14. Oktober Ronda - Camino del Tajo & El MercadilloWie schon kurz erwähnt ist dies nicht unser erster Besuch von Ronda. Zwar ist der letzte nicht ganz so lange her, wie ich erst dachte, doch immerhin auch schon 15 Jahre.
Die Stadt liegt auf einer Höhe von 723 m in der gleichnamigen Sierra und zwar auf einem rundum steil abfallenden Felsplateau. Mitten durch geht eine etwa 100 m tiefe Schlucht des Río Guadalevín, El Tajo genannt.

Kachelbild der Stadt
Gesiedelt wurde dort schon in der Steinzeit; Spuren dazu – sprich Höhlenmalereien - in der 20 km entfernten
Cueva de la Pileta. Es folgten Phönizier, Kelten, Griechen, Römer, Byzantiner und schließlich anno 713 die Mauren. Der Statthalter in Al-Andalus ließ eine Burg auf den Ruinen der römischen Befestigungsanlagen an der Südseite der Schlucht errichten. Darum herum entstand
La Ciudad. Der jüngere Stadtteil
El Mercadillo auf der anderen Schluchtseite entwickelte sich erst nach der Rückeroberung durch die Christen.
Wir fahren mit dem Roller bis zum Platz beim alten Stadttor Almocábar und parken dort. Weiter oben soll es nämlich wieder Zonen geben, in denen nur Anwohner fahren dürfen. Durch Gassen und über Treppen vorbei an Überresten der Maurenburg spazieren wir hinauf zur
Plaza Duquesa de Parcent. Der Platz ist nett bepflanzt, an drei Seiten flankieren ihn Kloster und Kirche
Colegiata de Santa María la Mayor. Diese wurden Ende des 15. Jahrhunderts unter König Ferdinand II. an Stelle der früheren großen Moschee der Stadt erbaut. Das Minarett wurde zum Glockenturm umgebaut, wie so oft in den Orten Andalusiens. Wir sind nicht ganz sicher, ob das Gebäude an der letzten Längsseite das Rathaus oder - wegen der vielen Streifenwagen - die Polizeidirektion ist.

Dort oben gibt es auch einen gebührenpflichtigen Parkplatz, der schon gefüllt zu sein scheint. Wir spazieren weiter durch die Gassen und kommen dabei am Palacio de Mondragón vorbei. Dies ist eines der wenigen arabischen Herrenhäuser, die nach einem Erdbeben 1580 wiederaufgebaut wurde. Heute beherbergt es das Museum für Lokalgeschichte. Leider versäumen wir es den Palast zu besuchen. Als nächstes kommen wir zur
Plaza de María Auxiliadora. Hier herrscht ziemlicher Trubel: Verkaufsstände von Künstlern, Musiker und viele Besucher, insbesondere französische Schulklassen. Für Bilder von dem an sich hübschen Platz steht immer wer im Weg

Der liefert außerdem schon mal Ausblicke auf die westlichen Klippen und ist Startpunkt für den Wanderweg hinunter zu Aussichtspunkten auf die Schlucht El Tajo.

Wir lassen den Schulklassen den Vortritt und folgen ihnen unauffällig den gepflasterten Weg hinunter, zumindest bis zum weißen
Casa de Monolillo. Dort beginnt nämlich der am 18. April 2024 eröffnete
Camino del Desfiladero del Tajo. Er ersetzt den alten Trampelpfad und ist besser gesichert. Für 5 Euro pP erhalten wir Haarnetz und Helm und dürfen dem ersten Abschnitt bis fast auf den Grund der Schlucht folgen. Wie wir später noch sehen werden, wurde bereits damit begonnen, den Weg durch die gesamte Schlucht hindurch zu verlängern.
Schon bald kommt Rondas berühmtestes Bauwerk in Sicht: die im 18. Jahrhundert erbaute
Puente NuevoSie verbindet seitdem auf 98 m Höhe die beiden Ortsteile. Der schon frei gegebene Teil des Camino endet am Fuß des Brückenpfeilers. Von dort aus sehen wir die alte Wasserleitung, die einst für den Betrieb von Mühlen genutzt wurde. Von denen sind noch Ruinen erhalten.
Weitere Eindrücke vom Camino

Bei der Casa wurde ein Mirador angelegt, zu dem man allerdings nur nach Rückkehr vom Camino kommt. Letzte Blicke auf Brücke und Schlucht - zumindest von dieser Seite


Hier unten waren wir vorher noch nie. Der Weg von der Plaza aus führt noch weiter bergab, u.a. zu den Mühlenhäusern. Wir steigen jedoch wieder nach oben, spazieren weiter bis zur Brücke und queren diese. Da ist nun wirklich richtig viel Betrieb, auf Straße wie auf den Fußwegen

Uns kommt eine Reiseleiterin mit TUI Schildchen entgegen. Das veranlasst Kersten sein Schiffsradar zu checken. Yep, im Hafen von Malaga liegen zwei Kreuzfahrtschiffe, daher also all die Grüppchen hier.
Ausblicke von der Brücke aus
Der
Parador de Ronda liegt direkt am nördlichen Ende der Brücke; an dem Gebäude wird gebaut. Deshalb sind einige der uns bekannten Miradores nicht zugänglich. Weiter geht's zur
Plaza de Toros. Ronda ist auch bekannt für seine Stierkampfarena, eine der ältesten Spaniens. Hier soll eine eigene Art dieses Wettkampfs erfunden worden sein. Wir haben keine Lust, diese und das angeschlossene Museum zu besichtigen, daher habe ich ein Bild aus 2004 eingefügt.

Es ist schon verlockend, sich in eine der Kutschen zu setzen und herumfahren zu lassen. Tapfer widerstehen wir

und schauen uns im Park
Blas Infante um. Neben dem vielen Grün fallen hier die Statuen auf.

Ernest Hemingway nahm in seinem Roman
Wem die Stunde schlägt Bezug auf tatsächliche Vorgänge in Ronda zur Zeit des Spanischen Bürgerkrieges. Orson Welles verbrachte als 18-Jähriger einen Sommer hier und war sehr beeindruckt von der Stadt. Auch weitere Berühmtheiten lebten zeitweise hier. 1984 verfilmte dort Francesco Rosi die Oper Carmen mit Julia Migenes und Plácido Domingo. Madonna nutzte Rondas Stierkampfarena 1994 als Kulisse in ihrem Video
Take a Bow.
In der südwestlichen Ecke gibt es einen Aussichtpunkt mit Pavillion. Von dort aus können wir hinüber schauen zur Felswand mit dem Camino del Tajo.

Der Weg um die Ecke herum zurück zur Brücke ist wahrscheinlich ebenfalls wegen der Baustelle am Parador abgesperrt.
Wir bummeln zurück zur Stierkampfarena und weiter durch die Gassen bis zur Plaza del Soccoro mit der
Kirche Nuestra Señora del Socorro. Leider nicht offen.

Das Denkmal von Herkules mit den Löwen stand früher mal in einem Brunnen.
Fortsetzung folgt...