Autor Thema: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025  (Gelesen 7841 mal)

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3600
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #45 am: 15. August 2025, 18:17:36 »
Den Bunker konnte man leider nicht ohne Führung besichtigen, sonst hätten wir das gemacht.
Aber das war alles schon sehr interessant dort, man kennt ja zwar so grundsätzlich was sich dort im Zweiten Weltkrieg abgespielt hat, aber nicht die Einzelheiten und Lorient war doch nochmal etwas besonderes. Gäbe es den Bunker nicht, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, dorthin zu fahren, daher hat das schon gepasst, an sich würde aber durchaus auch reichen, wenn man sich nur den Hafenbereich anschaut und dabei die Tafeln mit den Erklärungen und auch Fotos anschaut, da bekommt man das meiste schon mit. Und es war auf jeden Fall eine schöne Abwechslung, so viel "Kultur" hatten wir ja in diesem Urlaub nicht. Die Stunde ging schnell rum, der Bunker ist ja nicht gerade klein, da ging schon einiges an Zeit für die Wege zwischen den Stationen an denen dann der Guide etwas erzählt hat, drauf.

Die Toiletten mit nur Loch im Boden sind oft sauberer und vor allem weniger eklig als die mit Toilettenschüssel, schon weil man ja außer den Boden mit Schuhen nichts berühren muss, daher stört mich das an sich nicht, die gibt's ja nicht in Restaurants oder gar Hotels, sondern in solchen Außenbereichen, wo nur selten jemand zum putzen vorbei kommt.

Tartar, ich meine, das hieß auch so auf Französisch, bin mir aber nicht sicher, aber du würdest ja sowieso nichts bestellen, von dem du nicht weißt was es ist, teilweise waren die Speisekarten auch auf Englisch (ob das hier so war, weiß ich nicht mehr) oder man kann mit Google Lens sich das gut übersetzen lassen.


LG Christina

Susan

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3515
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #46 am: 16. August 2025, 15:14:17 »
Den Bunker müsste ich mit Kersten bestimmt auch besichtigen. Soviel Französisch würden wir auch nicht verstehen, gut daher, dass es wenigstens ein Infoblatt dazu gibt. Ansonsten wäre die Küstenwanderung auch eher mein Ding.

Die Toiletten mit nur Loch im Boden sind oft sauberer und vor allem weniger eklig als die mit Toilettenschüssel, schon weil man ja außer den Boden mit Schuhen nichts berühren muss, daher stört mich das an sich nicht, die gibt's ja nicht in Restaurants oder gar Hotels, sondern in solchen Außenbereichen, wo nur selten jemand zum putzen vorbei kommt.

Auf Campingplätzen sind diese Pedalos (keine Ahnung, ob das der richtige Name ist) oft die bessere Wahl. Kann es manchmal nicht fassen, wie Leute mit Klos umgehen  :P Mit Kniebeschwerden stelle ich mir die Nutzung allerdings schwierig vor.
Liebe Grüße
Susan


Paula

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4735
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #47 am: 18. August 2025, 11:05:55 »
Die Bunkeranlagen sind ja super interessant, das merke ich mir, davon wußte ich gar nichts. Ich habe im deutsch-französischen Grenzgebiet schon Führungen in den Bunkern der Maginot-Linie mitgemacht (mein französich ist halbwegs okay, das meiste habe ich schon verstanden), da haben sie das gleiche Problem: was macht man mit diesen Anlagen, auch hier massivster Beton, kaum zu sprengen. In einem der Bunker werden jetzt Champignons gezüchtet. Lorient kannte ich gar nicht, aber da werde ich nächstes Mal wenn ich in der Bretagne bin auch einen Abstecher machen!
Viele Grüße Paula

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3600
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #48 am: 18. August 2025, 19:55:04 »
8. Tag – Montag, 26.05.

Leider sind wir heute etwas eingeschränkt und nicht etwa wegen meines Knies (das macht so problemlos mit bisher, dass ich am Zweifeln bin, ob eine Operation überhaupt nötig ist), sondern wegen Fuß-/Beinproblemen bei Peter. Wie schon in vielen vorherigen Urlauben hat er nach den, im Vergleich zum Alltag, vielen Stadtspaziergängen und Wanderungen der letzten Tage, Schmerzen am Bein zwischen Schienbein und Knöchel, so dass er heute nicht allzu viele Kilometer zurücklegen können wird.

Ich bin ein bisschen verärgert, denn er hätte dieses Problem schon längst zu Hause mal angehen können, aber alle meine Versuche, ihn zum Besuch beim Orthopäden zu überreden scheitern immer, zu Hause tut es ja auch nicht mehr weh. Aber nun gut, es hilft alles nix, eine Wanderung machen wir heute nicht, wir fahren zunächst mal ins Städtchen Douarnenez, mal sehen, wie weit wir dort kommen.

Douarnenez hat einen bedeutenden Fischerhafen, es liegt auf Platz 6 frankreichweit, die Blütezeit ist aber vorbei, die war Mitte des 19. Jh. als nach der Erfindung der Konservendose Fisch plötzlich sehr lange haltbar gemacht werden und damit auch in weit entfernt liegende Gegenden verkauft werden konnte. Eine besondere Rolle spielte dabei die Sardine, die in Massen in den Gewässern vor Douarnenez auftrat und als Konserve einen sehr hohen Preis erzielte, Frankreich hatte da eine Zeitlang eine Monopolstellung inne. Nun konnten nicht nur die Fischer und die Händler am Fisch verdienen, nun kamen zahlreiche Arbeitsplätze in den Konservenfabriken dazu.

Gegen Ende des 19. Jh. blieben plötzlich die Sardinenschwärme aus, die meisten Fabriken mussten schließen, in der Stadt herrschte Massenarbeitslosigkeit. Es wurde dann zwar in den kommenden Jahren wieder besser, die Sardine kehrte zurück, neue Fangmethoden erhöhten die Gewinne, aber eine Rückkehr zum „alten Glanz“ gelang nicht mehr.

Nach einer Stunde Fahrt finden wir gegen 9 Uhr ein Plätzchen auf einem großen, kostenlosen Parkplatz im Stadtzentrum von Douarnenez. Von hier spazieren wir bergab zum alten Hafen Port du Rosmeur, der heute nur noch von kleinen Fischerbooten und Yachten genutzt wird. Sehr hübsche Anblicke bieten sich hier mit den bunten Hausfassaden, dem Grün am Ufer und dem (noch vorhandenen) leichten Sonnenschein.





Vom alten Hafen geht es weiter zum modernen, von dem aber außer ein paar Hallen nichts zu sehen ist


und dann bergauf vorbei an einem kleinen Sandstrand, an dem sich ein paar Frauen tatsächlich ins Wasser wagen, bis zum Zugang zur Ile Tristan. Diese kann nur bei Ebbe betreten werden und steht unter Naturschutz.



Ungeplant ist gerade Ebbe und wir können ein paar Leute beobachten, die über die nassen Steine und Felsen zur Insel hinüberwandern. Ich würde am liebsten auch zur Insel, da Peter aber schon wieder Schmerzen hat, leider aber auch nicht auf der Bank, von der man den gesamten Weg zur Insel und die Insel selbst sehen kann, auf mich warten, sondern mitgehen würde, verzichte ich lieber.

Nach einer Pause setzen wir unseren Spaziergang entlang der Wasserlinie fort. Das Meer hat auf der anderen Seite des Stadtzentrums einen tiefen flussartigen Einschnitt geformt. Gegenüber ist der Ortsteil Tréboul mit Yachthafen zu sehen, entlang des „Flusses“ liegen zahlreiche Boote vor Anker, darunter auch sehr alte, etwas weiter hinten beginnt ein Museumshafen.



Eine Kaffeepause wäre nun ganz schön, wir gehen daher ins Stadtzentrum, nun wieder steil den Berg hinauf durch teils sehr idyllische Gassen,


finden aber erstaunlicherweise kein einziges Café. Schließlich landen wir wieder am alten Hafen, dort gibt es eine ganze Reihe von Cafés und Restaurants.

Nach der Pause gehen wir zurück zum Museumshafen und schlendern an diesem entlang, es gibt auch zahlreiche ziemlich verwitterte Schiffe, die meisten leider nicht erreichbar am gegenüberliegenden Ufer am Waldrand. Einige dieser Schiffe warten auf ihre Restaurierung, denn der Erhalt der alten Techniken des Schiffsbaus ist das Hauptanliegen des Museumshafens.







Ein paar Restaurants gibt es auch hier, da sind wir vorhin bei der Suche nach einem Café zu früh Richtung Innenstadt abgebogen.

Zum Mittagessen entscheiden wir uns fürs „L'Amuse-Louche“ (Wortspiel mit „Amuse bouche“ = Vorspeisenhäppchen, „louche“ = Suppenkelle), heute haben wir wieder ein glückliches Händchen bei der Wahl, wir bekommen auch ohne Reservierung einen Tisch, in der nächsten halben Stunde füllt sich das Lokal dann bis auf den letzten Platz.

Das Essen ist super lecker (EUR 50,00), wir nehmen beide das 2- Gang – Menü, ich mit Gazpacho als Vorspeise und als Hauptgericht (mal wieder) ein Seehecht mit Reis und Gemüse, Peter hat Cannelloni (mit einer grünen Soße anstelle von Tomatensoße) und als Nachtisch ein himmlisches Schokoladeneis und eine Profiterole. Zum Trinken bestellen wir neben der Wasserkaraffe einen Apfelsaft mit Kohlensäure (Bulle de Pommes), davon hatte ich bei der Reisevorbereitung zum ersten Mal gelesen, das schmeckt fast wie Cidre, ist aber alkoholfrei. Der Saft schmeckt sehr gut, da müssen wir im Supermarkt ein paar Flaschen für zu Hause mitnehmen.


Nach dem Essen bummeln wir noch über die Fußgängerbrücke auf die andere Seite des Meeresarms zum Yachthafen von Tréboul, von hier hat man einen schönen Blick auf den Museumshafen mit der Altstadt im Hintergrund und auf die Ile Tristan (nun bei Flut).



Gegen 14 Uhr sind wir zurück am Auto. Zweites Ziel heute ist das nahegelegene Örtchen Locronan. Dieses ist bekannt für seine gut erhaltenen Granithäuser aus dem 16. – 18 Jh., eine Zeit des Reichtums, der auf der Herstellung von Segeltuch gründete. Es galt als das beste Segeltuch zwischen Spanien und Schottland, z.B. der spanische König ließ es für seine Flotte verwenden. Mit dem Aufkommen der industriellen Tuchherstellung in England und der Dampfschifffahrt ging diese erfolgreiche Epoche für Locronan zu Ende.

Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Einwohner aber einen Ersatz: den Tourismus und hin und wieder die Filmindustrie. Leider merkt man dies aber heute, denn der Ort fühlt sich an wie ein Disneyland. Am Ortseingang ist ein riesiger Parkplatz, natürlich kostenpflichtig (EUR 5 für den ganzen Tag, eine kleinere Einheit gibt es nicht), der jetzt im Mai zu etwa einem Drittel gefüllt ist, dennoch fragen wir uns, wo all diese Touristen plötzlich herkommen bzw. sich sonst aufhalten, da sind reihenweise Autos aus Deutschland, Schweiz, Niederlande, Belgien – sonst sieht man ausländische Autos nur vereinzelt, am ehesten noch Deutsche. Im recht kleinen Ort reihen sich Restaurants und Souvenirgeschäfte aneinander, normales Leben gibt es nicht mehr. Aber immerhin, es gibt einige sehr idyllische Ecken und damit schöne Fotomotive, auch ist es erstaunlich leer, wo sind die Leute, deren Autos vorne parken?






Nach zwanzig Minuten haben wir alles gesehen und fahren mit einem Stopp beim Supermarkt zurück in die Ferienwohnung.

In Guilvinec scheint die Sonne – juhu! Wir machen Kaffeepause, Peter möchte dann seinen Fuß schonen, ich mache mich daher alleine gegen 17 Uhr auf den Weg, bisher waren wir ja nur am kleinen Felsstrand vor der Unterkunft, im Ortskern und am Hafen, in die andere Richtung gibt es einen langen Sandstrand, dorthin spaziere ich nun.



Parallel zum Strand verläuft in den gras- und blumenbewachsenen Dünen ein Holzbohlenweg, später Erdweg, dem ich ein ganzes Stück folge.





An einem Teil des Strands sind viele Surfer, denen ich schaue ich eine Weile zu, bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache.

Wetter: bewölkt; nachmittags, abends in Guilvinec sonnig, ca. 15°-18°C



LG Christina

Ilona

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4366
  • Slot Canyon Addict
    • Amerika und wandern
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #49 am: 19. August 2025, 09:22:19 »
Also wenn schon gerade Ebbe ist, wäre ich auf jeden Fall zur Ile Tristan gelaufen und hätte meinen Peter auf der Bank geparkt :cool2:. Das war schließlich nicht weit und immer in Sichtweite. Aber Heiko hätte ohnehin Schmerztabletten eingeworfen und die Zähne zusammengebissen (wie in Kanada mit seiner entzündeten Plantarsehne). Die Insel hätte er sich nicht entgehen lassen.

Das Essen sah an dem Tag wirklich sehr lecker aus und wäre auch ganz nach unserem Geschmack.

Die alten Steingebäude gefallen mir und die Kirche sieht wie eine kleine Ausgabe der Notre Dame aus.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Paula

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4735
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #50 am: 19. August 2025, 10:39:33 »
Douarnenez  kenne ich noch nicht, kommt auf die Liste, der Weg zur Insel reizt mich, das hat mir in St. Malo schon so gut gefallen über den Meeresboden zu laufen.  Dass Peter nicht auf einer Bank auf dich warten wollte finde ich aber gar nicht nett. Ich hatte schon öfter Situationen mit meiner Höhenangst, dann bleibe ich wo wir gerade sind und lasse Josef allein weiterwandern und warte bis er zurück kommt, das finde ich selbstverständlich, da hätte Peter mit mir Stress bekommen...
den Bootsfriedhof finde ich sehr malerisch, das gab es ja in St. Malo auch, ist wohl üblich in der Bretagne.
Und das Essen ist sowas von verlockend  ^-^
Viele Grüße Paula

Susan

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3515
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #51 am: 19. August 2025, 11:34:27 »
Das waren ja zwei nett altmodische Orte. Wenn sichs grad so schön passt, wären wir auch zur Insel rüber  ^-^ Am besten gefallen hat nmir allerdings die Wanderung den langen Sandstrand entlang; mit Bohlenweg ist das auch nicht ganz so anstrengend.

Das Essen schaut lecker aus. Schön, dass es dort Menus gibt; solch Angebote haben wir auf Korsika vermisst.
Liebe Grüße
Susan


Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3600
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #52 am: 19. August 2025, 18:09:15 »
Im umgekehrten Fall hätte ich auch auf der Bank gewartet, aber Peter halt nicht (wobei er im umgekehrten Fall auch nicht alleine zur Insel gegangen wäre) und bevor dann die Stimmung komplett kippt und wir höchstens noch zurück in die Unterkunft gefahren wären, nehme ich lieber in Kauf, dass ich nicht zur Insel komme. Schmerztabletten würde er nie nehmen, nur damit er laufen kann. Na ja, insgesamt lief der Tag besser als ich anfänglich erwartet hatte.

Ich nehme an Korsika ist zu touristisch für diese Menus, das gab es letzten Herbst in den eher touristischen Orten in der oberen Normandie auch nicht, nur in Rouen und Le Havre. Dafür gab es halt auch keine Moules Frites, als eines meiner Lieblingsessen hätte ich das gerne gegessen, aber dafür waren die Restaurants wohl zu untouristisch.


LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3600
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #53 am: 21. August 2025, 18:07:31 »
9. Tag, Dienstag, 27.05.

Heute kann Peter sein Bein nochmal ausruhen, nun bin ich es, die unsere Aktivtäten etwas einschränkt. Nein, immer noch nicht wegen meines Knies, stattdessen habe ich seit der Nacht Durchfall. Nicht allzu schlimm, keine Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen dazu, aber trotzdem möchte / muss ich es etwas ruhiger angehen lassen.

Als erstes fahren wir zur Apotheke, was gegen den Durchfall kaufen, dann zum Supermarkt, ich brauche Salzletten, viel mehr bzw. anderes möchte ich heute vorsichtshalber nicht essen.

Gegen 10 Uhr fahren wir dann zur Ruine der Chapelle de Languidou, im Landesinneren nicht allzu weit von Guilvinec entfernt. Die Kapelle steht auf freiem Feld mit einem Parkplatz davor. Außer einer Wanderin, die bald mit ihrer Besichtigung fertig ist und auf einer der nahen Bänke Pause macht, sind wir alleine.


Die Kirche wurde in verschiedenen Bauabschnitten errichtet bzw. umgebaut, der heute zu sehende Grundbau stammt aus dem Jahr 1260 (die Ursprünge sind wesentlich älter), die filigrane Rosette von 1425. Während der Französischen Revolution wurde die Kapelle zerstört und Teile davon für den Bau eines Küstenwachpostens verwendet. Ein sehr malerisches Fotomotiv, auch wenn der mal wieder graue Himmel etwas stört.



Von hier fahren wir an die Küste zur Pointe de la Torche, eine felsigen Landzunge, die zwei Sandbuchten voneinander trennt. Dieser Küstenabschnitt ist bekannt für seine hohen Wellen und daher ein Top Spot für Surfer, auch verschiedene Wettkämpfe finden hier statt. Obwohl gerade Ebbe ist, sind die Wellen tatsächlich enorm hoch, das ist auf den Fotos nicht richtig zu erkennen. Surfer hat es vermutlich wegen der Ebbe gerade keine, aber auf dem trockenliegenden Sandstrand sind einige Strandsegler unterwegs.





Es ist leider sehr feucht, kalt und windig, so dass wir unseren Besuch recht schnell wieder beenden und in die Ferienwohnung für eine längere Mittagspause zurückfahren.

Gegen 14 Uhr brechen wir auf ins nahegelegene Städtchen Pont-l’Abbé, das früher mal die Hauptstadt des Süd-Finistère war, bevor Quimper (das wir bei unserem Urlaub 2014 angeschaut haben) diese Stelle einnahm.

Benannt ist Pont-l’Abbé nach der bebauten Brücke im Zentrum, daneben steht das ehemalige Schloss, in dem heute ein Geschichts- und Volkskundemuseum über die Region untergebracht ist. Leider wird das gesamte Gebäude umfassend renoviert und ist deshalb fast komplett eingerüstet und zugehängt. Sehr schade, aber wir finden noch ein paar andere sehenswerte Bauwerke: natürlich die Brücke (mit dem nicht eingerüsteten Schlossturm im Hintergrund), die Kirche Notre-Dame-des-Carmes von 1411 und die Ruine der Eglise de Lambour aus dem 13. Jh. Diese ließ Louis XIV. 1675 zusammen mit weiteren Kirchen in der Gegend zerstören, als Reaktion auf eine Bauernrevolte (die sog. Rot-Kappen-Revolte), die sich gegen die gerade erhöhten königlichen Steuern richtete.










Pont l’Abbé bietet noch einige nette kleine Einkaufsstraßen, durch die wir bummeln, dabei in den ein oder anderen Laden schauen.

Nach ungefähr einer Stunde fahren wir weiter. Da sich nun immer mal wieder die Sonne zeigt, wollen wir nochmal zur Pointe de la Torche fahren. Und das lohnt sich.

Es ist nicht nur bessere Sicht, sondern auch noch Flut, so dass die Felsen immer wieder vom Wasser überflutet werden. Einige (Kite) Surfer sind unterwegs, die wir ein bisschen beobachten und wir entdecken nun auch den Dolmen am höchsten Punkt der Landzunge, der hatte sich heute Vormittag im Nebel versteckt.









Von der Pointe de la Torche ist es nicht weit zum Phare d’Eckmühl in Penmarc’h. Den 65 m hohen Granitleuchtturm (der mit der weißen „Haube“) haben wir bereits 2014 besucht und auch die Aussicht von oben genossen, daher können wir uns heute (mein Knie ist froh darüber, die 307 Stufen bzw. 614, man muss ja auch wieder runter, nicht bewältigen zu müssen) auf den Blick von außen beschränken.

Der deutsche Name stammt vom napoleonischen General Davout, der von Napoleon wegen seiner Verdienste beim Sieg der Franzosen bei der Schlacht im bayerischen Eckmühl den Titel „Prinz von Eckmühl“ verliehen bekam. Die Tochter dieses Prinzen wiederum vererbte dem französischen Staat 1892 ihr Vermögen oder ein Teil davon mit der Auflage es für den Bau eines Leuchtturms einzusetzen und diesen nach ihrem Vater zu benennen – eine kuriose Geschichte.


Der kleinere Leuchtturm ist der Vorgängerbau und dient heute als Museum. Die beiden kleineren Türmchen ganz vorne am Wasser sind ein Kirchturm und der Weiße der Vor- vorgänger zum heutigen Phare d’Eckmühl.

Vom Leuchtturm fahren wir zurück in unsere Unterkunft.

Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags teils sonnig, teils wolkig, ca. 15-18°C

Das mit der Karte funktioniert heute leider nicht, statt der Karte wird dieser Text angezeigt:" Google Maps Platform rejected your request. Invalid request. Invalid 'pb' parameter."


LG Christina

Ilona

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4366
  • Slot Canyon Addict
    • Amerika und wandern
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #54 am: 22. August 2025, 13:53:07 »
Das Wetter besserte sich im Laufe des Tages und der Durchfall hoffentlich auch.

Solche Unpässlichkeiten im Urlaub kann man nicht brauchen, aber leider auch nicht verhindern.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Silvia

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 2599
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #55 am: 22. August 2025, 14:26:48 »
Schöne Mischung in den zwei Tagen ... das Schiffsmuseum sah teilw. eher nach Schiffsfriedhof aus,  Locronan ist wirklich reizend anzusehen, manchmal finde ich es auch sehr seltsam das manche Orte Touristen irgendwie verschlucken  :gruebel:   - wobei fototechnisch es ja glücklicherweise so besser ist.

Kirchenruinen, Dolmen und Strandwanderung - ein perfekter Tag  :)  ... wäre es ohne Durchfall und Fußprobleme  :traurig:

Paula

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4735
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #56 am: 23. August 2025, 17:00:43 »
Ah ärgerlich, dabei sah das Essen gestern auf deinen Fotos so lecker aus!
Kirchenrouinen gehören zu Josefs bevorzugten Fotomotiven. Ich finde es erstaunlich dass die Rosette so gut erhalten ist.
Gut dass ihr heute einen ruhigeren Tag hattet und die hohen Wellen am Strand mit schönerem Licht sind wirklich beeindruckend.
Viele Grüße Paula

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3600
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #57 am: 25. August 2025, 17:31:59 »
Ah ärgerlich, dabei sah das Essen gestern auf deinen Fotos so lecker aus!


Das Essen war lecker, der Durchfall hatte damit vermutlich nichts zu tun, vielleicht habe ich den Apfelsaft nicht gut vertragen.


LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3600
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #58 am: 25. August 2025, 17:46:03 »
10. Tag, Mittwoch, 28.05.

Heute wird nochmal gewandert, es ist unser letzter voller Urlaubstag und somit gibt es keinen Grund zur Schonung unserer diversen Wehwehchen mehr.

Der Himmel zeigt sich am Morgen mal wieder sehr trüb, vielleicht wird es im Laufe des Tages besser, wir gehen erstmal unseren Supermarkteinkauf erledigen, Proviant für die Heimfahrt morgen und ein paar leckere französische Lebensmittel für die erste Zeit zu Hause.

Gegen 10 Uhr fahren wir dann Richtung Nordwesten zum Ausgangspunkt der Wanderung an der Baie des Trépassés. Hier und auch an der benachbarten Landzunge Pointe du Raz waren wir während unseres 2014er Urlaubs schon, allerdings haben wir damals nur jeweils einen Fotostopp gemacht, wegen des schlechten Wetters.

Das Wetter ist heute nicht viel besser, nachdem wir die Toiletten genutzt haben, starten wir aber trotzdem gegen 11 Uhr die Wanderung Nr. 32 des Rother Wanderführers bzw. einen Teil davon.

Auf einem schmalen Pfad geht es recht steil bergauf, die tiefhängenden Wolken verhindern zunächst jeglichen Blick hinüber zur Pointe du Raz.




Dann geht es einigermaßen eben weiter um die nächste Bucht herum und nun lichten sich auch endlich Nebel und Wolken und wir können einen Blick auf die zerklüftete Pointe du Raz mit ihrem Leuchtturm werfen. Aber auch die andere Richtung ist einen Blick wert.






Nun steht der nächste steile Anstieg an, ein Schild warnt vor einem extrem ausgesetzten Weg mit Absturzgefahr und schlägt einen einfacheren Umleitungsweg etwas von der Küste entfernt vor. Na ja, ich wäre den Küstenpfad gegangen, aber da Peter Höhenangst bzw. Höhenschwindel hat, gehen wir lieber kein Risiko ein und folgen dem Umleitungsweg. Das stellt sich allerdings als keine so tolle Idee heraus, der Pfad wird wohl kaum begangen und führt durch mehr als Hüfthoch gewachsene Pflanzen, die wegen des Nebels alle nass sind, so dass wir bald mit nassen Schuhen und Hosen dastehen. Klar, die Wanderschuhe sind wasserdicht, aber dennoch kein Spaß hier zu laufen.

Wie lange die Umleitung ist, wissen wir nicht, es ist inzwischen Mittag und wir machen unsere Pause an einer weniger dicht bewachsenen Stelle, aber im Stehen, denn Felsen zum Sitzen gibt es hier nicht.

War fast schon klar, nur kurze Zeit nach unserer Pause sind wir wieder am Hauptweg mit tollen felsigen Sitzgelegenheiten und schönem Ausblick.


Bald erreichen wir die Landspitze Pointe du Van mit der Kapelle St. They aus dem 15. Jh. Die Küste hier ist wirklich beeindruckend mit den vielen Felsvorsprüngen und kleineren und größeren Buchten.




Leider sind die rosa Blumen (das sind glaube ich Strandnelken) überwiegend schon verblüht, aber es gibt viele gelb blühende Pflanzen (vermutlich Ginster), ein schöner Anblick.




Hier an der Pointe du Van sind einige Leute unterwegs, denn ein Parkplatz ist nicht weit. Sobald wir uns davon entfernen und unsere Wanderung auf dem Küstenpfad fortsetzen, wird es wieder einsam.

In leichtem bergauf und -ab geht es vorbei an Felsvorsprüngen und kleineren Buchten den Küstenpfad entlang. Die Sonne kommt hin und wieder raus und dann kommen die wunderschönen Blautöne des Wassers erst richtig zur Geltung.







Nach ungefähr zwei Stunden führt uns die Wanderung dann schließlich weg von der Küste und über landwirtschaftliche Wege im Landesinneren zurück zum Parkplatz, den wir nach 9,54 km und 240 Höhenmetern erreichen.

Leider will es nicht so richtig sonnig werden, ich gehe trotzdem noch kurz an den Strand, nun ist Flut und ein paar Surfer sind im Wasser, die Wellen sind ziemlich hoch.



Dann fahren wir Richtung Ferienwohnung. An einer Waschanlage zum selber Waschen machen wir das Auto sauber, der häufige Nieselregen und die nicht geteerten Parkplätze haben für einigen Dreck gesorgt, da bekommt man beim Kofferraum beladen und ein-/aussteigen ständig eine dreckige Hose.

Wir tanken noch und holen nochmal frisches Baguette.

In der Unterkunft wird gepackt, schon mal etwas ins Auto geladen und zu Abend gegessen. Da es weiterhin trüb ist, lohnt sich ein abendlicher Spaziergang nicht.

Wetter: bewölkt, neblig, kurzer Nieselregenschauer, kurz mal sonnig, ca. 15-18°C
Wanderung: Rother Bretagne Nr. 32 (teilweise), 9,54 km, 240 Höhenmeter



LG Christina

Ilona

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4366
  • Slot Canyon Addict
    • Amerika und wandern
Re: Die Mischung macht's - Normandie und Bretagne im Mai 2025
« Antwort #59 am: 26. August 2025, 11:58:36 »
Eine schöne Küstenwanderung zum Abschluss :thumb:.

Wir hätten keine Umleitung genommen. Erst einmal wird die Strecke getestet, denn umdrehen kann man immer noch.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)