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Lava, Lada, Lundis - Island 2009
Horst:
--- Zitat von: Andrea am 10. November 2013, 22:58:54 ---Ich möchte mich auch mal wieder zu Wort melden, aber mir fehlen die Worte. Aber das kennt ihr sicher. Manchmal bleibt einem vor Begeisterung einfach der Atem weg und die Worte fehlen... Man atmet tief durch, staunt und ist bis in die Tiefen hinein gerührt.
--- Ende Zitat ---
Dafür daß Dir die Worte fehlen hast Du das sehr schön formuliert. :D
Horst:
17. Tag, Samstag, 20.6.2009
Als wir heute morgen vom Hof fahren würde eine Uhr im Auto halb zehn anzeigen – wenn wir denn überhaupt eine Uhr im Fahrzeug hätten. Dergleichen Hightech kann man in einem Lada Niva nicht erwarten – aber dass er einen sicher zum Dynkur und zurückbringt schon. Durch seine ganzen „Macken“ hat er fast so etwas wie eine eigene Persönlichkeit. Wenn es drauf ankommt lässt er uns jedenfalls nicht im Stich – deshalb haben wir unseren kleinen Rumpler fast genauso ins Herz geschlossen wie Island. Ein Land so ursprünglich und wild, das uns so intensive Begegnungen mit den Kräften der Natur bescherte, wie wir es in dieser Dimension und Vielfalt in einer an sich so überschaubaren Region wie dieser kleinen Insel, noch nirgendwo erleben konnten.
Gerade was das Frühstück anbelangt hatten wir während dieser Reise ja oft die Sparhosen an – und haben uns per Supermarktversorgung einige Kronen gespart. Heute am letzten kompletten Tag der Reise sollten wir uns mal was gönnen !
Ich schlage vor, daß wir heute groß „frühstücken gehen“ – mit allem drum und dran – so richtig stilvoll ...... – koste es was es wolle – von mir aus mit Champagner aus Goldkelchen. Das Wetter ist heute morgen bedeckt – also spricht alles (vor allem auch der gestrige Tag) dafür es heute gemütlich angehen zu lassen.
Wir fahren hinunter in die „Downtown“ von Vik und suchen nach einer geeigneten Stätte wo wir unser Geld loswerden und die Vorfreude auf ein leckeres Frühstück (am besten ein Buffet in der Las Vegas Größenordnung) befriedigen können.
Tierisch Hunger haben wir auch. ;)
Viel bietet Vik in der Richtung nicht – aber es sollte ja kein Problem sein fündig zu werden, wenn "Geld keine Rolle" spielt.....
Ein Café das per Werbetafel angekündigt wird scheint es nicht mehr zu geben .... kein Problem ..... dann fahren wir eben zum Strondin – wo wir schon einmal sehr gut zu Abend gegessen hatten. Als wir das Restaurant betreten wollen stehen wir vor verschlossenen Türen. Na sowas .....
Dann eben weiter .... kann doch nicht sein .... wir fahren durch den kompletten Ort – irgendwie nichts zu finden. Bleibt nur das Hotel Lundi wo wir schon übernachtet hatten – die hatten auch ein Restaurant dabei – dann muss es halt das sein. Wir parken vorm Hotel und fragen an der Lobby nach Frühstück. Frühstück gibt es bis 10 Uhr, inzwischen ist es 10 Minuten nach 10 Uhr – also kein Frühstück mehr. Was anderes gibt es wieder ab 11 Uhr .... ich glaub mich tritt ein Islandpony ....
5 Minuten später findet sich unser Lada vor dem Shop der Tankstelle – wir haben ein eingeschweißtes Sandwich und einen Kaffee im Pappbecher erworben – und sehen uns leicht fassungslos an. .....
Nach unserem opulenten „Sektfrühstück“ fahren wir aus dem Ort nach Westen und biegen auf die uns bekannte 215 ab, die ja zur Küste führt.
Auch beim zweiten Mal ein toller Strand der uns begeistert !
Pechschwarzer Sand, die Felszinnen der Reynisdrangar zum Greifen nah, ....
... die fantastischen Basaltsäulen ...
... und darüber sitzend Lundis die Petra gleich wieder Genickstarre beim Fotografieren bescheren. ;)
Diesmal wollen wir aber auch die Basaltsäulen ablichten – was wir das letzte Mal vor lauter Lundifaszination vergessen hatten – und drapieren uns als Farbkleckse in die grauen Lavastufen.
Man glaubt gar nicht wie bei so was die Zeit vergeht.... :D
Inzwischen ist es Mittag – wir sollten mal so langsam aber sicher nach Westen fahren.
Gesagt - getan. Trotzdem kommen wir auf der Ringstraße (und das obwohl wir diese Teilstrecke nun zum dritten Mal fahren) kaum voran. Immer wieder gibt es ein Motiv das uns zum Anhalten verleitet – wie hier eine Herde Islandponys.
Abhängen in Island
Man denkt gar nicht wie intelligent Pferde gucken können, wenn man sie ....
... mit den Kollegen aus der Küheabteilung nebenan vergleicht. ;)
Ob wir wohl auch so geguckt haben, als wir heute morgen mit dem Pappbecher in der Hand aus dem Shop der Tanke kamen ..... ?
Heute scheint ein bisschen das Würmchen drin zu sein. Wir entscheiden uns für einen Pistenabstecher zum Mýrdalsjökull – 10 km Geschaukel bis hinauf zu einem Gletscher. Oben endet die Straße an einer Hütte von der uns ein Schwall Japaner entgegen kommt die hier wohl gerade Snowmobil (Skidoo) gefahren sind. Ein lohnendes Fotomotiv können wir auch mit viel gutem Willen nicht entdecken – nichts was wir nicht schon tausend Mal schöner anderswo auf Island gesehen hätten.
Man kann halt nicht immer einen Volltreffer landen – vor allem wenn es vorher nicht recherchiert war .....
Wieder zurück sticht mich ein paar Meter auf der Ringstraße weiter schon wieder der Hafer. Auch hier gibt es noch einen kurzen Abstecher zu einer Gletscherzunge namens Sólheimajökull. Als wir durch die gelbbemooste Landschaft über die ordentlich zu fahrende gut 4km lange Piste knattern beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl.
Wir fahren weiter bis zu einer Stelle an der einige Autos vor einer Pfütze parken, obwohl man erkennen kann dass die Piste noch weiter geht.
Das darf doch nicht wahr sein, dass die sich mit ihren Riesendingern nicht durch die bestenfalls 5 cm tiefe und 4 m lange „Furt“ trauen – da kann man doch locker mit jedem City Golf durch !
Während ich innerlich noch darüber grinse dass sich da wohl einer hingestellt hat und es alle nachgemacht haben (der übliche Herdentrieb) anstatt einfach die letzten 500 Meter bis zum Ende weiter zu fahren – landen wir auf dem tatsächlichen Parkplatz – und zeitgleich mit dem Rollen in eine Parklücke entweicht mir beim Anblick auf den Gletscher ein nicht druckreifer Ausruf des Erkennens. :o
Hier waren wir doch vor einer Woche schon !
Deshalb kam mir (und auch Petra) die Anfahrt unterschwellig bekannt vor – aber wiederum nicht so bekannt dass es uns bewusst geworden wäre (die Vegetation hat in der letzten Woche auf Island gut zugelegt ).
Wir wieder! :))
In 20 Jahren reisen ist das weder mir noch Petra schon mal passiert – dass wir aus Versehen noch mal an dieselbe Stelle fahren – was gibt’s denn heute noch ..... ?
Wirklich weit von Vik weggekommen sind wir immer noch nicht. Kaum 3 Kilometer weiter schon wieder der nächste Halt – ein riesiges Lupinenfeld – die uns ja auf der gesamten Reise begleitet haben – auch die wollen wir uns noch einmal zumindest als Erinnerung auf dem Speicherchip mitnehmen.
Endlich erreichen wir wenigstens den Skógafoss – eigentlich gerade mal 32 Kilometer von Vik entfernt.
Unsere Vorgabe es heute mal gemütlich angehen zu lassen haben wir zumindest dahingehend erfüllt dass wir nahezu auf der Stelle treten – ist aber auch nicht wirklich schlimm. Das Wetter ist heute nicht so berauschend – hier und da mal ein Tröpfchen Regen und der Himmel zeigt sich im Einheitsgrau.
Den Skógafoss kann man sicher zu den 5 schönsten Wasserfällen Islands zählen.
Wie eine weiße Wand stürzt das Wasser 60 Meter herab.
Die beste Zeit scheint mir hier am frühen Morgen wenn noch nichts los ist – jetzt am Nachmittag ist der an sich große Parkplatz völlig überfüllt, Busse kommen und gehen ..... so viele Menschen ..... das sind wir gar nicht mehr gewohnt ....
Da wir vor einer Woche schon mal bei ähnlichem Licht hier waren und da es uns zu voll wird .... hält es uns nicht allzu lange. Es ist auch schon 15 Uhr!
Wir fahren weiter auf der 1 nach Westen. Den Seljalandsfoss passieren wir heute nur – den gab es gestern deutlich schöner. Schade, dass wir uns gestern nicht die Zeit genommen hatten noch einmal hinter den Wasserfall zu gehen .....
In Hvolsvollur tanken wir und bestellen uns ein frisch gemachtes heißes Sandwich (lecker) plus Kaffee im Tankstellenrestaurant und beobachten einige Backpacker die mit Rucksäcken so groß wie ein Billy Regal von IKEA an der Tankstelle auf Mitnahmemöglichkeiten hoffen. Für weitere Mitreisende wäre bei uns kein Platz mehr – auch die Rückbank ist fast voll bis unters Dach. Eine Reise ohne Mietwagen wäre für uns unvorstellbar – dann lieber gar nicht.
Flexibilität und jede Sekunde selber entscheiden wo’s hingeht - ohne groß auf andere angewiesen zu sein – vielleicht der elementarste Punkt unserer Reisen.
Heute sind wir müde. Die Tage zuvor haben ordentlich Körner gekostet – heute wo der Kopf weiß – das „Programm“ (das es ja an sich entweder nicht gab oder mit wachsender Begeisterung auf den Kopf gestellt wurde) ist im Großen und Ganzen durch – lässt auch der Körper nach und meldet dass er heute mal seine Auszeit nimmt.
Von der Ringstraße unternehmen wir 16 km östlich von Selfoss noch einen Miniabstecher auf der 302 (satte 2 Kilometer) zum Urriðafoss – was sich auch lohnt.
Immerhin handelt es sich hier um Islands wasserreichsten Wasserfall. Die Þjórsá stürzt mit 360 m³/sec Wasser auf etwa 40 m Breite, 6 m in die Tiefe.
Trotz seiner Größe ist er recht unbekannt und findet selten Erwähnung.
Auch wir sind hier beim ersten Mal achtlos vorbeigefahren.
Um nicht wieder die hässliche Ringstraße zwischen Selfoss und Reykjavik fahren zu müssen nehmen wir diesmal die 34 nach Südwesten nach Eyrarbakki.
Der früher belebte Fischerort ist an sich ganz hübsch – trotzdem verkneifen wir uns einen Rundgang. Es fängt ordentlich an zu regnen, der Wind pfeift uns das Wasser in unsere müden Augen ..... nein, das muss heute nicht sein.
Über die 38 und 39 geht es für das letzte Stück dann doch noch einmal kurz auf die 1 – Islands Ringstraße die wir nun gut 2 Wochen bis auf den kleinen nordwestlichen Teil ordentlich beackert haben – über Reykjavik nach Hafnarfjörður wo wir um kurz nach 18 Uhr eintreffen.
Der unangenehme Teil jeder Reise steht an – Auto komplett ausräumen und Koffer packen.
Wer bei Anblick dieses Fotos denkt "hey - der tut ja gar nichts" - irrt und tut mir bitterlich Unrecht!
Ich bemühe mich nach Leibeskräften beim Kofferpacken nicht hinderlich zu sein und damit das von mir bekannte Kofferchaos zu verhindern.
Das Kofferpacken ist aber eine Stunde später bereits von "uns" erledigt und wir sind schon wieder unterwegs um uns in Hafnarfjörður ein Restaurant zum Abendessen zu suchen.
Nachdem unser erster Versuch in einem Restaurant in der "Downtown" Hafnarfjörðurs auf eine geschlossene Gesellschaft trifft - landen wir schließlich bei einem Thai namens „Siam“ (ok, nicht typisch isländisch) der sich aber als gute Wahl herausstellt.
Auch der Preis ist wieder einmal absolut in Ordnung. Trotz gegönntem Bierchen bleiben wir mit der Rechnung unter 30€.
Vor einem Jahr hätten wir für die gleiche Island-Reise sicher locker 1000€ mehr bezahlt.
Gegen 21 Uhr beenden wir den Tag – praktisch so früh wie noch nie - im Zimmer mit noch je einem Bierchen aus unseren Privatbeständen und sprechen über unsere letzten Stunden morgen. Wir wollen vor dem Heimflug noch einen Kurzbesuch in Islands Hauptstadt Reykjavik unternehmen, und vielleicht reicht es noch um kurz bei der berühmten Blauen Lagune vorbeizusehen, bevor es dann zum Airport geht.
Ob wir auf Reykjanes zum Abschluß doch noch einen Sonnenstrahl abbekommen ?
Übernachtung: Helguhus Bed & Breakfast, Hafnarfjörður
Preis: 8900 ISK (52 €) mit Frühstück ohne Bad & WC auf dem Zimmer
Bewertung: 7 von 10
Kommentar: Am Tag 1 hatte ich geschrieben:
„eine gute Wahl, dadurch dass es außerhalb von Reykjavik liegt preisgünstig, Frühstück gut, nette Vermieter, Hafnarfjörður bietet alles was man als Tourist braucht – man ist in 15 Minuten in der Hauptstadt.“
Diesmal haben wir sogar noch ein netteres Zimmer gehabt. Das B&B ist wirklich eine gute Wahl – Preis/Leistung sind gut – würden wir wieder nehmen !
Bild des Tages:
In den Basaltfelsen unterhalb des Reynisfjall am Strand von Vik i Mýrdal, unserem Lieblingsort auf Island
Silv:
Schade mit dem Frühstück. Ist das denn in Island nicht so weit verbreitet?
Koffer packen mag ich auch nicht. Vor dem Urlaub ist es zwar schön, weil es bald los geht - aber die Frage, was nehm ich mit? macht mich irre und das Packen dauert ewig. Am Ende vom Urlaub ist es nicht schön, weils vorbei ist, aber es geht schnell, weil alles einfach rein kommt.
wo du da auf den Basaltsäulen sitzt, musste ich an Humpty Dumpty (schreibt man das so?) denken... ;)
Ilona:
Zum Bild des Tages: Ihr seid ein schönes Paar :thumb:.
Die erfolglose Suche nach dem Frühstück hätte mich auch "gewurmt" :cool2:.
Paula:
Hallo Horst,
schade dass es jetzt zu Ende geht! Obwohl ich nicht der große Wasserfallfan bin ist für mich der Skogafoss das Bild des Tages.
Wenn man sich am Ende des Urlaubs mal was gönnen will und bekommt dann nichts ist das schon ärgerlich. Wir wollten für die letzte Übernachtung ein schönes Hotel...und waren froh im Motel6 noch ein Zimmer zu bekommen. Alles andere war ausgebucht.
Gabs in der Tanke nicht wenigstens eine Tafel Schokolade?
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