8. Tag – Montag, 26.05.Leider sind wir heute etwas eingeschränkt und nicht etwa wegen meines Knies (das macht so problemlos mit bisher, dass ich am Zweifeln bin, ob eine Operation überhaupt nötig ist), sondern wegen Fuß-/Beinproblemen bei Peter. Wie schon in vielen vorherigen Urlauben hat er nach den, im Vergleich zum Alltag, vielen Stadtspaziergängen und Wanderungen der letzten Tage, Schmerzen am Bein zwischen Schienbein und Knöchel, so dass er heute nicht allzu viele Kilometer zurücklegen können wird.
Ich bin ein bisschen verärgert, denn er hätte dieses Problem schon längst zu Hause mal angehen können, aber alle meine Versuche, ihn zum Besuch beim Orthopäden zu überreden scheitern immer, zu Hause tut es ja auch nicht mehr weh. Aber nun gut, es hilft alles nix, eine Wanderung machen wir heute nicht, wir fahren zunächst mal ins Städtchen Douarnenez, mal sehen, wie weit wir dort kommen.
Douarnenez hat einen bedeutenden Fischerhafen, es liegt auf Platz 6 frankreichweit, die Blütezeit ist aber vorbei, die war Mitte des 19. Jh. als nach der Erfindung der Konservendose Fisch plötzlich sehr lange haltbar gemacht werden und damit auch in weit entfernt liegende Gegenden verkauft werden konnte. Eine besondere Rolle spielte dabei die Sardine, die in Massen in den Gewässern vor Douarnenez auftrat und als Konserve einen sehr hohen Preis erzielte, Frankreich hatte da eine Zeitlang eine Monopolstellung inne. Nun konnten nicht nur die Fischer und die Händler am Fisch verdienen, nun kamen zahlreiche Arbeitsplätze in den Konservenfabriken dazu.
Gegen Ende des 19. Jh. blieben plötzlich die Sardinenschwärme aus, die meisten Fabriken mussten schließen, in der Stadt herrschte Massenarbeitslosigkeit. Es wurde dann zwar in den kommenden Jahren wieder besser, die Sardine kehrte zurück, neue Fangmethoden erhöhten die Gewinne, aber eine Rückkehr zum „alten Glanz“ gelang nicht mehr.
Nach einer Stunde Fahrt finden wir gegen 9 Uhr ein Plätzchen auf einem großen, kostenlosen Parkplatz im Stadtzentrum von Douarnenez. Von hier spazieren wir bergab zum alten Hafen Port du Rosmeur, der heute nur noch von kleinen Fischerbooten und Yachten genutzt wird. Sehr hübsche Anblicke bieten sich hier mit den bunten Hausfassaden, dem Grün am Ufer und dem (noch vorhandenen) leichten Sonnenschein.
Vom alten Hafen geht es weiter zum modernen, von dem aber außer ein paar Hallen nichts zu sehen ist
und dann bergauf vorbei an einem kleinen Sandstrand, an dem sich ein paar Frauen tatsächlich ins Wasser wagen, bis zum Zugang zur Ile Tristan. Diese kann nur bei Ebbe betreten werden und steht unter Naturschutz.
Ungeplant ist gerade Ebbe und wir können ein paar Leute beobachten, die über die nassen Steine und Felsen zur Insel hinüberwandern. Ich würde am liebsten auch zur Insel, da Peter aber schon wieder Schmerzen hat, leider aber auch nicht auf der Bank, von der man den gesamten Weg zur Insel und die Insel selbst sehen kann, auf mich warten, sondern mitgehen würde, verzichte ich lieber.
Nach einer Pause setzen wir unseren Spaziergang entlang der Wasserlinie fort. Das Meer hat auf der anderen Seite des Stadtzentrums einen tiefen flussartigen Einschnitt geformt. Gegenüber ist der Ortsteil Tréboul mit Yachthafen zu sehen, entlang des „Flusses“ liegen zahlreiche Boote vor Anker, darunter auch sehr alte, etwas weiter hinten beginnt ein Museumshafen.
Eine Kaffeepause wäre nun ganz schön, wir gehen daher ins Stadtzentrum, nun wieder steil den Berg hinauf durch teils sehr idyllische Gassen,
finden aber erstaunlicherweise kein einziges Café. Schließlich landen wir wieder am alten Hafen, dort gibt es eine ganze Reihe von Cafés und Restaurants.
Nach der Pause gehen wir zurück zum Museumshafen und schlendern an diesem entlang, es gibt auch zahlreiche ziemlich verwitterte Schiffe, die meisten leider nicht erreichbar am gegenüberliegenden Ufer am Waldrand. Einige dieser Schiffe warten auf ihre Restaurierung, denn der Erhalt der alten Techniken des Schiffsbaus ist das Hauptanliegen des Museumshafens.
Ein paar Restaurants gibt es auch hier, da sind wir vorhin bei der Suche nach einem Café zu früh Richtung Innenstadt abgebogen.
Zum Mittagessen entscheiden wir uns fürs „L'Amuse-Louche“ (Wortspiel mit „Amuse bouche“ = Vorspeisenhäppchen, „louche“ = Suppenkelle), heute haben wir wieder ein glückliches Händchen bei der Wahl, wir bekommen auch ohne Reservierung einen Tisch, in der nächsten halben Stunde füllt sich das Lokal dann bis auf den letzten Platz.
Das Essen ist super lecker (EUR 50,00), wir nehmen beide das 2- Gang – Menü, ich mit Gazpacho als Vorspeise und als Hauptgericht (mal wieder) ein Seehecht mit Reis und Gemüse, Peter hat Cannelloni (mit einer grünen Soße anstelle von Tomatensoße) und als Nachtisch ein himmlisches Schokoladeneis und eine Profiterole. Zum Trinken bestellen wir neben der Wasserkaraffe einen Apfelsaft mit Kohlensäure (Bulle de Pommes), davon hatte ich bei der Reisevorbereitung zum ersten Mal gelesen, das schmeckt fast wie Cidre, ist aber alkoholfrei. Der Saft schmeckt sehr gut, da müssen wir im Supermarkt ein paar Flaschen für zu Hause mitnehmen.
Nach dem Essen bummeln wir noch über die Fußgängerbrücke auf die andere Seite des Meeresarms zum Yachthafen von Tréboul, von hier hat man einen schönen Blick auf den Museumshafen mit der Altstadt im Hintergrund und auf die Ile Tristan (nun bei Flut).
Gegen 14 Uhr sind wir zurück am Auto. Zweites Ziel heute ist das nahegelegene Örtchen Locronan. Dieses ist bekannt für seine gut erhaltenen Granithäuser aus dem 16. – 18 Jh., eine Zeit des Reichtums, der auf der Herstellung von Segeltuch gründete. Es galt als das beste Segeltuch zwischen Spanien und Schottland, z.B. der spanische König ließ es für seine Flotte verwenden. Mit dem Aufkommen der industriellen Tuchherstellung in England und der Dampfschifffahrt ging diese erfolgreiche Epoche für Locronan zu Ende.
Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Einwohner aber einen Ersatz: den Tourismus und hin und wieder die Filmindustrie. Leider merkt man dies aber heute, denn der Ort fühlt sich an wie ein Disneyland. Am Ortseingang ist ein riesiger Parkplatz, natürlich kostenpflichtig (EUR 5 für den ganzen Tag, eine kleinere Einheit gibt es nicht), der jetzt im Mai zu etwa einem Drittel gefüllt ist, dennoch fragen wir uns, wo all diese Touristen plötzlich herkommen bzw. sich sonst aufhalten, da sind reihenweise Autos aus Deutschland, Schweiz, Niederlande, Belgien – sonst sieht man ausländische Autos nur vereinzelt, am ehesten noch Deutsche. Im recht kleinen Ort reihen sich Restaurants und Souvenirgeschäfte aneinander, normales Leben gibt es nicht mehr. Aber immerhin, es gibt einige sehr idyllische Ecken und damit schöne Fotomotive, auch ist es erstaunlich leer, wo sind die Leute, deren Autos vorne parken?





Nach zwanzig Minuten haben wir alles gesehen und fahren mit einem Stopp beim Supermarkt zurück in die Ferienwohnung.
In Guilvinec scheint die Sonne – juhu! Wir machen Kaffeepause, Peter möchte dann seinen Fuß schonen, ich mache mich daher alleine gegen 17 Uhr auf den Weg, bisher waren wir ja nur am kleinen Felsstrand vor der Unterkunft, im Ortskern und am Hafen, in die andere Richtung gibt es einen langen Sandstrand, dorthin spaziere ich nun.
Parallel zum Strand verläuft in den gras- und blumenbewachsenen Dünen ein Holzbohlenweg, später Erdweg, dem ich ein ganzes Stück folge.
An einem Teil des Strands sind viele Surfer, denen ich schaue ich eine Weile zu, bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache.
Wetter: bewölkt; nachmittags, abends in Guilvinec sonnig, ca. 15°-18°C