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Alltag in Corona-Zeiten

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Christina:

--- Zitat von: Silke am 03. Juli 2020, 06:54:20 ---
Ich hab gestern mal wieder mit meiner Tante telefoniert. Sie darf ihren 91jährigen Mann seit ein paar Wochen wieder im Pflegeheim besuchen: einmal in der Woche für 20 Minuten. In Thüringen übrigens.
Wie unmenschlich, sinnlos und überzogen ist das denn bitte.
Ich werde immer wütender, wenn ich so etwas höre.

Ist es das wirklich alles wert?

--- Ende Zitat ---

Silke, das geht mir/uns mit meinem Vater genauso (in BaWü). Er war noch im Krankenhaus nach seinem Schlaganfall, dann war ab ca. Mitte März Besuchsverbot. Er kam dann, ohne jegliche Begleitung durch einen Angehörigen ins Pflegeheim, das wir nur aufgrund von Bildern auf der Homepage ausgesucht haben, da auch dort jegliches Besuchsverbot. Seit ein paar Wochen darf eine Person, das ist dann selbstverständlich meine Mutter, ihn einmal in der Woche für eine halbe Stunde besuchen, wobei von der halben Stunde noch die Zeit abgeht, die man braucht, die komplette Schutzkleidung anzulegen. Und alle paar Wochen fällt der wöchentliche Besuch aus, da dann alle Bewohner und Angestellten auf Corona getestet werden und in der Zeit niemand zu Besuch kommen kann.

Natürlich ist das schlimm und schrecklich, aber noch viel schlimmer wäre doch, wenn durch einen Besucher das Virus in so ein Alten- oder Pflegeheim getragen wird und einmal dort, praktisch nicht mehr aufzuhalten ist, d.h. sehr viele Bewohner würden dann sterben. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich z.B. unbemerkt infiziert wäre und würde das Virus ins Pflegeheim bringen und mein Vater (und viele andere) würde daran sterben. Und wie hoch die Infizierungs- und Sterberate in Pflegeheimen ist, kann man ja an so vielen Beispielen, in Deutschland, in Schweden, in der Provinz Quebec in Kanada, in den USA usw. feststellen.

Und durch die Reduzierung von Besuchszeiten und Besucherzahlen, kann man das Risiko minimieren.

Horst:

--- Zitat von: Christina am 03. Juli 2020, 17:47:31 ---Und durch die Reduzierung von Besuchszeiten und Besucherzahlen, kann man das Risiko minimieren.

--- Ende Zitat ---
Dadurch dass man überdachte Besuchsplätze im Freien schafft auch. Aber das wäre Pragmatismus und Aufwand außer der Reihe.
Beides keine Stärken unseres Staates und seinen Organen.

Silke:



--- Zitat von: Christina am 03. Juli 2020, 17:47:31 ---
--- Zitat von: Silke am 03. Juli 2020, 06:54:20 ---
Ich hab gestern mal wieder mit meiner Tante telefoniert. Sie darf ihren 91jährigen Mann seit ein paar Wochen wieder im Pflegeheim besuchen: einmal in der Woche für 20 Minuten. In Thüringen übrigens.
Wie unmenschlich, sinnlos und überzogen ist das denn bitte.
Ich werde immer wütender, wenn ich so etwas höre.

Ist es das wirklich alles wert?

--- Ende Zitat ---

Silke, das geht mir/uns mit meinem Vater genauso (in BaWü). Er war noch im Krankenhaus nach seinem Schlaganfall, dann war ab ca. Mitte März Besuchsverbot. Er kam dann, ohne jegliche Begleitung durch einen Angehörigen ins Pflegeheim, das wir nur aufgrund von Bildern auf der Homepage ausgesucht haben, da auch dort jegliches Besuchsverbot. Seit ein paar Wochen darf eine Person, das ist dann selbstverständlich meine Mutter, ihn einmal in der Woche für eine halbe Stunde besuchen, wobei von der halben Stunde noch die Zeit abgeht, die man braucht, die komplette Schutzkleidung anzulegen. Und alle paar Wochen fällt der wöchentliche Besuch aus, da dann alle Bewohner und Angestellten auf Corona getestet werden und in der Zeit niemand zu Besuch kommen kann.

Natürlich ist das schlimm und schrecklich, aber noch viel schlimmer wäre doch, wenn durch einen Besucher das Virus in so ein Alten- oder Pflegeheim getragen wird und einmal dort, praktisch nicht mehr aufzuhalten ist, d.h. sehr viele Bewohner würden dann sterben. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich z.B. unbemerkt infiziert wäre und würde das Virus ins Pflegeheim bringen und mein Vater (und viele andere) würde daran sterben. Und wie hoch die Infizierungs- und Sterberate in Pflegeheimen ist, kann man ja an so vielen Beispielen, in Deutschland, in Schweden, in der Provinz Quebec in Kanada, in den USA usw. feststellen.

Und durch die Reduzierung von Besuchszeiten und Besucherzahlen, kann man das Risiko minimieren.

--- Ende Zitat ---

Sorry, ich verstehe ja vielleicht noch, dass nur 1 Person hin darf. Aber was soll dann die halbe Stunde. Wenn die Person infiziert ist, kann sie das Virus auch in der halben Stunde übertragen. Also kann sie auch länger bleiben.
Und die Angestellten dort gehen ja auch jeden Tag nach hause, oder? Die können das Virus doch auch einschleppen. Die Gefahr ist doch um Welten größer. Wäre es da nicht angebrachter, wenn sich der Besucher Schutzkleidung anzieht und vielleicht eine vernünftige Maske aufsetzt? Dazu noch, wie Horst schreibt, Außenbesuchsplätze. Dann wäre die Gefahr durch Besucher gleich Null.

Ilona:

--- Zitat von: Christina am 03. Juli 2020, 17:47:31 ---Silke, das geht mir/uns mit meinem Vater genauso (in BaWü). Er war noch im Krankenhaus nach seinem Schlaganfall, dann war ab ca. Mitte März Besuchsverbot. Er kam dann, ohne jegliche Begleitung durch einen Angehörigen ins Pflegeheim, das wir nur aufgrund von Bildern auf der Homepage ausgesucht haben, da auch dort jegliches Besuchsverbot. Seit ein paar Wochen darf eine Person, das ist dann selbstverständlich meine Mutter, ihn einmal in der Woche für eine halbe Stunde besuchen, wobei von der halben Stunde noch die Zeit abgeht, die man braucht, die komplette Schutzkleidung anzulegen. Und alle paar Wochen fällt der wöchentliche Besuch aus, da dann alle Bewohner und Angestellten auf Corona getestet werden und in der Zeit niemand zu Besuch kommen kann.
--- Ende Zitat ---

Von uns sind derzeit einige Verwandte/Bekannte in Pflegeheimen (alles Ba-Wü) untergebracht. So streng wird das aber hier nicht gehandhabt.

In einem Fall darf die Oma mit dem Rollstuhl vor die Türe zu ihren Enkeln gefahren werden. Natürlich halten die den Abstand ein. Es gibt keine Plexiglastrennwände draußen.

Meine Schwester darf einmal die Woche eine alten Dame im Heim besuchen, mit der sie weder verwandt noch verschwägert ist. Die Tochter der alten Dame besteht sogar darauf, weil sich meine Schwester schon vorher um die Frau kümmerte, als sie noch zu Hause lebte.

Mein Schwager wurde letzte Woche mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Da durfte ihn nur meine Schwester eine Stunde pro Tag auf der Intensivstation besuchen und das Reglement finde ich gut.


--- Zitat von: Christina am 03. Juli 2020, 17:47:31 ---Natürlich ist das schlimm und schrecklich, aber noch viel schlimmer wäre doch, wenn durch einen Besucher das Virus in so ein Alten- oder Pflegeheim getragen wird und einmal dort, praktisch nicht mehr aufzuhalten ist, d.h. sehr viele Bewohner würden dann sterben. 
--- Ende Zitat ---

Wieso sollten nur Besucher die Spreader sein? Bei uns in der Stadt brach das Virus im Pflegeheim aus, weil es ein Pfleger aus Italien mitbrachte. Er war zu Besuch bei seinen Eltern in der Nähe von Mailand.

Acht Bewohner, vier Mitarbeiter und fünf Personen der Tagespflege steckte er an. Ein Mitarbeiter und drei Heimbewohner kamen in die Klinik, alle anderen in häusliche Quarantäne. Eine 80jährige Seniorin mit einer schweren Grunderkrankung starb, alle anderen sind wieder wohlauf.

Die Verläufe sind/waren alle nicht so heftig wie anfangs prophezeit. Ein Neffe von uns ist Krankenpfleger und er betreute u. a. die an Corona Erkrankten auf Station. Es waren nur DREI in einem großen Krankenhaus und keiner davon musste beatmet werden. Seine Freundin arbeitet in einem anderen Krankenhaus und dort verstarb auch keiner an Covid-19.

Klar, sollte man bei Risikopatienten vorsichtig sein, doch die Letalitätsrate ist viel geringer, als dies anfangs prognostiziert wurde.

Viel wichtiger ist, das Immunsystem der alten Leute zu stärken und das geht in erster Linie über die Psyche. Das Allein- und Abgeschobensein trägt nicht dazu bei.

Rainer:

--- Zitat von: Ilona am 04. Juli 2020, 14:06:19 ---Klar, sollte man bei Risikopatienten vorsichtig sein, doch die Letalitätsrate ist viel geringer, als dies anfangs prognostiziert wurde.

--- Ende Zitat ---

Du bist auf dem besten Weg, als "Corona-Leugner" beschuldigt zu werden. In dieser Diskussion gibt es keine Gnade, Wahrscheinlichkeiten interessieren nicht.

Ich habe gerade einen Artikel auf Tagesschau gefunden:


--- Zitat ---Merkel dankt älteren Menschen für Verständnis während der Pandemie
12:59 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat alten und pflegebedürftigen Menschen für ihre Haltung und ihr Verständnis während der Corona-Pandemie gedankt. In ihrem Video-Podcast sagte sie, dass viele Ältere trotz aller Härten nicht mit Zorn, sondern häufig mit Verständnis auf die Politik der notwendigen Kontaktbeschränkungen reagiert hätten. "Dafür danke ich sehr", sagte Merkel.
--- Ende Zitat ---

Eigentlich ist das nicht meine Art, aber so etwas finde ich schon dreist. Ich halte das ganze Arrangement für eine populistische Lüge, weder hier im Forum noch sonst in irgendeinem mir zugänglichen Kreis habe ich vernommen, dass "Alte mit Verständnis" reagieren. Ich kenne (wenn überhaupt) nur Alte, die überhaupt nicht verstehen, wieso sie nicht besucht werden dürfen. Und die wenigen, die gefragt werden, wäre lieber mit einer Infektion einverstanden als mit der Einsamkeit. Ich frage mich, mit welchen vielen Alten Frau Merkel gesprochen haben will.

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