahrkilometer auf dem Plan und es gäbe dabei auch einige hübsche Orte zu sehen.
Der erste davon ist Robin Hood’s Bay.
Robin Hood war im 13. Jahrhundert ein in England gebräuchlicher Spitz- oder Beiname für „Gesetzesbrecher“. Hat also nur im weitesten Sinne etwas mit der berühmten Romanfigur zu tun. Trotzdem stolpert man in England ständig über Figuren und Orte die mit berühmten Schriftstellern und ihren Romanen zu tun haben.
Vom Parkplatz führt ein kurzer Weg hinab zum pittoresken kleinen Örtchen, auf dem wir eine ungewöhnliche Pflanzen – Feuerlilien, bewundern können.
Das frühere Schmuggler- und Piratennest hat auch einen Strand an dem man bei Ebbe spazieren kann.
Der britische Humor ist immer für eine Schote gut - ein echter Pluspunkt für die Briten!
Im Städtchen ist wie in allen Landesteilen gerade für den Geburtstag der Königin geschmückt.
Robin Hood's Bay ist insgesamt ganz nett, aber IMO kein Must.
Da hat es uns gestern in Whitby schon deutlich besser gefallen, weshalb wir noch einmal für ein Paar Aufnahmen mit dem Auto zu zwei Aussichtspunkten über die Stadt fahren.
Whitby mit seiner Abbey auf dem Hügel und seiner langgezogenen Hafeneinfahrt ist schon eine Klasse für sich.
Aber auch Staithes eine halbe Autostunde weiter nördlich gilt als eines der malerischsten Dörfer an der gesamten Yorkshire-Küste und scheint von der modernen Welt völlig unberührt.
Das Dorf hat einen einzigartigen Charme mit zusammengekauerten Hütten, verwinkelten Gassen und hohen Klippen ...
... und gilt als eines der am meisten fotografierten Dörfer Englands in einer kleinen geschützten Bucht.
So ist es auch kein Wunder, dass es das Dorf in das Büchlein von Ellen Bowness geschafft hat und sie zwei tolle Aussichtspunkte auf den Ort empfiehlt.
Beide benötigen einen kleinen Aufstieg. Der erste nach Süden führt in ca. 20 Minuten hinauf an den Rand der Klippe und liefert eine Ansicht von Stadt und Bucht von vorne.
Der zweite Fototipp führt im Ort (der ja auch Höhenunterschiede hat) hinauf auf einen kleinen Viewpoint in der Cowbar Bank Street, der auf den Fluß, die Brücke und den Ort „von hinten“ blicken lässt. Beides tolle Punkte die den Besuch des Dörfchens abrunden.
Nun steht Kilometerbewältigung nach Norden auf dem Programm und wir wechseln die Grafschaft – bye bye Yorkshire (wir sehen uns nochmal) – hello Northumberland!
Wobei das erste Erlebnis in der für uns neuen Grafschaft eher problematisch ist.
Gerade noch lesen wir etwas von einem Tunnel und bekommen zu spät mit dass der etwas kostet (solche Straßenabschnitte sind in England eigentlich extrem selten - weshalb wir davon auch überrascht wurden). Ok nicht so schlimm, wir haben ja Münzen, durchfahren den Tyne Tunnel – nur dummerweise gibt es auf der anderen Seite keine Zahlstelle sondern nur ein blödes Schild, dass wir den Betrag telefonisch oder über eine Webseite bezahlen sollen. Na toll … dazu später mehr.
Am späten Nachmittag erreichen wir unseren Übernachtungsort Alnwick, unseren Schlüssel für die Wohnung finden wir wie inzwischen fast überall üblich in einer kleinen Box mit Zahlencode die uns diesmal über das Nachrichtenportal von AirBnB übermittelt wurde. Heutzutage bekommt man seinen Vermieter eigentlich kaum mehr zu Gesicht.
Das ist ein bisschen schade, andererseits kann man im Rahmen der Check Inn Zeit kommen und gehen wie man will und muss sich mit niemandem absprechen.
Wir machen einen kleinen Rundgang durch den 8000-Seelen-Ort der neben schönen Gärten und einer berühmten Buchhandlung vor allem ein noch viel berühmteres Castle sein eigen nennt.
Alnwick Castle ist aber auch nicht nur eindrucksvoll sondern auch wundervoll am River Aln gelegen (mit der anderen Seite in der Stadt). Fast 1000 Jahre alt ist es nach Windsor Castle der zweitgrößte Adelssitz ganz Englands (und England hat rund 4000 Burgen).
Diverse Ritterfilme und Robin Hood-Versionen wurden hier genauso gedreht wie fast alle Harry Potter Filme, Downtown Abbey, Transfomers usw…
In der Altstadt treffen wir im Supermarkt eine hier seit 25 Jahren wohnhafte Lehrerin auch aus Franken und halten ein Swchätzchen. Danach kochen wir in unserer Wohnung und ich versuche per Onlineformular 1,90 Pfund zu bezahlen.
Leider stürzt das Formular beim Bezahlvorgang ab…
Dann Telefon … nach einer halben Stunde mit dem üblichen Telefonroboteransagen Didldü-Musik, wieder Roboteransagen, wieder Didldü… kommt irgendwann ein Mitarbeiter ans Fon rattert mir erstmal Infos runter die ich in der Geschwindigkeit nicht verstehen kann. Ich bitte ihn langsamer zu sprechen und erfahre, dass ich per Telefon leider nicht zahlen kann. Ja ganz toll. Ich solle noch mal über einen anderen Browser den Zahlvorgang Online probieren.
Ok, wieder alle Daten eingegeben (inzwischen habe ich locker 1,5 Stunden mit dem Kram verbracht) bis dann tatsächlich die Zahlung per Kreditkarte von 1,90 Pfund angenommen und mir per E-Mail bestätigt wird. Halleluja.
Morgen steht eine besondere Tour an auf die wir uns sehr freuen. Hoffentlich regnet es nicht.
Übernachtung:
5b Paikes Street, Alnwick, Northumberland (über AirBnB)
Wertung: 8/10 – Wohnung toll geschnitten, großzügig eigentlich, Abwertung für 2.Stock, keinen eigenen Parkplatz und etwas muffigen Teppich
Susan:
Also mir gefällt Robin Hood's Bay genauso wie das meist fotografierte Dorf Staithes 8) Miss Marple mäßig, auch wenn die nie da war. Da könnte man herrliche Cosy Crimes spielen lassen.
Kann mich gar nicht dran erinnern, dass wir Richtung Alnwick durch einen Tunnel mussten :gruebel: Allerdings kamen wir über die A1. So eine Website-Bezahlung kennen wir von der Umweltzone London. Der Campingplatz dort lag leider knapp drinnen und wir mussten auch ein wenig kämpfen, bis wir die Bezahlung hinbekommen haben. ::)
Jetzt bin ich gespannt auf die Tour morgen. Besenflugstunde auf dem Schloss wird es wohl nicht sein :zwinker: wäre ziemlich wetterunabhängig.
Silv:
Seit ich in Norwegen Puffins in echt gesehen habe, mag ich sie noch mehr ^-^
Horst:
--- Zitat von: Susan am 06. August 2022, 23:40:00 ---Jetzt bin ich gespannt auf die Tour morgen. Besenflugstunde auf dem Schloss wird es wohl nicht sein :zwinker: wäre ziemlich wetterunabhängig.
--- Ende Zitat ---
Nein und die Flugstunde(n) findet auf dem Wasser statt. ;)
--- Zitat von: Silv am 07. August 2022, 14:39:23 ---Seit ich in Norwegen Puffins in echt gesehen habe, mag ich sie noch mehr ^-^
--- Ende Zitat ---
Na dann kommt jetzt was, was Du magst... ;)
Horst:
4.Tag, 7.6.2022 Dienstag
Heute Morgen steht ein besonderes Castle auf dem Programm.
Über viele Jahre habe ich die England-Wikinger Saga in 13 Büchern von Bernard Cornwell verschlungen, in denen es um die Entstehung Englands ging. In jedem der Bücher spielte eine Burg eine große Rolle: das Bamburgh Castle in Northumbria. Da es zudem auch noch richtig eindrucksvoll und toll am Meer gelegen ist, war es einer der Aufhänger für diese Reise (ein zweiter Aufhänger folgt heute Mittag).
Wir nähern uns der Burg zunächst von Norden wo man vom Strand eine schöne Spiegelung auf die Burg bekommt. Auch der Strand würde zu einem Spaziergang einladen aber dafür haben wir im Moment keine Zeit. Wir fahren wieder durch den Ort Bamburgh und parken direkt beim südlichen Parkplatz. Auch von den Dünen gibt es schöne Perspektiven auf die Burg und natürlich besehen wir sie uns hier aus der Nähe. Das muss für den Moment reichen, ...
... wir haben um 12.00 Uhr einen Termin und fahren dafür die wenigen Minuten nach Seahouses an die Küste und holen bei Billy Shiels unsere gebuchten Tickets ab. Nebenan beim National Trust bezahlen wir noch eine Landungsgebühr, dann ist noch kurz Zeit für eine Ortsrunde und dann müssen wir auch schon zum Treffpunkt.
Zumindest von der Erwartung her steht etwas Besonderes an. Wir machen eine Bootstour durch die Farne Islands, wobei wir auch eine Stunde auf Inner Farne Island zur Vogelbeobachtung anlanden. Ich denke wer mich kennt ahnt schon um welche Vögel es dabei für uns hauptsächlich geht.
Das Wetter ist heute gut, die See verhältnismäßig ruhig und kein Regen zu erwarten – perfekt. Wir ergattern noch einen Platz außen und schon geht es los. Der Kutter nimmt Fahrt auf und fährt hinaus aufs Meer.
Nach 20 Minuten erreichen wir die ersten der Inseln. Vögel leben fast auf allen Inseln. Die Farne Inseln sind eine Gruppe von 15-20 inzwischen unbewohnten Inseln (je nach Meereshöhe), von denen Inner Farne die größte ist.
Etwa 150.000 Brutpaare von über 20 Vogelarten beziehen hier regelmäßig ihr Sommerquartier, die wir bereits vom Boot aus auf dem Wasser oder hier auf Staple Island bewundern können.
Ganzjährig ansässig ist eine Kegelrobbenkolonie mit etwa 5000 Tieren.
Dann landen wir auf Inner Farne an. Eine Stunde die sicher wahnsinnig schnell vergehen dürfte haben wir auf der Vogelinsel und der erste Puffin wartet schon an der Bootsanlegestelle. Ein Holzbohlen-Pfad führt über die Insel, bei dem man besser eine Kopfbedeckung verwendet. Zum einen um nicht zum Vogelkot-Opfer zu verkommen aber hauptsächlich um nicht von den Küstenseeschwalben (Arctic Tern) verletzt zu werden die hier gerne mal Attacken auf die höchsten Punkte (Köpfe) einer Gruppe machen (Alfred Hitchcock lässt grüßen).
Eigentlich sehen die ganz harmlos aus aber sie verteidigen ihre Brutplätze die beiderseits des Weges liegen und ihre Schnäbel sind spitz.
Wir kommen aber unbeschadet durch und zur Nordseite der Insel ...
... wo eine von vielen großen Puffin-Gruppen zu finden ist. Wahnsinn was hier los ist.
Ohrenbetäubender Lärm, und bei so vielen Vögeln gehen einem schlichtweg die Augen über. Eine Aufnahme ohne das ein Vogel durchs Bild fliegt ist eine Kunst.
An den Klippen trennen Seile von den Vögeln aber man ist trotzdem teilweise so nah dran, dass man die Vögel streicheln könnte.
Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht erlebt.
Der Pfad führt im Bogen um die Insel – alles voller Vögel, überall Puffins, ...
... meist in großen Gruppen. Unfassbar.
Natürlich nutze ich jede Minute aus und muss mich eilen um rechtzeitig zum Boot zurück zu kommen. Beim meinem Laufschritt zurück werde ich dann doch noch von einer Seeschwalbe auf den Kopf gepickt und meine rote Jacke ist nicht mehr überall rot und zeigt an, dass demnächst eine Wäsche notwendig ist.
Danach geht es zurück nach Seahouses wo wir erst mal Kaffee trinken.
Im Buch von Ellen Bowness lese ich noch von einem bei Ebbe schönen nördlichen Aussichtspunkt bei den Harkness Rocks ...
... auf Bamburgh Castle und da wir sowieso in den Norden wollen und jetzt Ebbe ist, wird das unser nächstes Ziel und der nochmalige Abstecher lohnt sich.
Spruch des Tages – am Parkplatz treffen wir auf einen Briten und halten ein Schwätzchen. Auf die Frage ob er Engländer oder Schotte ist antwortet er „English – but don’t blame me for this“.
Das war‘s noch nicht für den Tag. Aus vielen Möglichkeiten wählen wir uns Holy Island aus. Auf die Insel führt der Lindisfarne Causeway – eine 7km lange Straße die nicht bei Flut befahren werden kann. Man sollte also den Tideplan studieren – 2 Stunden vor und nach der Flut ist die Insel nicht zugänglich, bzw man kommt nicht von ihr runter.
Lindisfarne Island bekannt als Holy Island (heilige Insel) war Ausgangspunkt der Christianisierung Nordenglands im 8. Jh. Das Kloster Lindisfarne wurde 635 gegründet und genoss internationalen Ruf, wurde aber 793 von Wikingern zerstört.
Im 12. Jh. bauten Mönche aus Durham die Abtei wieder auf. Die Klosterruinen Lindisfarne Priory sind bis heute Pilgerstätte.
Sehenswert ist auch die ehemalige Burg Lindisfarne Castle, die 1549 zum Schutz gegen die Schotten errichtet wurde.
Vor dem Ort fängt ein Parkplatz alle Reisenden ab (Ausnahme ein Behinderten-Parkplatz im Ort). Allerdings sind es nur 5 Minuten bis zum Ort und den Ruinen der Priory. Auf dem Parklpatz schenkt mir eine Reisende ihr Parkticket auf dem noch Reststunden drauf sind, was ich gerne entgegen nehme, da meine Münzsammlung schon wieder recht dürftig aussieht.
Auf dem Weg zum Castle sollte man unbedingt mal am Hafen stoppen. Dort gibt es einiges zu entdecken und der Blick auf die Burg, die Priory-Ruinen und die Weite der Insel ist besonders schön.
Mit ein paar Aufnahmen vom Castle, das um 17 Uhr schon geschlossen hat, verabschieden wir uns von der Insel und diesem tollen Tag im Norden Englands, fahren zurück nach Alnwick und landen zum Abendessen bei einem Inder (was in Britannien meist ganz ok ist – so auch heute).
Übernachtung:
5b Paikes Street, Alnwick, Northumberland (über AirBnB)
Wertung: 8/10 – Wohnung toll geschnitten, großzügig eigentlich, Abwertung für 2.Stock, keinen eigenen Parkplatz und etwas muffigen Teppich
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