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Alltag in Corona-Zeiten
wilma61:
Das ist bitter. Trotz deutscher Hightech Medizin keine Diagnose?
Silke:
--- Zitat von: Birgit am 22. April 2020, 10:51:42 ---
--- Zitat von: Silke am 22. April 2020, 09:34:52 ---Diesen Artikel z.B.
https://rp-online.de/panorama/coronavirus/corona-drosten-warnt-vor-wuchtiger-zweiter-welle-von-infektionen_aid-50142351?output=amp
finde ich weder sehr seriös noch frei von persönlicher Meinung.
--- Ende Zitat ---
Warum denkst du das? An welchen Textstellen machst du das genau fest?
--- Ende Zitat ---
Dann nehme ich den Beitrag mal ein wenig auseinander. Aber bewußt den Beitrag und nicht den Podcast, weil der m.E. von wesentlich mehr Leuten gelesen wird.
"Der Berliner Virologe Christian Drosten hat sich besorgt über möglicherweise bisher unbemerkte Effekte bei der Ausbreitung des Coronavirus geäußert."
Er zeigt sich besorgt über etwas, was seiner Meinung nach möglicherweise eintritt. Das ist seine persönliche Meinung, die er an keiner Stelle mit Zahlen oder Tatsachen untermauert.
"Wenn die sogenannte Reproduktionszahl nach Lockerung der Maßnahmen wieder über 1 kommen sollte - also ein Infizierter wieder mehr als einen anderen Menschen ansteckt -, könne die Epidemietätigkeit in nicht erwarteter Wucht wieder losgehen, sagte Drosten."
Diese Zahl ist ja ganz nett, aber man muss sie auch immer im Zusammenhang mit den wirklichen Infektionszahlen sehen. Wir hatten bis vor kurzem am Tag ca. 5000 Neuinfizierte, über einen Zeitraum recht stabile Zahlen. Das war weder für unser Geundheitswesen überhaupt kein Problem. Jetzt ist die Zahl auf um die 2000 Neuinfizierte pro Tag gesunken. Wenn wir jetzt wieder um die 5000 Neuinfektionen am Tag hätten, würde die Reproduktionszahl erst mal wieder bei über 1 liegen. Es wäre aber nach wie vor kein Drama und kein Problem für unser Gesundheitssystem. Daraus müsste noch lange keine Wucht der Epidemie erwachsen. Und das sollte Drosten wissen. Die Formulierung ist in meinen Augen unseriös und macht nur den Leuten Angst.
"Drosten betonte auch, dass die Zahl der Infizierten in der Charité in Berlin seit Wochen zunehme. In den Intensivstationen werde es immer ein bisschen voller. Das sei ein Effekt, der ihn sorgenvoll stimme."
Die Auslastung der Intensivbetten in Berlin lag in der letzten Woche bei 30 %. Ich weiß das, weil ich bei meiner Arbeit im Katastrophenschutzbüro der Malteser täglich einen Lageplan der Berliner Feuerwehr bekomme. Wir sind also um Welten entfernt von einer Überlastung unseres Gesundheitssystems. Und das müsste oder könnte Drosten auch wissen. Warum also stimmt ihn das sorgenvoll? Warum nennt er nicht die wirklichen Zahlen, und sagt vielleicht dazu, dass ihm ein Anstieg auf eine Auslastung von 60 oder 70 % Bedenken bereiten würde?
Das ist unnötige Panikmache, weil die meisten Menschen natürlich nichts von dieser geringen Auslastung wissen.
Wenn der Artikel ihn falsch rübergebracht hat, muss er sich darum kümmern, dass das richtig wiedergegeben wird, was er sagt. Und wie schon gesagt wurde, warum muss er jeden Tag (oder gefühlt stündlich) etwas von sich geben?
Silke:
--- Zitat von: Rainer am 22. April 2020, 12:56:40 ---
Mich stört auch diese ewige Plattitüde "unser Gesundheitssytem bricht ein". Das ist völliger Quatsch, es bricht so oder so nicht unser ganzes Gesundheitssystem ein. Aber wir haben eine extreme Häufung eines bestimmten Krankheitsbildes (Lungenentzündung), die Krankenhäuser sind aber nur auf "normalverteilte" Patienten eingerichtet, d.h. es gibt einen (großen) Engpass bei der Betreuung von Lungenentzündungen. Ich habe noch keinen einzigen Vorschlag gelesen, diesem Problem mit der simplen und logischen Lösung beizukommen, in dem man genau diese Kapazitäten massiv erhöht. Man hat etwas erhöht, ist übrigens bis heute NIE in Anspruch genommen worden und das war es jetzt auch wieder. Wieso unternimmt man nicht mehr in diese Richtung?
--- Ende Zitat ---
Mehr Behandlungsplätze in dieser Hinsicht werden aufgebaut. In Berlin schafft man ja gerade in den Messehallen eine provisorische Klinik (die man vermutlich nie brauchen wird).
Christina:
Drosten oder andere Mediziner sehen sich vielleicht auch als Gegengewicht zu vielen Politikern, die ständig auf Lockerungen drängen. Die ganze Situation ist furchtbar für die Wirtschaft und auch bei mir und Peter sieht es inzwischen alles andere als rosig aus, ich sehe aber auch die Zahlen und Zustände in Spanien, Italien und Teilen Frankreichs, New York und wenn wir das nicht bei uns erleben müssen, dann lohnen sich auch wirtschaftliche Probleme. Und wenn ich sehe, wie strikt die Regeln in China waren und noch sind, in Peking wurde die Quarantäne für aus dem Ausland Einreisende nun auf sogar drei Wochen verlängert, dann bin ich mir sicher, dass das Virus nicht zu unterschätzen ist, da in China die Wirtschaft doch einen extrem hohen Stellenwert hat, während das Wohlergehen der Bürger relativ unbedeutend ist. Für einen "harmlosen" Virus hätte man dort sicherlich ein derartiges Absinken der Wirtschaftsleistung nicht in Kauf genommen.
Rainer:
Ich konstruiere mal eine Zukunftssicht, die (vielleicht) die eigentliche Problematik zeigt:
das Virus ist anscheinend hochansteckend, es ist insbesondere für sehr alte Menschen mit vielen Vorerkrankungen tödlich. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen beträgt in Deutschland 81 Jahre (das ist enorm!).
Jetzt gehe ich mal vom "Best-Case" aus, es steht bereits im Januar eine Impfung zur Verfügung. So wie es eine Impfung gegen Grippe gibt. Wie sicherlich jeder weiß, wird die Grippeimpfung jedes Jahr in Deutschland wie "sauer Bier" angeboten, aber sie wird von weniger als 40% der Bevölkerung angenommen. Jetzt wenden wir diese Erkenntnis auf das Corona Virus an. Wir haben eine Impfung, aber max. 40% lassen sich überhaupt impfen. Insbesondere lassen sich alte Leute oft überhaupt nicht mehr impfen, egal wogegen. Auch das ist bekannt.
Jetzt haben wir also alles getan und alles erreicht - und was wird passieren? Es werden immer noch die alten Menschen krank werden, es werden Tausende sterben. Denn das Virus ist nun einmal vorhanden, das wird nicht verschwinden. Es werden nur die Menschen nicht erkranken, die sich per Impfung schützen. D.h. aber im Klartext, wenn man es dann endlich "laufen läßt" (wo ja alle Welt drauf wartet), dann wird es wieder "eine wuchtige Infektionswelle" geben und es werden Tausende und Abertausende alter Menschen sterben. Schlicht und ergreifend, weil es ganz vielen von ihnen (bereits heute) vollkommen egal ist. Was ist denn dann? Es ist nämlich gar nichts gewonnen, wenn sich nicht ausnahmslos alle Menschen impfen lassen und diese Vorstellung ist vollkommen unrealistisch. Das machen viele Impfgegner nicht, egal was ist.
Sollen wir also bis in alle Ewigkeit vor dem Virus vor Schrecken erstarren, weil es unter den alten resp. immungeschwächten Menschen besonders viele Opfer gibt? Es wäre zumindest konsequent, wenn wir auch dann weiter unsere Wirtschaft zerstören und opfern. Ich halte es für Wahnsinn. Aber ich habe noch niemanden getroffen, der diese Dinge mal bis zu Ende gedacht hat. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass mit dem Impfstoff die Welt so ist, wie sie vorher war. Das wird nicht so sein und deswegen müssen wir JETZT schon anfangen zu begreifen, dass es so ist, wie es ist und nicht in panischer Angst unsere ganze Wirtschaft zerstören. Ich finde es wirklich schrecklich und auch da haben wir erst die allererste kleine "Welle" hinter uns. Es wird noch viel mehr Leid und Arbeitslose geben, viel mehr Insolvenzen, das wird alles noch um Faktoren schlimmer werden, bis wirklich gar nichts mehr geht. Wenn nicht endlich mehr Wirtschaftsexperten gehört werden, die eben NICHT nur mit dem Finger wedeln und vor "wuchtigen Infektionswellen" warnen.
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