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Alltag in Corona-Zeiten

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Birgit:
Nee, Silke, er muss sich nicht darum kümmern, dass die Presse ihn richtig und im Zusammenhang zitiert. Das ist Aufgabe eines seriös praktizierten Journalismus, nicht nur das herauszureißen, was man für Schlagzeilen bzw. gute Verkaufszahlen oder viele Klicks braucht.

Er hat als Konsequenz dazu angedroht, den Podcast einzustellen und keine Infos mehr zu liefern. Das will ich persönlich beispielsweise nicht, weil ich es verstehe, seine Podcasts einzuordnen und zu erkennen, wann er seine persönliche Meinung äußert, übrigens in der Regel ausdrücklich als solche kennzeichnet (was er jederzeit darf, auch wissenschaftlich betrachtet) und wann er Ergebnisse von Studien zitiert oder interpretiert.

Und von "möglicherweise" zu sprechen, ist genau richtig, wenn er etwas nicht mit Gewissheit sagen kann. Da hat er keine andere Wahl, und nur das ist serlös. Wir reden nämlich über nichts, was mathematisch ins Letzte berechnet werden kann wie der genaue Zeitpunkt und Ort, an dem eine Raumfähre wieder auf der Erde ankommt, sondern es geht hier viel um Statistik und Betrachtungen, was mit einer größeren oder kleineren Wahrscheinlichkeit passieren kann, wenn man an bestimmten Stellschrauben oder Variablen dreht. Das hat er an anderer Stelle des Podcast erklärt, auf den der Artikel sich bezieht.

In diesen derzeit wieder mal beliebten Schwurbel- und Verschwörungstheoriebeiträgen wird gerne mal bemängelt, dass sich nebulös gehalten werde, keine stichhaltigen Zahlen genannt würden. Die das postenden Dummköpfe kapieren oftmals nicht, dass genau das eben nicht seriös wäre, und dass es zu einer seit 3 Monaten grassierenden Seuche eben noch keine verlässlichen Zahlen geben kann. Das kann man den Menschen mit den oft markigen und beifallheischenden Worten nicht verübeln, die haben eben meistens noch nicht in einer Statistikvorlesung gesessen und haben sich wohl noch nie mit so etwas wie Methodenlehre oder wissenschaftlichem Arbeiten fundiert befasst. Was also ist seriös? Zu sagen, dass man zu etwas noch nichts weiß, ist in der Situation ganz sicher das Seriöseste, was man tun kann. Aber sorry, ich schweife ab, nur habe ich mich über solche horndämlichen Ergüsse in den letzten Tagen wiederholt massiv aufgeregt.

Eine Reproduktionszahl von >1 bedeutet auch nicht jeden Tag 5000 mehr. >1 bedeutet, dass man schnell bei einem exponentiellen Wachstum ist. Aufgrund der Zeitverzögerung zwischen Ursache und Wirkung würde man diese aber erst dann feststellen, wenn es ggf. schon zu spät ist. Und dann ist man rasend schnell bei einer starken Auslastung der Klinikbetten, die man nicht eben mal fix wieder stoppen kann, eben auch wegen der Zeitverzögerung zwischen Ursache und Wirkung. Ein langsamer Anstieg der Corona-Patientenzahl auf den Intensivstationen bedeutet also sehr wohl ein Alarmzeichen, wenn man weiß, dass es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit der Beginn eines exponentiellen Anstiegs ist und kein linearer Verlauf.

Du erwartest im übrigen auch sehr viel von jemandem, der da 30 bis 40 Minuten frei redet. Bei einem geschriebenen Text kann man stundenlang an den Formulierungen herumfeilen und hier und da ein andere Wort wählen. Aber bei aller Sorgfalt ist das beim gesprochenen Wort einer nicht vorbereiteten und abgelesenen Kombination von Frage und Antwort nicht möglich, selbst wenn die Gesprächsthemen vorher abgesprochen sind. Das erfahre ich leider auch immer wieder bei meinen Kunden, dass jemand kommt und sagt: "Sie haben aber gesagt, dass..."

Du musst ihn nicht täglich hören, übrigens seit Ostern ohnehin nur noch MO, MI und FR. Ich persönlich fühle mich sehr wohltuend in Vorlesungen zur Methodenlehre zurückversetzt, finde das Gebiet wahnsinnig interessant und kann einordnen und damit umgehen, was er berichtet. Ich lerne sehr viel in dieser Vorlesung "Virologie für Anfänger". Und deshalb nervt Drosten mich kein bisschen, erst recht lange nicht so sehr wie so viele selbst ernannte Hobbyvirologen und Hobbypolitiker an ihren mittlerweile nur noch virtuellen Stammtischen, die von außen betrachtet alles besser wissen, vor allem dann im Nachhinein gut reden haben, dass sie ja gleich gesagt haben und schon lange gewusst haben, dass...

Und hier dann doch noch ein paar Zahlen...

https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/21/world/coronavirus-missing-deaths.html

Silke:
Da müsste man sich anmelden, sonst kann man das nicht lesen.

Ansonsten ist es eben wie bei Allem, es gibt viele unterschiedliche Meinungen.

Zu der Reproduktionszahl:  wenn du jetzt über mehrere Tage tägliche Neuinfizierungen von um die 2000 hast, und diese dann wieder auf die schon dagewesenen Zahlen von um die 5000 Fälle pro Tag (gleicbleibend über einen längeren Zeitraum) steigen, steigt zwischendurch die Reproduktionszahl auf weit über 1, geht dann wieder auf 1. Und das, ohne dass es ein Drama wäre.

Und ich habe nochmal in die Zahlen geguckt, wir hatten vor einer Woche in Berlin eine Auslastung der Intensivbetten von 30%, jetzt ist die seit einigen Tagen bei konstant 33%.

Silke:

--- Zitat von: Rainer am 22. April 2020, 18:59:55 ---Ich konstruiere mal eine Zukunftssicht, die (vielleicht) die eigentliche Problematik zeigt:

das Virus ist anscheinend hochansteckend, es ist insbesondere für sehr alte Menschen mit vielen Vorerkrankungen tödlich. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen beträgt in Deutschland 81 Jahre (das ist enorm!).

Jetzt gehe ich mal vom "Best-Case" aus, es steht bereits im Januar eine Impfung zur Verfügung. So wie es eine Impfung gegen Grippe gibt. Wie sicherlich jeder weiß, wird die Grippeimpfung jedes Jahr in Deutschland wie "sauer Bier" angeboten, aber sie wird von weniger als 40% der Bevölkerung angenommen. Jetzt wenden wir diese Erkenntnis auf das Corona Virus an. Wir haben eine Impfung, aber max. 40% lassen sich überhaupt impfen. Insbesondere lassen sich alte Leute oft überhaupt nicht mehr impfen, egal wogegen. Auch das ist bekannt.

Jetzt haben wir also alles getan und alles erreicht - und was wird passieren? Es werden immer noch die alten Menschen krank werden, es werden Tausende sterben. Denn das Virus ist nun einmal vorhanden, das wird nicht verschwinden. Es werden nur die Menschen nicht erkranken, die sich per Impfung schützen. D.h. aber im Klartext, wenn man es dann endlich "laufen läßt" (wo ja alle Welt drauf wartet), dann wird es wieder "eine wuchtige Infektionswelle" geben und es werden Tausende und Abertausende alter Menschen sterben. Schlicht und ergreifend, weil es ganz vielen von ihnen (bereits heute) vollkommen egal ist. Was ist denn dann? Es ist nämlich gar nichts gewonnen, wenn sich nicht ausnahmslos alle Menschen impfen lassen und diese Vorstellung ist vollkommen unrealistisch. Das machen viele Impfgegner nicht, egal was ist.

Sollen wir also bis in alle Ewigkeit vor dem Virus vor Schrecken erstarren, weil es unter den alten resp. immungeschwächten Menschen besonders viele Opfer gibt? Es wäre zumindest konsequent, wenn wir auch dann weiter unsere Wirtschaft zerstören und opfern. Ich halte es für Wahnsinn. Aber ich habe noch niemanden getroffen, der diese Dinge mal bis zu Ende gedacht hat. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass mit dem Impfstoff die Welt so ist, wie sie vorher war. Das wird nicht so sein und deswegen müssen wir JETZT schon anfangen zu begreifen, dass es so ist, wie es ist und nicht in panischer Angst unsere ganze Wirtschaft zerstören. Ich finde es wirklich schrecklich und auch da haben wir erst die allererste kleine "Welle" hinter uns. Es wird noch viel mehr Leid und Arbeitslose geben, viel mehr Insolvenzen, das wird alles noch um Faktoren schlimmer werden, bis wirklich gar nichts mehr geht. Wenn nicht endlich mehr Wirtschaftsexperten gehört werden, die eben NICHT nur mit dem Finger wedeln und vor "wuchtigen Infektionswellen" warnen.

--- Ende Zitat ---
Es wird eine Impfpflicht geben, wenn es einen Impfstoff gibt.

Ansonsten seh ich das inzwischen ähnlich. Aber es werden immer mehr Stimmen laut, die das auch so sehen. Hoffen wir, dass diese schnell gehört werden.

Birgit:
Wo muss man sich anmelden? Meinst du den Artikel aus der New York Times? Ich bin dort nirgendwo angemeldet?

Und was meinst du mit "es gibt viele unterschiedliche Meinungen"? Zu welchem Thema genau?

Susan:
Ich stimme dir da vollkommenzu, Rainer!
Das ist irgendwie genau das, was ich von Anfang an nicht begriffen habe.
Damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, belasten wir die Wirtschaft extrem. Und was wird das Ziel sein? Ein Impfstoff und/oder ein Medikament, die auch nicht jedermann nutzen. Nebst -im besten Fall -  einen Riesenberg von Schulden für all die Hilfen, die gezahlt werden müssen.

Wegen der Impfung kommen mir als Vergleich eher die Pocken in den Sinn. Ich weiß nur dunkel, wie das damals mit der Pockenimpfung gewesen ist. Irgendwie war die gesetzlich vorgeschrieben und zwar für über 100 Jahre bis man meinte der Virus sei ausgestorben. Ob den Entscheidern etwas ähnliches für Corona vorschwebt? Und ist das heute noch so durchsetzbar wie im letzten Jahrhundert?

Natürlich ist es schrecklich tragisch, was in Italien, Spanien, New York und so weiter passiert. Doch egal, was geopfert wird, es kann nicht jeder beschützt und gerettet werden, so sehr wir das auch hoffen.

Ich denke, mittlerweile hat jeder so viel über den Virus und die Krankheit gehört, dass er sich und seine Lieben schützen kann, wenn er es will. Und so müsste es eigentlich keinen Zwang mehr von oben geben. 


Vor einigen Posts wurde gefragt, ob wir jemanden kennen, der Corona  infiziert ist/war.  Unsere Antwort: nein, wir kennen keinen einzigen, der positiv getestet wurde.
Kennt ihr denn Fälle?


 

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