7. Tag – Sonntag, 25.05.Gegen 8 Uhr starten wir nach Lorient, nach dem Verkehrschaos (in die andere Richtung) am Freitagnachmittag, haben wir uns den Sonntag ohne Berufsverkehr für diesen Ausflug ausgesucht. Und tatsächlich sind wir ziemlich alleine auf den Straßen unterwegs. In Lorient wollen wir nicht die (wohl eher uninspiriert nach dem Krieg wiederaufgebaute) Innenstadt anschauen, sondern den Hafenbereich „La Base“ etwas abseits des Zentrums.

Gegen 9 Uhr parken wir auf dem kostenlosen, großen Parkplatz dort. „La Base“ hat zwei Schwerpunkte: den Segelsport und die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte des Segelsports wird im großen Museum „Cité de la Voile Eric Tabarly“ umfassend dargestellt, aber auch auf zahlreichen Tafeln entlang des allgemein zugänglichen Hafenbereichs, zahlreiche Teilnehmer der großen Segelereignisse dieser Welt wie die Vendée Globe kamen aus Lorient bzw. wurden hier trainiert. Für uns ist das nicht so interessant wir sind wegen des zweiten Schwerpunkts hier.
Wie viele andere französische Orte war auch Lorient im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzt, hatte für sie als U-Boot Basis eine besondere Bedeutung. Im heutigen Hafenbereich „La Base“ wurden mehrere U-Boot Bunker errichtet, hier wurden U-Boote repariert und zu ihrem Einsatz im Atlantik geschickt.
Natürlich war daher die Zerstörung der U-Boot Basis ein wichtiges Ziel der Alliierten, allerdings waren die Bunker, insbesondere einer davon, so massiv gebaut, dass alle Bombenangriffe fehlschlugen. Ende 1942 beschloss dann Churchill Lorient und dessen Umgebung komplett dem Erdboden gleich zu machen, um die Deutschen in ihren Bunkern zu isolieren und jegliche Infrastruktur für Nachschub zu zerstören.
Anfang 1943 wurde die Bevölkerung evakuiert und Mitte Februar dann alles zerstört, die Deutschen haben sich allerdings auch davon nicht vertreiben lassen, Nachschub wurde übers Meer organisiert. Die Kapitulation erfolgte erst nach einer 9-monatigen Belagerung ab Mitte August 1944 (da waren dann die alliierten Bodentruppen nach der Landung in der Normandie vor Ort) am 10.05.1945.
Die Bunker bzw. ihre Überreste stehen immer noch, man wusste und weiß bis heute nicht so recht, was man damit machen soll, sie zu zerstören wäre ein unglaublicher Aufwand, insbesondere die Entsorgung der Tonnen von Beton, aus denen sie hergestellt wurden. Inzwischen wird das Gelände vielfältig genutzt, neben dem Segelmuseum gibt es ein U-Boot Museum, verschiedene Gewerbebetriebe haben sich niedergelassen und einige Restaurants wurden eröffnet, auch einen großen Spielplatz gibt es.
Der größte und massivste Bunker genannt Block K3 (K für Keroman, so heißt dieser Stadtteil von Lorient) kann besichtigt werden und genau dafür sind wir hier. Die Besichtigung ist nur mittels Führung möglich, die Tickets dafür kaufen wir im Segelmuseum (EUR 7,00 p.P.).
Die Führungen gibt es nur auf Französisch, wir bekommen ein deutsches „Beiblatt“ mit den wichtigsten Infos und wir haben uns die Hinweistafeln, die im allgemein zugänglichen Hafenbereich aufgestellt sind, durchgelesen, damit sind wir gut vorbereitet, denn tatsächlich verstehe auch ich trotz Französisch Kenntnissen weniger als die Hälfte. Der Guide spricht sehr schnell und in dem Bunker hallt es, daher ist es schon alleine von der Akustik her schwer zu verstehen.
Außer uns nehmen nur Franzosen an der Führung teil, drei, vier ältere Paare, die gemeinsam reisen, ein junges Pärchen und eine junge Familie mit 4–5-jährigem Sohn, der sich erstaunlich ruhig verhält, da habe ich schlimmeres befürchtet, denn das Ganze dauert eine Stunde und muss in dem Alter ja unfassbar langweilig sein. Ich bin froh, dass wir nicht in den USA oder Kanada sind, wo sich jeder zu Beginn einer Führung vorstellen muss, denn sich an so einem Schauplatz als Deutscher zu „outen“ wäre mir eher unangenehm gewesen.
Wir gehen durch alle Stockwerke des Bunkers, angefangen auf Wasserniveau, wo die U-Boote lagen,
über einen Schaltraum zum bemerkenswerten Zwischengeschoss, das zur Unzerstörbarkeit des Bunkers maßgeblich beigetragen hat, da es an den Seiten offen ist und somit den Druck, der durch die abgeworfenen Bomben entsteht und auch zur Zerstörung führt, entweichen kann, außerdem wurde so das eigentliche Dach geschützt.
Zum Ende der Führung geht es auf das Dach, wo man deutlich sieht, wie der Zahn der Zeit am Gebäude nagt und man einen (eher bescheidenen) Blick über Teile von Lorient bis zur Zitadelle von Port Louis (stammt aus dem 16. und 17. Jh.) auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt hat. Leider geht ausgerechnet als wir auf dem Dach sind, ein heftiger Regenschauer nieder, so dass wenig Zeit bleibt, sich genauer umzuschauen.
Nach dem Ende der Führung (Trinkgeld gibt dem jungen Guide niemand, auch nicht die beiden älteren Herren, die ihn Löcher in den Bauch gefragt haben) spazieren wir zurück in Richtung Auto, vorbei an weiteren Bunkerüberresten, dem U-Boot Museum und nochmal mit Blick aufs Wasser, wo wir die Skelette mehrerer Schiffe, unter anderem welche, die von den Deutschen absichtlich versenkt wurden, um die Einfahrt in den K3 zu schützen, sehen.
Bis wir am Auto bzw. dessen Nähe sind, ist es kurz vor 12 Uhr und wir beschließen, in einem der Restaurants hier auf dem Gelände Mittag zu essen. Wir entscheiden uns für das „Baleine Déshydratée“ („dehydrierter Wal“) Auch hier erleben wir wieder wie sich das Restaurant ab ca. Viertel nach zwölf schnell füllt bis es fast keinen freien Platz mehr gibt. Da es Sonntag ist, sind die Besucher Familien und Gruppen junger Leute, die hierher wohl einen Sonntagsausflug machen.
Das Restaurant ist passend zur Umgebung im Fabrikstil eingerichtet, was uns gut gefällt, mit dem Essen sind wir allerdings nicht wirklich zufrieden. Mein Tatar schmeckt zwar gut, Peters Rindfleisch ist aber lauwarm statt heiß und die Pommes bei uns beiden völlig labberig (EUR 50,00, die günstigeren Tagesgerichte oder Menüs gibt es nur unter der Woche). Ausgerechnet hier machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Frage nach einem Trinkgeld direkt am Kartenbezahlterminal in verschiedenen Prozentabstufungen. Ein bisschen Trinkgeld geben wir trotz des nicht sehr guten Essens, denn die Mädels und Jungs, die bedienen, waren sehr nett, sind vermutlich Studenten der Uni von Lorient und können das Geld sicher gut brauchen und sie können ja nichts für das Essen.

Nach dem Essen fahren wir ein Stück zurück Richtung Guilvinec, wir wollen noch eine Wanderung machen. Wir entscheiden uns für die Nr. 37 des Rother Wanderführers, die an einem Strandparkplatz (kostenlos) beim Örtchen Pouldohan zwischen Lorient und Concarneau startet.
Am Parkplatz gibt es erfreulicherweise eine Toilette, allerdings tatsächlich seit langem mal wieder eine nur mit Loch im Boden. An sich habe ich damit kein Problem (wenn es nur hin und wieder mal ist), aber zurzeit habe ich ja immer noch mein Knieproblem, das mich zum Glück nicht allzu sehr einschränkt, was aber überhaupt nicht geht, ist in die Hocke gehen – da wird so eine Toilette fast unbenutzbar für mich, zumal es leider keinen Haltegriff an der Seite gibt. Aber irgendwie geht es dann doch, wobei ich mich schon frage, wie das früher, wo solche Toiletten in Frankreich Standard waren, ältere Menschen, die nicht mehr so beweglich sind, gemacht haben.
Die Wanderung führt entlang der Küste, zunächst ein Strand mit fast weißem Sand,
dann wird es felsiger.
Danach geht es auf Landstraßen durchs Landesinnere bis wir wieder die Küste erreichen, hier nun eine stark zerklüftete Bucht, die herrlich idyllische Anblicke bietet, leider ist nun die Sonne schon wieder verschwunden.
Zum Schluss geht es nochmal am offenen Meer entlang, bis wir nach 11 Kilometern gegen 17 Uhr wieder den Parkplatz erreichen.
Gegen 18 Uhr sind wir zurück im Apartment, wo wir unser Abendessen auf der Terrasse einnehmen können, es ist wieder sonnig geworden. Einen Abendspaziergang, der sich bei diesem schönen Sonnenschein eigentlich anbieten würde, gibt es nicht, die 11 km der Wanderung und dazu noch einiges im weitläufigen Hafenbereich von Lorient sind für mein Knie genug.
Wetter: teils sonnig, teils wolkig, ein Schauer am Vormittag, ca. 15 -20°C
Wanderung: Rother Bretagne Nr. 37, 11,3 km, 91,5 Höhenmeter